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Karlsruhe Karlsruhe feiert Reformation: Wie ein Denkanstoß das Kirchenbild veränderte

Am 31. Oktober 1517, soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. 500 Jahre später begeht Deutschland nun erstmals des Reformationstag als bundesweiten Feiertag. Doch was genau ist damals passiert?

Luthers Thesen-Anschlag gilt als Geburtsstunde der evangelisch-protestantischen Kirche. Mit seinem Thesenanschlag stieß Luther vor 500 Jahren die Reformation an. In der römisch-katholischen Kirche es aus Luthers Sicht viele Missstände, wie etwa den Ablasshandel bei dem sich die Leute von ihren Sünden bei der Kirche "frei" kaufen konnten. Die Thesen waren ursprünglich auf Latein verfasst und als Diskussionsanlass unter Gelehrten gedacht. Mit seinen Thesen wollte Luther nach Überlieferungen die bestehende Kirche "reformieren", was im Deutschen so viel bedeutet wie umgestalten oder erneuern.

Individualität als Erbe der protestantischen Kirchen

"Innerhalb kurzer Zeit verbanden sich einige deutsche Fürsten mit der jungen Reformation und verschafften dem Protestantismus so eine politische Basis. Die Auseinandersetzung mit den Täufern und den Bauern war die erste schwere Herausforderung für die junge Reformation. Es ging um die Frage, wie weit die Reformation der Kirche in die Gesellschaft hinein reichen würde", beschreibt Dekan Thomas Schalla die Anfangszeit der Reformation.

Heute ist klar: Die 95 Thesen von Martin Luther revolutionierten das Bild der Kirche weltweit. Als Folge der Kritik von Luther spaltete sich die Kirche. Es entstanden zwei verschiedene Kirchenteile, ein evangelischer und ein katholischer. "Die Individualität des Menschen und Freiheit im Glauben sind seit der Theologie Martin Luthers ein wichtiges Erbe protestantischer Kirchen," erklärt Thomas Schalla. 

Luthers Idee kommt in Durlach an 

In diesem Jahr beschert der Jahrestag der Reformation Arbeitnehmern einen zusätzlichen Feiertag. Nur in den östlichen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen war der Reformationstag am 31. Oktober seit der Wiedervereinigung bereits als gesetzlicher Feiertag verankert. Zum 500-jährigen Jubiläum ist der Tag ein gesamtdeutscher, gesetzlicher Feiertag. "Ich halte das für eine gute Idee. Ich würde es begrüßen, wenn man den Reformationstag als dauerhaften Feiertag festlegen würde", so Thomas Schalla, Dekan der evangelischen Kirche in Karlsruhe.

Zum bundesweiten Feiertag wurde der diesjährige Reformationstag auf einer Ministerpräsidentenkonferenz im Jahr 2012 erklärt. Am 6. Dezember 2012 einigten sich die Länderchefs darauf, das 500-jährige Reformationsjubiläum fünf Jahre später mit einem bundesweiten Feiertag zu würdigen. Als dauerhafter Feiertag ist der Reformationstag bislang nicht geplant. 

"Am ehesten in Verbindung mit Karlsruhe steht der Reformationstag mit Durlach", erklärt Thomas Schalla weiter. Dort erließ der Markgraf am 1. Juni 1556, zehn Jahre nach Luthers Tod, den Reformationsbefehl, durch den sich alle Untertanen der Markgrafschaft dem protestantischen Glaubensbekenntnis anschließen mussten.

Karlsruhe feiert Jubiläum der Reformation

Anlässlich des Reformationstags wird es auch in Karlsruhe einige Veranstaltungen geben. Bei einer gemeinsamen Aktion werden die beiden Dekane der evangelischen und katholischen Kirche in Karlsruhe, Thomas Schalla und Hubert Streckert, ein Apfelbäumchen vor der Kirche St. Stephan am Friedrichsplatz pflanzen.

Anlass ist ein bekanntes Zitat, das Luther zugeschrieben wird. "Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen", soll der Theologe einst gesagt haben. Diese Aussage gilt heute als Ausdruck der christlichen Zuversicht. 500 Jahre nach Beginn der Reformation wollten sich die beiden Dekane nach eigener Aussage mit dieser Aktion hinter diese gemeinsame Hoffnung stellen. Außerdem soll es einen zentralen Reformationsgottesdienst mit Landesbischof Cornelius-Bundschuh und Erzbischof Stefan Burger sowie ein Galakonzert in der Lutherkirche geben. 

