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Karlsruhe Im Kampf gegen die Kälte: Kleiderstange, Courage, Kältebus - so kann jeder Obdachlosen helfen

In der kalten Jahreszeit haben es Obdachlose besonders schwer: Wenn draußen die Grade unter Null fallen, kann das Übernachten im Freien sogar lebensbedrohlich werden. In der Stadt Karlsruhe gibt es einige Angebote, die diese Menschen gezielt unterstützen. Wie reagieren Passanten richtig, wenn sie jemandem in der klirrenden Kälte auf der Straße sehen?

An Bahnhöfen, in Unterführungen oder am Straßenrand: Auch im Winter sieht man in Karlsruhe vielerorts Menschen, die keine feste Bleibe haben. Obdachlosigkeit ist in der Stadt noch immer ein großes Thema: Laut dem Deutschen Roten Kreuz waren im vergangenen Winter 150 Menschen obdachlos gemeldet, selbst in den kältesten Nächten schlafen etwa 20 Personen in Karlsruhe unter freiem Himmel.

1. Der Kältebus des Deutschen Roten Kreuzes

Um diesen Menschen zu helfen, ist in den Monaten Dezember bis März der Kältebus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unterwegs. Sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, ist der Bus mitsamt seiner ehrenamtlichen Kräfte im Einsatz. Im Gepäck haben sie unter anderem Isomatten, etwas Warmes zum Anziehen und heißen Tee.

Mal treffen sie nur fünf Personen an, mal sind es über zwanzig. "Der Bus ist für die Vorort-Versorgung zuständig", sagt Aksana Novikova vom DRK im Gespräch mit ka-news.de. Zu Notunterkünften bringe der Kältebus die Personen nicht, die Mitarbeiter weisen die Obdachlosen allerdings auf die Angebote hin. Der Kältebus ist noch nicht lange in der Fächerstadt unterwegs - erst im Januar 2019 wurde das Projekt ins Leben gerufen.

2. Ein Platz zum Schlafen: Der Schutzräume gegen Kälte

Die Stadt Karlsruhe stellt in in den Wintermonaten - von November bis April - Schlafplätze bereit. Der sogenannte "Erfrierungsschutz"bietet 56 Übernachtungsplätze für Männer in der Kriegsstraße und neun Betten für Frauen in der Lameystraße. Die Schlafplätze für Frauen können bei Bedarf mit Notbetten erweitert werden.

Monika Polzer (links) und Silvana Brenner (rechts), Mitarbeiterinnen der AWO Karlsruhe bereiten die Betten im Erfrierungsschutz vor. Hier können acht Frauen von Mitte Oktober bis Mitte April jede Nacht Zuflucht vor der klirrenden Kälte finden.
Monika Polzer (links) und Silvana Brenner (rechts), Mitarbeiterinnen der AWO Karlsruhe bereiten die Betten im Erfrierungsschutz vor. Hier können acht Frauen von Mitte Oktober bis Mitte April jede Nacht Zuflucht vor der klirrenden Kälte finden. | Bild: ps

"Im Winter 2018/2019 gab es immer wieder Phasen, in denen bis zu 15 Frauen versorgt werden mussten", heißt es im letzten Sachstandsbericht der Wohnungslosenhilfe. Doch: "Keine Frau wurde abgewiesen." Mal nehmen mehr, mal weniger Frauen das Angebot wahr. Nach Einschätzung der betreffenden Fachstelle sei die derzeitige Kapazität allerdings ausreichend.

3. Tagsüber der Kälte entfliehen: Tagestreff "Die Tür"

Doch nicht nur in der Nacht, auch tagsüber kann es mitunter bitterkalt werden. Wer auf der Straße lebt und sich aufwärmen möchte, kann den Tagestreff "Die Tür" aufsuchen. Eine Küche, eine Essen- und Getränkeausgabe und sogar eine warme Dusche stehen hier für Obdachlose bereit. Die Einrichtung liegt mitten in der Stadt, beim Mendelssohnplatz in der Kriegsstraße 88. 

Knapp über 350 Personen haben den Tagestreff im vergangenen Jahr aufgesucht. "Die Tür" soll ein Bindeglied sein zwischen dem Leben auf der Straße und weiterführenden Angeboten. Den Besuchern sollen neue Perspektiven aufgezeigt werden mit dem Ziel, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. 

