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Karlsruhe Hardtwaldsiedlung will am Fasanengarten bauen: Vorstand Norbert Krumm sagt "Sozialer Wohnraum ist nur mit Kompromissen zu erreichen!"

In Karlsruhe sollen neue Wohnungen entstehen: Am Fasanengarten, in der Nähe des Karl-Wilhelm-Platzes, will die Baugenossenschaft "Hardtwaldsiedlung" eine neue Gebäudefront errichten: 65 Wohnungen sollen nach Fertigstellung bezugsfertig sein. Doch die Baupläne sorgen für Unmut unter den Anwohnern: Einige haben eine Online-Petition gestartet, auch eine "Mahnwache" ist geplant. Am Dienstag, 22. Januar, beschäftigt sich die Stadtpolitik mit dem Thema und entscheidet über den Bebauungsplan des Areals.

Seit drei Jahren plant die Genossenschaft den Ausbau ihrer Liegenschaften in der Oststadt: 65 neue Wohnungen inklusive Gewerbefläche und Tiefgarage sollen auf 5.000 Quadratmetern am Fasanengarten zwischen Emil-Gött-Straße und Parkstraße entstehen. Sofern der Karlsruher Gemeinderat am Dienstag dem  Bebauungsplan zustimmt, ist der Baubeginn für Ende 2019 vorgesehen.

Bebauung des Areals seit den 20er Jahren geplant

Das Areal gehört der Hardtwaldsiedlung, Pläne für die Bebauung des Areals bestehen bereits seit den 20er Jahren: Im ursprünglichen Bebauungsplan aus dem Jahre 1924 war ein fünf- bis sechsstöckiges Querbauwerk vorgesehen, erzählt Norbert Krumm, Vorstand der Hardtwaldsiedlung im Gespräch mit ka-news.

Norbert Krumm, Vorstand Hardtwaldsiedlung, im Gespräch mit ka-news-Redaktionsleiterin Corina Bohner. | Bild: Alex Hammer

In den vergangenen zehn Jahren wurde das Bauvorhaben mit der Stadt Karlsruhe und den jeweiligen Gremien immer wieder besprochen - und der ursprüngliche Plan mit einem hohen Gebäude im Innenhof schlussendlich verworfen. "Ein Aspekt war sicherlich auch die Rücksichtnahme auf unsere Mieter in der Emil-Gött-Str. 3 bis 19 und der Parkstraße 30 bis 60." Man entschied sich stattdessen für einen neuen Plan mit mehreren, niedrigeren Gebäuden.

Neuer Bebauungsplan im Genehmigungsverfahren

Ein neuer Bebauungsplan wurde aufgesetzt - und ist nun im Genehmigungsverfahren durch die notwendigen Instanzen. Im neuen Plan verzichtet die Hardtwaldsiedlung auf einige Stockwerke - und will im Kopfgebäude am Fasanengarten dreigeschossig, im Innenhof zweigeschossig bauen.

Übersicht Bebauungsplan "Am Fasanengarten". | Bild: Stadt Karlsruhe/Hardtwaldsiedlung

Gutachten und Stellungnahmen wurden zu Natur- und Bodenschutz und vom Bauordnungsamt, Abfallwirtschaft, Denkmalschutzbehörde, Stadtplanungsamt, Gartenbauamt, Branddirektion, Umweltschutz und Immissionsschutzbehörde eingeholt.

Dreigeschossiger Kopfbau und zweigeschossige Innenbauten

Nach dem Bebauungsplanentwurf sollen im nördlichen Blockinnenbereich sieben zweigeschossige (barrierefreie) Wohnungsbauten entstehen. An der Straße "Am Fasanengarten" ist ein dreigeschossiges Gebäude geplant. Bei allen Bauten ist ein Staffelgeschoss, also ein in der Grundfläche verkleinertes und optisch zurückgesetztes, Stockwerk vorgesehen. Die Gesamtmaßnahme wird sich den umliegenden Gebäuden "architektonisch unterordnen", so Krumm.

Geplante Gebäude im Innenhof. | Bild: Stadt Karlsruhe/Hardtwaldsiedlung

Die Mieter wurden befragt und in Workshops über das geplante Bauvorhaben der Hardtwaldsiedlung informiert. Dennoch verursachen die Neubaupläne bei "einigen wenigen" Unmut, so Krumm. Der Vorstand kennt die Kritik am Neubau: Durch die Umgestaltung fällt Gartenfläche weg, außerdem wird die Bebauung im denkmalgeschützten Bereich kritisiert sowie negative Auswirkungen auf eine Frischluftschneise befürchtet.

Fasanengarten Bebauung
Blick in den Innenhof "Am Fasanengarten". | Bild: Peter Eich

In einer entsprechenden Online-Petition der Kritiker heißt es dazu: "Für die Anwohner liefert die grüne Oase zwischen den Häusern nicht nur frische Luft, sie bietet auch eine unverzichtbare Wohnqualität gerade durch eine angenehme Kühle an heißen Sommertagen. Und ist damit ein notwendiger und beliebter Naherholungsraum." Die Initiatoren der Petition gegen die neue Bebauung schlagen vor, dass "vordringlich andere Möglichkeiten gesucht und genutzt werden" sollen, um Wohnraum zu schaffen.

