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Karlsruhe Karlsruhe will keine Wildtiere in Zirkussen mehr - Circus Krone plant, das Verbot auszuhebeln

Zirkusse mit gefährlichen Wildtieren sollen nicht mehr auf Karlsruher Flächen gastieren dürfen - das hat der Gemeinderat im September 2018 beschlossen. Am 1. Mai schlägt der Circus Krone sein Zelt auf dem Messplatz auf - mit einem Programm, bei dem die "Grenzen zwischen Tier und Mensch verschwimmen" sollen. Neben preisgekrönten Akrobaten seien auch Tiger und Löwen mit von der Partie. Wie passt das mit dem in Karlsruhe geplanten Verbot von Wildtieren im Zirkus zusammen?

Das Thema ist ein langwieriges: Seit 2010 diskutieren Stadträte und Bürgermeister in Karlsruhe über Wildtiere im Zirkus. Im September 2018 entschied sich der Gemeinderat - entgegen der Empfehlung der Statdverwaltung - für ein Verbot von Zirkusaufführungen mit gefährlichen Wildtieren.

Jahrelange Debatte um Zirkustiere

Der Stadtrat stütze sich bei seiner Argumentation 2018 nicht auf ein Wildtierverbot aus tierschutzrechtlichen Aspekten, sondern führt Argumente der allgemeinen Gefahrenabwehr an: Während sich die gescheiterten Anträge der Grünen auf das Argument des Tierwohls gestützt haben, begründete die SPD-Fraktion ihre Forderung mit der Gefahr, die von einigen Tieren für den Menschen ausgeht - mit Erfolg.

Dennoch hoffe man im Lager der Grünen weiterhin darauf, dass ein "Wildtierverbot" auf Bundesebene im Tierschutzgesetz verankert werde und wolle diesbezüglich auch auf kommunaler Ebene weiterhin aktiv bleiben.

Welche Tiere sind gefährlich?

Doch welche Tiere sind gefährlich? Das erarbeitet derzeit die Stadtverwaltung. Nach dem Beschluss stand die Stadt vor der Aufgabe, zu definieren, bei welchen Tieren es sich um "gefährliche" Tiere handelt. Dazu musste sich die Stadtverwaltung eine Expertise einholen. "Mittlerweile hat die Stadtverwaltung eine Liste der gefährlichen Tiere in den Blick genommen", so die Karlsruher Grünen-Fraktion.

Blick in den Sitzungssaal im Rathaus. | Bild: Tim Carmele | TMC Fotografie

In der Zwischenzeit wurden keine neuen Pachtverträge mit Zirkussen abgeschlossen, die Wildtiere mit sich führen. Aus Gründen des Vertrauensschutzes werden jedoch Verträge erfüllt, die zum Zeitpunkt des Gemeinderatbeschlusses bereits abgeschlossen waren.

Dies sei auch der Grund, warum Ende 2018 noch einmal der Weihnachtszirkus zu Gast war, der allerdings nur Pferde und Bisons dabei hatte. Auch mit dem Circus Krone wurde bereits ein Vorvertrag für seine Spielzeit im kommenden Mai abgeschlossen.

Circus Krone: "Gegen Städte mit Wildtierverbot klagen wir"

Der Circus Krone selbst zeigt sich bisweilen eher unbeeindruckt von den politischen Bestrebungen des Gemeinderats. "Gegen Städte mit einem kommunalen Wildtierverbot klagen und gewinnen wir", so Frank J. Keller, der Tierschutzbeauftragte des Circus Krone.

Keller verweist dabei auf die Städte Darmstadt und Chemnitz, in denen der Zirkus erfolgreich geklagt hatte, da solch ein Verbot einen Eingriff in die Berufsfreiheit darstelle. Generell hält Keller die Debatte um Wildtierverbote für unbegründet.

Tiere im Zirkus Krone
Ein Elefant des Zirkus Krone (Symbolbild). | Bild: Sina Schuldt

Bei besagten Tieren handelt es sich seiner Meinung nach nicht um Wild-, sondern um Zirkustiere, die im Zirkus geboren sind, groß und vor allem alt werden. Von ihnen gehe daher keine größere Gefahr als von einem Kampfhund aus. Kritischen Stimmen entgegnet er, dass im Circus Krone kein Tier zu etwas gezwungen werde.

"Dann nehmen wir uns halt ein Privatgelände"

Alle Darbietungen würden auf den natürlichen Bewegungsabläufen der Tiere basieren, welche lediglich auf Abruf gezeigt werden. Auch auf die Frage, wie es im Falle eines künftigen Verbotes weitergeht, antwortet Keller: "Sollte eine Stadt ihre öffentlichen Flächen nicht mehr zur Verfügung stellen, nimmt sich der Circus einfach ein Privatgelände. Was hat das dann mit Tierschutz zu tun?"

