18  

Karlsruhe Karlsruhe testet anonyme Bewerbung: Sinnvoll oder "Geldverschwendung"?

Die Junge Union (JU) Karlsruhe steht der anonymisierten Bewerbung, wie sie derzeit von der Stadt Karlsruhe eingeführt wird, kritisch gegenüber. Durchschnittlich sind ein bis zwei dafür geeignete Stellen je Dienststelle und Amt vorgesehen - das Bewerbungsverfahren soll Diskriminierung und Rassismus bei der Stellenvergabe verhindern.

"Oberbürgermeister Frank Mentrup führt hier ein wirkungsloses Verfahren ein, das verschiedene Bewerber aufgrund der Komplexität eher abschreckt statt unterstützt", so der JU-Kreisvorsitzende Daniel Gerjets in einer Pressemitteilung, "Damit wird das Ziel der anonymisierten Bewerbung ad absurdum geführt".

Zwölf anonyme Bewerbungen bei der Stadt

Dies hätten laut JU die Praxistests gezeigt, in denen die Stadt laut Mentrup "unterschiedliche Erfahrungen" gemacht hätte, was im Klartext fehlende Wirkung bedeute. "Dieser Spaß kostet die Stadt voraussichtlich mehr als eine halbe Million Euro zusätzlich. Geld, das im schon jetzt angespannten Karlsruher Haushalt dann an anderer Stelle fehlt", so Gerjets.

Die Stadt Karlsruhe beteiligte sich am Projekt des Ministeriums für Integration Baden-Württemberg "Anonym bewerben in Baden-Württemberg". Alle dabei gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts wurden ausgewertet. Während des Projektzeittraums konnten zwölf Bewerbungsverfahren anonym durchgeführt werden - "woraus erste Erkenntnisse resultieren", so die Stadt. Das anonymisierte Verfahren wird weiter in der Personalauswahl der Stadtverwaltung erprobt, um so den Erkenntnishorizont zu erweitern.

Anonyme Bewerbungen gegen Rassismus

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt an einem Pilotprojekt zum Test von anonymen Bewerbungen teilgenommen: Laut der Karlsruher SPD-Fraktion, hätten 80 Prozent der Bewerber nach einer Auswertung des Instituts zur Zukunft der Arbeit die Auswahl im anonymen Verfahren als objektiver empfunden.

"Anonyme Bewerbungen werden unsere Stadtverwaltung bei der Suche nach den besten Fachkräften noch erfolgreicher machen, weil allein die Qualifikation der Bewerber in den Blick genommen wird", erklärte Karlsruher SPD-Chef Parsa Marvi im Oktober 2014 in einer Pressemitteilung. Positiv erwähnt wurde die Einführung der anonymen Bewerbung jüngst bei der Eröffnung der Karlsruher Wochen gegen Rassismus.

Mehr zum Thema

Kampf gegen Diskriminierung: Karlsruher Wochen gegen Rassismus starten

Karlsruher SPD fordert: "Stadt soll Stellen künftig anonym ausschreiben"

Grüne und SPD für anonyme Bewerbungen bei Karlsruher Stadtverwaltung

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (18)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Daxlander
    (742 Beiträge)

    01.04.2015 07:00 Uhr
    ergebnisoffene Bewerbungsgespräche
    Guten morgen Herr Marvi,
    guten Morgen Herr Mentrup,

    eine Frage. Wird die Karlsruher SPD bei der nächsten Besetzung z.B. einer Bürgermeisterstelle, für die sie aus unerklärlichen Gründen das Einstellungsrecht hat, über die Parteizugehörigkeit des Bewerbers hinwegsehen ? Wird sie eventuell alle Posten bei denen sie über solche Privilegien besitzt nur noch nach Qualifikation besetzen ?

