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Karlsruhe Hitze hat Karlsruhe fest im Griff: Welche Auswirkungen haben die hohen Temperaturen?

Schon seit Tagen dauert die Hitzewelle im Südwesten Deutschlands an. Bis auf eine kleine Unterbrechung am Samstag, als es heftig regnete und Gewitter über die Region zogen, ist es seit Wochen viel zu trocken. Welche Folgen hat aber diese Hitzewelle während der "Hundstage", die Temperaturen von bis zu 36 Grad verspricht?

Ganz Deutschland ächzt und stöhnt unter der Hitzewelle, selbst im Norden der Republik ist es ungewöhnlich warm. Auch in Karlsruhe wird es immer Sommer immer wieder unerträglich heiß und schwül. Durch die anhaltende Trockenheit sinkt der Grundwasserspiegel, die Waldbrandgefahr steigt und das Leergut der Brauereien wird langsam knapp. Die Hitze hinterlässt also ihre Spuren in der Fächerstadt. Wie groß sind diese Auswirkungen auf Mensch, Tier und Wirtschaft? 

Wird in Karlsruhe das Trinkwasser knapp?

Hitze und Trockenheit bestimmt derzeit die Wetterlage in Karlsruhe. Das Thermometer pendelt konstant zwischen 30 und 35 Grad. Gut für alle die am See entspannen wollen, doch welche Auswirkungen hat die Hitze auf den Wasserspeicher in Karlsruhe?

Auf ka-news-Anfrage geben die Karlsruher Wasserwerke Entwarnung und versichern, dass ausreichend Grundwasser zur Verfügung stehe. "Wir sind hier am Oberrheingraben mit reichen Trinkwasservorräten beschenkt. Es wird mehr Grundwasser durch Niederschläge gebildet, als wir für die öffentliche Trinkwasserversorgung entnehmen", erklärt Matthias Maier, Leiter der Trinkwassergewinnung bei den Stadtwerken.

Stadtwerke Karlsruhe
Stadtwerke Karlsruhe: Die Stadtwerke Karlsruhe sind unter anderem mit der Aufbereitung des Karlsruher Trinkwassers betraut. | Bild: Stadtwerke Karlsruhe

Etwa ein Drittel des Grundwassers werde dafür genutzt, so Maier. Die Grundwasser-Entnahme ist großflächig über ganz Karlsruhe und die Stadtgrenzen hinaus verteilt, so dass selbst bei sinkenden Grundwasser-Ständen die Versorgung mit Trinkwasser sichergestellt ist. "Es ist also auch bei anhaltender Hitzeperiode nicht davon auszugehen, dass wir von Wasserknappheit betroffen sein werden, da wir ausreichend aus unserem Grundwasserleiter entnehmen können." Aufatmen also: Einer erfrischende Abkühlung mit sauberem Wasser steht weiterhin nichts im Wege.

Trinkwasser
. Foto: Oliver Berg | Bild: dpa

Viel Trinken muss nicht teuer sein: Trinkwasser in der Innenstadt gibt es an fast jeder Ecke

Viel trinken ist bei hohen Temperaturen sehr wichtig, mehrere Liter am Tag sollten es schon sein. Der beste Durstlöscher ist dabei immer noch Wasser, ganz gleich ob gesprudelt oder still, aus der Flasche oder aus der Leitung. Das Karlsruher Trinkwasser hat eine gute Qualität und kann daher bedenkenlos getrunken werden. Doch was, wenn kein Getränkemarkt oder der heimische Wasserhahn in der Nähe sind? Da die Fächerstadt über 200 Brunnen hat, viele davon werden auch mit Trinkwasser gespeist, gibt es viele Möglichkeiten, die Wasserflasche wieder zu befüllen. Jedoch sollte der Verbraucher auf die Plakette "Trinkwasser" an den Brunnen achten, nur dann könne das Wasser bedenkenlos getrunken werden.

 

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Wird bei den Karlsruher Brauereien das Leergut knapp und sitzen Bierliebhaber bald auf dem Trockenen? 

Pünktlich zum Sommer stehen Getränkehersteller vor einem großen Problem: Es fehlt an Leergut! Das Bier ist gebraut, das Wasser gesprudelt, doch zum Abfüllen fehlen jede Menge Flaschen. "Das ist nunmal die Jahresspitze, da wird das Leergut immer knapp", erklärt Harald Braun, Logistikleiter bei der Karlsruher Brauerei Hatz-Moninger gegenüber ka-news. Auch wenn immer ein bisschen Leergut zurückkomme, reicht das fast nicht aus. "Wir können auch nicht auf Vorrat Flaschen und Kisten bereitstellen", so der Logistiker.

Hoepfnerburg - Abfüllanlage
Bierabfüllung bei der Brauerei Hoepfner (Symbolbild). | Bild: fn

Das Problem mittlerweile sind die Individualflaschen der Brauereien, die also nicht der Norm entsprichen. "Diese Reliefflaschen müssen wir dann aussortieren und wieder zurückschicken. Da fehlen uns dann auch wieder Flaschen und das verschärft das Problem", so Harald Braun weiter. An der Bierproduktion ändert sich jedoch nichts, der Gerstensaft bleibt dann einfach länger in den Lagertanks. "Noch sind wir lieferfähig", sagt Harald Braun gegenüber ka-news. "Wir hoffen jetzt einfach, dass die Lage besser wird!" 