Die Karlsruher SPD-Gemeinderatsfraktion sieht in der Aussage des Circus Krone, im Falle der Verweigerung öffentlicher Flächen der Stadt ein Privatgelände zu nehmen, hingegen einen "ausgemachten Bluff". In Anbetracht des enormen Platzbedarfs - sei es für das Zirkuszelt, die Auslaufflächen der Tiere oder großflächige Parkmöglichkeiten - würde sich die Suche nach einem Privatgrundstück sicher schwierig gestalten.

Die Tiere, die ein Zirkus dabei hat, brauchen eine Auslauffläche (Symbolbild). | Bild: ErS

Erschwerend kämen Anforderungen an die kommunale Infrastruktur hinzu, beispielsweise Wasser- oder Stromanschlüsse sowie eine gute Verkehrsanbindung. "Selbst wenn ein solch großes Privatgelände vorhanden wäre, müsste eine Genehmigung für Gewerbe vorhanden sein", so die SPD weiter.

Erfolgreiche Verbote in über 100 Städten

Dass Verbote erfolgreich sein können, zeige sich mittlerweile in über 100 deutschen Städten. "Wenn Prozesse zugunsten der Zirkusse entschieden werden, dann weil die Beschlüsse der Räte allein aus tierschutzrechtlichen Erwägungen getroffen wurden", sagen die Karlsruher Sozialdemokraten gegenüber ka-news.

Die Stellungnahme des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg untermauerte dabei zunächst die Aussagen des Zirkus, dass ein Wildtierverbot nicht mit der Berufsfreiheit des Grundgesetzes in Einklang zu bringen sei.

Wildtierverbot I
Bald keine Wildtiere mehr im Zirkus? Hier Kamele in der Manege des "Circus Carl Busch". | Bild: Photographer: Sascha Humpel

Aus diesem Grund habe man sich in der SPD-Fraktion bewusst für einen "Antrag auf Gefahrenabwehr" entschieden, da das Halten von Wildtieren in Zirkussen nicht nur ein Tierschutzproblem sei, sondern auch ein zunehmendes Sicherheitsrisiko darstelle. Die Gefahr für Leib und Leben der Zirkusbesucher, Dompteure und Tierpfleger wiege dann höher als ein Eingriff in die Berufsfreiheit.

Die Tatsache, dass der Antrag von der Jugendorganisation der SPD, den Jusos, initiiert wurde, zeige außerdem, dass das Halten von wilden Tieren in Zirkussen vor allem in den jüngeren Generationen nicht mehr als zeitgemäß empfunden werde.

Andere Länder haben bereits Tierverbote in Zirkussen

Auch der internationale Vergleich war für die SPD-Fraktion Grund genug, die Initiative zu ergreifen: "Bezüglich des Wildtierverbots ist Deutschland trauriges Schlusslicht in Europa; bei den Wildtierunfällen trauriger Vorreiter. Andere Länder wie Italien oder Irland haben bereits seit längerem ein komplettes Tierverbot in Zirkussen erwirkt." Hierzulande blicke man hingegen auf eine lange Chronik von Unfällen und Ausbrüchen im Zusammenhang mit Zirkustieren.

SPD: Tiere bleiben unberechenbar

Besonders bei Tieren, die bereits wegen ihrer Größe, ihres Gewichtes oder ihrer Kraft - man denke beispielsweise an Nashörner, Flusspferde oder Elefanten - oder anderer Eigenschaften, wie etwa die Gefahr von Bissverletzungen bei Raubkatzen, ein erhöhtes Risiko darstellen, sehe man dringenden Handlungsbedarf.

Für besonderes Aufsehen sorgte dabei ein Fall des Circus Krone in Osnabrück, bei dem ein Elefant während einer Vorstellung in den Zuschauerbereich gestürzt ist, weil er von einem Artgenossen geschubst wurde.

Nach Meinung der SPD-Fraktion erkenne man daran eindeutig, dass es sich eben doch um unberechenbare wilde Tiere und "keine neue Spezies der Zirkustiere" handelt, deren artgerechte Haltung in Zirkussen nicht möglich sei.

Prominente appellieren an Zirkus Krone

Mit einem bundesweiten offenen Brief meldeten sich im März auch zahlreiche Tierschutzorganisationen und Personen des öffentlichen Lebens zur Thematik zu Wort. In ihrer Ansprache appellieren sie an den Circus Krone, den ersten Schritt in Sachen Tierschutz zu machen und die Elefanten in den Ruhestand zu schicken.

"Sollte Ihnen etwas an den Elefanten liegen, so setzen Sie diese nicht weiterhin den Strapazen aus und führen Sie diese nicht weiterhin vor, bis das letzte Tier tot in der Manege zusammenbricht", so die Tierschützer. Allein in der vergangenen Tour im Jahr 2018 wurden die Tiere mehr als 3.000 Kilometer quer durch Deutschland transportiert und mehr als zehn Stunden am Tag angebunden, heißt es weiter.

