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Karlsruhe Karlsruhe soll sicherer werden: Jetzt werden versenkbare und feste Poller angebracht!

Nach dem versuchten Anschlag auf die Eiszeit im Winter 2017 oder dem Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt 2016 und in Strasbourg 2018 stehen vor allem Events im öffentlichen Raum im Fokus der Sicherheitsexperten. Auch Karlsruhe schützt die städtischen Veranstaltungen mit (un-)sichtbaren Maßnahmen. Der Gemeinderat hat nun die Stadtverwaltung mit ihrer Abstimmung am Dienstag beauftragt, die Barriereplanung umzusetzen.

Bereits im Dezember letzten Jahres war das Thema Barriere ein Thema im Hauptausschuss, eine konkrete Planung für Barrieren im öffentlichen Raum sollte erarbeitet werden. Sieben Plätze wurden dabei genauer unter die Lupe genommen:

  1. Bahnhofsvorplatz
  2. Europaplatz 
  3. Friedrichsplatz
  4. Kirchplatz St. Stephan 
  5. Marktplatz 
  6. Schlossplatz
  7. Stephanplatz 

Nach eingehender Untersuchung, so teilt die Stadt Karlsruhe in ihrer Beschlussvorlage für die Dezember-Sitzung des Gemeinderates mit, sieht man aufgrund der örtlichen Gegebenheiten "keine Notwendigkeit für den Einbau schützender Barrieren" am Bahnhofsvorplatz, dem Stephanplatz und dem Kirchplatz St. Stephan. "Wegen der exponierten Lage wurde der Fußgängerzonenbereich der Kaiserstraße in Betracht gezogen", erklärt die Stadtverwaltung.

Verschiedene Pollertypen im Einsatz

Für die anderen Plätze, auf denen Veranstaltungen durchgeführt werden, hat die Stadtverwaltung verschiedene Vorschläge für den Einsatz von Pollern und Barrieren, die Stück für Stück eingebaut werden können. So könnte an der Südseite des Marktplatzes ein Steckpoller zum Einsatz kommen, die einen Durchfahrtsschutz gegen Lastwagen mit 7,2 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h bieten.

Poller in einer Stadt
Poller in einer Stadt. (Symbolbild). | Bild: pixabay.com

Diese Steckpoller werden nicht fest installiert, sondern können herausgenommen werden. Somit ist der temporäre Zugang jederzeit gewährleistet. An der Westzufahrt zum Europaplatz im Bereich der Douglasstraße werden ebenfalls diese Art der Poller installiert, auch in der östlichen Kaiserstraße sind auf Höhe des Kronenplatzes Steckpoller vorgesehen. Eine Durchfahrt in diesem Bereich wird dann durch einen versenkbaren Poller sichergestellt.

Auf dem Friedrichsplatz kommt eine Kombination aus Pollertyp 1, den Steckpollern, und Typ 2, versenkbaren Pollern, zum Einsatz, so die Pläne der Stadt. "Die Zufahrt zur Erbprinzenstraße wird mit einem versenkbaren Poller sichergestellt", erklärt die Beschlussvorlage. Allerdings wird hier die Umsetzung der Maßnahme zurückgestellt, das Konzept soll in den laufenden Wettbewerb zur Gestaltung und künftigen Nutzung des Platzes 2021 einfließen. 

Kreuzung Erbpringenstraße und Herrenstraße
In der Erbprinzenstraße können bald Poller angebracht werden - zum Schutz der Bürger aber auch um unerlaubtes Durchfahren zu verhindern. (Symbolbild) | Bild: Paul Needham

So lange noch keine Poller in der Innenstadt verbaut sind, werden bei "risikobehafteten Veranstaltungen" weiterhin mobile Barrieren zum Einsatz kommen. Etwa 1,8 Millionen Euro sollen die Sicherheitsmaßnahmen kosten, etwa 240.000 Euro werden laut Stadt als laufende Unterhaltungskosten beziffert. 

