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Karlsruhe Hohe Waldbrandgefahr in der Region: Das Risiko steigt jeden Tag

In den letzten Wochen hielt der Sommer Einzug in Karlsruhe. Die trockene Hitze bringt aber auch eine erhöhte Waldbrandgefahr mit sich. Im Gespräch mit ka-news warnen die Feuerwehren im Stadt- und Landkreis Karlsruhe vor fahrlässigem Umgang mit offenem Feuer und den Gefahren eines Großbrandes.

Der Landkreis Karlsruhe kann sich momentan über sommerliche Temperaturen freuen. Doch die Hitze birgt auch Gefahren. Anhaltende Trockenheit und starke Winde begünstigen die Gefahr für Wald- und Flächenbrände. Diese führten bei den Feuerwehren in der Region in den vergangenen Wochen vermehrt zu Großeinsätzen. Um die Gefahren weiß auch Markus Pulm, Pressesprecher der Feuerwehr Karlsruhe: "Mit jedem Tag Trockenheit steigt das Risiko an!"

 

Auch Wetterexperte Bernhard Mühr bewertet im Gespräch mit ka-news die letzten Wochen und sogar Monate als deutlich zu trocken. "Im ganzen Monat Juni fielen in Karlsruhe 48 Millimeter Regen und damit nur etwa 53 Prozent der normalerweise zu erwartenden Menge von 90 Millimeter. Seit Februar 2018 fielen alle Monate zu trocken aus." Der letzte Niederschlag in Karlsruhe: am 12. Juni! "Ein ungewöhnlich langer vollständig trockener Zeitraum."

Flächenbrände im Landkreis häufen sich

Allein am Montag wurden die Feuerwehren zu fünf Flächenbränden gerufen. In Dettenheim kam es gegen 16 Uhr zu einem Brand eines etwa 10.000 Quadratmeter großen Ackers, der 40 Einsatzkräfte in acht Löschfahrzeugen mehrere Stunden lang beschäftigte. Kurz nach 20 Uhr am gleichen Abend geriet auch ein Feld in der Bruchsaler Franz-Siegel-Straße in Brand. Die Löscharbeiten der 2,5 Hektar großen Fläche zogen sich bis in die Nacht hinein. Auch am Wochenende rückten die Feuerwehren zu insgesamt neun kleineren Flächenbränden aus. 

Mehrfach hat es in den letzten Tagen im Lachwald bei Stutensee gebrannt.
Mehrfach hat es in den letzten Tagen im Lachwald bei Stutensee gebrannt. | Bild: Thomas Riedel

Fahrlässigkeit, Vorsatz oder Zufall

Die Brandursache ist hauptsächlich auf die Fahrlässigkeit der Bevölkerung zurückzuführen: "Weggeworfene Zigaretten, das Grillen im Wald außerhalb der dafür vorgesehenen Feuerstellen, unachtsam spielende Kinder - aber auch vorsätzliche Brandstiftung sind die häufigsten Gründe für diese Art von Bränden", erklärt Markus Pulm gegenüber ka-news. Vergangene Einsätze zeigen dennoch, dass Flächenbrände auch zufällig entstehen können und wie schnell sich ein solches Feuer ausbreiten kann. Ein kleiner Funke, ausgelöst von einem Mähdrescher, hat gereicht, um den Acker in Dettenheim in Brand zu setzen. Starke Winde begünstigen das Feuer nochmals.

Sowohl Markus Pulm als auch der Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands, Fabian Geier, warnen daher im Gespräch mit ka-news eindringlich vor den Gefahren, die von brennenden Gegenständen ausgehen. Gleichzeitig appellieren sie an die Bevölkerung, auch Kinder für das Thema zu sensibilisieren und Feuerwehrzufahrten immer freizuhalten. 

