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Karlsruhe "Karlsruhe - baden in ideen." - Schicken die Stadträte den Slogan baden?

Ob die Bürger in Karlsruhe bald "baden in ideen" können, wird immer unwahrscheinlicher. Nicht nur die Leserschaft von ka-news kritisierte den kürzlich vorgestellten Stadt-Slogan in den vergangenen Wochen heftig. Auch zahlreiche Stadträte sind von dem Leitspruch wenig begeistert. Am Dienstag soll der Gemeinderat nun über diesen entscheiden. Die Fraktionen räumen dem Slogan bereits im Vorfeld nur eine kurze Lebenszeit ein.

Stolz hatten Erste Bürgermeisterin Margret Mergen, Stadtmarketing-Geschäftsführer Norbert Käthler und Arne Klein, Geschäftsführer der mit der Markenanalyse beauftragten Agentur kleinundpäcking aus Berlin, den Slogan "Karlsruhe - baden in ideen." Anfang Juli vorgestellt. Seitdem hagelt es nicht nur von den ka-news-Lesern deutliche Kritik.

Abstimmung im Gemeinderat am Dienstag

"Der neue 'Geistesblitz' ist ja noch bescheidener als der alte", "Ausbaden von Ideen wäre treffender", "Karlsruhe - Dilettantismus in Perfektion" waren nur wenige Kommentare der ka-news-Leser. Auch das Umfrageergebnis der nicht repräsentativen ka-news-Umfrage "'Karlsruhe - baden in ideen.' - wie gefällt Ihnen der neue Slogan?" spricht klare Worte. 62,24 Prozent der Teilnehmer waren der Meinung: "Schrecklich! Kein Deut besser als der alte."

Die Mehrheit der Fraktionen zeigt sich ähnlich unglücklich über die neue Idee. Am Dienstag sollen sie in der Gemeinderatssitzung über den Slogan abstimmen. "Der Gemeinderat beschließt, dass der neue Claim für Karlsruhe für die Stadt Karlsruhe eingesetzt wird", heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt. Danach sieht es jedoch derzeit nicht aus.

CDU: "Die Bevölkerung hat ein Gefühl dafür, wie ein Slogan wirkt"

Als "aussageleer" bezeichnet CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz den Leitspruch. "Der Slogan erreicht es nicht, die Alleinstellungsmerkmale Karlsruhes hervorzuheben", kritisiert sie im ka-news-Gespräch. Deshalb werde die CDU der Vorlage nicht zustimmen. Er sei einfach wenig aussagekräftig - sowohl für die Bürger, als auch nach außen hin.

Die Stadträtin könne sich bei der Findung eines passenden Leitspruchs durchaus eine Bürgerbeteiligung vorstellen. "Die Bevölkerung hat ein gutes Gefühl dafür, wie ein Slogan wirkt", findet sie. Schließlich müssten die Bürger sich darin wiederfinden. Den weitläufigen Reaktionen zufolge werde genau dies mit dem aktuellen Vorschlag aber nicht erfüllt.

KAL: "Keine schlechten Ideen aus Berlin abholen"

Auch die Karlsruher Liste (KAL) wolle sich, wenn es zur Abstimmung kommt, eindeutig gegen den Vorschlag aussprechen. KAL-Stadtrat Eberhard Fischer lehne "baden in ideen" auf jeden Fall ab und sei einem neuen Spruch gegenüber nicht abgeneigt. "Ich habe Verständnis dafür, dass die Stadt für das Stadtjubiläum einen neuen Slogan braucht", räumt er ein. Mit dem Logo zum 300. Geburtstag würde der bisherige Spruch "viel vor. viel dahinter." nicht funktionieren.

"Grundsätzlich könne man mit dem alten Spruch noch ein paar Jahre weiterarbeiten und einen eigenen Slogan für das Stadtjubiläum suchen. Das macht Sinn", glaubt Fischer. Auch seiner Meinung nach sollte es einen Wettbewerb für die Bürger geben, in dem sie Vorschläge abgeben könnten. "Man muss nicht nach Berlin gehen, um schlechte Ideen abzuholen", schickt Fischer einen Seitenhieb in Richtung Stadtmarketing.

FDP: "Abstimmung verschieben und Ruhe in die Diskussion zu bringen"

Die FDP-Fraktion will am Dienstag noch nicht über den Slogan abstimmen lassen. Sie hat beantragt, die Abstimmung von der Tagesordnung zu nehmen. "Man kann nichts durchsetzen, was für die Bevölkerung nicht geht", erläutert Fraktionsvorsitzende Rita Fromm gegenüber ka-bews. Die Öffentlichkeit sei nicht ausreichend darüber informiert worden, wie der neue Claim genau entstanden sei.

