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Karlsruhe Ist das privat oder schon Werbung? Karlsruher Gericht entscheidet über werbliche Inhalte auf Pamela Reifs Instagram-Profil

Werbung muss als solche gekennzeichnet sein. Dieser Grundsatz herrscht bereits seit langen Zeiten in den Medien. Nicht ganz geklärt ist das Feld aber bei den neuen Medien, allen voran dem Bildernetzwerk Instagram. Welche Kennzeichnung muss erfolgen, wenn dort ein Nutzer ein Bild in seinem Kanal veröffentlicht, auf dem Produkte zu sehen sind? Das Karlsruher Landgericht hat sich mit dieser Frage beschäftigt: Dort musste sich am Donnerstag Pamela Reif verantworten, deren Bilder immerhin über vier Millionen Menschen regelmäßig in ihrer Timeline auf Instagram haben.

Bereits in den Anfangszeiten der modernen Filmindustrie war es ganz normal, dass Filme zum Teil dadurch finanziert wurden, dass Produkte gezielt in Szene gesetzt wurden. Mit dem Film "Die Reifeprüfung" im Jahr 1967 habe diese Art der Werbung ihre Durchbruch gefeiert, heißt es. Dort stand vor allem das von Schauspieler Dustin Hofmann genutzte Auto im Mittelpunkt. Richtig Fahrt aufgenommen hat diese Art von Werbung in den 1980er und 90er Jahren: Das Vertrauen des Außerirdischen E.T. wurde beispielsweise mit einer namentlich genannten Süßigkeit gewonnen.

Und noch heute kann genau gesagt werden, von welcher Marke die Uhr von James Bond ist oder welches Auto er fährt. Meist steht am Ende eines jeden Filmes der kurze Hinweis, dass die Produktion mit Produktplatzierungen unterstützt wurde. Doch wie sieht es abseits der Film- und Fernsehindustrie in einem anderen Ast der Medienbranche aus? Dürfen im Fotonetzwerk "Instagram" Produkte prominent platziert werden oder muss das dann als Werbung gekennzeichnet werden - auch wenn vielleicht nicht mal unbedingt Geld geflossen ist?

Pamela Reif vor dem Landgericht Karlsruhe
Pamela Reif gab vor dem Verfahren Interviews für die Medienvertreter. | Bild: Florian Kaute

Werbung, ohne eine Kennzeichnung als Werbung?

Fragen, die sich am Donnerstag das Karlsruher Landgericht stellte. Dort begann der Prozess gegen die Karlsruherin Pamela Reif, eine der deutschlandweit erfolgreichsten "Influencer". Dieser Begriff erlangte erst in der jüngsten Vergangenheit seine Bedeutung, da mehr und mehr Nutzer der sozialen Medien ihre Reichweite nutzen, um damit bewusst das Konsumverhalten ihrer Fans zu beeinflussen.

Und genau diese Beeinflussung ist Gegenstand des laufenden Verfahrens vor dem Karlsruher Landgericht. Dem Verband Sozialer Wettbewerb sind konkret drei Postings von Pamela Reif aus dem Jahr 2018 aufgefallen. Dort hatte sie direkt auf dem Bild mal ein Hotel, mal einen Sportartikelhersteller und mal eine französische Kleidungsmarke verlinkt. Eine konkrete Kennzeichnung als Werbung erfolgte nicht, weshalb sich Reif nun wegen Schleichwerbung verantworten muss. Der Verband erwirkte daher vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilig Verfügung. Pamela Reif nahm die drei Posts mittlerweile von ihrer Seite.

Da Reif ihren Wohnsitz in der Fächerstadt hat, wurde diese Verhandlung zur Kammer für Handelssachen am Karlsruher Landgericht verlegt. Deren Vorsitzender Richter Dr. Steffen Wesche sprach in der Angelegenheit von "Neuland" für die Gerichte, doch "auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum - zum Glück!"

Transparenz bei Instagram-Werbung soll verbessert werden

Das Ziel des Verfahrens sei vor allem die bessere Erkennbarkeit von Werbung auf Instagram, bestätigt auch Rechtsanwalt Franz Buchert, der den Verband Sozialer Wettbewerbe in diesem Prozess vertritt. Es solle eine Transparenz geschaffen werden, die für den Nutzer die Werbung eindeutig als solche kennzeichnet. "Denkbar wären die bereits möglichen Funktionen des Netzwerks nutzen oder der Kanal erhält eine Beschreibung wie 'Dauerwerbesendung', wie es bei Sendungen von TV-Macher Stefan Raab üblich ist", so Buchert im Gespräch mit ka-news.

Doch von einer solchen "Dauerwerbesendung" will Pamela Reif beim Auftakt des Verfahrens nicht sprechen. Immerhin würde sie im Verhältnis mehr private Postings veröffentlichen, als bezahlte Inhalte. Doch genau hier sieht das Gericht den Knackpunkt: "Wenn die Bundeskanzlerin sich auf den Marktplatz stellt und eine Rede hält, kann sie dann nicht sagen, dass sie das als Privatperson gemacht hat", so Richter Steffen Wesche, der in diesem Fall auf die öffentliche Bekanntheit, den "Promi-Status", der 22-Jährigen verweist.

Urteil wohl erst Ende März

Das Gericht wird in den kommenden Wochen nun entscheiden, ob "Werbung für diverse Produkte beziehungsweise Marken in sozialen Medien zu unterlassen [ist], sofern diese dort nicht ausdrücklich als Werbung gekennzeichnet ist." Beide Parteien haben nun sechs Wochen Zeit, ihre Argumentationen in Schriftform darzulegen. Der Richter stellt eine Entscheidung für den 21. März in Aussicht.

