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Karlsruhe Justizopfer Harry Wörz wird entschädigt: 25 Euro für jeden Tag hinter Gittern

Der Birkenfelder Harry Wörz wurde im Jahr 1998 zu Unrecht wegen versuchten Totschlags verurteilt. Ihm war vorgeworfen worden, Ende April 1997 seine Frau fast erwürgt zu haben. Nach etlichen Prozessen und viereinhalb Jahren im Gefängnis wurde das Justizopfer schließlich im Jahr 2010 freigesprochen. Vier Jahre später und nach weiteren Prüfungen, steht nun das gesamte Entschädigungsmaß fest: Wörz stehen pro Hafttag 25 Euro zu - darüber hinaus wurde ihm die Erwerbsunfähigkeit bescheinigt.

Der Fall von Harry Wörz gilt als einer der bekanntesten Justizirrtümer der letzten Jahre. Der Birkenfelder saß viereinhalb zu Unrecht im Gefängnis, bis er 2010 nach langwierigen Wiederaufnahmeverfahren schließlich Recht bekam und freigesprochen wurde.

Wörz erhält Erwerbsunfähigkeitsrente

Wie der Karlsruher Generalstaatsanwalt Uwe Schlosser noch im Februar im Rahmen einer Jahresbilanz erklärte, hatte Wörz bis dahin bereits zwei Vorschusszahlungen auf die geltend gemachten Ansprüche erhalten. Bislang hatte man auf Bescheinigung der Erwerbsunfähigkeit gewartet - nun konnte die gesamte Entschädigung nach Gesetz abgerechnet werden, wie aus einer aktuellen Pressemitteilung hervorgeht. Neben der Erwerbsunfähigkeitsrente wurde Wörz auch eine monatliche Entschädigungszahlung zugesprochen. 25 Euro pro Hafttag stehen dem Justizopfer laut Informationen der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe zu. 

Mit diesem Urteil ist das Strafrechtsentschädigungsverfahren abgeschlossen. "In Hinblick auf überwiegende schutzwürdige Interessen von Wörz können keine weitergehenden Auskünfte erteilt werden", gibt die Generalstaatsanwaltschaft weiter bekannt.

Aktualisierung 17.30 Uhr:

Nach Bewertung eines Gutachtens sprach Harry Wörz die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe am Donnerstag "wegen strafverfolgungsbedingter Erwerbsunfähigkeit" eine zeitlich befristete monatliche Zahlung zu. Über die Höhe wollte die Behörde keine Auskunft geben, um die Interessen von Wörz zu schützen. Auch sein Anwalt Hubert Gorka nannte den Betrag nicht, sagte aber der Nachrichtenagentur dpa: "Ich bin von der Entscheidung sehr enttäuscht, da viele Teile seiner Ansprüche nicht berücksichtigt wurden." Wörz müsse die 23-seitige Entscheidung nun erst einmal durchlesen. Zugleich kündigte Gorka an: "Ich werde Herrn Wörz höchstwahrscheinlich zur Klage raten." Es gehe um eine angemessene Entschädigung, die er beim Landgericht Karlsruhe durchsetzen wolle.

Der gelernte Installateur Wörz war wegen versuchten Totschlags an seiner von ihm getrennt lebenden Frau verurteilt worden. Sie war 1997 mit einem Schal gewürgt worden und ist seitdem schwerbehindert. Wörz verbüßte eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren. Rund 13 Jahre kämpfte er vor verschiedenen Gerichten, bis er seine Unschuld beweisen konnte. Der Täter ist bis heute nicht ermittelt worden. Im Haftentschädigungsverfahren hatte er nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft bereits zwei Vorschüsse erhalten: 41.900 Euro für den erlittenen immateriellen Schaden mit einem Satz von 25 Euro pro Hafttag sowie einen nicht bezifferten Vorschuss für den materiellen Schaden.

