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Karlsruhe Kältewelle in Karlsruhe: Hilfe für Obdachlose - Schauen Sie nicht weg!

Es ist kalt - bitterkalt. Wohl dem, der sich an die warme Heizung oder unter die Decke auf der heimischen Couch zurückziehen kann. Nicht alle Bürger dieser Stadt haben diese Möglichkeit - Obdachlose trifft die Kältewelle besonders stark. Jeder Karlsruher kann helfen: Schauen Sie nicht weg!

Heute - so sagen Meteorologen vorher - steht Deutschland die kälteste Nacht des Jahres bevor. Unter der Kältewelle leiden besonders die Ärmsten der Armen. Nicht nur in den kalten Tagen ist daher besonders wichtig: Schauen Sie nicht weg, sondern sprechen Sie Personen an, die sich in einer Notlage befinden könnten.

Sprechen Sie obdachlose Personen an und fragen sie, ob sie Unterstützung benötigen. Manchmal hilft schon das Angebot einer warmen Tasse Tee oder Kaffee. Ist die Person nicht ansprechbar oder scheint sie sich in einer hilflosen Lage zu befinden, sollten Sie unter 110 oder 112 Hilfe hinzu rufen. Ist die Person alkoholisiert oder steht unter dem Einfluss anderer Drogen, kann sie unter Umständen gar nicht realisieren, dass sie sich in einer Notsituation befindet. In diesem Fall können Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr helfen, die Lage zu beurteilen.

Kälteschutz-Räume in der Kriegsstraße

Einen Kältebus - wie er beispielsweise in Stuttgart, Berlin oder Hannover im Einsatz ist - gibt es in Karlsruhe nicht, auch eine Kälterufnummer ist nicht eingerichtet. In der Stadt Karlsruhe gibt es im Winter Notfallunterkünfte, den sogenannten Erfrierungsschutz: Von Montag auf Dienstag übernachteten dort 33 Männer und 10 Frauen. 

Der Erfrierungsschutz der "Tür" bietet einen warmen Unterschlupf vor der Winterkälte.
Der Erfrierungsschutz der "Tür" bietet einen warmen Unterschlupf vor der Winterkälte. | Bild: Archiv/cob

Die Räumlichkeiten finden sich in den oberen Geschossen der Kriegsstraße 88. Geöffnet hat sie von November bis April, von 19.30 Uhr bis 8 Uhr. Für Frauen stehen separate Räume in der Lameystraße zur Verfügung.

"Hier können wohnungslose Menschen - unabhängig von Herkunft und Nationalität - kostenlos, im Bedarfsfall auch anonym oder mit Hund, nächtigen, so dass, wenn nur irgend möglich, niemand im Freien bleiben muss", sagt Uwe Enderle von der Diakonie Karlsruhe. Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche betreut den Tagestreff "Die Tür", der sich unter derselben Adresse findet.

Knapp 600 Personen sind ohne festen Wohnsitz

538 Personen sind derzeit in Karlsruhe wohnungslos gemeldet. Die Zahlen schwanken täglich - bleiben aber laut städtischer Fachstelle konstant auf hohem Niveau. 2013 waren es noch rund 350 wohnungslose Personen - bis 2016 folgte ein starker Anstieg. Man spüre, dass Karlsruhe wächst, heißt es im Gespräch mit ka-news. Der Wohnraum in der Stadt ist knapp.

Zu den gemeldeten Personen kommen obdachlose Menschen, die sich dem sozialen System aus den unterschiedlichsten Gründen entziehen und daher nicht offiziell erfasst werden können. Sie suchen täglich Übernachtungsstellen - wie den Erfrierungsschutz - auf. Hier können sie auf Wunsch auch anonym bleiben.

Erfrierungsschutz soll nur Übergangslösung sein

"Natürlich ist es das Anliegen der in der Wohnungslosenhilfe Tätigen, alle Betroffenen zu Inanspruchnahme weiterführender Hilfen - auch der Nutzung eines Erfrierungsschutzes - zu motivieren", so Enderle. Der Erfrierungsschutz soll eine Übergangslösung bleiben - daher müssen die Betten im 2. und 3. Obergeschoss der Kriegsstraße 88 jeden Morgen um 8 Uhr geräumt werden.

