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Karlsruhe Hilfe im Notfall: Rettungskarten sollen Einsatzkräften die Arbeit erleichtern

Bei Verkehrsunfällen zählt jede Sekunde. Diese Sekunden gehen bei Rettungseinsätzen jedoch oft verloren. Schuld sind die Unfallfahrzeuge, welche durch moderne Technik und komplizierte Sicherungs-Systeme für die Retter zum Hindernis werden. Eine Rettungskarte kann wichtige Zeit verschaffen.

Im November 2016 wurden die Rettungskräfte bei einem Verkehrsunfall mit einem Elektro-Auto (ka-news berichtete) vor ein großes Problem gestellt: Es wurde befürchtet, dass das Unfallfahrzeug noch unter Strom steht, weswegen das weitere Vorgehen erst mühsam abgeklärt werden musste, bevor der Wagen geborgen werden konnte. Eine kleine Karte, gedruckt auf ein Din-A4-Blatt soll genau dies verhindern können.

Datenblatt mit den Merkmalen des Autos

Die Rettungskarte ist ein vom Automobilclub "ADAC" eingeführtes und international anerkanntes Datenblatt. Sie dient dem Ziel, die Rettungszeit von in einem Fahrzeug eingeklemmten Unfallopfern zu verkürzen und so deren Überlebenschance zu steigern.

In der Karte enthalten sind alle für Rettungskräfte bergungsrelevanten Informationen zum Fahrzeug. Neben Modell, Baureihe und Baujahr können dies beispielsweise Karosserie-Verstärkungen, die Lage der Airbags und der Batterie sowie Ansatzpunkte für die Schneidewerkzeuge der Feuerwehr sein.

Warum eine "Rettungskarte"?

"Damit im Falle eines Unfalles schnell die wichtigsten Rettungsdaten für das jeweilige Fahrzeugmodell an Ort und Stelle für die Retter zur Verfügung stehen", so Jochen Funk von der Abteilung Verkehr und Technik des ADAC Nordbaden. Moderne Autotechnik biete mehr Sicherheit, erschwere aber teilweise die rasche Befreiung der Insassen. Wo an der Karosserie Spreizer und Schere anzusetzen sind, welche Vorsichtsmaßnahmen nötig sind, um Airbags nicht nachträglich auszulösen, sei den Einsatzkräften nicht immer bekannt.

Auch Markus Pulm von der Branddirektion der Feuerwehr Karlsruhe sieht in der Rettungskarte großes Potenzial: "Detaillierte Informationen zu Fahrzeugen können bei Einsätzen sehr wichtig sein. Von Interesse können neben Elektroleitungen für den Antrieb auch beispielsweise Druckpatronen, Zündkapseln von Airbags und Gurtstraffern sein, wie man sie heute in jedem Auto findet."

Besondere Vorsicht bei Elektro-Autos 

Funk zufolge sind solche Informationen insbesondere bei Fahrzeugen mit alternativem Antrieb unerlässlich. "Bei Elektro- und Hybridfahrzeugen kann die Hochvoltanlage noch unter Hochspannung stehen, die gegebenenfalls zuerst spannungsfrei zu schalten ist und bei Gasfahrzeugen kann es erforderlich sein, die Gaszufuhr manuell abzusperren. Die Rettungskarte zeigt den Einsatzkräften sofort, an welchen Stellen das Fahrzeug aufzuschneiden ist und wo aufgrund von Leitungen und Batterien Hochspannung herrscht."

Karlsruher Feuerwehr wirbt für die Karte

Der ADAC und auch die Karlsruher Feuerwehren tun viel dafür, um die Rettungskarte flächendeckend einzuführen. "Wir bewerben die Rettungskarte, indem wir beispielsweise am Stand der Feuerwehrverbände des Stadt- und Landkreises seit Jahren auf diese Karten hinweisen und den Fahrzeughaltern auch den Service anbieten, sich die Karten für ihr Fahrzeug vor Ort auf der Messe von uns ausdrucken zu lassen", so Pulm.

Funk lobt ebenfalls das Engagement der Karlsruher Feuerwehren und fügt an, auch der ADAC versuche über verschiedene Kanäle die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Auch einige Fahrzeughersteller seien aktiv und händigen die Karte etwa bei Autokäufen direkt aus, jedoch längst nicht alle.

Aus Papier-Karte könnte bald eine digitale Datei werden

Um in Zukunft ausnahmslos Informationen bei Unfällen gewährleisten zu können, soll ein digitales Rettungsdatenblatt seinen Vorgänger bald ganz ersetzen. Das amtliche Kennzeichen des Unfallwagens wird an die Leitstelle durchgegeben, wodurch sofort Zugriff auf die Fahrzeugdaten gewährt wird. Dies habe den Vorteil, dass die Informationen für wirklich jedes Fahrzeug vorhanden sind und man nicht darauf angewiesen sei, dass sich die Rettungskarte im Auto befindet. 

Es komme jetzt jedoch darauf an, dass die Rettungsleitstellen die Software bestellen und installieren, äußerte sich Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie in einer Pressemeldung. Trotz der angestrebten Digitalisierung bleibe die Rettungskarte aus Papier laut ADAC jedoch alternativlos, bis eine elektronische Datenübermittlung gewährleistet sei.

Jeder kann sich die Rettungskarte selbst ausdrucken

Jeder, der die Rettungskarte noch nicht besitzt, kann sie sich kostenlos auf der Internetseite des ADAC herunterladen. Aus einer Liste wählt man seine Automarke aus und wird direkt zu den entsprechenden Rettungskarten-Dateien des Herstellers weitergeleitet. Die Karte druckt man farbig aus und bewahrt sie im Fahrzeug einheitlich hinter der Fahrer-Sonnenblende auf, so ist sie für die Retter leicht zugänglich.

Zusätzlich rät der ADAC dazu, einen ADAC-Aufkleber mit der Aufschrift "Rettungskarte im Fahrzeug" auf der Windschutzscheibe anzubringen. Diesen bekomme man in den Geschäftsstellen kostenlos.

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Kommentare (5)
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  •   Skudder
    (160 Beiträge)

    19.09.2017 14:05 Uhr
    Mein Auto ist zu alt
    Leider ist mein Auto ein paar Jahre zu alt, als dass Mazda eine Rettungskarte dafür hätte. Die des Nachfolgers passt schon mal beim Standort der Batterie nicht.
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  •   M.S.
    (222 Beiträge)

    17.09.2017 21:30 Uhr
    ???
    "sich die Karten für ihr Fahrzeug vor Ort auf der Messe von uns ausdrucken zu lassen" --- Was für eine Messe ? Sollte vielleich mal genauer erläutert werden !
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  •   ka-lex
    (1519 Beiträge)

    17.09.2017 19:21 Uhr
    Rettungskarten IM Fahrzeug sind sinnlos!
    Die Informationen werden gebraucht BEVOR man das Auto aufschneiden kann.
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  •   bingobongo
    (122 Beiträge)

    18.09.2017 13:01 Uhr
    Nicht sinnlos
    Der vorgeschlagene Ort, der Dokumentenhalter auf der Rückseite der Fahrersonnenblende ist im Falle eines Unfalls sehr oft zugänglich.

    Wenn der Vorderwagen derart zerstört ist, dass die Karte nicht entnommen werden kann, dann helfen die Dinger auch nicht mehr viel...
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  •   mueck
    (9046 Beiträge)

    17.09.2017 20:01 Uhr
    Detaillierte
    Anleitung zum Dosenöffnen:

    Siehe Bodenblech

    ;-)
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