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Karlsruhe "Haste mal 'nen Euro?": Steigt die Zahl der Bettler in Karlsruhe?

Die einen haben Mitleid, die anderen zeigen sich genervt: Bettelnde Menschen in den Fußgängerzonen spalten die Meinungen. Um aufdringliche Bettler aus dem Verkehr zu ziehen, kontrolliert der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) die Straßen in der Karlsruher Innenstadt. Hat die Anzahl der Bettler nach Einschätzung der Ordnungshüter zugenommen?

Sie sitzen auf der Straße, klingeln an Türen oder drücken einem Kärtchen in die Hand: Auch in Karlsruhe gehören Menschen, die um Geld betteln, zum alltäglichen Bild. "Großstädte sind für Bettelnde generell attraktiv, da hier die Ausbeute höher ist", meint Ute Donisi vom Ordnungsamt Karlsruhe im Gespräch mit ka-news. Allerdings gibt es Regeln und Grenzen, die es einzuhalten gilt.

Ist ein Kärtchen bereits belästigendes Betteln?

Betteln an sich ist nicht untersagt. "Schweigend mit einem Hut auf der Straße zu sitzen, ist durchaus erlaubt", so Donisi - auch, wenn es vereinzelt durchaus zu Beschwerden komme. "Da können und werden wir nichts tun, denn das muss eine Gesellschaft aushalten." Grenzen ziehen die Karlsruher Ordnungshüter des KOD, wenn Jugendliche involviert sind oder der Bettelnde durch belästigendes Verhalten auffällt.

So legt es die neuste städtische Polizeiverordnung fest, welche im Mai des letzten Jahres einstimmig vom Gemeinderat gebilligt wurde. Die dort festgehaltenen Regelungen gelten auf allen öffentlichen Straßen und Anlagen. Geduldet, erklärt Donisi, war das Betteln "mittels oder mit Minderjährigen" auch vor der neuen Polizeiverordnung nicht. Der entscheidende Unterschied: "Zuvor konnten wir in solchen Fällen nur den sozialen Dienst informieren. Nun kann hier im Sinne einer Ordnungswidrigkeit verfahren werden."

 

(Anm. d. Redaktion: Die allgemeine Gefahrenabwehr bezeichnet Überprüfungen, Alkohol, Belästigungen, Hilfeleistungen, Streitigkeiten etc.)

Und auch wenn auf aggressive Weise gebettelt wird, ist Schluss: "Betteln wird dann als aggressiv angesehen, wenn dem Bittgesuch durch hartnäckiges Ansprechen, Beleidigen, Verfolgen, Berühren, in den Weg stellen/den Weg blockieren oder sonstige Formen der Belästigung von Passantinnen und Passanten Nachdruck verliehen wird", lautet die Erklärung im Sicherheitsbericht des Ordnungs- und Bürgeramts der Stadt Karlsruhe für 2014.

Bereits das Übergeben eines Kärtchens an der Haltestelle oder in der Bahn könne als belästigendes Betteln gewertet werden, erklärt Donisi. "In diesem Fall würden wir eingreifen." Wer beim aggressiven Betteln erwischt wird, trägt die Konsequenzen: Es folgen ein Platzverweis von 24 Stunden, ein Bußgeld von 220 Euro und die eventuelle Beschlagnahmung des erbettelten Geldes. Bei wiederholten Verstößen kann sogar ein Aufenthaltsverbot von drei Monaten verhängt werden.

Ordnungsamt will an konsequenten Kontrollen festhalten

Um gegen aggressives Betteln vorgehen zu können, führte der KOD auch im vergangenen Jahr Kontrollen in den Fußgängerzonen der Karlsruher City durch. Wie aus dem Sicherheitsbericht hervorgeht, beobachtete man dort insbesondere Mitte des Jahres eine schlagartige Erhöhung der Anzahl der bettelnden Personen. Konkrete Zahlen vonseiten des Ordnungsamts liegen nicht vor. Vielmehr berufen sich die Ordnungshüter auf Erfahrungswerte. "Die Mitarbeiter beobachten den Anstieg im Rahmen ihrer Streifgänge", erklärt Donisi.

Zu dieser Zeit habe man auch wiederholt unterschiedliche Formen des aggressiven Bettelns festgestellt. Diese Beobachtung decke sich auch mit der gestiegenen Zahl der Beschwerden, die das Ordnungsamt zur Jahresmitte 2014 erreicht hätten. Über die Gründe hierfür könne man nur spekulieren, statistische Daten gebe es auch hier nicht. "Bis vor drei bis vier Jahren beobachtete man vor allem in der Vorweihnachts- und Adventszeit eine Zunahme", so die Ordnungsamtssprecherin. In den vergangenen Jahren habe sich dies immer mehr auf das ganze Jahr verteilt - und so auch auf den Sommer.