"Wir hoffen mit unserem Antrag erstmal Ruhe in die Diskussion zu bringen", erklärt Fromm. Die Vorgehensweise, die sehr unglücklich gelaufen sei, müsse überdacht werden. "Wenn man Karlsruhe voranbringen will, muss man die Bevölkerung hinter sich bringen", ist sie überzeugt. Das müsse in der "Denkpause" geschehen. Zudem bestünde kein zeitlicher Druck, schon jetzt über einen neuen Leitspruch zu entscheiden.

Freie Wähler: "Macht ein Slogan für Karlsruhe überhaupt Sinn?"

Auch die Freien Wähler wollen die Abstimmung verschieben. Jedoch wollen sie dem Slogan keine zweite Chance geben. "Die erste Frage muss lauten, ob ein einziger Slogan für eine vielfältige Stadt wie Karlsruhe überhaupt Sinn macht", betont Stadtrat und OB-Kanidadt Jürgen Wenzel. Dieser erste Schritt sei völlig übergangen worden.

Lautet die Antwort auf diese Frage "ja", müsse sich die Stadt Gedanken machen, wie sie die Bürger bei der Findung einbeziehen kann. "Die zweite Frage lautet dann, wie wir die Bürger dazu kriegen, dass sie hinter einem neuen Slogan stehen", erklärt Wenzel.

Linke: "Der Slogan drückt etwas offenes und positives aus"

Positiv äußert sich Linke-Stadtrat Niko Fostiropoulos. "Ich finde den Slogan gut", sagte er gegenüber ka-news. Er drücke etwas offenes und positives aus - nämlich dass man offen ist für Ideen und die brauche man, um Karlsruhe weiterzubringen. Es sei jedoch unglücklich gewesen, dass die Stadt den Slogan von oben herab aufgezwängt und die Bürger nicht habe mitbestimmen lassen.

Deshalb distanziere sich Fostiropoulos ebenfalls von der Beschlussvorlage. "Wir regen ein neues Verfahren an, in dem die Bürger zusätzlich zum aktuellen, weitere Vorschläge machen können", erklärt der Stadtrat. Jeder Vorschlag müsse sich an "baden in ideen" messen. Wenn ein besserer dabei sei, wäre er auch zufrieden.

"'Karlsruhe - baden in ideen.' transportiert mehr Inhalt als der Vorgänger", findet Einzelstadt Friedemann Kalmbach. "Mit diesem Wortspiel werden Emotionen und Verstand angesprochen. Badisches Lebensgefühl und Innovation sind die beiden Pole der badischen Identität." Der Claim selbst sei in seiner Machart jedoch sehr regional angelegt. Der Claim sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber so noch nicht reif für die nächsten zehn Jahre. Zudem wünsche auch er sich, die Bevölkerung mehr einzubinden.

Grüne: "Die Bürger wollen mitreden - wir wollen sie beteiligen"

Auch die Grüne-Fraktion wünsche sich einen Ideenwettbewerb, in dem die Bürger zusätzlich zum umstrittenen Slogan weitere Vorschläge einbringen können. "Aus der Diskussion über den Leitspruch haben wir gesehen, dass die Bürger mitreden wollen. Diese Möglichkeit wollen wir ihnen geben", erklärt die Fraktionsvorsitzende, Bettina Lisbach.

Dazu solle die Stärken-Schwächen-Analyse veröffentlicht werden, um den Bürgern Hinweise und Ideen für ihre eigenen Vorschläge zu geben. Eine Jury aus unabhängigen Fachleuten küre dann die beste Idee. "Wenn sich dabei zeigen sollte, dass der jetzige Leitspruch doch der beste ist, können wir damit auch leben."

Ob die Beschlussvorlage tatsächlich zur Abstimmung kommt, wird Oberbürgermeister Heinz Fenrich spätestens am Dienstag kurz vor Sitzungsbeginn entscheiden. Auf mehrheitliche Zustimmung kann das Stadtoberhaupt kaum hoffen. So bleibt abzuwarten, wie es mit dem Slogan weitergeht.

Die SPD-Fraktion war bisher für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wir reichen diese nach, sobald sie uns vorliegen.