"Trotzdem gibt es auch bei dieser kalten und gesundheitsgefährdenden Witterung Menschen, die diese Notübernachtungsstellen nicht nutzen und weiterhin draußen schlafen", sagt Enderle. Über Beratungsstellen, Streetwork und Tagesstätten, zum Beispiel den Tagestreff "Tür", werden sie mit warmer Kleidung, Schlafsäcken und Isomatten versorgt.

Aufenthalt im Freien nicht immer freiwillig

Doch Obdachlose entscheiden sich nicht immer freiwillig für den Aufenthalt im Freien. Oftmals spielen auch psychische Erkrankungen eine Rolle, die den Betroffenen vom Leben in einer Gemeinschaftsunterkunft abhalten, erzählt Enderle.

Im Gespräch mit der städtischen Fachstelle Wohnungssicherung der Sozial- und Jugendbehörde heißt es, dass in Karlsruhe nur wenige Menschen auf der Straße die Nacht verbringen - die Mehrheit der Wohnungslosen sei im Versorgungssystem untergebracht. Fälle wie in Berlin oder Stuttgart, wo ganze Lager im Wald existieren, gebe es in Karlsruhe nicht.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes schauen nach einem Obdachlosen, der in einem Wald in Stuttgart lebt.
Mitarbeiter des Roten Kreuzes schauen nach einem Obdachlosen, der in einem Wald in Stuttgart lebt. | Bild: Christoph Schmidt

Appell an Bürger: Rufen Sie Hilfe!

Bürger sollten, sofern sie - insbesondere in den Nachtstunden - wohnungslose Menschen sehen, die hilflos erscheinen, diese ansprechen, ob sie denn Hilfe benötigen. Und im Zweifelsfall die Polizei (unter 110), der die Notübernachtungsstellen bekannt sind, oder bei akuten gesundheitlichen Gefährdungen die Rettungsleitstelle (unter 112) rufen. "Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig", lautet der Appell von Enderle.

Im Erdgeschoss der Kriegsstraße 88 findet sich mit der "Tür" ein ganzjähriges Beratungs- und Unterstützungsangebot für Wohnungslose. Auch die Diakonie, die Heimstiftung, die AWO oder der Caritasverband sind mit Beratungsangeboten und Unterkünften in Karlsruhe vertreten. Eine Übersicht der Angebote gibt es in der folgenden Karte.

Anlaufstellen für Obdachlose in Karlsruhe:

Vollbildanzeige der Karte

Wohnungslos geworden?

Obdachlos und wissen nicht wohin? Unter der Rufnummer 0721/133 5452 oder 0721/133 5723 steht die städtische Anlaufstelle mit Rat und Tat zur Seite und hilft bei der obdachlosenrechtlichen Unterbringung. Montags, dienstags, mittwochs und freitags ist die Stelle von 8.30 bis 11.45 Uhr zur erreichen. Donnerstags von 13.30 bis 17 Uhr.

Der Erfrierungsschutz der Stadt Karlsruhe ist unter der Nummer 0721/35 400 83 erreichbar. Entgegen einiger Internet-Foreneinträge ist die Nummer nicht als Notfallnummer konzipiert, sondern Anlaufstelle der Beratungsstelle für wohnungslose Männer. Die Nummer ist tagsüber bis 15 Uhr besetzt. Tagsüber können sich Hilfesuchende an die Sozialversicherungsstelle im Rathaus West wenden.

Weitere Informationen: https://www.karlsruhe.de/b3/soziales/einrichtungen/wohnungssicherung.de

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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    28.02.2018 16:20 Uhr
    Im Wohnzimmer
    steht der wandgrosse Fernseher der abgestottert werden muss, die Raten für zwei Autos fressen einen auf und es ist ja alles so wahnsinnig teuer.
    Aber das Elementarste, das Dach überm Kopf, mit Heizung und Wasser das warm aus dem Hahn kommt und man nicht am Brunnen holen muss, also eigentlich das Wertvollste, das darf nichts kosten. So wird doch gedacht.
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  •   Route66
    (2287 Beiträge)

