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Karlsruhe Karlsruhe und seine kultigen Kioske: "Es ist ein analoges Netzwerk in unserer digitalen Welt"

Ob Büdchen, Trinkhalle oder Kiosk - auch in Karlsruhe sind die kleinen Verkaufshäuschen seit fast einem Jahrhundert auf vielen Plätzen und an markanten Orten zu finden und damit kultige Anlaufstelle mit Dorfcharakter im hektischen Großstadtleben. Im Gegensatz zu den klassischen "Tante Emma-Läden" haben sie es geschafft zu überleben – heutzutage oft als Lottoannahmestelle oder Post- und Paketshop.

Ursprünglich bedeutet der Begriff Kiosk "nach mehreren Seiten geöffneter, freistehender Pavillon" - zuerst zu finden in Park- und Palastanlagen des islamischen Kulturraums. Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff seit dem 19. Jahrhundert schon mit einem kleinen Stand gleichgesetzt, an dem Tabakwaren, Süßigkeiten, Getränke, Zeitungen und andere Kleinigkeiten verkauft werden. Und auch heute nutzen viele Karlsruher ihren Kiosk zum Zeitung holen, wenn die Kippen ausgegangen sind, zum Lotto spielen oder für den kleinen Noteinkauf, für den sich der Weg zum Supermarkt nicht lohnt.

Kiosk am Europaplatz
Entlang der Kaiserstraße mussten die fest installierte Kioske dem U-Strab-Bau weichen und wurden vielerorts durch Provisorien ersetzt | Bild: Paul Needham

Der älteste noch bewirtschaftete Karlsruher Kiosk befindet sich am Kolpingplatz vor dem Anwesen in der  Karlstraße 128. Schon in den 1930er-Jahren wurden hier Zeitungen und andere Kleinigkeiten verkauft. Aber schon 1910 sprach man im Zuge der damaligen Umgestaltung des Karlsplatzes, wie der Kolpingplatz früher hieß, davon, dass hier ein "Zeitungs- und Blumenkiosk und Aborte angebracht werden könnten".

Kiosk am Kolpingplatz
Der älteste - noch existente - Kiosk Karlsruhes steht auf dem Kolpingplatz vor dem Anwesen Karlstraße 128 | Bild: Paul Needham

Nie aus der Mode gekommen - immer noch gefragt

Auch auf vielen anderen Karlsruher Plätzen gibt es ihn, den klassischen Kiosk mit langer Tradition: Werderplatz, Europaplatz, Karl-Wilhelm-Platz, Entenfang - die Liste könnte noch ewig weitergeführt werden. Und Kioske erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. So kam unlängst erst bei einer Anwohnerbefragung zur Gestaltung des "neuen" Durlacher Tors wieder der vielfache Wunsch nach einem Kiosk auf.

Bild: Paul Needham

Allerdings macht die Planung wenig Hoffnung – ein neuer Kiosk ist dort nicht vorgesehen und die Verkehrsbetriebe sagen: "Vor dem Bau der Kombilösung stand am Durlacher Tor ein Kiosk, das im Eigentum der Verkehrsbetriebe Karlsruhe war. Daneben gab es noch einen Fahreraufenthaltsraum und eine öffentliche Toilette. Alle Gebäude wurden im Zuge der Kombilösung abgerissen. Im neuen Fahreraufenthaltsraum am Durlacher Tor gibt es keinen Kiosk mehr" - auch in den neuen Entwürfen zur Platzgestaltung kommt derzeit kein Kiosk vor.

Kiosk am Werderplatz
Kiosk am Werderplatz | Bild: Paul Needham

Treffpunkt und soziales Netzwerk

"So ein Kiosk hat meistens eine feste Stammkundschaft aus der engen Nachbarschaft", weiß der 36-jährige Damian, der regelmäßig seine Zeitschriften im Kiosk am Karl-Wilhelm-Platz holt. "Man kennt sich, sagt Hallo, hält ein Schwätzchen und die Kinder bekommen schon mal was geschenkt. Das ist einfach eine schöne, analoge Anlaufstelle in unserer digital vernetzten Welt!"

Kiosk am Karl-Wilhelm-Platz
Kiosk am Karl-Wilhelm-Platz | Bild: Paul Needham

Obwohl heutzutage ein Kiosk gerne mit dem Verkauf und dem Konsum von Alkohol in Verbindung gebracht wird und mit negativem Image zu kämpfen hat, war das nicht immer so: Eis, Süßwaren, Limonade oder Milch - auch in Karlsruher Freibädern gibt es noch heute noch die Milchhäusle - waren früher die Verkaufsschlager.

