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Karlsruhe Karlsruhe ohne Kurzstrecken-Ticket: Wann kommt der neue Online-Tarif, Herr Pischon?

In Karlsruhe gibt es aktuell kein günstiges Kurzstrecken-Ticket mehr. Der App-Anbieter "ticket2go" hat den Betrieb eingestellt - nun liegt es am Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) ein neues Online-Modell für kurze Fahrten zu entwickeln. Mitte 2020 soll es einen ersten Testlauf des neuen e-Tarifs geben, verrät Geschäftsführer Alexander Pischon im Interview mit ka-news.de.

Mit der App "ticket2go" konnten Fahrgäste von Bus und Bahn in Karlsruhe günstig fahren: 1,50 Euro kostete ein Kurzstrecken-Ticket. Bequem konnte man sich bei Zu- und Ausstieg an den jeweiligen Haltestellen ein- und ausloggen. Je nach Fahrtzeit und -strecke fuhr man deutlich günstiger als mit dem Einzelticket aus dem Automaten: Nämlich beispielsweise für 1,50 Euro anstelle von 2,60 Euro im Stadtgebiet von Karlsruhe.

Am vergangenen Samstag hat der verbundübergreifende App-Anbieter "ticket2go" seinen Dienst nach knapp zwei Jahren eingestellt. Was kommt danach? ka-news.de hat KVV-Chef Alexander Pischon zum aktuellen Entwicklungsstand in Sachen Online-Tarif und Strukturreform befragt.

Wann wird es in Karlsruhe einen neuen, digitalen Kurzstrecken-Tarif geben?

Alexander Pischon: "Der Karlsruher Verkehrsverbund setzt in Zukunft auf ein völlig neues E-Tarifmodell unter dem Projektnamen 'Home Zone'. Mittels dieses neuen Modells soll es den KVV-Kunden künftig möglich sein, unkompliziert einen auf die individuellen Mobilitätsbedürfnisse angepassten Bewegungsradius festzulegen.

In diesem Radius können die jeweiligen KVV-Abokunden beliebig oft mit Bus und Bahn zu einem attraktiven Preis unterwegs sein. Für alle weiteren KVV-Kunden – wie beispielsweise 'Gelegenheitsfahrer' – soll es in Zukunft einen zusätzlichen, an das 'Home Zone'-Modell angegliederten Luftlinientarif geben. In dieses Gesamtprojekt fließen die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt 'ticket2go' mit ein."

Im März wurde angekündigt, dass derzeit ein neues "e-Tarifmodell" für Karlsruhe entwickelt wird: Wie weit ist man hier in der Umsetzung? Wann wird die "Home Zone" beziehungsweise das "E-Tarifmodell" starten können?

"Das 'Home Zone'-Modell wird derzeit noch vom Karlsruher Verkehrsverbund zusammen mit der Unternehmensberatung civity Management Consultants (civity) mit Sitz in Hamburg und Berlin entwickelt.

Da es sich bei der 'Home Zone' um ein neues E-Tarifmodell von hoher Komplexität handelt, wird diese Entwicklungsarbeit noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt steht deshalb noch nicht fest, wann das 'Home Zone'-Modell von den KVV-Kunden komplett genutzt werden kann.

eTarif wird auf Straßenbahn in Karlsruhe beworben. | Bild: ps/KVV

Nach derzeitigem Stand der Planungen wird es aber bis Mitte des Jahres 2020 einen ersten technischen Testlauf der 'Home Zone' geben. Voraussetzung hierfür ist ein weiterhin optimaler Verlauf der Entwicklungsarbeit."

Können Sie uns schon sagen, wie groß der "Nahverkehrsradius" der Home Zone sein soll? Wird er auch über Verbundgrenzen hinaus gehen?

"Das neue E-Tarifmodell soll so funktionieren, dass sich jeder KVV-Abokunde seinen Mobilitätsradius individuell festlegen kann. Daher gibt es keinen allgemeinen 'Standard-Radius' der 'Home Zone'. Jeder Kunde definiert seinen Mobilitätsradius für sich persönlich nach seinen Bedürfnissen. Da es sich bei der 'Home Zone' jedoch um ein KVV-Projekt handelt, kann dieser Radius im ersten Schritt vorerst nur im KVV-Gebiet gezogen werden.