Subjektive versus objektive Sicherheit

Unabhängig von den Kosten haben sich die Gemeinderäte mehrheitlich positiv zu dem Konzept geäußert, allen voran Bürgermeister Albert Käuflein. "Das Konzept duldet keinen Aufschub", so der Bürgermeister. "Die meisten terroristischen Anschläge in Deutschland wurde mit einem Auto verübt, dagegen errichten wir nun Barrieren", so Käuflein weiter. 

Dem widerspricht Markus Schmidt von den Grünen. "Wir leben in einer Welt die immer sicherer wird, aber die Menschen fühlen sich immer unsicherer. Man liest jeden Tag von Mord und Totschlag - das prägt. Aber ich möchte dennoch die Frage in den Raum stellen: Möchten wir Poller, die uns jeden Tag diese vermeintliche Unsicherheit vor Augen führen? Wir sollten eher daran arbeiten Barrieren abzubauen statt aufzubauen!"

Erste Gemeinderatssitzung
Der Karlsruher Gemeinderat. | Bild: Paul Needham

"Sicherheit kostet Geld", so Tilmann Pfannkuch von der CDU in seinem Redebeitrag im Gemeinderat. "Und Sicherheit ist auf Aufgabe der kommunalen Institutionen. Gerne würden wir darauf verzichten aber die Realität spricht eine andere Sprache!" Dem stimmt auch Parsa Marvi von der SPD zu. "Es ist bedauerlich und traurig, dass wir diese Vorlage brauchen und schrecklich genug, dass es Menschen gibt, von denen so eine Gefahr ausgeht. Die 1,8 Millionen Euro sind notwendig und leider ist es erforderlich, dass wir diese Maßnahmen ergreifen!" 

Erste Gemeinderatssitzung
Parsa Mavi, Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat. | Bild: Paul Needham

Für Thomas Hock von der FDP müsste an der Durchführung allerdings noch ein wenig geschraubt werden, auch wenn seine Partei die Vorlage unterstützen werden. "Im Bereich der versenkbaren Poller hätten wir uns mehr gewünscht, wenn wir schon so viel Geld in die Hand nehmen, dann sollte es auch praktikabel sein. Etwa im Bereich vom Zirkel", so der Stadtrat.

Lüppo Cramer von der KAL/Die Partei-Fraktion hat nur teilweise Zustimmung für das Thema übrig. "Wir müssen sparen und es geht darum Prioritäten zu setzen was mit dem städtischen Geld passiert!" Jürgen Wenzel, Freie Wähler, stimmt dem subjektiven Sicherheitsbedürfnis der Karlsruher zu. "Es gibt das Gefühl der Sicherheit auch wenn es nie eine 100-prozentige Sicherheit gibt. Aber wir wollen ein Signal setzen, dass wir etwas tun", so der Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat. 

Erste Gemeinderatssitzung
Lüppo Cramer, KAL. | Bild: Paul Needham

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup spricht vor der Abstimmung darüber, dass die Bürger einen Mindestschutz bekommen wenn in der Stadt Veranstaltungen stattfinden. "Wir möchten uns ja nicht abschotten", so das Stadtoberhaupt. Mit 28 Ja-Stimmen und 18 Enthaltungen, vornehmlich durch die Grünen und Linken, haben sich die Gemeinderäte dennoch mehrheitlich für das Sicherheitskonzept ausgesprochen. 

Abstimmung Pollerplaung Gemeinderat
Bild: Stadt Karlsruhe
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    (310 Beiträge)

    14.12.2019 12:48 Uhr
    Nein
    Du vergleichst Äpfel mit Birnen.
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  •   Beiertheimer
    (1052 Beiträge)

    14.12.2019 12:11 Uhr
    Die wenigsten Besucher durch Poller geschützte Bereiche
    haben Bengalos dabei.
    Nur mal so.
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  •   Winston_Smith
    (655 Beiträge)