Bis Klarheit besteht, das hat Pamela Reif im Prozess angekündigt, wird sie keine weiteren "Tabtags", also Verlinkungen von Firmen auf ihren Bildern, mehr machen. Allgemein nenne sie nun nur noch über die Option "Bezahlte Partnerschaft" die Firmen, von welchen sie Geld für die gemachte Werbung bekommt. In den anderen Posts, die privater Natur sind, wie sie sagt, verzichte sie aktuell auf die Nennung von Markennamen. Sie bemängelt, dass sie dadurch ihren Fans nun keine Produkte mehr empfehlen könne, von welchen sie persönlich überzeugt sei.

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Kommentare (16)
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  •   Suedweschter
    (371 Beiträge)

    26.01.2019 16:01 Uhr
    Wie ist das mit den Steuern und der Gewerbeanmeldung?
    Oder bekommt diese stark geschminkte, vulgär wirkende Frau das Geld für die Werbung etwa geschenkt und ihre Auftraggeber sind ebenfalls alles nur Freunde?

    Ich kann übrigens fast nicht glauben, dass die erst 22 Jahre sein soll, so wie sie aussieht. Gruslich.
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  •   Rino
    (280 Beiträge)

    25.01.2019 14:49 Uhr
    Dummheit
    Die neue Generation verblödet und verdummt immer mehr.
    Kann keine normalen Sätze mehr schreiben und rennt angemalten und aufgepumpten Hohlbirnen hinterher.
    Noch schlimmer als die ganzen Fussball-Millionaris.
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  •   ich
    (4 Beiträge)

    25.01.2019 14:21 Uhr
    Bin ich der Einzige
    Der denkt, dass diese Artikel ein Haufen Werbung für diese talentfreie Dame sind?
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  •   olafb
    (263 Beiträge)

    25.01.2019 09:19 Uhr
    Bezeichnung
    Also für filmisches "Produktplacement" gibt es schon im Volksmund die Bezeichnung Schleichwerbung.
    Diese "Produktempfehlungen" von Influencern verdienen diese Bezeichnung auch.
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  •   dipfele
    (5345 Beiträge)

    25.01.2019 09:45 Uhr
    Es ist schon beklemmend....
    … wenn 4 Mio Leute sich solchen Mist ansehen. Sicherlich nur zur Ablenkung von den wirklichen Problemen.
    Es zeigt aber leider auch, dass sich viele Menschen nicht mehr selbst oder in geselliger Runde kreativ beschäftigen können. Reine Konsumidiotie.
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  •   IchKA
    (720 Beiträge)

    25.01.2019 09:00 Uhr
    Empfehlungen oder postfaktische Fakenews der Influencer
    Die Werbewirtschaft erreicht über andere Kanäle die Zielgruppe der Youngsters kaum noch.
    Das hat einige Influencer zu mehrfachen Millionären gemacht.
    Social Media meist falsch übersetzt mit "soziale Medien" ist alles andere als sozial, sondern bietet Möglichkeiten Produkte oder Meinungen gewinnbringend unter die Leute zu bringen.
    Die Hörigkeit gegenüber IT-Personen und die Naivität vieler junger Menschen darf nicht unkontrolliert benutzt werden. Das Wettbewerbsrecht steht hier in einer sozialen Verantwortung und darf nicht zulassen, dass sich Konzerne über verschiedene Influencerkanäle an junge z.T. unmündige Menschen heranwanzen. Fräulein Reif scheint sich dieser Problematik bewusst zu sein, sonst würde sie vorläufig auf gewisse Postings nicht verzichten. Leisten kann Sie sich das mittlerweile ja allemal. Gleichwohl wäre es an der Zeit global Player wie Facebook und Google endlich an die Kandarre zu nehmen. Inhaltlich, wettbewerbsrechtlich und steuerlich.
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  •   hajmo
    (4165 Beiträge)

    25.01.2019 08:27 Uhr
    Da bin ich zu alt für
    haben die nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen, als einem Influencer nachzuhängen? Millionen von Jugendlichen? Und der damit Millionen verdient.

    Da sollte doch jedem, der sich da anmeldet, klar sein, dass das Dauerwerbung ist. Und jeder, der da trotzdem drauf reinfällt, dem gehörts einfach nicht besser. Nehmt lieber ein Buch zur Hand - meinet wegen auch ein e-book.
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  •   FinnMcCool
    (186 Beiträge)

    25.01.2019 09:04 Uhr
    zu alt dafür?
    Also ich bin jenseits der 50, aber ich kann mich an mein Jugend erinnern, dass da auch viele den Stars nachgeeifert haben. Von wegen "xy hat auf dem Foto ein T-Shirt von abc an", dann musste dies auch gekauft werden. Doch Sie schreiben, dass man lieber ein Buch, auch ein e-book, in die Hand nehmen soll. Doch was ich hier vermisse ist der Hinweis von Ihnen, dass dies nun Werbung für die Buchindustrie ist.
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  •   auchmalsenfdazu
    (3165 Beiträge)

    25.01.2019 09:54 Uhr
    ...
    damals gab es auch noch richtige Stars. Heute sind das irgendwelche Gestalten, die in der virtuellen Welt Werbung für irgendwelche Dinge und ihren Tagesablauf posten.
    Was sie essen, wie ihr Stuhlgang war etc.....

    Und damit auch noch Geld verdienen. Verrückte Zeit
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  •   hajmo
    (4165 Beiträge)

    25.01.2019 09:23 Uhr
    Werbung für die Buchindustrie *grins*
    Stars haben was geleistet - sind aufgrund ihres "Kunst" bewundernswert. Aber was haben Influencer geleistet?
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