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Karlsruhe Hygiene-Mängel in Paracelsus Klinik: Wann darf wieder operiert werden?

"Es ist zu keiner Zeit zu einem Patientenschaden gekommen", gibt Dr. Manfred Georg Krukemeyer, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der 36 deutschen Paracelsus Kliniken, Entwarnung. Aktuell dürfen nur Notoperationen mit Einmalbesteck in der Karlsruher Klinik stattfinden, da Mängel am OP-Besteck entdeckt wurden. Wie das passieren konnte und wie es weitergeht, verrieten Vertreter der Klinik am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz.

Bereits im Sommer musste der Operationsbetrieb der Paracelsus Klinik für eine Woche eingestellt werden, da Hygienemängel beim OP-Besteck festgestellt wurden. "Es ist unsere Aufgabe, die Karlsruher Kliniken durch unangekündigte Kontrollbesuche zu überwachen", erklärt Joachim Fischer, stellvertretender Pressesprecher des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe gegenüber ka-news.

Sowohl im Sommer als auch derzeit seien es Erkenntnisse aus den Begehungen des RP gewesen, die zur Schließung des OP-Bereichs geführt hätten, so Fischer weiter. Damals habe die Paracelsus Klinik das mangelhafte Besteck durch einen externen Dienstleister aufbereiten lassen.

Die Klinik selbst stellt den Vorfall im Juli bei der Pressekonferenz am Mittwoch anders dar: "Im Sommer gab es Kapazitätsprobleme in unserer eigenen Sterilisation, deshalb haben wir einen externen Dienstleister ins Boot geholt. Dieser reinigt, desinfiziert, kontrolliert und pflegt benutztes Besteck, verpackt es neu, kennzeichnet und sterilisiert es", meint Prof. Dr. Johannes Karl-Mark Knobloch, Leiter des Instituts für zentrale Krankenhaushygiene. Ein Wechsel zu einem externen Dienstleister erfordere, den OP-Bereich für kurze Zeit zu schließen.

Externer Dienstleister bemerkte Mängel nicht

Die Auswahl dieses Dienstleisters erwies sich nun scheinbar als Fehler. "Bei unserer Kontrolle am 11. und 13. November zeigte sich, dass es teilweise OP-Besteck gab. dass beschädigt beziehungsweise abgenutzt war", schildert RP-Sprecher Fischer. Wie die ärztliche Direktorin und Unfallchirurgin Dr. med. Cornelia Deckwerth bei der Pressekonferenz berichtet, seien dem OP-Personal bereits Verfärbungen auf einigen Instrumenten aufgefallen. "Dieses Besteck haben wir direkt aus dem Verkehr gezogen", sagt Deckwerth gegenüber ka-news. Es sei jedoch eigentlich die Aufgabe des externen Dienstleisters, solche Mängel unter der Lichtlupe zu sehen, erklärt sie der Presse.

Laut Peter Schnitzler, Sprecher der Geschäftsführung, verlässt sich die Klinik allerdings nicht vollständig auf den Dienstleister, sondern führt stichprobenhaft Kontrollen durch. Dabei seien Dr. Krukemeyer zufolge vier Instrumente mit sichtbaren Auflagerungen und 34 mit unter der Lichtlupe ersichtlichen Auflagerungen entdeckt worden.

Nächste Woche kann's weitergehen

Die 9.000 OP-Instrumente der Paracelsus Klinik befinden sich derzeit in Tuttlingen bei einer Prüfstelle. "Ein Großteil hat die Prüfung bestanden", meint Hygiene-Chef Prof. Dr. Knobloch. Deshalb ist nun ein Ende der seit 13. November andauernden Schließung des OP-Bereichs in Sicht. "Wir gehen davon aus, dass wir den OP-Betrieb nächste Woche wieder aufnehmen können", verkündet Prof. Dr. Knobloch.

Diverse Maßnahmen sollen einer Wiederholung dieses Vorfalls vorbeugen. Ein neuer externer Dienstleister mit Sitz in der Region ist laut Prof. Dr. Knobloch für die Sterilisation engagiert. "Wir haben bereits im September einen Vertrag mit einem Dienstleister  aus der Region geschlossen, da der aktuelle zu weit entfernt ist. Das war von vorne herein eine Übergangslösung", erklärt der Leiter des Instituts für zentrale Krankenhaushygiene. Ebenfalls schon im September habe die Klinik 1.600 zusätzliche Instrumente bestellt. Zudem solle die stichprobenhafte Kontrolle des Bestecks intensiviert und protokolliert werden. Eine zusätzliche Hygienekraft sei bereits eingestellt. 

Wenn es nach der Paracelsus Klinik ginge, wie Dr. Krukemeyer sagt, würde die Sterilisation vor Ort anstatt bei einem externen Dienstleister durchgeführt. "Wir haben einen Förderantrag an das Land gestellt für die Sanierung des OP-Bereichs inklusive der Sterilisation", berichtet er. Die Klinik habe einen positiven Fördermittelbescheid bekommen, sei jedoch zur Besprechung geladen, weshalb bislang nicht sicher sei, ob die klinikeigene Sterilisation saniert werden kann. Was allerdings bereits feststeht, ist laut Geschäftsführer Schnitzler, dass der gesamte Funktionsbereich - also "alles, was nicht Station und Patientenbereich ist" - in den nächsten Jahren für 27 Millionen Euro erneuert wird. 