    14.12.2019 14:56 Uhr
    Stimmt - und ausserdem soll es jetzt immer mehr messer- und waffenfreie Zonen geben
    Zudem wird das Waffenrecht in <s>Absurdistan</s> Schland verschärft. So wird es Schwerverbrechern und psychopathischen Terroristen aber mal richtig schwer gemacht, sich Waffen im Geschäft zu kaufen.
    Wenn wir jetzt noch durch Gesetze die Benutzung von schweren LKW zu transportfremden Zwecken ganz entschlossen mit Verboten belegen, haben wir alle Probleme gelöst.
    Ist doch wirklich nicht allzu schwer. Man muss nur wollen. Expertise gibt's offenbar in nie geahntem Ausmaß bei den aktuellen Entscheidungsträgern.
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  •   Südpfälzer
    (16 Beiträge)

    14.12.2019 08:39 Uhr
    Poller?
    Schützen die auch vor Messerstichen?
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  •   Mondgesicht
    (2210 Beiträge)

    14.12.2019 08:35 Uhr
    Cramer, KAL: "Wir müssen sparen"
    Genau. Damit die Stadt weiterhin Lastenräder bezuschussen kann...
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  •   barheine
    (187 Beiträge)

    14.12.2019 08:21 Uhr
    Mein Sicherheitsempfinden wäre noch erheblich höher, wenn ich nicht ständig Lieferwagen, meistens von Paketdiensten, mit laufendem Motor und keinem Fahrer weit und breit herumstehen sehen würde. Vom Umweltgedanken ganz zu schweigen.
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  •   melotronix
    (3023 Beiträge)

    16.12.2019 07:28 Uhr
    tja...das könnte wohl daran liegen
    das Konsumenten sich den Hintern platt drücken...in dem sie zu hause
    dick und fett einkaufen...und als selbstverständlich, natürlich ohne Trinkgeld, sich
    ihre Waren in den 5. Stock tragen lassen.
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  •   ALFPFIN
    (7031 Beiträge)

    14.12.2019 11:27 Uhr
    Was den Umweltgedanken betrifft,
    könnte man ja mal Greta ansprechen, schließlich ist es in erster Linie die jüngere Generation die online einkauft und damit auch den Lieferverkehr erhöht. 😊

    [i]Man liest jeden Tag von Mord und Totschlag - das prägt. Aber ...…. Möchten wir Poller, die uns jeden Tag diese vermeintliche Unsicherheit vor Augen führen? Wir sollten eher daran arbeiten Barrieren abzubauen statt aufzubauen!"[/i]
    Eine typische Argumentation der Grünen, die ja immer gegen Sicherheitsmaßnahmen sind, weil die Persönlichkeitsrechte eingeschränkt werden könnten.
    Ja, es werden täglich Verbrechen ausgeübt, die nicht verhindert werden konnten. Dass man jetzt auf den Plätzen, auf denen Großveranstaltungen stattfinden, Poller anbringen will, ist den Erfahrungen in anderen Städten geschuldet. Da wurden Menschen getötet, weil der Zugang mit LKWs möglich war.
    Natürlich kann man vor solchen Verbrechen nie sicher sein, aber Zugänge sicherer zu machen, ist eine berechtigte Vorsichtsmaßnahme.
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  •   Route66
    (2055 Beiträge)

    14.12.2019 10:55 Uhr
    Mit diesem Appell
    müssen Sie sich an die ganzen Online-Besteller wenden, also an die Verursacher 😉
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  •   Winston_Smith
    (655 Beiträge)

    14.12.2019 12:16 Uhr
    Komplexes zu einfach dargestellt
    Wenn Markenartikel 10% günstiger am nächsten Tag zu Hause oder in der Firma zugestellt werden, während man, sucht man den stationären örtlichen Fachhandel auf (und dabei auch schon Ressourcen aufwendet), dort nicht fündig wird und die dann dort angeleierte Bestellung deutlich länger dauert, ist man maximal ein Teilverursacher. Mit ziemlicher Sicherheit aber nicht ganz dicht, uninformiert, von gestern, steht nicht im Wettbewerb, schwimmt im Geld oder ist einfach IdeologIn oder TräumerIn. Vom Rückgaberecht privater Verbraucher beim Onlinekauf gar nicht zu reden.
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