Karlsruhe Haushälterin im Verdacht: Karlsruher Gericht verhandelt Mord an 66-Jähriger

Seit Montag muss sich eine 61-jährige Frau vor dem Landegericht Karlsruhe verantworten. Der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft: Mord und Brandstiftung zur Vertuschung einer Straftat.

Bei einem Brand in einer Wohnung Mitte Mai 2017 wurde die Leiche einer Frau gefunden. Schnell wurde klar: Der Brand war vorsätzlich gelegt worden und die Bewohnerin wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Im Anschluss wurden mehr als 1.300 Personen aus dem Umfeld der Getöteten oder aus deren Wohn-Umfeld befragt. Doch es sollte bis Anfang August dauern, bis die Handschellen bei einer 61-Jährigen Frau klickten. Die Haushälterin der Getöten war in den Fokus der Ermittler gerückt. Seither sitzt sie in Untersuchungshaft.

Am Montag begann der Prozess vor dem Karlsruher Landgericht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: In den Morgenstunden des 17. Mai soll die Angeklagte Petra F. in der Karlsruher Albtalstraße die 66-jährige Frau, bei der sie als Putzkraft beschäftigt war, mit mehreren Messerstichen getötet haben um Diebstahltaten von Schmuck und Bargeld zu verdecken. Auch ein Kissen zum Ersticken soll zum Einsatz gekommen sein.

Angeklagte macht unterschiedliche Angaben zur Hergang

Um Spuren der Tat zu vernichten, soll die Frau einen Tag später in die Wohnung zurückgekehrt sein, um dort Feuer gelegt haben, heißt es in der Anklage der Staatsanwaltschaft weiter. Am Montag war der erste von 22 geplanten Verhandlungstagen. Die 61-jährige bestreitet die Tatvorwürfe.

Mordprozess in Karlsruhe
Die angeklagte Petra F. mit ihrem Verteidiger Marvin Schroth vor dem Karlsruher Landgericht. | Bild: Lukas Hiegle

Petra F., die in den 80er und 90er Jahren in Hamburg und Karlsruhe verschiedene Kneipen bewirtete, war seit 2013 unter anderem bei der Ermordeten als Putzkraft beschäftigt. Zum Prozessauftakt wirkte die Mutter zweier Söhne reserviert. Ihre Antworten auf die Fragen des Vorsitzenden Richters waren kurz, oftmals auch von Unsicherheit im Ablauf und Erinnerungslücken geprägt.   

Angeklagte bereits wegen Diebstahl vorbestraft

Auch zum Prozessauftakt leugnet die Frau mehrfach, mit dem Mord an der wohlhabenden Rentnerin etwas zu tun zu haben. Die Indizien und Hinweise, die beim Brand nicht vernichtet wurden, belasten die Frau jedoch. So sei auf der Leiche des Opfers ein Haar der Angeklagten gefunden worden, auf einem Brief wurden ihre Fingerabdrücke sichergestellt. Auch am Deckel der Spiritusflasche, mit der das Feuer gelegt wurde, fand man DNA-Spuren von Petra F.

Bei der Verhandlung konfrontierte der Staatsanwalt die Angeklagte zudem mit widersprüchlichen Aussagen. So habe sie bei der Polizei von einer goldenen Folie gesprochen, welche über der Leiche gelegen haben soll. Beim Prozess sprach sie dann von einer durchsichtigen Folie. Weiter habe die Frau ein größeres Interesse an dem Fall gezeigt: Über ein Tablet und bei einem Bekannten, einem Polizisten im Ruhestand, informierte sich die Frau über Tatort-Ermittlungen und DNA-Spuren.     

Auch ein mögliches Motiv wurde der Angeklagten unterstellt. So sei die Ermordete durch zwei Erbschaften zu einem hohen Vermögen gekommen, was die Angeklagte gewusst haben soll. Und bereits in der Vergangenheit sei Petra F. durch Diebstähle bei anderen Hauseigentürmern angezeigt und bestraft worden.

Weiter habe die Angeklagte in den Jahren 2016 und 2017 bei einem Karlsruher Goldankäufer für mehrere Tausend Euro Schmuck eingelöst. Die Beschuldigte selbst behauptet der Schmuck stamme von Flohmärkten und aus Eigenbeständen.

Zweite Putzfrau bislang ein "Phantom"  

Die Beschuldigte hat ihre ganz eigene Version der Geschehnisse zwischen dem 17. und 18. Mai 2017.  So sei sie am Tag vor dem Brand in die Wohnung gegangen, um den Hausschlüssel zurück zu bringen. Dabei habe sie ihre Auftraggeberin schon leblos aufgefunden. Doch statt die Polizei zu alarmieren, verließ sie die Wohnung wieder - aus Schock wie sie sagt. Auf dem Rückweg sei ihr dann ein unbekannter Mann im Treppenhaus begegnet. Ihrem Mann habe sie nichts von dem Vorfall erzählt.

Am folgenden Tag sei sie dann erneut zur Wohnung des Opfers gegangen, um von dort die Polizei zu alarmieren. Doch vor der Wohnungstür habe sie dann ein schrilles Piepsen gehört, weswegen sie nicht erneut hinein gegangen sei.

Niemand hat eine zweite Putzfrau gesehen

Zudem gibt sie an, dass es auch eine weitere Putzfrau gegeben haben soll, die ebenfalls für die ermordete Frau tätig gewesen sein soll - angeblich für Arbeiten, welche die Angeklagte aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht mehr in der Lage war.

Dieser Darstellung wurde vor Gericht aber nur wenig Glauben geschenkt: So sei die zweite Putzfrau ein "Phantom", welche von keinem Nachbarn gesehen wurde. Auch bei ersten Vernehmungen mit der Polizei erzählte sie zunächst nichts von ihren Erlebnissen. Ein unerklärlicher Fehler wie sie heute zum Prozessauftakt bemerkte. "Ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann".

In den nächsten Prozesstagen sollen Zeugen befragt werden. Bei einer Verurteilung droht der Frau eine lebenslange Haftstrafe. Die nächste Verhandlung findet am Freitag, 2. Februar statt.

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