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Karlsruhe/Köln K.O. in Karlsruhe: Justiz ist Star der neuen Böhmermann-Parodie

Jan Böhmermann hat wieder zugeschlagen: Zu seiner 100. Sendung "Neo Magazin Royale" veröffentlicht der Satiriker eine neue Hit-Parodie: Nachdem 2015 die Polizei mit "Ich hab Polizei" ihr Fett wegbekam, zieht Böhmermann nun die Justiz durch den (herben) Kakao: "Recht kommt (K.O. in Karlsruhe)" heißt der neue Song.

Er polarisiert wie kein Zweiter in der Unterhaltungsbranche: Spätestens seit seinem "Schmähgedicht" spaltet Moderator Jan Böhmermann die Gemüter. Am Donnerstag hat sich der Satiriker in seiner ZDF-Sendung mit einem neuen Werk zurückgemeldet: In seinem aktuellen Song "Recht kommt (K.O. in Karlsruhe)" teilt er gegen die Gangsta-Rap-Szene aus und berappt die deutsche Justiz. Im Zentrum steht auch die Stadt Karlsruhe.

Vermeintlich harte Rapper beschweren sich über Kleinigkeiten

Unter dem Titel "Recht kommt (K.O. in Karlsruhe)" teilt "Pol1z1stens0hn", das Alter Ego von Böhmermann, gewohnt provokativ gegen die sogenannte Gangsta-Rap-Szene und die im Genre übliche harte Sprache aus. Anlass war für den ZDF neo-Moderator ein Facebook-Post des Rappers "Haftbefehl". Dieser beschwert sich über einen Reiseanbieter, von dem er sich ungerecht behandelt fühlt.

Auch seine Rap-Kollegen Bushido und Sido - welchen in ihren Texten keine Probleme mit vulgärer Sprache und Beleidigungen von Personen jeglicher Couleur haben - beschwerten sich zuletzt via Social Media über vermeintliche kleinbürgerliche Lappalien, wie schlechten Service an der Postannahmestelle. Gehören zu den neuen Gegner der Gangster heute etwa die Deutsche Post oder Reisebüro Jahn Reisen? Das Team von "Neo Magazin" lässt das neue Spießbürgertum zwischen den Zeilen durchklingen.

Neue Haftbefehl-Parodie

Diese Vorfälle waren eine Steilvorlage für Böhmermann, der sich in einem Rap-Video die Gangsta-Rap-Szene zur Brust nimmt. Es ist nicht seine erste "Haftbefehl"-Parodie: Nach der Polizei (Song: "Ich hab Polizei" im Dezember 2015), bekommt jetzt die deutsche Justiz mit allen Beteiligten ihr Fett weg.

Eingeleitet wird der Song bei der Sendung mit der ironischen Frage, was kleine Rapper von der Straße und kleine Leute unternehmen können, wenn sie sich "beschissen" und "verarscht" fühlten? Wer könnte diese Ungerechtigkeit klären? Die Antworten liefert der Moderator in seinem knapp dreieinhalbminütigen Rapsong, der in seiner Machart in erster Linie die Gangsta-Rap-Szene durch den Kakao zieht.

Anwälte in teuren Autos, halbnackte Justitia und "Karlsruhesohn"

In seinem Video überträgt der Satiriker die klassischen Stilmittel des Gangsta-Raps auf die Justiz: Neben Juristen, die aus einem Lamborghini steigen, ist auch eine halbnackte Frau als "Justitia", die Göttin der Gerechtigkeit und Symbol der Justiz, zu sehen. Diese beleidigt in derber Sprache die von der Justiz angeklagten Parteien.

Screenshot 0721 Böhmermann
Ausschnitt aus Böhmermanns aktuellen Video: Recht kommt (K.O. in KA). | Bild: Screenshot: "Recht kommt (K.O. in KA)

Eine große Rolle in Böhmermanns neuestem Werk spielt daher auch die "Stadt des Rechts". Im Zusatztitel seines Rapsongs "K.O. in Karlsruhe" spielt der Satiriker auf den Sitz der beiden höchsten deutschen Gerichte (Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht) und letzten Instanzen bei deutschen Gerichtsprozessen an. Im Refrain ist immer wieder "Recht kommt. 0721, Karlsruhesohn" zu hören - in ironischer Anspielung auf den häufig im Gangsta-Rap verwendeten Begriff "Hurensohn".

Die Botschaft?

Trotz der teilweise derben und überdrehten Darstellung besingt Böhmermann schlussendlich die Kraft des Rechtsstaates und der Justiz in Deutschland - nur eben aus Sicht eines Gangsta-Rappers. Statt rabiater körperlicher Gewalt gibt es beim Gangster von heute "Attacke, Anwaltarmee". Weiterhin sind im Musik-Video Utensilien von Neonazis, dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) und das Logo von Volkswagen zu sehen. Böhmermanns Fazit: "Recht kommt, steht über dir und lacht."