Die Waldbrandgefahr ist wegen der hohen Temperaturen der vergangenen Tage in mehreren Regionen Deutschlands hoch.
Die Waldbrandgefahr ist wegen der hohen Temperaturen der vergangenen Tage in mehreren Regionen Deutschlands hoch. | Bild: Patrick Pleul

"Man soll die Brände nicht bagatellisieren"

Dass auch die Löscharbeiten bei Wald- und Flächenbränden besondere Risiken bergen können, zeigen die Feuerwehreinsätze der letzten Tage. Da das Feuer oft weit außerhalb - und damit fernab jeglicher Wasseranschlüsse - ausbricht, sei die größte Herausforderung, die Löscheinheiten kontinuierlich mit Wasser zu versorgen, sind sich Geier und Pulm einig. "In solchen Fällen werden immer größere Einheiten angefordert und, wenn nötig, auf Pendelverkehr zwischen den nächstgelegenen Hydranten oder lange Schlauchleitungen zurückgegriffen", erklärt Pulm im Gespräch mit ka-news weiter. Für Einsätze in unzugänglichen Waldgebieten werde zudem oft die freiwillige Feuerwehr hinzugezogen, da nur diese über geländegängige Fahrzeuge verfügen. 

Trotzdem steht Pulm der momentanen Lage gelassen gegenüber. Die hiesige Baum- und Bodenbeschaffenheit unterscheide sich beträchtlich von der in Kalifornien oder Griechenland, wo regelmäßig sehr große Flächen in Brand geraten. Daher sind in der Region um Karlsruhe nur wesentlich kleinere Brände zu beklagen. "Dennoch sind die Brände auch hier natürlich ernst zu nehmen", betont Pulm. "Man soll sie nicht bagatellisieren!"

Mit der Temperatur steigt auch das Waldbrandrisiko. | Bild: pixabay@peyesces

Gewitter-Risiko steigt

Doch die Trockenheit hat wohl bald ein vorläufiges Ende. Sowohl Wetterexperte Bernhard Mühr als auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwarten ab Mitte der Woche lokal heftige Schauer und Gewitter, vor allem in der Südhälfte des Landes. Ab Mittwoch und Donnerstag nehme die Gewitteraktivität dann weiter zu. "Allerdings werden die Regenmengen noch nicht ausreichen, um das seit Monaten aufgelaufene Regendefizit auszugleichen", meint Mühr im Gespräch mit ka-news weiter. Auch die Temperaturen bleiben mit 25 bis 30 Grad vorerst auf sommerlichem Niveau. 

Für die beiden Feuerwehrmänner Markus Pulm und Fabian Geier bleibt die Situation daher weiter angespannt. "Die Feuerwehr ist dauerhaft in Alarmbereitschaft", sagt Geier und Pulm ergänzt: "Wir beobachten die Lage kontinuierlich und müssen mit weiteren Problemen rechnen, falls die Trockenheit anhält!"

Mehr zum Thema
Alles zur Feuerwehr in Karlsruhe: Die Berufs­feu­er­wehr der Stadt Karlsruhe verfügt über etwa 210 Einsatz­be­amte, die ihren Dienst auf 2 Feuer­wa­chen versehen. Zusätzlich verfügt die Stadt über eine leistungsfähige Freiwillige Feuerwehr, die 16 Abteilungen umfasst. Hier versehen rund 650 ehrenamtliche Helfer ihren Dienst. Hier gibt es eine Übersicht über Berichte rund um die Karlsruher Feuerwehr.
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  •   Jochensei
    (11 Beiträge)

    04.07.2018 09:09 Uhr
    @ bingobongo
    Da die Aussage vom Pressesprecher der Feuerwehr Karlsruhe komme, bezieht sich das wohl auch nur auf die Berufsfeuerwehr Kalrsuhe die dann von der Freiwilligen Feuerwehr Karlsruhe unterstütz wird.
    Wobei solche Aussagen doch sehr gerne in Deutschland verbreitet werden, dass alles nur die Berufsfeuerwehr macht...
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  •   bingobongo
    (384 Beiträge)

    04.07.2018 07:57 Uhr
    "zudem oft die freiwillige Feuerwehr hinzugezogen"
    Sehr geehrter Autor, der Brandschutz in Deutschland wird zu 90% von Freiwilligen Feuerwehren erbracht. Die BF kann sich für große Flächenbrände auch nicht personell komplett platt machen, sie werden ja in der Stadt gebraucht.
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