Keinen Baugrund mehr, Hardtwaldtsiedlung muss nachverdichten

"Ich verstehe die Anwohner und Ihre Anliegen zu 100 Prozent", so Vorstand Krumm. Aber man habe eine Verpflichtung den eigenen Mitgliedern gegenüber, neuen und sozialverträglichen Wohnraum zu schaffen.  "Derzeit suchen bis 1.500 Mitglieder aktiv eine Wohnung." Man habe keinen Baugrund mehr zur Verfügung, so Krumm, daher müsse auf Ergänzungsbebauung - sogenannte Nachverdichtung - gesetzt werden. 

Bild: Carmele/TMC Fotografie

Bei den Bauherren ist man kompromissorientiert: Im Innenhof wurden die Bauten niedriger geplant. Zudem werden einige der denkmalgeschützten Garagen erhalten bleiben. Ein vollständiger Erhalt der Gärten - wie von den Petitionsunterstützern gefordert - ist jedoch nicht möglich.

Garagen Fasanengarten
Einige der denkmalgeschützten Garagen (rechts im Bild) sollen erhalten bleiben. | Bild: Tim Carmele

"Wir fühlen uns unseren Mitgliedern der Hardtwaldsiedlung verpflichtet, erschwinglichen Wohnraum anzubieten. Dieses Bedürfnis deckt sich mit den Wünschen unserer Genossen, jedoch müssen wir immer wieder feststellen, dass einige der direkt Betroffenen das Motto vertreten: 'not in my backyard – put it in their backyard'", äußert sich Vorstand Krumm zur Online-Petition gegenüber ka-news.

Norbert Krumm, Vorstand der Hardtwaldsiedlung, im Gespräch mit ka-news-Redaktionsleiterin Corina Bohner. | Bild: Alex Hammer

Und weiter: "Die einzige Möglichkeit zur Lösung eines der größten Probleme unserer Zeit, nämlich: sozial verträglicher Wohnraum, trotz Marktverknappung zu schaffen, ist nur durch Kompromisse zu erreichen. Das ist etwas was unsere Gesellschaft wieder lernen muss."

Hardtwaldsiedlung will sozialen Wohnraum schaffen

Der Neubau am Fasanengarten soll sozialen Wohnraum schaffen: "Wir möchten den sozialen Charakter, den wir als Genossenschaft haben, hier weiterführen", sagt Krumm im Gespräch mit ka-news. Alle Geschosswohnungen sollen mit Aufzügen behindertengerecht gestaltet werden, im Erdgeschoss soll ein Mehrgenerationenhaus mit Café oder Hofladen und Sozialstation entstehen.

Kopfgebäude an der Straße "Am Fasanengarten". | Bild: Stadt Karlsruhe/Hardtwaldsiedlung

Von den 64 neuen Wohnungen werden knapp 40 durch das Karlsruher Wohnraumförderungsprogramm (KaWoF) gefördert und somit an Haushalte mit ausgestelltem Wohnberechtigungsschein vermietet. Weiterhin werden 14 Servicewohnungen eingerichtet: Sie sollen älteren und nicht mehr so agilen Mitgliedern der Baugenossenschaft zur Verfügung stehen.

"Altersgerechtes Wohnen im Quartier" soll ermöglicht werden

"Wir wollen altersgerechtes Wohnen im Quartier ermöglichen", so Krumm im Gespräch, "und das Leben im Quartier damit so lange wie möglich unterstützen." Geplant sei außerdem eine Wohngruppe für integratives Leben, so Krumm, hier soll mit einem sozialen Träger zusammengearbeitet werden.

2021 sollen die neuen Wohnungen bezugsfertig sein - Ende 2019 sollen die Bauarbeiten starten. Heute entscheidet der Gemeinderat über den Bebauungsplan. Im Vorfeld der Sitzung wollen die Petitionsunterstützer ihre 1.118 Unterschriften übergeben. Großen Einfluss auf das Bauvorhaben dürfte die Online-Petition nicht haben: Da es in Karlsruhe keinen Petitionsausschuss gibt, sind Online-Petitionen nicht rechtlich bindend für die Stadt. Einen zuständigen Ausschuss für Petitionen gibt es nur auf Länderebene.

Gemeinderat stimmt für die Pläne

40 Minuten dauerte die Diskussion im Gemeinderat, etliche Wortmeldungen wurden gehört. Zum Schluss haben wurde abgestimmt. Das Ergebnis: "Mehrheitlich beschlossen", denn neben den 38 Ja-Stimmen, haben auch sechs Stadträte gegen den Bebauungsplan votiert. 