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  •   JuliusM
    (2002 Beiträge)

    27.11.2015 09:21 Uhr
    Dr. Krukemeyer
    Robert Richt würde sich im Grab umdrehen.

    Noch eine Frage: Seit wann ist es nach neuestem Standart erlaubt in einem Krankenhaus Teppichboden zu haben?

    Sie sollten die Böden in dieser Klinik (immerhin wird sie 45 Jahre alt) dringend sanieren.
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  •   WiederDa
    (226 Beiträge)

    26.11.2015 22:01 Uhr
    Im Frühling war es im städtischen Krankenhaus auch nicht so besonders sauber.
    In der Notaufnahme hingen richtige Wollmäuse von der Decke bzw. den Lüftungsschlitzen. Selbst im Warteraum vor dem OP, wo auch die Ärzte mir ihrer grünen sterilen Kleidung herumliefen, war das eine Woche später noch so.
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  •   wodischi
    (15 Beiträge)

    26.11.2015 19:48 Uhr
    Schon mal was von MRSA Keimen gehört
    Wen wundert es da dass in Deutschland jährlich Tausende Krankenhaus Patienten daran erkranken und auch sterben.
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  •   Avatar
    (999 Beiträge)

    26.11.2015 18:22 Uhr
    Falsche Überschrift
    Richtig wäre:

    Warum darf wieder operiert werden.
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  •   taschentuch
    (388 Beiträge)

    26.11.2015 18:01 Uhr
    Management
    Da muss eben das Management zur Verantwortung gezogen werden. Die Angestellten sind der Arsch, weil das Management untaugliche Arbeitsbedingungen schafft. Das Übel muss man schon an der Wurzel packen - und das bewegt sich auch auf höherer Gehaltsebene.

    Aktuell gibt es dazu auch im Spiegel einen interessanten Artikel:
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kunstfehler-krankenhaus-manager-sollen-haften-a-1064174.html
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  •   kritiker_2014
    (322 Beiträge)

    26.11.2015 17:32 Uhr
    Externe Dienstleister?
    Nennt das Kind beim Namen,das sind nichts weiter als Subunternehmer.
    Aber das ist ja in unserer modernen Zeit in Mode gekommen Betriebsteile auszulagern um sich einen schlanken Fuß zu machen.
    Da kann man dann auch noch die Verantwortung auf andere abschieben.
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  •   myopinions
    (913 Beiträge)

    26.11.2015 11:03 Uhr
    .............da weiß man nicht,
    ob man lachen oder weinen soll.

    Was muss das denn für ein Laden sein, vom Führungspersonal einmal ganz abgesehen.

    So kommt es, wenn Geldgier zum Credo wird.
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  •   DreiFragezeichen
    (1402 Beiträge)

    26.11.2015 10:17 Uhr
    Da es bereits zum zweiten Mal solche Probleme gibt,
    obwohl man weiß, dass man unter "verschärfter Beobachtung" steht, nenne ich das Vorsatz!
    Das trägt kriminelle Züge!
    Das Problem ist m.E. nicht das OP-Besteck, das Problem liegt beim Führungspersonal. Solange das nicht komplett ausgetauscht wird, wird sich wohl nichts ändern.
    Und selbst dann wird es Jahre brauchen, bis der Ruf wieder einigermaßen hergestellt ist.
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  •   kommentar4711
    (2066 Beiträge)

    26.11.2015 17:53 Uhr
    Und die Tatsache...
    ... das man angeblich selbst auch schon mehrere Mängel festgestellt hat und trotzdem nicht mehr gemacht hat als die Stichproben auszusortieren macht die Sachen in meinen Augen nur noch schlimmer. Da fehlt jegliches Verantwortungsbewusstsein. Da gehören mehrere Leute dem Arbeitsmarkt zugeführt.
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  •   TobyGER
    (21 Beiträge)

    26.11.2015 08:40 Uhr
    Das ist doch grade mal egal...
    ... lieber Herr Dr. Manfred Georg Krukemeyer. Ob ein Patient zum Schaden kommt oder nicht. Das ist eine Klinik und zumindest in einer Klinik erwartet man eine schon fast pingelige Hygiene. Als ich vor ein paar Jahren unterwegs war in verschiedenen Krankenhäusern aufgrund einer familiären Erkrankung, fragte ich mich manchmal warum so was eigentlich durch geht. Wenn man an den Sockelleisten schon fast Schimmelzustände akzeptieren muss, dann hörts auf. Oder wenn Personal vor der Klink steht und raucht, dann hat da jemand etwas falsch verstanden. Sie und ihr Stab haben ein Vorbild zu sein für jene, bei denen die Kacke ohnehin schon am dampfen ist. Kranke Menschen, die keinen Kopp und keine Kraft haben, sich über Hygiene im Krankenhaus Gedanken zu machen. Die verlassen sich da drauf. Und genau solche Meldungen sind dann der Grund, dass die Menschen vorsichtiger werden. Und vielleicht ist das auch gut so, wenn die generelle Achtsamkeit einer Gesellschaft mal wieder etwas gekitzelt wird.
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