Karlsruhe IPA Karlsruhe kennt keine Grenzen: Wie Polizisten weltweit vernetzt sind

Polizist zu sein bedeutet viel Verantwortung zu tragen und immer auch im Fokus zu stehen. Doch auch Polizeibeamte sind nur Menschen und um die Menschen hinter dem Amt kümmert sich die International Police Association, kurz IPA. Auch in Karlsruhe gibt es eine Verbindungsstelle der Berufsvereinigung. ka-news gibt Einblick in die Aufgaben der IPA.

Die internationale Zusammenarbeit ist vor allem im Polizeiwesen wichtig. Dabei geht es aber nicht nur um die Abstimmung untereinander beim Vorgehen gegen Kriminalität, sondern auch um ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Genau das ist das Anliegen der International Police Association (IPA).

Die IPA verfolgt das Ziel, Polizeibeamte aus aller Welt untereinander zu vernetzen. "Im Endeffekt sind wir ein Verein von Freunden, von Polizeibeamten weltweit", fasst Thomas Weigand, Verbindungsstellenleiter der IPA Karlsruhe und Hauptkommissar im Polizeirevier Durlach, zusammen. Darüber hinaus sollen freundschaftliche Beziehungen hergestellt werden.

 

 

Das geht dann sogar so weit, dass Polizeibedienstete die Familien ausländischer Kollegen besuchen und eine kleine private Touristentour erhalten. "Die haben einem dann Ecken von Ländern gezeigt, die du in einem normalen Reiseführer nicht findest. Das sind die schönen Erlebnisse, die das Zusammengehörigkeitsgefühl bei der Polizei auf diesem Planeten ausstrahlt", sagt Thomas Weigand im Gespräch mit ka-news.

Größte Berufsvereinigung der Welt

"Servo per Amikeco – Dienen durch Freundschaft" ist der Leitgedanke der IPA. 1950 durch den britischen Polizeibeamten Arthur Troop gegründet stellt sie die weltweit größte Berufsvereinigung von aktiven wie pensionierten Polizeibeamten dar - ganz unabhängig von Dienstgrad, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache oder Religion. Etwa 430.000 Mitglieder sind in mehr als 60 Ländern organisiert. In Deutschland gibt es knapp 58.000 Mitglieder, 500 davon in Karlsruhe.

 

 

Der Aufbau der Organisation in Deutschland funktioniert so: Der deutschen Sektion als Dachverband sind die einzelnen Landesgruppen und zugehörigen Vorstände untergeordnet. Innerhalb der Bundesländer gibt es dann in einzelnen Regionen Verbindungsstellen, 15 davon in Baden-Württemberg. 

 

Ganz wichtig ist der Austausch, nicht nur beruflich

Der Austausch zwischen den internationalen Kollegen – beruflich wie freundschaftlich – ist eine der zentralen Aufgaben der IPA. "Viele Beamte der Polizei gehen ins Ausland, um Erfahrungen zu sammeln", erklärt Hauptkommissar Weigand gegenüber ka-news. Die IPA übernimmt somit vor allem einen wichtigen Faktor, den Informationsaustausch zwischen den Behörden. Denn von den Auslandserfahrungen können nicht nur die einzelnen Kollegen profitieren:

"Jedes Land verfolgt unterschiedliche Ansätze im Rahmen der dortigen Gesetze. Und da kann man vielleicht auch das ein oder andere übernehmen. Es geht auch darum, für einen Informationsaustausch zu sorgen", erzählt der Hauptkommissar. Auf diese Weise können Polizeidienststellen und Länder ihre Arbeit stetig verbessern und sich über Erfahrungen, Probleme und Methoden bei Verbrechensbekämpfung austauschen.

 

 

Da kommt es auch vor, dass das Polizeipräsidium in Karlsruhe zu bestimmten kriminalistischen Themen bei der IPA anfragt: "Wie haben die das anderswo gemacht? Dann geben wir das weiter", betont Weigand. Die Informationen gehen meist weiter zu Regierungsstellen und zuständigen Ministerien, worüber gegebenenfalls Änderungen erfolgen können. Auf diese Weise trägt die IPA dazu bei, bei der Bekämpfung der Kriminalität immer wieder neue Perspektiven einzubringen. "Wir sind ein gern gesehenes Bindeglied", so Thomas Weigand weiter.