    Gilt natürlich für die anderen Parteien auch.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   todi01
    (1111 Beiträge)

    01.04.2015 00:43 Uhr
    Macht keinen Unterschied
    Bei allem Unvermögen und allen Pannen, die sich die Verwaltung leistet, könnte man auch gleich losen, ohne dass es noch viel schlimmer kommen würde.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (11377 Beiträge)

    01.04.2015 00:24 Uhr
    !
    Na dann habe ich als Klima- und Wirtschaftsflüchtling mit Migrationshintergrund ja vielleicht doch noch eine Chance bei der Stadt.

    Dann habe ich mich aus Bremerhaven ja doch noch erfolgreich abgesetzt, bevor es vor die Hunde oder unter geht ... zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Zackenbarsch
    (226 Beiträge)

    31.03.2015 21:51 Uhr
    Rassismus verhindern...?
    Wenn man so was unbedingt einführen muss um Rassismus zu verhindern, dann müßte es bisher welchen gegeben haben. Will das der OB wirklich von seinen Personalern behaupten?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   flo-mi
    (436 Beiträge)

    31.03.2015 20:40 Uhr
    Sinn der anonymen Bewerbung
    Eine anonyme Bewerbung macht dann Sinn, wenn einem Bewerber aufgrund seiner persönlichen Eigenschaften (Ethnie oder Behinderung) mit Vorbehalten begegnet wird. Denn manchmal sind die Vorbehalte so groß, dass ein qualifizierter Arbeitnehmer der einen Gruppe weniger Chancen hat, als wenn er der Gruppe nicht angehört (was er sich aber unter Umständen nicht immer raussuchen kann).
    Der anonyme Bewerbungsprozess soll die Bewerbung frei machen von den persönlichen individuellen Eigenschaften des Bewerbers.
    Der Arbeitgeber soll sich da rein nach Qualifikation entscheiden.
    Siehe auch:
    Anonyme Bewerbung bei Wikipedia
    Anonyme Bewerbungen überhaupt anzusehen, setzt beim Arbeitgeber auch immer die Bereitschaft voraus, über seinen Schatten springen zu wollen, und sich davon überzeugen zu lassen, dass ein Vorbehalt unberechtigt ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karlsruher1955
    (1211 Beiträge)

    31.03.2015 20:00 Uhr
    Volksverdummung
    kein normaler Arbeitgeber stellt jemanden aufgrund einer anonymen Bewerbung ein.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   OtusScopus
    (1602 Beiträge)

    31.03.2015 21:16 Uhr
    In den USA...
    sind anonyme Bewerbungen längst Standard. Es gibt übrigens auch hier Unternehmen, die dieses Verfahren gezielt einsetzen, um bestimmte Stellen optimal zu besetzen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Greywolf
    (627 Beiträge)

    01.04.2015 03:34 Uhr
    Naja, ganz so ist es nun wirklich!
    Zwar muss man da nicht gleich ein Foto und den kompletten Lebenslauf mitschicken, aber vor jeder Einstellung kommt das persoenliche Gespraech und spaetestens dann sind Albernheiten vorbei.
    Ausserdem wird hier erwartet, dass der Bewerber Referencen vorlegt, d.h. Namen, Adressen und Telefon frueherer Arbeitgeber und im Gegensatz zu D wird da auch angerufen und nachgefragt.
    Wenn der Bewerber dem zustaendigen Manager nicht gefaellt, aus welchen Gruenden auch immer, dann kriegt er den Job nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Greywolf
    (627 Beiträge)

    01.04.2015 03:44 Uhr
    da fehlt ein NICHT
    in der Ueberschrift!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   karlsruher1955
    (1211 Beiträge)

    31.03.2015 21:39 Uhr
    USA
    warum müssen, bzw. sollen, die Deutschen eigentlich jeden Blödsinn der aus Amerika kommt nachmachen ? Ich will als Arbeitgeber wissen und sehen wer sich auf ein Stellenangebot bewirbt. Wenn dies nicht der Fall ist, dann ann sich der bzw. diejenige das Papier bzw. die email sparen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.