Die Absender, zu denen neben den Tierrechtsorganisationen Peta und Pro Wildlife unter anderem auch die Musiker Giovanni Zarrella und Thomas Dürr von den Fantastischen Vier gehören, fordern daher den Ruhestand für die Elefanten des Circus Krone sowie deren Unterbringung in sorgfältig ausgewählten zoologischen Einrichtungen.

ELefanten im Zoo II
Elefantin Nanda in ihrer Altersresidenz. | Bild: Zoo Karlsruhe/Timo Deible

Solch eine Einrichtung könnte beispielsweise der Karlsruher Zoo sein. Dessen Altersresidenz für Elefanten kümmert sich um nicht mehr reisende Zirkuselefanten oder nicht mehr in einem Familienverband lebende alte Elefantenkühe aus anderen Zoos. Als erster Elefant für die Altersresidenz kam im Juni 2016 Nanda, eine 49 Jahre alte Elefantendame aus einem Zirkus, die fast blind ist, in das Karlsruher Dickhäuterhaus dazu.

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Kommentare (22)
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  •   smares
    (8 Beiträge)

    10.04.2019 08:29 Uhr
    Horizont wie ein Bierdeckel
    Ich frage mich wie dumm man sein muss, die nicht artgerechte Haltung von Zirkustieren zu unterstützen und gut zu heißen mit dem Argument, dass anderswo Tiere schließlich auch gequält werden (vgl. Argumente mit Zoos sowie Massentierhaltung für die Lebensmittelindustrie). Nach dem Prinzip könnte man aufhören überhaupt irgendwas Positives zu tun. Strafen fürs Morden, Diebstahl oder Vergewaltigung? Woanders werden doch auch Verbrechen begangen.
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  •   andip
    (9643 Beiträge)

    08.04.2019 08:46 Uhr
    Eine Frage
    Wann wurde das letzte Mal jemand von einem Zirkustier verletzt?
    Gegen Zirkustiere kann man manches sagen, aber deren Haltung mit dem Argument verbieten wollen, die seien zu gefährlich, passt nicht.
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  •   bingobongo
    (257 Beiträge)

    08.04.2019 08:57 Uhr
    2015
    https://www.bild.de/news/inland/elefant/ausgebrochener-zirkus-elefant-toetet-mann-41344596.bild.html

    So long.
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  •   Chrisdo
    (2 Beiträge)

    07.04.2019 21:18 Uhr
    Traurig
    Traurig, dass man ein Verbot aus Tierschutzgründen nicht Durchbekommt traurig

    Aber wir können selbst etwas tun, bzw. nicht tun. Ich werde diese Ausbeutung von Tieren nicht mit meinem Geld unterstützen und hoffe, dass viele andere das auch tun und die Sitze leer bleiben
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  •   bergdoerfler
    (1627 Beiträge)

    07.04.2019 16:35 Uhr
    Und wie steht es mit der Massentierhaltung?
    Geflügel, Schweine und Rinder in Boxen gepfercht. Wo bleibt hier der Tierschutz? Da regt sich hier keiner auf. Ich denke im Zirkus sind die Tiere doch noch besser aufgehoben als in den Massentierställen. Durch die Arbeit der Dompteure haben sie auch Abwechslung und Beschäftigung außerhalb ihres Käfigs.
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  •   Chrisdo
    (2 Beiträge)

    07.04.2019 21:24 Uhr
    Nicht artgerecht
    Ich glaube nicht, dass die sogenannten “Wild”Tiere im Zirkus besser aufgehoben sind, Kein Tier lebt artgerecht in Gefangenschaft!

    Die Massentierhaltung ist in der Tat auch ein Problem über das sich viel zu wenig aufgeregt wird, aber auch hierfür gibt es eine einfache Lösung: keine Tiere essen!
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  •   amico
    (6 Beiträge)

    07.04.2019 14:29 Uhr
    Boykott
    diese gerichtlichen Urteile und die ganze Diskussionen können gaaaanz einfach erledigt werden.
    Kein Zirkusbesuch mehr mit Wildtieren und kein Zirkus kommt mehr, basta !
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  •   kawai
    (135 Beiträge)

    07.04.2019 11:59 Uhr
    Anachronistisch
    Klar, es ist nur ein Problem von vielen in diesem Themegebiet. Aber ich halte die Zurschaustellung von solchen Tieren in so einem albernen Kontext einfach für nicht mehr zeitgemäß. Ich denke da wird man sich eher kurz- als langfristig nach einem zukunftsfähigerem Geschäftsmodell umsehen müssen.
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  •   barheine
    (89 Beiträge)

    07.04.2019 11:23 Uhr
    Gute Zirkusse...
    ...kommen ohne Tiere aus. Siehe Cirque du Soleil oder chinesischer Nationalzirkus.
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  •   teflon
    (2652 Beiträge)

    07.04.2019 11:33 Uhr
    Stimmt - in
    Karlsruhe kann das auch das Rathaus perfekt übernehmen
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