Gemeinderat Abstimmung Fasanengarten
So haben die Karlsruher Gemeinderäte in Sachen Wohnen am Fasanengarten im Januar 2018 abgestimmt. Der Bebauungsplan wurde mehrheitlich beschlossen. | Bild: Screenshot@Stadt Karlsruhe

Alle aktuellen Unterlagen zur Gemeinderatssitzung am 22. Januar unter externem Link https://web3.karlsruhe.de/Gemeinderat/ris/bi/to0040.php?__ksinr=5261

Zum Download: Zeichnungen der geplanten Bauten aus dem Bebauungsplan

Dateiname : Bebauungsplan Fasanengarten
Dateigröße : 1.47 MBytes.
Datum : 22.01.2019 13:43
Download : Download Now!

 

ka-news Hintergrund

Die Hardtwaldsiedlung Karlsruhe eG wurde im Jahre 1919 gegründet und feiert ihr 100-jähriges Bestehen im Jahr 2019. Die Genossenschaft hat mittlerweile zirka 7.000 Mitglieder und zirka 1.680 Häuser beziehungsweise Wohnungen in verschiedenen Stadtteilen von Karlsruhe, auch in der Oststadt in der Emil-Gött-Straße, Hölderlinstraße, Karl-Wilhelmstraße und Parkstraße.
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  •   andip
    (9750 Beiträge)

    24.01.2019 15:33 Uhr
    Ach was
    Schliesst da wer von sich auf andere?
    Studenten sind froh überhaupt eine bezahlbare Bude zu bekommen und verlangen keinen Luxus und schon gar keinen staatlich subventionierten.
    Die Zimmer in Studentenwohnheimen sind auch nicht so gross.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    24.01.2019 11:56 Uhr
    Da gehts
    nicht ums Wollen. Oder wie hiess es als wir klein waren? Mach deine Auge zu, dann siehsch was de kriegsch.
    15 Quadratmeter ist immer noch besser als gar nichts. Es gibt vierköpfige Familien in Dreizimmerwohnungen mit 65 qm, DAS ist wenig.
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  •   obacht
    (88 Beiträge)

    22.01.2019 21:00 Uhr
    Da ist ja sogar
    "Fußballspielen verboten", die Garagen könnten ja kaputt gehen.....
    Dann lieber gleich nachverdichten und neuen Wohnraum schaffen.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    22.01.2019 22:13 Uhr
    Das Schild
    dürfte auch so richtig antik sein. grinsen
    Aber es hat seine Berechtigung, das weiss jeder der ihm als Kind zuwidergehandelt und als Erwachsener danebengewohnt hat. zwinkern
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    22.01.2019 20:06 Uhr
    Die Es
    Ju Wiiis basse do bestimmd ned nei.
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  •   likeka
    (471 Beiträge)

    22.01.2019 15:36 Uhr
    Gutes Projekt.
    So sehr ich jeden Mieter verstehen kann, der sich über die riesigen Gärten in bester Innenstadtlage freut, so sehr muss man doch feststellen, dass es bei so großer Wohnraumknappheit kaum vertretbar ist, diese Gärten komplett zu erhalten.
    Mit zwei Vollgeschossen zuzüglich einem Staffelgeschoss fügen sich die Bauten doch ganz gut in die Umgebung ein.
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  •   kawai
    (137 Beiträge)

    22.01.2019 15:47 Uhr
    Sehe ich genauso
    Ich kann natürlich jeden Anwohner verstehen, der sich über eine Verschlechterung seiner Wohnsituation beschwert. So etwas gibt es bei jeder Veränderung.

    Aber als Außenstehender bleibt für mich nur ein Schluss: das ist der richtige Ort für Nachverdichtung, und die Planung hat sinnvolle Dimensionen.

    Also: Bitte nicht noch mehr Natur am Stadtrand auffressen, sondern dort bauen, wo schon Straßen, öffentlicher Nahverkehr, Kanalisation, Strom und Internet vorhanden sind.
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  •   patrickkk
    (1257 Beiträge)

    23.01.2019 07:22 Uhr
    Und
    Dann wieder Beschweren dass es nicht genügend Parkplätze/Ruhe/Frischluft gibt.

    Grüne Flächen in der Innenstadt sind mindestens so schützenswert wie jene am Stadtrand.
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  •   HerrNilson
    (1093 Beiträge)

    23.01.2019 18:01 Uhr
    Interessiert nur
    die Menschen die da wohnen. Der Rest ist mit allem einverstanden was die dortigen Anwohner hinnehmen sollen.
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    22.01.2019 15:33 Uhr
    Erinnert an das Quartier "Sonnengrün"
    der Gartenstadt. Auch da haben sich die Bionade-Biedermeier, die grundsätzlich gegen Alles sind, nicht durchgesetzt.

    Der Zweck einer Genossenschaft ist es nun einmal, die Mitglieder mit Wohnraum zu versorgen. Wusste gar nicht dass es mitten in der Oststadt so große Grünflächen gibt. Muss mir doch mal endlich eine Drohne mit Kamera anschaffen.
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