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Karlsruhe Karl-Apotheke am Stephanplatz: Inhaber bangt um Existenz

Für viele Geschäfte rund um den Europaplatz haben die Bauarbeiten zur Kombilösung Veränderungen mit sich gebracht: Schlechte Erreichbarkeit, weniger Kunden. Die Postgalerie beispielsweise schien bereits dem Untergang geweiht - stieg jedoch mit ihrer Neueröffnung wie Phoenix aus der Asche. Ein neues Gesicht könnte auch der Stephanplatz mittelfristig erhalten. Ein Investor hat offenbar Interesse angemeldet. Nun bangt die dort ansässige Karl-Apotheke um ihre Existenz - derzeit gibt es aber weder eine Ausschreibung, noch Pläne.

Aus der Stadtverwaltung heißt es auf ka-news-Anfrage, dass Oberbürgermeister Frank Mentrup Veränderungen auf dem Stephanplatz im Bereich gastronomische Vermarktung nicht ausschließe - die Diskussion allerdings erst am Anfang stehe. "Diese findet dann auch mit der Öffentlichkeit statt", erläutert eine Sprecherin.

"Stadt: Aktuell keine Pläne"

Bürgermeister Michael Obert erklärt: "Es gibt aktuell keine Pläne geschweige denn Ausschreibungen." Wäre dies der Fall, würde auch zunächst der Planungsausschuss informiert. Obert stellt auch klar, dass man der Karl-Apotheke kürzlich eine Vertragsverlängerung angeboten habe. Bis Ende 2018 habe der Inhaber also Planungssicherheit.

Das sieht dieser allerdings ganz anders: "Wir haben den neuen Vertrag noch nicht unterschrieben", berichtet Christian Giese auf ka-news-Anfrage. Sein aktueller Vetrag laufe bis 2015, danach seien ihm nur noch weitere drei Jahre angeboten worden, "mit der Maßgabe, mich nach einem neuen Standort umzusehen".  Üblich seien jedoch Veträge über zehn Jahre, meist mit Option auf Verlängerung. Von Seiten der Ersten Bürgermeisterin Margret Mergen sei ihm mitgeteilt worden, dass man vorhabe den Stephanplatz nach Beendigung der Kombilösungsarbeiten aufzuwerten, so Giese. "Wir stellen in ihren Augen offensichtlich eine Abwertung dar." Das findet der Apotheker nicht fair.

Dass er sich nach einem neuen Standort umsehen soll, könne seiner Ansicht nach nur eines bedeuten: Ein Investor habe Bauabsichten, die Apotheke soll abgerissen werden. "Ich habe mehr als 20 Mitarbeiter und ein Umzug ist für mich mit enormen Kosten verbunden, die ich nicht aufbringen kann."

Flachbau stammt aus den 1920er Jahren

Sollte sich die Stadt mit dem noch unbekannten Investor einigen, ist wohl nicht vor Ende 2015 mit konkreten Planungen zu rechnen. Bis diese von den gemeinderätlichen Gremien abgesegnet wären, müsste man zunächst über städtebauliche Aspekte, Nutzung, Verkehr und vieles mehr sprechen - je nachdem was der Investor im Sinn hat. Zusätzlich würde die Bürgerschaft eingebunden werden.

Ob die Apotheke dann überhaupt in Frage gestellt würde, ist nach Angaben der Stadt ebenso unklar. Dennoch hat sich Christian Giese frühzeitig an die Politik gewandt. "Ein Abriss der Karl-Apotheke kommt für uns nicht in Frage", versichert Grüne-Fraktionssprecherin Bettina Lisbach in einer Pressemitteilung. Der Flachbau aus den 1920er Jahren sei charakteristischer Bestandteil des Platzes. "Wir sehen keinerlei Anlass für städtebauliche Veränderungen an dieser exponierten Stelle." Da das Umfeld des Stephanplatzes bereits sehr dicht bebaut sei, eigne sich der Platz auch nicht für weitere Innenentwicklung und eine mehrstöckige Bebauung, so die Grünen.

Auch die Wählervereinigung Gemeinsam für Karlsruhe (GfK) will sich für den Erhalt der Apotheke einsetzen: "Wir haben schon genug Gebäude in Karlsruhe verloren, die den Charme unserer Stadt mit ausmachten", meint Stadtrat Friedemann Kalmbach. Auch die Freien Wähler wollen einen Abriss des "Karlsruher Kleinods" verhindern. Die CDU-Fraktion setzt sich auch für die Apotheke ein. Am Freitagabend treffen sich die CDU-Stadträte mit dem Inhaber der Apotheke zu einem gemeinsamen Gespräch.