"Der Sommer ist dann aufgefallen, da man eigentlich erst im Herbst oder Winter mit dem Anstieg gerechnet hatte." Die gute Nachricht des Sicherheitsberichts: Intensive Kontrollen hätten schnell zu einer Beruhigung der Bettelszene geführt. Auch in der Vor- und Weihnachtszeit habe man nur noch vereinzelt aggressives Betteln in Karlsruhe festgestellt. "Die neue Vorgehensweise hat sich bewährt und soll auch in Zukunft so praktiziert werden."

Mehr zum Thema:

Umfrageergebnis: Auch in der Karlsruher Innenstadt wird aggressiv gebettelt 

Dreistes Schnorren: Wie geht Karlsruhe mit aufdringlichen Bettlern um? 

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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1273 Beiträge)

    13.08.2015 10:24 Uhr
    Staatsbürgerschaft
    abgeben - ins Ausland abwandern - bisschen Zeit vergehen lassen - als Einwanderer zurückkehren - und schon geht's Dir a bissel besser.
    Trau Dich !
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    unbekannt
    (546 Beiträge)

    13.08.2015 10:05 Uhr
    Autoindustrie
    Erbettelt sich jedes Jahr Millionen. Das ist doch der Oberhammer! Wann hört das eigentlich auf ?

    http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/das-maerchen-von-der-elektro-mobilitaet-100.html
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  •   schwarzwaldbub
    (87 Beiträge)

    12.08.2015 17:44 Uhr
    Attraktive Bettler - wo?
    @ El_Mikador, wo gibt es in KA bitte attraktive Bettler? Außerdem muss bitte schön wegen dem Diskriminierungsverbot die geschlechtsneutrale Bezeichnung "Bettelnde" gewählt werden. Ansonsten drohen Bußgelder mit Verzugszins zwinkern
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    unbekannt
    (1093 Beiträge)

    12.08.2015 16:37 Uhr
    Solche Leute gibt es bei uns auch


    (Symbolbild)
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  •   NeoTiger
    (731 Beiträge)

    12.08.2015 14:35 Uhr
    Balkenchart zum KOD ... unerhört!
    Ich kann ja verstehen, dass unsere Stadtkasse klamm ist, aber die guten Leute vom Ordnungsdienst deswegen in den letzten Jahren vermehrt auf den Strich zu schicken ... irgendwo hört der Spaß auf!
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  •   ratzfatz67
    (314 Beiträge)

    12.08.2015 13:10 Uhr
    Mir fällt nur auf,
    dass diejenigen, die da rumsitzen/-laufen einer bestimmten Menschgruppe angehören, die EU-Bürger sind und somit auch gut einer geregelten Arbeit nachgehen dürften. Aber wahrscheinlich sind sie "Fachkräfte" in ihrem Bereich und sehen das dann auch als ihre Arbeit an.
    In früheren Jahren war das in Karlsruhe nicht so auffällig. Mich erinnert es ein wenig an Aufenthalte im süd-, südosteuropäischen Ausland. Da waren diese Gestalten auch immer im Stadtbild vorhanden.
    Wo sind denn eigentlich unsere "altbekannten" Punks und Berber, die vorher in der Stadt immer mal wieder waren? Eine zeitlang gab es sowohl als auch aber jetzt sind nur noch die oben genannten zu sehen. Ich persönliche gebe nichts und ihre bescheuerten Rosen und Zettel können sie sich auch sonst wohin stecken.
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  •   andip
    (11009 Beiträge)

    12.08.2015 15:36 Uhr
    Die Berber
    kann man immer noch finden,auch wenn sie dabei gerne einem eine Obdachlosenzeitung verkaufen wollen.
    Die Punks dagegen sind tatsächlich verschwunden.Vermutlich sind die aus dem Alter rausgewachsen und vernünftiger geworden.Und Nachwuchs haben die scheinbar keinen.
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  •   Selbstdenker
    (258 Beiträge)

    12.08.2015 22:21 Uhr
    Nicht ganz
    Zitat von andip Die Punks dagegen sind tatsächlich verschwunden.Vermutlich sind die aus dem Alter rausgewachsen und vernünftiger geworden.Und Nachwuchs haben die scheinbar keinen.

    Andersrum: Irgendwann hatten die dann Nachwuchs und wurden superspießig. Merke: Die schärfsten Kritiker der Elche / Werden später selber welche.
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  •   mcclaney
    (1501 Beiträge)

    12.08.2015 11:43 Uhr
    ...
    Liebe Redaktion,

    statt "Steigt die Zahl der Bettler in Karlsruhe?" schreibt doch einfach in die Überschrift rein, was der geneigte Leser bei der Lektüre des Artikels schließlich erfährt: "Wir haben kein Ahnung, ob die Zahl der Bettler in Karlsruhe gestiegen ist."

    Warum wird der Leser mit Informationen geködert, die dann nicht geliefert werden?
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  •   Selbstdenker
    (258 Beiträge)

    12.08.2015 22:23 Uhr
    Tja ...
    ... früher hat man halt schon im Voluntariat gelernt: Keine Fragen in die Überschrift, denn: Der Leser weiß es auch nicht.
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