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  •   ALFPFIN
    (7612 Beiträge)

    23.07.2012 16:27 Uhr
    Alleinstellungsmerkmal
    kommt noch dazu, das kürzeste U-Sträble Deutschlands. Und gemessen an der Strecke auch das Teuerste vermutlich. grinsen
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  •   80er
    (5973 Beiträge)

    23.07.2012 18:05 Uhr
    Wie auch....
    ....immer: jede Stadt in Deutschland sucht ihr Alleinstellungsmerkmal...und herauskommt dann was andere Städte auch haben....
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  •   Insider
    (774 Beiträge)

    23.07.2012 13:33 Uhr
    50.000 €
    Die 50.000 € sind branchenüblich nicht überteuert. Das muss man wissen. Es ging ja nicht nur um die Findung des claim, sondern um die Analyse, die auch durchgeführt wurde.
    Was gar nicht geht, ist "viel vor, viel dahinter weiterzuführen. Schon gar nicht Jahre, wie es von einem ganz "tollen" Stadtrat gefordert wird.
    Aber schön anzuhören ist, wie Mergen und Käthler schon im Vorfeld beschwichtigen, dass es kein Problem sei, wenn der Claim durchfalle. Und wie die kochen, wenn er durchfällt. Denn sie sind davon überzeugt (gewesen). Und Frau Mergen hat sich ja schon dafür ausgesprochen die Bürger nicht zu beteiligen. Das solle man Marketing-Profi überlassen!!! Das ist Satire pur!
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  •   80er
    (5973 Beiträge)

    23.07.2012 13:07 Uhr
    Wenn ich so ein....
    ....Käse schon höre: "Alleinstellungsmerkmal nicht hervorgehoben" oder "Bürger müssen beteiligt werden...." Was ist denn das Alleinstellungsmerkmal von Karlsruhe: zum einen der Fächergrundriss und zum anderen der Sitz von Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof. Mehr fällt mir gerade nicht ein. Doch: die Geburtsorte von Drais und Benz. Aber um diese drei "Alleinstellungsmerkmal gabe es doch schon Slogans: "Karlsruhe hat die Welt auf Räder gestellt", "Karlsruhe-Residenz des Rechts" und über den Fächergrundriss war auch schon mal was. Und die Bürgerbeteiligung? An alle: so ein Slogan soll nach außen wirken, nicht nach innen. Außerhalb von KA und Baden-W. kam der Spruch "Viel vor -viel dahinter" viel besser an als mancher Karlsruher glauben möchte. Es nicht um einen Spruch für die Karlsruher, sondern es geht um einen Spruch für außerhalb der Region und des Landes.
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  •   silberahorn
    (10739 Beiträge)

    23.07.2012 18:15 Uhr
    Alleinstellungsmerkmal ist auch der Traum, den jemand hatte um hier sein Schloss innerhalb von Strahlen bauen zu lassen.
    Deswegen habe ich "Traumstadt" vorgeschlagen.
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  •   geradeauskurve
    (147 Beiträge)

    23.07.2012 12:26 Uhr
    Berliner Agentur?
    Klar, die wissen was Karlsruher wollen.....Stadtmarketing entlassen!!
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  •   80er
    (5973 Beiträge)

    23.07.2012 13:09 Uhr
    Es kommt nicht darauf an....
    ...was die Karlsruher wollen, sondern darauf, wie man außerhalb von Baden-W. Karlsruhe bekannt macht. Das Stadtmarketing hat nicht die Aufgabe die Karlsruher glücklich zu machen, sondern es hat dafür zu sorgen, dass möcglichst viele Nichtkarlsruher nach KA kommen.
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  •   todi01
    (1174 Beiträge)

    23.07.2012 11:42 Uhr
    In einem zweiten Schritt
    sollte man sich dann überlegen, ob man das Stadtmarketing weiterhin Geld vernichten lässt, oder diesen Chaosladen endlich dicht macht. Deren Unfähigkeit ist so offensichtlich wie die Pleite Griechenlands - jeder weiß es, niemand traut sich, Konsequenzen zu ziehen.
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  •   melotronix
    (3397 Beiträge)

    23.07.2012 11:14 Uhr
    hopp Mergen....
    diese idee mit der Erstattung der 50.000 Euros finde ich gar nicht schlecht...also rathaus...spende..z.b. an das karlsruher sybelheim..damit erreicht man so viel mehr..unfassbar es gleich in die Tonne zu werfen. Ich könnte grade k...
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  •   barlou
    (2555 Beiträge)

    23.07.2012 10:55 Uhr
    Das Geld...
    ...ist doch ausgegeben und jetzt schmeißen sich unsere Lokalpolitiker hinter den fahrenden Zug? Was jetzt aber nicht heißen soll, dass sie sich in Zukunft vor den fahrenden Zug werfen sollen.
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