Ähnliches berichtet auch Pressesprecherin Dagmar Zimmermann von der Brauerei Hoepfner: "Wir sind da schon hinterher, damit erst gar kein Engpass an Flaschen und Kisten entsteht." Daher stehe man im engen Kontakt mit den Händlern, dass das Leergut erst gar nicht lange auf den Höfen gelagert wird - sondern gleich wieder befüllt wird.

Ist die Feuerwehr gut auf die erhöhte Brandgefahr vorbereitet?

Trockener Boden und Hitze lassen das Risiko von Wald- und Flächenbränden in die Höhe schnellen. Ein kurzer Rückblick der vergangenen Wochen zeigt, dass es rund um Karlsruhe immer wieder zu Flächenbränden auf Feldern und Waldrändern kam. Es zeigt aber auch, dass die Feuerwehren gut auf die Situation vorbereitet sind.

Fabian Geier vom Kreisfeuerwehrverband bestätigt, dass die Wehren in Karlsruhe und in den Gemeinden im Landkreis auf die Situation vorbereitet sind, um Flächenbrände kontrollieren zu können und in möglichst kleinem Umfang zu halten und so in den Griff zu bekommen. Dafür würden von der Einsatzleitstelle immer ausreichend Kräfte alarmiert, um mit ausreichend Löschwasser und viel Personenkraft solche Brände zu kontrollieren. "Tendenziell werden eher mehr Wehren alarmiert, um der Lage schnell Herr zu werden. Und dann nach und nach Kräfte abgezogen", so Geier.  

Unaufhaltsame und verheerende großflächige Waldbrände, wie man sie derzeit in vielen Ländern Europas erlebt, seien in der Region eher nicht zu erwarten, gibt Geier Entwarnung. "Aufgrund der Waldlage sind großflächige Brände in Karlsruhe und näherer Umgebung eher unwahrscheinlich." Wie wohl die meisten Länder, müssten die Wehren bei einem solchen Szenario auf externe Hilfe setzten, die dann mit Löschmaßnahmen aus der Luft reagieren könnten.

Welche Auswirkungen hat die Hitze auf die Menschen in der Region?

Die heißen Tage stehen bevor und mit dem Thermometer steigt auch die Zahl der Hitzetode. So sind laut einer Pressemeldung des Statistischen Landesamts in Baden-Württemberg 2017 annähernd 1.400 Menschen aufgrund hoher Temperaturen verstorben. Von rund 25.000 Sterbefällen während der Monate Juni bis August sind das gut fünf Prozent.

Dennoch zeichnet das Statistische Landesamt nicht nur allein die Temperaturen für hitzebedingte Todesfälle verantwortlich. Auch Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse, ein höheres Alter sowie Vorerkrankungen wie Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können eine Todesursache sein, ebenso wie Psychische und Verhaltensstörungen, Demenz sowie Drüsen-, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten.

 

 

Durch den Klimawandel und eine Überalterung der Gesellschaft erwartet das Statistische Landesamt zwar auch weiterhin eine erhöhte Anzahl hitzebedingter Todesfälle, die aber nicht zwangsläufig so eintreten muss. So geht das Statistische Landesamt zum Einen von einer besseren Einstellung der Bevölkerung auf Hitze aus, beispielsweise durch den verstärkten Einbau von Klimaanlagen. Zum Anderen werde auch von staatlicher Seite eine Anpassung, wie eine klimagerechte Stadtplanung, an die steigenden Temperaturen erwartet.

Wie bereiten sich die Bäderbetriebe mit dem Ferienbeginn und der Hitze auf den Besucheransturm vor?

Die Karlsruher Bäderbetriebe sind personell bestens auf die anstehenden heißen Tage vorbereitet. Das erklärt Bäderchef Oliver Sternagel auf Nachfrage von ka-news. Zusätzlich zu den jetzigen Angestellten will Sternagel auch die Mitarbeiter der Karlsruher Hallenbäder einsetzen, falls das Besucheraufkommen es verlangt.

Oliver Sternagel
Bäder-Chef Oliver Sternagel. | Bild: Karlsruher Bäder

Für die Wochenenden, die bekanntermaßen die bestbesuchtesten Tage sind, werden die Schwimmbäder außerdem von der DLRG und sogar von Sicherheitspersonal unterstützt, so der Bäderchef. "Wir sind gut abgesichert, sodass das höchste Gut, die Sicherheit der Gäste, gewährleistet ist."

Besondere Sicherheitsmaßnahmen will Sternagel im Hinblick auf die anstehende Hitze aber nicht ergreifen. Mit bislang etwa 300.000 Besuchern im Jahr 2018 sei das einfach nicht machbar, erklärt er. Für Kinder stehen jedoch überdachte Spielbereiche bereit. "Aber die Verantwortung liegt letztendlich bei den Eltern", so der Bäderchef abschließend.