Beamte als Beobachter in aller Welt

Gerade die jungen Kollegen sind an Auslandsaufenthalten interessiert. Die IPA ist dabei eine gute Anlaufstelle. Sie stellt den Kontakt zu den Ländern her und organisiert den Austausch. Besonders beliebt sind die Reisen in die USA, aber auch asiatische Länder sind in der Karlsruher Sektion immer wieder gefragt. Während des Auslandsaufenthalts tragen die Beamten allerdings keine Waffen bei sich. Das Lernen und Eindrücke gewinnen steht im Vordergrund: "Man geht nicht als normaler Polizist hin, sondern als Beobachter", erklärt der Verbindungsstellenleiter der Karlsruher IPA, Thomas Weigand.

 

 

Neben den Austauschprogrammen ist ein weiteres Ziel der IPA, ihre Mitglieder zusammenzubringen, um auch das Gemeinschaftsgefüge zu stärken. Als Verbindungsstellenleiter ist Weigand dafür verantwortlich, Wünsche der Karlsruher Mitglieder aufzunehmen und ihnen eine Vielzahl an Aktivitäten zu bieten, die auch als Ausgleich zum Beruf dienen.

Ein soziales Projekt im Fokus

Zu den regelmäßigen Unternehmungen, die die IPA Karlsruhe für ihre 500 Mitglieder ausrichtet, gehören unter anderem Sommerausflüge, Grillfeste, Weihnachtsmarktbesuche oder auch ein Hafenfest mit Bootsrennen. Im September steht zudem ein Wohnmobiltreffen in Karlsruhe an - Grillen, Bogenschießen oder Weinprobe inklusive. Außerdem richtet die IPA jährlich den Neujahrsempfang für die Führungsebene aus.

Neben den Veranstaltungen innerhalb des Polizeivereins geht es den Verantwortlichen der IPA auch um soziale Projekte: "Jedes Jahr rücken wir ein soziales Projekt in den Fokus", sagt Weigand. 2017 wurde ein Flüchtlingsprojekt betreut, 2018 geht es um Altersarmut: "Solche sozialen Themen stoßen wir gerne mal an", erklärt der Hauptkommissar. Beim Thema Altersarmut wird 2018 eng mit der Stadt zusammengearbeitet. "Dass wir in Karlsruhe Altersarmut haben, ist ja nun auch nicht mehr von der Hand zu weisen", betont Weigand. So sollen in diesem Jahr Organisationen wie die Tafeln mit Lebensmitteln und Geldern unterstützt werden.

 

"Der Ton wird rauer"

Im Gespräch mit ka-news macht Weigand außerdem auf die Herausforderungen des Polizeiberufs aufmerksam. "Der Ton auf der Straße ist einfach rauer. Die Leute wissen genau, wie sie die Grenzen des Machbaren ausloten können", bedauert Weigand den fehlenden Respekt gegenüber Polizeibeamten auch in der Fächerstadt. Wenn sich Situationen hochschaukeln sei es nicht einfach, immer die Professionalität zu wahren, so Weigand. "Man hat natürlich auch nicht die Zeit, eine Stunde mit jemandem zu diskutieren. Der Personalnotstand macht die Sache zudem nicht einfacher", ergänzt er.

Polizisten
Bild: Thomas Riedel

Für Autorität zu sorgen ist mittlerweile oft eine Herausforderung: "Respekt muss man sich verdienen. Einfach nur zu sagen, ich bin Polizeibeamter, reicht nicht. Außerdem ist es ja immer ein Unterschied, ob jemand vor einem Polizisten Angst oder Respekt hat", warnt Weigand. Es geht vor allem darum, einen Spagat zu meistern: "Letztlich geht es ja immer um den Unterschied zwischen Sicherheit, respektive Polizeistaat, und Freiheit des Bürgers", erklärt Weigand.

Aufgrund des Personalnotstandes ist es eines der Hauptziele der IPA "junge Menschen für die Aufgaben der Polizei und die internationale Zusammenarbeit zu begeistern", so der Hauptkommissar. Besonders Letzteres wird in Zukunft immer notwendiger werden: "Denn Kriminalität macht an Grenzen nicht Halt. Das ist einer der großen Punkte für die International Police Association. Und wenn dann noch ein bisschen Zeit für das Gemeinschaftsgefüge bleibt, wäre ich nicht undankbar", erklärt Thomas Weigand abschließend.

 

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