Petition im Internet

Im Internet haben sich die Karlsruher Künstler Renate Schweizer und Matthias Kehle zusammengefunden und betreuen gemeinsam eine offene Petition zum Erhalt der Karl-Apotheke, die inzwischen bereits über 900 Stimmen zählt. Laut Kehle unterstützen weitere namenhafte Künstler wie Harald Hurst und Harald Schwiers die Aktion zur Erhaltung der Karl-Apotheke. Die Apotheke habe eine über 70-jährige Tradition, es sei einfach schade wenn soviel Schönes zersört werde, so Schweizer. Für Autor Matthias Kehle ist der Erhalt des Stephanplatz eine Herzensangelegenheit: Er rief das Internetblog http://stephanplatz.blogspot.de/ ins Leben und sammelt dort Leserbriefe und Fotos rund um den Stephanplatz.
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Kommentare (44)
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  • unbekannt
    (62 Beiträge)

    24.12.2013 09:34 Uhr
    über 20 Mitarbeiter?
    Treten sich diese Menge an Mitarbeitern, oder eher Mitarbeiterinnen bei Herrn Giese gegenseitig auf die Füsse? Oder handelt es sich hier um 15 Pauschalkräfte, und ein paar wenige Teilzeitbeschäftigte?
    Wenn Herr Giese sich einen Umzug nicht leisten kann, dann denke ich, hat er zuviel Personal eingestellt, denn dann scheint sich die Apotheke ja nicht zu tragen.
    Im übrigen sehe ich das ganze als eine reine PR-Aktion, ich war in dieser Apotheke nie, und werde auch jetzt dort nicht hineingehen, denn es gibt ja noch Dutzende anderer Apotheken in der Stadt, gefühlt an jeder Ecke 3, deswegen finde ich dieses "Gejammer " auf sehr, sehr hohem Niveau.
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  •   Insider
    (724 Beiträge)

    21.12.2013 13:12 Uhr
    Wie auch immer,...
    mir geht es primär um den Bau ansich. Der darf niemals verschwinden. Nicht 2015, nicht 2019 und nicht 2021. Nie! Dabei ist es auch egal, ob denkmalgeschützt oder nicht. Die Stadt sollte nicht den gleichen Fehler machen, wie bei der ehemaligen Hofapotheke in der Herrenstraße, wo nun ein pothäßliches Gebäude steht. Damals hat sich Herr Obert null, null für den Erhalt eingesetzt.
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  • unbekannt
    (63 Beiträge)

    20.12.2013 23:07 Uhr
    Wenn interessierts?
    Wir haben dort genügend Apotheken... geschichtlich besonders wertvoll ist es auch nicht...

    Das Tullabad haben sie uns abgerissen durch ein verfic... "EXOTENHAUS" für den Zoo? Der Zoo? Ich glaub ich spinn.. Dieses scheiß Ding ist mit Sicherheit der schwärzeste Punkt in Karlsruh nach Belleäcker
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  •   lynx1984
    (2745 Beiträge)

    21.12.2013 06:43 Uhr
    Unternehmerrisiko
    Direkt schräg gegenüber ist ja bereits die nächste Apotheke auf der Ecke... Vor dem Postgalerieumbar (war???) eine Apotheke in der Postgalerie. Wenige hundert Meter weiter auf der Kaiserstraße gleich die nächste Apotheke... Eine mehr oder weniger...
    Klar hängt da doch eine ganze pers. Existenz inkl. Personal dran. Aber solange es da keine Pläne gibt - warum sollte einer die Petition unterzeichnen?
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  •   Karlsmuede
    (1387 Beiträge)

    21.12.2013 13:46 Uhr
    @ lynx1984
    Du hast Recht, die Apothekendichte ist extrem in der Innenstadt.

    Der Apotheker aus der Postgalerie ist jetzt in Hamburg, ein junger dynamischer Mann.
    Herr Giese, der Inhaber der Karlapotheke ist verwurzelt in Karlsruhe und sein Laden ist eine kleine Oase, er wird keinen Absprung mehr machen in eine andere Stadt.

    Natürlich kann man den Platz platt machen und den nächsten Shoppingtempel dort aufziehen, aber wird das wirklich besser sein?

    Ich erinnere mich noch an das ehemalige Kammertheater, am Rondellplatz, von dem nur noch die Außenfasade erhalten blieb und dem ECE-Center weichen mußte...

    Und zu Deiner Frage, warum man die Petition unterschreiben sollte: Man kann, man muß nicht.
    Stadtplanung ist ein weites Feld...
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  •   haku
    (3815 Beiträge)

    21.12.2013 04:25 Uhr
    Das Tullabad wurde abgerissen?
    Also vorgestern stand das Gebäude noch.
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  •   Karlsmuede
    (1387 Beiträge)

    20.12.2013 21:08 Uhr
    Im Besitz der Stadt und nicht denkmalgeschützt...
    Stadtwiki
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  •   Antichrist
    (1576 Beiträge)

    20.12.2013 19:35 Uhr
    Habe gehoert, dass der Investor ein Hintermann
    der Dibib-Gemeinde ist und dort ein "Begegnungszentrum" und Teehaus errichten moechte.
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    20.12.2013 19:54 Uhr
    Cool
    Gibt es da auch Shischa?
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  •   Karlsmuede
    (1387 Beiträge)

    20.12.2013 18:35 Uhr
    Karlapotheke
    Die Karlapotheke ist meine Lieblingsapotheke, nicht nur wegen dem schönen Schaufenster, den schönen Blumen und dem guten Service, nein Herr Giese bietet den älteren Herrschaften, ab 60 Jahren, 10% Rabatt, er spendet Geld an wirklich gescheite Projekte und man kann bei ihm alle Kräuter zur Creme- und Salbenanfertigungen zubereiten lassen. Den anderen Apotheken ist dieser Kundenservice anscheinend zu aufwendig und inrentabel...

    Es ist toll, daß hier endlich darüber berichtet wird und es wäre schön, wenn ganz viele KA-News-Leser sich an der Petition beteiligen würden. (In der Apo direk, tgibt es auch gelbe DIN-A-4-Blätte für die Unterschriftensammlung.)
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