Es ist angedacht, dass in Zukunft auch Überlappungsbereiche zu benachbarten Verbünden mit berücksichtigt werden könnten. Zu diesen Überlegungen befindet sich der KVV bereits in engem Austausch mit den angrenzenden Verbünden."

Gibt es schon erste Preisvorstellungen, in welchem Eurobereich man sich hier bewegt?

"Zu den möglichen Preisen der 'Home Zone' können wir uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht äußern. Die Tarifierung wird noch erarbeitet. Derzeit arbeiten wir noch intensiv an der Entwicklung und technischen Erprobung dieses neuen Angebots. Zu gegebener Zeit werden wir selbstverständlich die Öffentlichkeit umfassend über die Details des Gesamtprojekts informieren."

Beim KVV arbeitet man derzeit an einer großen Tarifstrukturreform – gibt es hier schon weitere Informationen wie diese aussehen wird? Was können Sie uns schon verraten – werden die Waben wegfallen? Wann wird man die Reform einführen können?

"Der Aufsichtsrat des KVV hat sich mit diesem Thema in diesem Jahr intensiv befasst. In diesem Gremium wurde entscheiden, dass es – von einigen wenigen Anpassungen abgesehen – beim Status quo bleiben soll, da der aktuelle KVV-Tarif die Bedürfnisse und Wünsche der allermeisten Kunden bereits bedient.

Zudem zählt er zu den günstigsten ÖPNV-Tarifen in Deutschland. Das heißt unter anderem auch konkret, dass mit Blick auf die Fahrpreis-Ermittlung im KVV-Gebiet im Standardtarif an der bestehenden Wabenstruktur festgehalten werden soll."

ka-news.de-Hintergrund

"ticket2go" konnte seit April 2017 für den Erwerb von KVV-Tickets auf dem Handy genutzt werden. Im Juni 2017 führte der KVV zusätzlich den sogenannten "Luftstreckentarif" ein. Dieser macht den Ticketerwerb insbesondere für die Kurzstrecke in Karlsruhe attraktiv. 

App-Kunden konnten Tickets weiterer Nahverkehre in Baden-Württemberg nutzen. Mit dem Prinzip des "CheckIn-/CheckOut-Systems" konnte sich der Fahrgast über seine App vor dem Antritt der jeweiligen Fahrt anmelden. Es erfolgte eine Positionsbestimmung des Nutzers. Umstiege zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wie beispielsweise Regionalbahnen, Stadtbahnen, Straßenbahnen oder Bussen waren möglich.

Bei der App "ticket2go" handelte es sich um das Nachfolgemodell von "touch&travel", das die Deutsche Bahn zum 30. November 2016 eingestellt hatte. Die App wurde von neun Verkehrsverbünden sowie der DB Regio gemeinsam angeboten und konnte in vier weiteren Verkehrsverbünden im Schienenverkehr genutzt werden. Eine Übernahme der App war aus KVV-Sicht nicht wirtschaftlich. Insgesamt gibt es in Karlsruhe derzeit vier Nahverkehrsapps für unterschiedliche Bedürfnisse.

 

Dateiname : KVV Wabenplan 2019
Dateigröße : 249.85 KBytes.
Datum : 15.12.2019 13:28
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  •   Maxabat
    (1 Beiträge)

    18.12.2019 16:57 Uhr
    Vergleich mit e-roller
    Eine Straßenbahnfahrt vom Durlacher Tor bis Tullastraße kostet mich nun 2,60€ statt 1,50€ bisher. Mit dem e-Roller sind es bei 5 Minuten Fahrt 1,75€. Und man kann direkt zum Zielort fahren. Es gibt eine funktionierende Lösung mit ticket2go und was eigenes solle besser und billiger sein? Und in schnellen „bis zu drei Jahren“ verfügbar? So etwas kann sich m.E. nur ein Monopolist erlauben.
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  •   kommentar4711
    (2321 Beiträge)

