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Karlsruhe Grundschul-Empfehlung adé: Den Karlsruher Hauptschulen geht der Nachwuchs aus

Lange Zeit war die Grundschulempfehlung eine verbindliche Sache. Die Lehrer empfahlen, die Eltern hörten. Das war einmal: Seit dem Schuljahr '11/'12 ist die Grundschulempfehlung nicht mehr verpflichtend. Die Eltern entscheiden allein über die künftige Schulart ihres Kindes. Zwei Jahre später ist nun klar: Immer mehr Kinder bleiben auf ihrer neuen Schule auf der Strecke - während manche Karlsruher Haupt- und Realschulen um ihr Überleben kämpfen.

Die Abschaffung der verpflichtenden Grundschulempfehlung war ein Einschnitt in Baden-Württembergs Bildungslandschaft. Zwei Jahre ist es nun her, seitdem Eltern erstmals allein über die Zukunft ihres Kindes entscheiden durften.

Kritiker befürchteten schon damals eine gefährliche Verwechslung von Wunsch und Wirklichkeit, von Anspruchshaltung und tatsächlichem Leistungsvermögen des Kindes. Nun, zwei Jahre später, scheint sich diese Befürchtung zu bewahrheiten.

Fast 60 Prozent aller Karlsruher Schüler aufs Gymnasium

Denn Zahlen des statistischen Landesamtes belegen: Seit der Reform bleiben sowohl auf den Gymnasien als auch auf den Realschülern mehr Schüler sitzen. Waren es auf den Gymnasien Baden-Württembergs 2011 noch 2,2 Prozent aller Schüler, die das Klassenziel verfehlten, waren es 2013 schon 2,4 Prozent. Noch deutlicher wird es auf den Realschulen des Landes: So waren 2011 noch 2,7 Prozent aller Realschüler sitzen geblieben, 2013 waren es schon 3,1 Prozent.

Zufall oder Folge vermehrter Nachwuchsüberschätzung? Julia Stoye, Sprecherin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg (GEW) geht von einer Verbindung der Zahlen mit der Reform aus: "Es ist davon auszugehen, dass ein Zusammenhang mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlungen besteht", sagt sie.

Vor allem die Haupt- und Werkrealschulen leider unter dem verstärkten Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder entgegen der Empfehlung auf eine höhere Schulart zu schicken. