32  

Karlsruhe "In falsch verstandener Tierliebe ausgesetzt": Goldfischschwarm im Cityparksee kann zur Gefahr für die heimischen Tiere werden

Der See im Citypark in der Südstadt-Ost scheint sich zur "Unendlichen Geschichte" der Stadt Karlsruhe zu entwickeln. Jetzt wird ein neues Kapitel geschrieben, auch wenn der Inhalt vielleicht zunächst ein bekannter ist. Aber es geht um die tierischen Bewohner des Sees: Manche gehören dort nicht hin. So wie der Goldfischschwarm, der jüngst im See gesichtet wurde.

2017 wurde der See im Citypark in der Karlsruher Südstadt-Ost erst fertiggestellt. Schnell wollten Menschen das Wasser nutzen, um sich eine Abkühlung zu verschaffen: Sie gingen darin schwimmen. Nicht erlaubt, hieß es dann schnell von der Stadt, sie bauten einen Zaun um die Anlage. Mittlerweile sind die menschlichen Schwimmer verschwunden, dafür sind nun tierische im See zu finden. 

Fische im Citypark-See Südstadt-Ost
Bild: ka-Reporter

Immer wieder entsorgen Menschen ihre Haustiere offenbar in dem kleinen Gewässer. "Im See werden auch Zierfische ausgesetzt", so die Stadt Karlsruhe im vergangenen Sommer gegenüber ka-news. Hinweise an die Stadt nährten den Verdacht, dass sich im Stadtparksee der hochaggressive Kalikokrebs ausgebreitet hat. 

Kalikokrebs mit Eiern
Lebt ein Kalikokrebs im Cityparksee? | Bild: Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Das veranlasste die Verwaltung gemeinsam mit der PH Karlsruhe den See nach "Exoten" abzusuchen. Das passierte seit September. "Neben heimischen Arten wie der Wechselkröte oder der Königslibelle finden sich auch nicht-heimische Arten", hieß es im August vonseiten der Stadt über die Untersuchung.

Ein Schwarm ausgesetzter Goldfische lebt im See

"Beköderte Reusen wäre normalerweise wirkungsvoll, wenn im See aber viel Hunde- oder Fischfutter hineingeworfen wird, dann wäre diese Methode wirkungslos", erklärte Andreas Martens, Leiter des Instituts für Biologie von der PH Karlsruhe auf Nachfrage von ka-news noch vor Beginn der Aktion. Mehr wollte man damals gegenüber der Redaktion noch nicht sagen. 

See im Citypark in der Südstadt-Ost
Bild: Leonie Wiegel

Doch das "Abfischen" des Sees im Citypark Südost war wohl nicht von Erfolg gekrönt. Denn in dem klaren Wasser tummelt sich ein Schwarm Fische, die rot-orange leuchten. Wie ein ka-Reporter der Redaktion mitteilt, waren die Passanten in der Südstadt-Ost verwundert, aber auch begeistert, als sie bei ihrem Sonntagsspaziergang die Tierchen gesehen haben. "Teilweise bleiben sie stehen, haben auf das Wasser geschaut. Vor allem Kinder waren fasziniert", so der ka-news-Leser. 

Fische im Citypark-See Südstadt-Ost
Bild: ka-Reporter

Wo kommt aber diese Population an Fischen her? Bedroht sie die heimischen Tierarten im Stadtparksee? "Immer wieder werden Aquarientiere ausgesetzt", so die Stadt Karlsruhe auf Anfrage von ka-news. "Das passiert vermutlich meist in falsch verstandener Tierliebe und ohne Kenntnis zur damit verbundenen Problematik, dass sich die an sich am Standort einstellende Flora und Fauna verändert und oftmals hohe Schadwirkungen für heimische Arten ausgelöst werden!"

Zu viel Futter - zu viele nicht-heimische Fische

Dann werden die schwimmenden Seebewohner von Spaziergängern gerne auch mal gefüttert. "Mit Brot, Fischfutter oder gar Hundefutter", sagt die Stadt gegenüber ka-news. "Dieses Nahrungsüberangebot führt im Weiteren zu unnatürlichen Vermehrungsraten wie etwa beim Goldfisch oder bei Krebsen!" Laut Stadt sind vor allem die Goldfische auffallend. "Die haben sich schon zur Schwarmstärke entwickelt!"

Durch die Biologen der PH Karlsruhe wurden nun einige nicht-heimische Fischarten im See entdeckt. "Der Verdacht auf den Kalokiokrebs hat sich nicht bestätigt. Dafür waren im See der nordamerikanische Signal-Krebs zu finden, der nachweislich ebenfalls durch Aquarienbesitzer ausgesetzt wurden", erklärt das Presseamt der Stadt gegenüber ka-news. Damit die den heimischen Arten nicht gefährlich werden können, wurden sie auf "Individuenzahlen unter der Schadschwelle aus dem See abgefischt". Denn: Auch der Schwarm an Goldfischen, so schön sie auch aussehen mögen, könnte die heimischen Königslibellen etwa bedrohen. 