"Insgesamt glaube ich, dass wir allen Grund zu feiern haben: Freiheit im Glauben und Hoffnung auf eine gerechte Welt für alle sind mit dem Reformationsfest verbunden. Wir feiern auch, dass mit dem christlichen Glauben die Liebe zum Leben verbunden ist", so Schalla.

"Antworten werden nicht mehr allein in Kirchen gesucht"

Während Deutschland in diesem Jahr groß den Reformationstag feiert, haben die katholische und evangelische Kirche aber auch Sorgen: In den vergangenen Jahren kehrten einige Menschen den Kirchen den Rücken zu. In der evangelischen Kirche gab es 2016 landesweit 27.429 Austritte, knapp 200 mehr als bei der katholischen Kirche. Dort zählte man 27.276 Austritte. Erstmals seit 2014 sank die Zahl der Kirchenaustritte damit wieder unter die 30.000-Marke. 

Dennoch sieht Thomas Schalla in Karlsruhe keine Religionsverdrossenheit. " Es geht zunehmend um die Frage, wie Menschen in einer immer aus differenzierteren Welt zusammen leben können." Die Religionen sind aus seiner Sicht "eine wichtige Verbindung zwischen Menschen". "Religiöse Fragen und spirituelle Bedürfnisse haben die Menschen zu allen Zeiten gesucht. Einzig die Antworten werden nicht mehr allein bei den Kirchen gesucht."

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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    31.10.2017 12:19 Uhr
    Wie hier wieder von den üblichen Verdächtigen auf den Luther eingedroschen wird.
    Wie wäre es denn mal mit kulturell und Zeitalter bedingten mildernde Umstände?

    Damit sind die Spezislisten sonst auch sofort zur Hand, wenn es mal wieder um Relativierung und Täuschung geht.
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  •   hajmo
    (4172 Beiträge)

    31.10.2017 12:00 Uhr
    Die Religionen sind die schlimmsten Erfindungen der Menschheit
    Es geht dabei nur um Macht über andere Menschen zu gewinnen. Wieviele Menschen sind umgekommen, nur weil ein Gott oder Prophet es angeblich so wollte? Ohne Gott/Götter wären wir besser dran!
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  •   Monsignore007
    (177 Beiträge)

    31.10.2017 10:43 Uhr
    Die Wertmaßstäbe von heute auf eine Person anzuwenden....
    ...die vor 500 Jahren gelebt hat, finde ich schon etwas seltsam.
    Wer sagt denn, dass die Wertmaßstäbe von heute in 50 Jahren vielleicht total obsolet sind?
    In jedem Fall hat Luther Veränderungen in einer positiven Richtung erreicht.
    Ihm jetzt den Vorwurf zu machen, dass er nicht die ideale Weltordnung verkündet und etabliert hat (die auch heute noch nicht bekannt ist), zeugt von sehr einfachen intellektuellen Fähigkeiten.
    Ein paar Gedanken darüber, wie die Welt ohne Luthers Mut, sein Leben (Jan Hus wurde 1415 in Konstanz verbrannt) zu riskieren, heute aussehen würde, führen vielleicht zu einer objektiveren Einschätzung.
    Wieviele "Retter der Menschheit" sind in der jüngsten Vergangenheit innerhalb von wenigen Jahren als Scharlatane, Betrüger und Bösewichte entlarvt worden?
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  •   Robert1959
    (1935 Beiträge)

    31.10.2017 10:20 Uhr
    Und warum wird dieser Feiertag wieder abgeschafft?
    Es gibt so viele katholische Feiertage, aber keine rein evangelischen. Selbst der letzte Feiertag, der Buß- und Bettag wurde geopfert.
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  •   Eckfaehnchen
    (2681 Beiträge)

    31.10.2017 10:09 Uhr
    Ein Luther im Jahr 2017 wäre nicht schlecht.
    Er sollte im Bundestags-Palast in Berlin einziehen und dort mal ein Großreinemachen veranstalten.
    95 Thesen mit Verbesserungen wären dort auch angebracht. Vor allem bräuchte diese Schafherde
    einen neuen Leithammel mit Hirn. Und alle schwarzen Schafe aus dieser Herde sollte er aussortieren
    und wegen Unfähigkeit an den Pranger stellen. Geschehe dies, würde das Fußvolk wieder an mehr Gerech-
    tigkeit glauben. Und zwar Katholiken als auch Protestanten. Amen.
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  •   ALFPFIN
    (6765 Beiträge)