Mehr zum Fall Harry Wörz:

Karlsruher Generalstaatsanwalt: 226.00 Fälle 2013 - und kein Ferrari

Nach BGH-Urteil: Im Fall Harry Wörz wird kein Täter mehr gesucht

 

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  •   vielvordahinter
    (1453 Beiträge)

    19.04.2014 22:28 Uhr
    was machen unsere studietren Juristen(Staatsanwälte & Richter)eigentlich beruflich...???
    http://www.youtube.com/watch?v=69rgtVZQOJY

    ...bzw. welche Ausbildung geniesen diese Helden in ihrem Studium???
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  • unbekannt
    (156 Beiträge)

    18.04.2014 04:54 Uhr
    raver und die Polizeifans schweigen
    in manches einer Welt kann eben nicht sein, was nicht sein darf. Da macht die Polizei keine Fehler, ist nicht korrupt und schlecht ausgebildet...in Fantasialand...
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  •   friend60
    (2559 Beiträge)

    17.04.2014 18:24 Uhr
    25€
    sind echt ein Witz. Immerhin ist er jetzt erwerbsunfähig.
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  •   ralf
    (3670 Beiträge)

    17.04.2014 22:41 Uhr
    1,04 Euro pro Stunde
    Toller Stundenlohn...

    Warum ist die Zahlung wegen seiner Arbeitsunfähigkeit zeitlich befristet? Das erschließt sich mir nur, wenn seine Arbeitsunfähigkeit zeitlich befristet ist.
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  •   silberahorn
    (9954 Beiträge)

    18.04.2014 04:57 Uhr
    Es geht wahrscheinlich darum, wie es später weitergeht, wenn er jetzt noch einmal klagen soll.

    Erwerbsminderungsrenten sind immer zuerst zeitlich befristet. Ein halbes Jahr gibt es nur 0,5, weil in dieser Zeit eine Rehabilitation erfolgen kann. Danach wird es meistens voll gezahlt für zwei Jahre und dann wird überprüft, ob Heilungserfolge Erwerbsleben ermöglichen.
    Das alles ist aber kompliziert, weil man noch unterscheiden muss zwischen Unfähigkeit im erlernten Beruf etc.
    Da er schon mal eine Umschulung hatte wird bei ihm sicherlich auch eine Wechselwirkung verschiedener Krankheiten zählen.
    siehe Verminderte Erwerbsfähigkeit
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  •   Ohrtunnel
    (1006 Beiträge)

    17.04.2014 23:05 Uhr
    harz vier
    isch aba au net viel höher musser halt perlebacher schdatt sauteires tannezepfle trinke
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  •   orakelka
    (1910 Beiträge)

    17.04.2014 17:25 Uhr
    Es wäre an der Zeit dass unser Staat auch für
    seine Fehler einsteht, dazu gehört auch eine gerechte Entschädigung für Justizopfer, er kann sich das ja bei denen zurückholen die den SChaden verursacht haben.

    Ein Änderung des Rechts, in dem Fall sogar rückwirkend ist wichter als die regelmäßigen Diäterhöhungen die unsere "Superpolitiker" zugestehen.

    Ein "tut uns leid" und 25 Euro am Tag ist hier eindeutig zu wenig.

    Es wird Zeit, dass auch Staatorgane Verantwortung übernehmen müssen.

    Eine tut mir
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  •   Wuehlmaus
    (3488 Beiträge)

    17.04.2014 20:42 Uhr
    Was hätte er in der Freiheit verdient?
    25 Euro, das ist noch nichteinmal der halbe Mindestlohn.
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  •   Ohrtunnel
    (1006 Beiträge)

    17.04.2014 23:05 Uhr
    ma
    lebe halt in nem scheisschtaad traurig
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  •   candyman
    (7188 Beiträge)

    19.04.2014 21:08 Uhr
    mal Halblang...
    Selbst wenn "nur" 98% der Ermittlungen, Gerichtsverfahren und Verurteilungen einigermaßen rechtens ablaufen (und in diese 98% musst du jede Verhandlung zu Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber, Straßenverkehr, Nachbarschaftsmist usw. mit einrechnen, also nicht nur die "großen" Fälle), dann ist unser Staat mit Sicherheit im Vergleich zum Rest der Welt ganz oben angesiedelt.

    Ja, manches läuft schief. Aber geh in die Türkei, die USA oder in die BRIC-Staaten... viel Spaß.

    Nee, das läuft schon insgesamt sehr gut in Deutschland.

    Und dass Recht und Gerechtigkeit zwei paar Schuhe sind, dürfte uns allen nichts neues sein.
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