Stadt sieht keine Fehlplanung

Der See, der erst vor zwei Jahren fertiggestellt wurde und damit die Südstadt-Ost komplettiert, ist  Lebensmittelpunkt für die Bürger des Stadtteils und ein kleines Naherholungsgebiet. Die Anwohner suchen hier Ruhe, beobachten das Geschehen.

Trotz der Entwicklung, dass sich im Sommer 2018 Vandalen im See zu schaffen machten oder immer wieder Aquarienbesitzer ihre Fische aussetzen - von einer Fehlplanung des Biotops möchte die Stadt nicht sprechen. "Der See wird sehr gut angenommen, wir bekommen eine positive Resonanz von den Bürgern. Wichtig ist, dass man achtsam mit dem öffentlichen Raum umgeht. Und dazu gehört, dass man beispielsweise seinen Müll nicht liegen lässt. Auffallend hoher Vandalismus ist am See nicht mehr zu verzeichnen!"

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (32)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   malerdoerfler
    (5059 Beiträge)

    25.02.2019 21:33 Uhr
    Hier Goldfische
    dort Goldstücke - so viel Arbeit für unsere Verwaltung.

    Was haben die Macher dieses Sees eigentlich erwartet bzgl. der Nutzung durch die Anwohner?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HerrNilson
    (759 Beiträge)

    26.02.2019 21:47 Uhr
    Goldstücke
    Meinen Sie das so Malerdörfler?

    Rechte Sprache
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5059 Beiträge)

    26.02.2019 22:37 Uhr
    Oh danke - da kann man ja noch was "lernen",
    oder?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   malerdoerfler
    (5059 Beiträge)

    26.02.2019 22:41 Uhr
    Man kann auch alles mit der links-rechts Brille hier anschauen
    Kann damit vielleicht auch mit ein wenig Ironie und intelligenz gemeint sein, dass ein Großteil der Benutzer diesen See einfach nicht wie erwartet nutzt?

    Den See gibt es noch keine 2 Jahre, aber eine Grundsanierung war schon fällig und er sorgt immer wieder für Negativschlagzeilen, weil irgendwelche Goldstücke nicht wissen wie man so ein Kleinod richtig nutzt.

    Aber denken Sie ruhig weiter in rechts-links.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   HerrNilson
    (759 Beiträge)

    27.02.2019 07:20 Uhr
    Klar kann man das
    Aber dass an Ihnen in den letzten vier Jahren vorbeigegangen sein sollte, welche Ausdrücke - auch hier im Forum - gegen Flüchtlinge von einigen nicks verwendet wurden, ist schon seltsam. Vorschlag: benutzen Sie diese N.speech nicht und schon gibt es kein Rechts-/Linksdenken. Ganz einfach oder?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kampion
    (1280 Beiträge)

    25.02.2019 19:43 Uhr
    Eine Schande...
    ...wie sich Menschen benehmen und die Umwelt zumüllen. 100€ pro weggeworfenen Gegenstand, dann hört das vllt. auf!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nico1966
    (151 Beiträge)

    25.02.2019 19:05 Uhr
    Goldfische
    Was für eine Panik!Garantiert wandern die „Goldis“ jetzt auf dem Rücken der Killerkrebse ins nächste Gewässer ! Und die schwarze „Todes-Krähe“räumt dann die (überquellenden) Mülleimer alleine aus.Tip: öfters leeren !
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gedankenpolizei
    (134 Beiträge)

    25.02.2019 18:15 Uhr
    Oft schleppen Vögel
    Laich aus anderen Teichen in angelegte Gewässer ein. Da benötigt es keine menschliche Unterstützung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Krawallradler
    (113 Beiträge)

    25.02.2019 17:30 Uhr
    sorry aber
    hier darf man aber mal drüber laut lachen:

    Zitat von ka-news Denn: Auch der Schwarm an Goldfischen, so schön sie auch aussehen mögen, könnte die heimischen Königslibellen etwa bedrohen.


    Das ist doch ein künstlicher See, der vorher keine Königslibellen produziert hat. Die Larven der Königslibellen sind gut 2 Jahre im Wasser, aber sicher nicht in dem See, denn die fressen ja auch, z.B. Kaulquappen, Molche, Stichlinge, Plankton etc. Wo sollen die denn alle so schnell herkommen? Die Nahrung der Königslibellen fressen wiederum auch Wasserflöhe, Hüpferlinge etc. Die würde ich also eher im Weingartener Moor suchen.

    Es braucht Jahre, bis sich aus einem Kunstsee ein funktionierendes Biotop entwickelt und als Tümpel oder Weiher hat man den See doch gar nicht angelegt.

    Oder springen die Goldfische aus dem Wasser und jagen die Königslibellen in der Luft? Das wäre natürlich für die Art wirklich bedrohlich ^^
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mcclaney
    (1427 Beiträge)

    25.02.2019 16:48 Uhr
    ...
    Ein Frevel für dieses praktisch naturbelassene Biotop, das für seinen Artenreichtum, besonders die geschützte Schnappsdrossel und der gefährdete Immobilienhai, bekannt ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Fett Kursiv Link Zitat Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Informiert bleiben: