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Karlsruhe Immer wieder Personalmangel bei der AVG - aber wie ist die Lage bei den VBK?

Die "betriebsbedingten Ausfälle" gehören mittlerweile schon fast so zu Karlsruhe, wie die vielen Baustellen. Immer wieder bleiben einzelne Bahnen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) im Depot. Weniger oft in die Schlagzeilen geraten die Verkehrsbetriebe Karlsruhe - doch wie ist die Lage dort?

Das Problem scheint so klar zu sein: Die AVG hat zu wenig Fahrer in ihren Reihen. Doch die Lösung zieht sich nun schon über Jahre hin: Die Personalsuche gestaltet sich schwierig. Und so kommt es immer wieder dazu, dass nicht alle im Fahrplan aufgeführten Verbindungen durchgeführt werden können - wie zuletzt am vergangenen Wochenende. Eine "Krankheitswelle" reicht aus, um die Personalplanung aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Die Kritik häuft sich, gerade im Landkreis sind viele offizielle Vertreter von den Leistungen des Verkehrsunternehmens enttäuscht. Sie wollen daher die Zuschüsse kürzen, bis das Problem behoben ist. An der Lösung arbeiten die Verantwortlichen bereits, unter anderem mit einer Werbe-Kampagne zur Personalgewinnung und mit vielen Ausbildungs-Kursen für die Fahranfänger.

Personaldecke auch bei VBK dünn?

Während man bei der AVG versucht, das Ruder herum zu reißen, verrichtet ein anderes kommunales Verkehrsunternehmen vergleichsweise ohne großes Aufsehen zu erregen seinen Dienst. Doch ist bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK), die vor allem den innerstädtischen Bus- und Bahnverkehr leisten, alles im Lot?

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Glaubt man den Beschreibungen eines Mitarbeiters der Verkehrsbetriebe, liegt auch hier einiges im Argen. Im Gespräch mit ka-news erzählt er, dass hier ebenfalls die Personaldecke "auf Kante" genäht sei. So sei das Defizit zwar nicht so ausgeprägt wie bei den Kollegen der AVG, doch auch er merke, dass sein Job bei Neubewerben an Attraktivität verloren habe.

"Selbstverständlich werden Überstunden erbracht"

Der Zeitdruck, das ständige "im Glaskasten sitzen und beobachtet werden" im Führerhaus, die Baustellensituation und die Unzufriedenheit der Fahrgäste - das alles geht auch an den Fahrer nicht spurlos vorbei. Hinzu kämen viele Überstunden. Wenn er sie nicht fahren würde, wäre er sonst indirekt für einen Fahrtausfall verantwortlich. Sparmaßnahmen der Stadt sieht er als Grund für die enge Personalplanung.

Eine Praxis, die auch Nicolas Lutterbach, ein Sprecher der VBK gegenüber ka-news bestätigt. "Selbstverständlich werden auch bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe Fahrdienste im Rahmen von Überstunden erbracht", sagte er in einer Stellungnahme gegenüber ka-news. Aber: "In der Praxis ist es so, dass viele Mitarbeiter keine Überstunden fahren wollen und dies auch nicht müssen - denn Überstunden sind bei den VBK grundsätzlich rein freiwillig - einige Mitarbeiter dagegen sogar recht gerne Überstunden fahren und die mit einer Auszahlung verbundenen Verdienstmöglichkeiten schätzen, und wieder andere Mitarbeiter Überstunden gegen Freizeitausgleich fahren."

Ausgleich scheitert oft an Fahrer-Wünschen

Das führe jedoch immer mal wieder dazu, dass einige Fahrer mehr Überstunden angestaut haben, als andere: "Freizeitausgleich kann nicht vom Unternehmen zugewiesen werden, sondern nur bei Wunsch des Mitarbeiters gewährt werden", erklärt Lutterbach weiter. Besonders beliebt sind dabei Feiertage, Schulferien oder Haupturlaubszeiten - da könne man dann nicht jedem Wunsch entsprechen.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Warum müssen die Fahrer aber überhaupt Überstunden leisten? "Eine effiziente Durchführung von Dienstleistungen wie der ÖPNV, deren 'Erledigung' weder verschiebbar noch speicherbar ist, ist ohne das Instrument von Überstunden nicht darstellbar", so Lutterbach gegenüber ka-news weiter.

Die personellen Engpässe seien bei den VBK aber eher auf besondere Lagen wie Krankheitswellen und weniger auf einen strukturellen Unterbestand zurückzuführen. Durch die Schwankung an Bedarf und der tatsächlichen Zahl der Mitarbeiter, seien Überstunden und eine Zahl der Fahrer im Soll kein Widerspruch.

Am Personal werde nicht gespart

Die Theorie des Fahrers, dass bei den VBK am Personal gespart wird, will Lutterbach aber nicht bestätigen: "Von den Sparmaßnahmen bei den VBK ist der Fahrdienst explizit nicht betroffen." So würde der rechnerisch ermittelte Bedarf auf dem erforderlichen Level gehalten. Konkret würden daher keine Fahrer eingespart werden, "außer ,dass natürlich wegfallende Leistungen, beispielsweise die Einstellung Tramlinie 8, Nightliner unter der Woche, im rechnerischen Personalbedarf berücksichtigt werden", so der Pressesprecher abschließend.

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  •   MeisterProper
    (18 Beiträge)

    20.06.2018 16:30 Uhr
    Und weiter geht es ...
    Ich habe mich dazu entschlossen, weil ich inzwischen unglaublich sauer bin, jeden öffentlichen Kanal zu nutzen, diesen desolaten Zustand des Karlsruher Verkehrsverbunds anzuprangern. Auch wenn es sinnlos ist ...

    Linie S5 (Wörth). Gestern wieder Totalausfall gegen 12:20. Auf der KVV-Homepage kein Kommentar. Auch danach, soweit ich das beurteilen kann, nicht. Bahn fährt nicht ab Bürgerpark, immer mehr Fahrgäste sammeln sich an, nach 30 Minuten taucht auf der Gegenstrecke eine Bahn auf, mit der man fahren sollte. Kein Hinweis dazu. Die Hälfte steigt ein und fährt, die andere Hälfte sitzt wahrscheinlich heute noch dort.

    Heute morgen, 15 Minuten Verspätung (Maximiliansau West), die sich "nach hinten" potenziert haben.

    Später, auf der Rückfahrt aus KA um 12:35, genau das gleiche Spiel.

    Unzuverlässigkeit, seit Monaten - wenn nicht Jahren - Managementfehler (NICHT Presonalmangel ... was können die Fahrer für den desolaten Zustand?) und absolut NULL Fahrgastrechte. Das muss endlich aufhören
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  •   MeisterProper
    (18 Beiträge)

    16.06.2018 15:54 Uhr
    Heute wieder ...
    S5 zum x-ten Mal kommentarlos ausgefallen. Heute nach einem Schulfest in Wörth, nach dem mit mir zusammen 80-100 Leute in der prallen Sonne auf die Bahn gewartet haben. Natürlich schaffte man es dann sogar, die nächste Bahn, die nur einige Haltestellen bis zu meiner fahren mußte, auch noch zu spät abfahren zu lassen.

    So geht das inzwischen seit weit über einem Jahr. Beschwert man sich, wird gar icht geantwortet, tut man es über Twittern, wird der Kommentar in kürzestser Zeit nachweislich gelöscht oder, noch besser, erlaubt man es sich, mehrmals Beschwerdekommentare unter die jeweiligen Ausfallmeldungen des KVV zu zu posten, wird man kommentarlos geblockt.

    Das Problem ist, dass die Kunden zu faul sind. Mund aufreissen, ja, aber eine Finger dafür rühren, dass die Kritik lauter wird, das dann doch lieber nicht.

    Aus meiner Sicht hilft da nur noch eine konzertierte Aktion im Netz (so etwas wie BildBlog, etc.), damit die Verantwortlichen die Kritik überhaupt wahrnehmen/ dies tun müssen
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  •   MeisterProper
    (18 Beiträge)

    16.06.2018 15:56 Uhr
    Sorry für die Fehler ...
    ... (sehr) stark gefrustet ... mit Wurstfingern ... auf einem Handy getippt.
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  •   Malerdoerfler
    (4419 Beiträge)

    11.06.2018 22:33 Uhr
    Heute kamen die Bahnen
    pünktlich und ohne Ausfall und sogar mit Free-Wifi.
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  •   Malerdoerfler
    (4419 Beiträge)

    11.06.2018 22:33 Uhr
    Nur sauber waren die Bahnen leider nicht
    und der Geruch war auch gewöhnungsbedürftig.
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  •   Joerg_Rupp
    (2256 Beiträge)

    10.06.2018 08:43 Uhr
    es ist gut
    dass man jetzt die Bewerbungsvorrausetzungen "abgeschlossene Berufsausbildung" abschafft und so Menschen die Möglichkeit gibt, sich zu bewerben, die das bisher nicht hatten. In meiner Beratungspraxis hatte ich viele, gerade ehmalige Fahrer*innen, die sich gerne beworben hätten, aber das deshalb nicht konnten.
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  •   BMWFahrer
    (128 Beiträge)

    15.06.2018 17:24 Uhr
    Dann bekommt man genau das Klientel
    als Mitarbeiter, welches sich zur Fußball-WM krank meldet.
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  •   Joerg_Rupp
    (2256 Beiträge)

    15.06.2018 22:57 Uhr
    es geht
    nix über ein paar Vorurteile.
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  •   Realist22
    (180 Beiträge)

    10.06.2018 09:41 Uhr
    Zugangsvorraussetzungen senken
    ist eine wunderbare Idee. Sieht man ja an der deutschen Polizei wo hin das führt.
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  •   Joerg_Rupp
    (2256 Beiträge)

    10.06.2018 10:10 Uhr
    es geht hier um eine Arbeitsstelle
    die minderqualifiziert ist - das heißt, man benötigt dafür keine dreijährige Ausbildung. Die Tätigkeit kann angelernt werden, über eine mehrmonatige Ausbildung, was ja auch geschieht. Warum man dafür eine schon vorher vorhanden Ausbildung benötigt, war für mich nie nachvollziehbar.
    Es gibt viele Menschen,die keine Ausbildung haben, aus den unterschiedlichsten Gründen. Warum sollten die keine guten Straßenbahnfahrer sein können?
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