Kult aus den 50ern

Bild: Paul Needham

In den späten 1970er- und frühen 80er-Jahren erhielten viele der Karlsruher Verkaufshäuschen ihr markantes, Design - wie die am Kolping- oder Werderplatz. Aber es gibt auch echte architektonische Perlen: Der Kiosk am Entenfang in Mühlburg ist beispielsweise ein Paradebeispiel der klassischen Architektur der 1950er-Jahre.

Kiosk am Entenfang
Kiosk am Entenfang | Bild: Paul Needham

1955 als Wartehalle für die Straßenbahn erbaut, ist er erst seit 1979 ein Kiosk. Der Bau nimmt in seiner nierenförmigen Grundrissform die damals modernen organischen Rundungen auf. Auch das überstehende Dach und die Kachelverkleidung an den Außenwänden sind typische Merkmale dieses Architekturstils.

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Kommentare (28)
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  •   chris
    (574 Beiträge)

    07.12.2018 08:43 Uhr
    kaltes Bier am frühen Morgen
    einfach klasse - ein kaltes Bier morgens 7 Uhr früh im Winter und ne Kippe. Lecker!
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  •   oldschool74
    (300 Beiträge)

    06.12.2018 13:41 Uhr
    Der Kiosk aus Kindheitstagen...
    ...war bei mir das "Grüne Häusle" an der Hardtstrasse / Sonnenstrasse.
    10er-Eis in Massen gekauft. Irgendwann war er plötzlich weg....
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  •   mcclaney
    (1402 Beiträge)

    05.12.2018 17:57 Uhr
    ...
    Von einer Kiosk-Kultur in der Stadt zu sprechen, halte ich für ein wenig überzogen...die meisten dienen doch wirklich nur zum schnöden Verkaufen und machen um 17 Uhr dicht...kein Vergleich zu den Büdchen im Pott, die bis spät in die Nacht Anlaufstelle für Schichtarbeiter, Nachteulen und Alkis sind....
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  •   betablocker
    (3656 Beiträge)

    05.12.2018 23:12 Uhr
    Oder halt
    der klassische Späti. Allerdings haben wir ja gar nicht so eine starke Nachtkultur und auch keine Touristenhorden die rund um die Uhr Party machen, was ich durchaus begrüsse. Für Raucher waren und sind die Dinger aber immer praktisch. Bis mein Kiosk abgerissen wurde habe ich da jeden Morgen meine Kippen geholt, viele Jahre lang, das war schon fast sowas wie ein Ritual. grinsen
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  •   andip
    (9213 Beiträge)

    05.12.2018 15:22 Uhr
    Naja
    Nichts gegen Kioske, aber ob die sich auf Dauer noch halten können?
    Printmedien gehen immer mehr zurück, Zigaretten sind mittlerweile verpönt und daher wird immer weniger geraucht.
    Getränke und Süsswaren werden in den kleinen Kiosken auch nicht mehr verkauft.
    Und eine Post/Paketstelle lässt sich in den kleinen Buden auch nicht einrichten.
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  •   ralf
    (3596 Beiträge)

    06.12.2018 12:43 Uhr
    Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit
    Im Ausland laufen die Kioske teils gut, gerade in Athen wird Getränke von den Betreibern oft aufwändig gekühlt, lohnt sich da. In Karlsruhe scheinen viele Kioske auf Senioren ausgerichtet zu sein. Wenn diese ihre Zeitschriften gekauft haben und wieder zu Hause sind, schließen die Kiosks. Vielleicht konnten sie noch zusätzlich ein paar Euro mit Tabak oder Lotto verdienen, viel größer ist das Gefühlte Angebot bei den Meisten nicht.
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  •   betablocker
    (3656 Beiträge)

    05.12.2018 16:51 Uhr
    Da können
    sie dann Tankstellen für e-Mobile hinbauen. Frag mal den User 107, der wartet seit 1834 auf eine Steckdose am Marktplatz. zwinkern
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  •   betablocker
    (3656 Beiträge)

    05.12.2018 16:52 Uhr
    Oder
    wars der Bahnhofsvorplatz? Irgendwo halt.
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  •   andip
    (9213 Beiträge)

    06.12.2018 15:29 Uhr
    Es ist der Bahnhofplatz
    Und schuld daran ist natürlich wie immer die Stadt, obwohl eigentlich irgendwelche Energieversorger für solche Teile zuständig sind.
    ich weiss, themenfremd.
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  •   ingrid333
    (148 Beiträge)

    05.12.2018 15:11 Uhr
    Kiosk
    Ich verstehe nicht, dass alles abgerissen werden muss. Es ist nicht alles schlecht. Im Tunnel gibt es keine Kioske oder sonstiges, was in anderen Ländern Usus ist. Eine tote Wüste, sonst nichts. Naja Lüpperts bunte Kacheln, da hätte man auch darauf verzichten können. Der Rubel muss doch aber rollen.
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