 

Und wie beurteilen die Angehörigen der Justiz die Böhmermann-Parodie? Im Video selbst ist immerhin auch der aus dem TV bekannte Rechtsanwalt Ingo Lenßen ("Lenßen & Partner") zu sehen, der dort gemeinsam mit Böhmermann posiert.

Ob sich die von Böhmermann besungenen Richter und Staatsanwälte über das neueste Werk des Moderators begeistern oder entrüsten, darüber kann nur spekuliert werden. Auf ka-news-Nachfrage wollte sich das Karlsruher Bundesverfassungsgericht nicht äußern. Zu einzelnen Medienbeiträgen gebe man keine Stellungnahmen oder Bewertung ab, hieß es von der Pressestelle. Auch der Bundesgerichtshof möchte sich nicht zu dem Video äußern.

Hintergrund

Jan Böhmermann ist deutscher Satiriker und Fernsehmoderator. Er moderiert seit 2013 die Satiresendung Neo Magazine Royale, welche wöchentlich auf ZDF neo ausgestrahlt wird. Böhmermann veröffentlicht seit 2015 unter anderem unter seinem Rap Alter Ego "Pol1z1sten0hn" Song-Parodien. Bekannt wurde der Entertainer bundesweit durch die "Böhmermann-Affäre" und den sogenannten "Varoufakis-Fake".

Die Böhmermann-Affäre entwickelte sich nach einem Fernsehbeitrag des TV-Moderators in Bezug auf den türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan: Mit dem Vortrag einer Schmähkritik im März 2016 - unterbrochen durch erläuternde Einschübe - wollte Böhmermann aufzeigen, wie in Deutschland eine verbotene Schmähkritik funktioniere.

Die türkische Regierung erstattete daraufhin Strafanzeige basierend auf Paragraf 103 Strafgesetzbuch (Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten). Das Verfahren wurde ein halbes Jahr später eingestellt. Der Paragraf wurde im Juni 2017 durch den Bundestag abgeschafft.
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  •   melotronix
    (2614 Beiträge)

    06.02.2018 14:58 Uhr
    mir scheint auch....
    ....das der kleine Jan sich permanent verliert. Vielleicht strullert er sich mal so richtig in die Hosen..dann kann man wenigstens seine Spur verfolgen.
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  •   myopinions
    (903 Beiträge)

    06.02.2018 13:27 Uhr
    ...............kommt im TV der Böhmermann,
    dann fang ich schnell zu zappen an,
    denn dieser tumbe Tele-Prolet, ist
    schlicht und einfach mir zu bleed!
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  •   patrickkk
    (1150 Beiträge)

    06.02.2018 11:09 Uhr
    Naja
    Dass das ganze mit GEZ gebühren bezahlt ist (wo er auch seine gesamte Karriere verbracht hat) fügt dem ganzen dann doch eine ungewollte Komik bei.

    1998 wären diese Gängsterrapparodien noch lustig gewesen... mittlerweile parodieren sich die Gangsterrapper seit 20 Jahren selber, da ist dieser hier irgendwie kalter Kaffee.
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  •   Laetschebachschorsch
    (3088 Beiträge)

    06.02.2018 09:35 Uhr
    Wer
    ist denn schon dieser "Ballermann"? Es ist für mich nur traurig, dass so einer in der Öffentlichkeit und im Fernsehen so viel Platz erhält.
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  •   107
    (295 Beiträge)

    05.02.2018 21:03 Uhr
    Was sagt der Böhmermann ? Was hat er gesagt ???
    ...von einem völkerrechtlich verbindlichen Friedensvertrag hat er direkt nichts gesagt, wenn ich nicht irre.

    Immerhin hat Andreas Voßkuhle ( Bundesverfassungsgericht ) am 25.07.2012 gesagt was zu sagen war.
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  •   ALFPFIN
    (6291 Beiträge)

    05.02.2018 18:45 Uhr
    Böhmermann
    mag ja glauben, dass es sich bei seinen Ergüssen um Satire handelt, für mich ist das alles nur geschmacklos.
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    (3546 Beiträge)

    05.02.2018 20:41 Uhr
    Wobei das
    mit dem 'Reichspark' wirklich richtig gut gemacht war, ich weiss nicht wieviele das geglaubt haben...nur das mit dem Gedicht über Erdogan hat gezeigt, dass er sich für nichts zu schade ist um einfach die Präsenz seines Namens in den Medien zu sehen, egal ob positiv oder negativ. Aufmerksamkeit braucht er um jeden Preis, der kleine Jan.
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