    31.10.2017 09:56 Uhr
    Luther
    Luther hat zunächst gegen Missstände der katholischen Kirche protestiert, vor allem gegen den Ablasshandel. Man kann annehmen, erst durch den Widerstand der katholischen Kirch wurde Luther zum aufmüpfigen Protestanten. Da kam dann hinzu, dass er die uneingeschränkte Vorherrschaft des Papstes kritisierte.
    Durch den Widerstand der Kirche hat er seine 95 Thesen öffentlich gemacht. Ich glaube nicht, dass Luther wirklich eine neue Religionsgemeinschaft im Sinn hatte. Wäre die Kirche auf seine Vorschläge
    eingegangen, wäre Luther vermutlich Mönch geblieben.
    Er hat ja auch vieles aus der katholischen Kirche übernommen. Siehe auch die Einstellung zu den Frauen. Allerdings hatte die Frau im 16. Jahrhundert auch nichts zu sagen.
    Ich kann keiner Glaubensgemeinschaft noch etwas abgewinnen. Es geht um Macht, Vorherrschaft, Geld. Auch zu einem Teil bei unseren christlichen Kirchen. Natürlich gibt es soziale Einrichtungen. Aber sie missionieren auch immer noch.
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  •   ALFPFIN
    (6765 Beiträge)

    31.10.2017 10:03 Uhr
    Und wo waren die
    Vertreter der christlichen Kirchen bis in die höchste Instanz in der Hitlerzeit. Sie hätten von Anfang an sich massiv dagegen stellen müssen, auch ihre Gemeindemitglieder beeinflussen müssen, vielleicht hätte man diesen Wahnsinn noch stoppen können. So waren sie Mitläufer, wie die breite Masse auch.

    Aber es ist ja so einfach, sich dann auf den lieben Gott zu berufen, der uns alles verzeiht.
    Und da spielt es keine Rolle, ob Moslems, Buddhisten, Hindu-Glauben oder an welchen Gott oder Propheten man glaubt. Immer beruft man sich auf dessen Güte und Zustimmung. Dahinter kann man jede Schandtat verstecken.
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  •   Ludwigsstammtischbruddler
    (765 Beiträge)

    31.10.2017 09:26 Uhr
    Religiöse Menschen
    sind mir suspekt. Was bringt es, ein Kreuz an dem ein Typ hängt anzubeten, oder mehrmals täglich den Hintern in eine vorgegebene Himmelsrichtung zu heben?
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  •   Laetschebachschorsch
    (3151 Beiträge)

    31.10.2017 09:24 Uhr
    Wenn...
    schon die evangelische und die katholische Kirche sich z. B. bei der Teilnahme am heiligen Abendmahl oder der Eheschließung nicht einig werden können, wie sollen die sich dann mit anderen Glaubensrichtungen versehen? Ob an Gott oder an Allah geglaubt wird ist doch letztlich unerheblich. Wichtig ist doch nur, dass die Menschen an sie glauben und nach deren Vorgaben ohne die später hinzugefügten Änderungen leben. Aber hinter den Glaubensrichtungen stehen leider zu viele wirtschaftliche Interessen. Glaubenskriege dienten schon immer der Geländegewinnung, egal ob im nahen Osten oder in Afrika - man bedenke schon allein den Begriff - wirtschaftlichen Überlegungen. Warum trennten sich die orthodoxe und die katholische? Jede Kirche kocht ihr eigenes Süppchen statt gemeinsam an den einem einen gemeinsamen Glaube zu folgen.
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  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    31.10.2017 12:00 Uhr
    Evangelische Kirche
    In der evangelischen Kirche darf am Abendmahl jeder teilnehmen und selbst bei gleichgeschlechtlichen Ehen wird es zumindest in der Badischen Landeskirche, meines Wissens, dem Pfarrer überlassen ob er traut oder nicht. Dabei muss nur einer der beiden Eheleute Mitglied der Kirche sein. Das Problem liegt hier eindeutig in Rom.
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