Wie können die Tiere die Hitze besser ertragen?

Nicht nur die Menschen leiden unter der Hitze, für die Hoch Helmut aktuell sorgt. Auch die Tiere sehnen sich dann nach Abkühlung, wie Maike Franzen von der Öffentlichkeitsarbeit des Zoologischen Stadtgartens weiß. Betroffen sind dabei nicht nur die Tiere, die an sich eher in kühleren Gefilden vorkommen, wie die Schneeleoparden oder die Eisbären. "Alle Tiere haben die Gelegenheit sich in den Schatten oder in die kühleren Innenräume zurückzuziehen", so Franzen weiter.

Für manche Tiere gibt es auch mal eine Dusche als Abkühlung, "oder eine Eisbombe", erzählt die Sprecherin weiter. Der Geschmack und der Inhalt variiert dann je nach Vorlieben des Tieres: "Äpfel und Karotten für die Elefanten, Fleischstückchen für die Eisbären." Härter trifft es da die Tierpfleger, die Arbeit müsse dennoch gemacht werden, inklusive beispielsweise dem Transportieren der schweren Futtersäcke. "Da hilft nur literweise Trinken!", so Franzen weiter.

Wasser bereithalten empfiehlt sie natürlich auch für die Haustiere, "oder auch Wassertränken für Wildvögel sind sinnvoll, die jetzt nicht mehr aus Pfützen oder ähnlichem Trinken können." Oder das eigene Tier auch mal abduschen - sofern es das Tier auch möchte. Generell solle man auf sein Tier achten, keinesfalls im heißen Auto zurücklassen - und im Prinzip nichts verlangen, was man auch nicht selbst tut, wie beispielsweise sportliche Aktivitäten in der Nachmittagshitze.

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Kommentare (17)
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  •   Mili
    (1237 Beiträge)

    26.07.2018 12:06 Uhr
    Ich kann nicht mehr ausser Haus.
    In meiner Kleidung steht überall "Nicht über 30C".
    Was soll i mache ?
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  •   schmidmi
    (1610 Beiträge)

    26.07.2018 14:23 Uhr
    Na drinnen bleiben
    so wie ich. Ich sitze in meinem klimatisierten Büro und freue mich über das schöne Wetter!
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  •   bier2
    (884 Beiträge)

    26.07.2018 12:43 Uhr
    gehschd hald nagig naus
    Unterbuxen können 60 Grad ab...
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  •   bier2
    (884 Beiträge)

    26.07.2018 10:26 Uhr
    Durschd tut ma kriege
    ha her, bei der Hitze.. an Schorle oder Woizen dud Abhilfe schaffe tun
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  •   Consigliere
    (322 Beiträge)

    26.07.2018 09:43 Uhr
    AfD nennt Klimawandel Irrlehre und will Energiewende beenden
    „Die AfD sagt hier und heute der Irrlehre des von Menschen gemachten Klimawandels den Kampf an“, sagte ihr Umweltpolitiker Karsten Hilse am Freitag: „Wir wollen den Ausstieg aus allen diesbezüglichen nationalen und internationalen Verträgen und Gremien.“
    Es gebe keine Beweise für den Klimawandel. Studien gäben nur wider, was die Aufraggeber wollten. Auch der Umstieg auf erneuerbare Energien sei daher falsch.
    Diese AfD-Hirne leben in ihrer eigenen frostigen Welt.
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  •   mueck
    (10543 Beiträge)

    26.07.2018 12:58 Uhr
    ?
    Vielleicht sollte man für diese Klientel die Energiewende umbenennen?

    "Leute, kauft heimische Sonne, heimischen Wind und heimische Wasserkraft!
    Kauft nicht das Öl vom Araber!"
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  •   schmidmi
    (1610 Beiträge)

    26.07.2018 14:18 Uhr
    Ich weiß ja nicht
    aber irgendwie kommen mir die Slogans bekannt vor grinsen
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  •   mueck
    (10543 Beiträge)

    26.07.2018 15:02 Uhr
    Meinschd?
    ... aber um so besser wirken sie dann bei der Zielgruppe ... zwinkern
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  •   malerdoerfler
    (5315 Beiträge)

    26.07.2018 07:56 Uhr
    Hitzefrei!
    Bei Schulneubauten sollte überlegt werden, ob die Klassenzimmer nicht besser mit Klimaanlage ausgestattet werden.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    25.07.2018 18:32 Uhr
    Ich meine eine gesteigerte Gereiztheit
    und Hektig im Straßenverkehr und am Bahnhof zu bemerken.

    Hab gerade einen jungen Burschen beobachtet, der vor der roten Ampel auf der Verkehrsinsel mit dem Rad im Kreis gefahren ist.

    Vermutlich gings um kühlenden Fahrtwind. Natürlich gabs dann brenzlige Situationen mit Passanten und anderen Radfahrern.

    Bei unerwünschtem Hitzestau liegen die Nerven blank.
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