    28.02.2018 16:57 Uhr
    Da stimme ich Dir zu
    Wenn man sieht was die Leute so alles an Technik und KfZ haben, die Kinder schon mit 5 ein Smartphone und mit 10 einen Laptop haben, dann frage ich mich wie die das finanzieren. Wohlgemerkt Normalverdiener. Das gabs bei uns früher nicht. Wenn wir ein Mofa wollten mussten wir in den Sommerferien arbeiten gehen und dann gabs ein gebrauchtes. So lernt man als Heranwachsender mit Geld umzugehen und vor allem den Wert der Dinge schätzen.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    28.02.2018 18:11 Uhr
    Vom
    Normalverdienerpapa wird zum Abi als BELOHNUNG (als ob das eine Leistung wäre) heutzutage ein Neuwagen erwartet. Mit einer alten Chaise kannst du doch keinen Staat machen, die Leute denken ja man sei arm.
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  •   Route66
    (2287 Beiträge)

    28.02.2018 19:57 Uhr
    Sohnemann
    des Nachbarn einen nagelneuen Mercedes C Klasse Coupe zum 18.
    Sind zwar keine Normalverdiener, finde ich aber trotzdem nicht richtig. Das Kerlchen ist halt auch mega arrogant. Da werden auch nur Werte vermittelt, die viel kosten.
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  •   Forenphantom
    (30 Beiträge)

    28.02.2018 07:45 Uhr
    Jahrelang wurde gemahnt,
    jetzt bewegt sich endlich etwas, der soziale Wohnungsbau wird wieder forciert, auf einmal erscheint es wichtig. Man wartet ab, bis es 5 vor 12 ist und reagiert nicht schon bei Viertel vor 12. Aber das dauert leider, weil es nicht von heute auf morgen funktioniert. In sofern also auch falsch. Natürlich bewegt sich etwas.
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  •   Forenphantom
    (30 Beiträge)

    28.02.2018 16:07 Uhr
    Das hört sich
    schon ganz anders! Ich finde auch, dass man mit einem einzigen Vollzeit-Job ein ausreichendes Einkommen haben sollte. Immerhin gibt es schon einen flächendeckenden Mindestlohn, ein erster Schritt. Die schlimmsten Auswüchse bei Leiharbeit sollen bekämpft werden. Der Papiertiger Mietpreisbremse soll laut Koalitionsvertrag nachgebessert werden. Ich bin zwar skeptisch, aber das wird sich noch herausstellen. Vielleicht beginnt langsam ein Umdenken.
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  •   Robert1959
    (1987 Beiträge)

    28.02.2018 20:35 Uhr
    Flächendeckender Mindestlohn?
    Langzeitarbeitslose haben keinen Anspruch auf Mindestlohn, deshalb ist es für mich auch kein Mindestlohn, wenn es Ausnahmen gibt!
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  •   Kartoffelsalat
    (525 Beiträge)

    27.02.2018 22:44 Uhr
    Zwischenüberschrift
    538 Wohnunglose --/--> "Knapp 600 Personen sind obdachlos"
    Wohnungslos und obdachlos ist nicht das gleiche.
    Nicht jeder Wohnungslose ist obdachlos.
    Wohnungslos ist man auch, wenn man bei Freunden übernachtet.
    Obdachlos, wenn man auf der Straße lebt.
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  •   redaktion
    (1253 Beiträge)

    28.02.2018 15:02 Uhr
    Danke für den Hinweis
    Wir haben die Textstelle angepasst.
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  •   ka-lex
    (1661 Beiträge)

    27.02.2018 19:29 Uhr
    Das Hauptproblem wird in dem Artikel nicht angesprochen
    Die meisten Leute in der "obdachlosenrechtlichen Unterbringung" suchen verzweifelt nichts anderes als eine bezahlbare Wohnung. Die Miete würde im Zweifel "vom Amt" bezahlt und ist damit sicher. Das Problem: Vermieter fragen meistens nach der gegenwärtigen Adresse und dem Grund, warum man eine neue Wohnung sucht. Wenn man dann ehrlich antwortet geht sofort der Rollladen runter. Wer wohnungslos ist MUSS ja ein halber Verbrecher sein.

    Ich erleb das jetzt seit drei Jahren. Ich bin eine von den 538 Personen!
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