    16.12.2019 21:13 Uhr
    Günstig?
    Der KVV gehört zu den günstigsten Verkehrsverbünden in KA? Selten so gelacht.
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  •   MeisterProper
    (32 Beiträge)

    16.12.2019 20:24 Uhr
    Völlig & total Inhaltsleer
    Wann ist Weihnachten? - Das kann ich nicht sagen, aber wir arbeiten daran.
    Was wird Weihnachten kosten? - Das können wir noch nicht sagen.
    Wird es Alternativen zu Weihnachten geben? - Das wird noch geprüft.
    Könnte man Weihnachten und Ostern zusammenlegen? - Vielleicht. Dazu erarbeitet eine Kommission einen Entwurf.
    Fazit? - Der Status Quo wird bleiben, glauben wir jeden falls. Oder auch nicht.

    Vielen Dank für das Gespräch.
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  •   blaumann
    (824 Beiträge)

    16.12.2019 19:27 Uhr
    Xxx
    Den Dr. hat Ka-News Herrn Pischon unterschlagen. Glaube nicht dass er tatsächlich viel Wert darauf legt, dennoch gebietet es die Etikette dass man gerade in der Presse einen Doktor Titel nicht unterschlägt.
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  •   redaktion
    (1223 Beiträge)

    17.12.2019 07:54 Uhr
    Bei ka-news.de bekommt keiner...
    ... einen Dr. oder Prof. in den Text. Das machen wir schon sehr lange so, das ist Teil unserer Redaktionsrichtlinien, OB Frank Mentrup bekommt seinen Dr. ja auch nicht vornedran. Lediglich bei Ärzten, die bekommen ihren Doktor oder Professor von uns spendiert im Text.
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  •   Skudder
    (469 Beiträge)

    17.12.2019 08:48 Uhr
    Gerade
    bei Ärzten ist zumindest der Doktor in fast allen Fällen ziemlich trivial. Der hat i.d.R. das Niveau einer kleinen Semesterarbeit. Absolut nicht vergleichbar mit einem Dr. in MINT-Fächern. Komplett überschätzt. Ihr solltet das gerade umgekehrt machen.

    Mir ist es z.B. völlig egal, ob ein Arzt einen Dr. hat. Das hat null mit seiner Qualifikation zu tun.
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  •   NeoTiger
    (698 Beiträge)

    16.12.2019 18:12 Uhr
    ticket2go war echt gut
    Die Fahrt in die Stadt kostete mich damit nur 1,75 EUR. Das habe ich als Auto-Auspendler und Innenstadt-Gelegenheitsfahrer auch gerne angenommen.

    Bei 2,60 EUR hingegen wird für das mich aber das Auto wieder attraktiver. Dann kriegt das Geld halt das Parkhaus.
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  •   Route66
    (1983 Beiträge)

    16.12.2019 17:22 Uhr
    Können sich eigentlich alte Menschen
    ohne app
    die kein Smartphone haben und wenn sich nicht mit apps auskennen auch noch Fahrkarten kaufen bzw. erkennen und verstehen, was das beste Ticket für sie ist? Ich mein ja nur.
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  •   ALFPFIN
    (6959 Beiträge)

    16.12.2019 17:44 Uhr
    Ein
    KVV Bediensteter hat anlässlich einer Versammlung zu unserem "UBahnbau" gemeint, alte Menschen sollen sich die Seniorenjahreskarte kaufen, auch wenn sie nur 2x im Monat mit der Straßenbahn fahren würden (so ungefähr). Da ging es aber nur um die verschiedenen Einstufungen der Tickets. Von Smartphones und Apps war da noch nicht die Rede. Das gilt dann natürlich auch noch heute. Also mit anderen Worten, wer nicht klar kommt, soll schauen wo er bleibt. Wobei ein Jahresticket für Senioren mit der Erhöhung ab nächstes Jahr knapp 600 Euro kostet.
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  •   Route66
    (1983 Beiträge)

    16.12.2019 17:59 Uhr
    Klar
    wer alt ist, ist ja automatisch doof und kann nicht rechnen. Es geht also fröhlich kundenfeindlich weiter.
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