Anlaufstellen für Obdachlose in Karlsruhe:

Vollbildanzeige der Karte

4. Öffentliche Kleiderstange: Mithilfe der Bürger ist gefragt

Etwas warmes zum Anziehen, das ist für viele Obdachlose wohl das A&O, um die kalte Jahreszeit unbeschadet zu überstehen. Vor der evangelischen Stadtkirche wurde deshalb vom Stadtjugendausschuss (Stja) eine öffentliche Kleiderstange ins Leben gerufen. 

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: pixabay.com @ Pexels

Damit die Aktion funktioniert, werden die Karlsruher Bürger dazu aufgerufen, warme Kleidungsstücke, die sie selbst nicht mehr brauchen, dort hinzuhängen. Die Kleiderstange ist für alle Personen frei zugänglich - Bedürftige können sich dort etwas Warmes zum Anziehen heraussuchen. 

5. Zivilcourage zeigen: Jeder kann einen Beitrag leisten

Bei Minusgraden in der Kälte zu Schlafen, kann lebensbedrohlich sein. Hier ist jeder einzelne Bürger gefragt, wachsam durch die Stadt zu gehen - Zivilcourage ist das Stichwort. Doch nicht immer lässt es sich für Außenstehende einschätzen, in welcher Situation sich eine auf dem Boden liegende Person befindet. Wie sollte sich jeder Einzelne am Besten verhalten? 

Gerade im Winter haben es Obdachlose besonders schwer. | Bild: Thomas Riedel

Eine Option ist, die womöglich hilflose Person anzusprechen. "Es kann nie falsch sein nachzufragen, wenn man jemanden in der Kälte auf der Straße sitzen sieht", sagt Aksana Novikova vom DRK. "Man muss sich allerdings bewusst sein, dass die Person nicht immer so reagiert, wie man sich das wünscht.“ Oftmals seien die Obdachlosen beispielsweise auch alkoholisiert. 

Die andere Möglichkeit ist, die Polizei zu rufen. "Das ist, wenn jemand in der Kälte liegt, nie verkehrt", sagt Sonja Rexhäuser, Abteilungsleiterin der Fachstelle Wohnungsssicherung im Gespräch mit ka-news.de. "Die Beamten kennen die Obdachlosen mitunter schon und können besser einschätzen, ob ein Rettungswagen notwendig ist."

Wohnungslos geworden?

Obdachlos und wissen nicht wohin? Unter der Rufnummer 0721/133 5452 oder 0721/133 5723 steht die städtische Anlaufstelle mit Rat und Tat zur Seite und hilft bei der obdachlosenrechtlichen Unterbringung. Montags, dienstags, mittwochs und freitags ist die Stelle von 8.30 bis 11.45 Uhr zur erreichen. Donnerstags von 13.30 bis 17 Uhr.

Der Erfrierungsschutz der Stadt Karlsruhe ist unter der Nummer 0721/35 400 83 erreichbar. Entgegen einiger Internet-Foreneinträge ist die Nummer nicht als Notfallnummer konzipiert, sondern Anlaufstelle der Beratungsstelle für wohnungslose Männer. Die Nummer ist tagsüber bis 15 Uhr besetzt. Tagsüber können sich Hilfesuchende an die Sozialversicherungsstelle im Rathaus West wenden.

Weitere Informationen: https://www.karlsruhe.de/b3/soziales/einrichtungen/wohnungssicherung.de

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  •   Kiwi
    (376 Beiträge)

    15.12.2019 19:17 Uhr
    Alte ungetragene Bekleidung
    ...damit wird geputzt Treppenhaus - nach dem Radwechsel am Auto die Felgen, die Garage, es gibt viele Möglichkeiten wie man diese Sachen benutzen kann.
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  •   Route66
    (2480 Beiträge)

    15.12.2019 19:21 Uhr
    Kiwi
    Also Sie putzen lieber damit als sie Menschen in Not zu spenden? Tolle und menschliche Einstellung.
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  •   Kiwi
    (376 Beiträge)

    15.12.2019 19:25 Uhr
    Alte Klamotten
    Wenn ich mir für diese Arbeiten sogenannte Putzlappen kaufe muss ich wieder arbeiten genau wie für die alten Klamotten.
    Geld bekommt man nur für geleistete Arbeit und die fällt mir in meinem Alter sehr schwer.
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  •   Route66
    (2480 Beiträge)

    15.12.2019 19:32 Uhr
    Das ist schlimm
    Aber es gibt ja genug andere Menschen, die selbst mehr als genug haben und spenden (könnten).
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  •   Ullermann
    (135 Beiträge)

    15.12.2019 17:20 Uhr
    Diese Einschätzung halte ich für
    überzogen und haltlos. Und in erster Linie gilt mal, dass es Menschen sind.
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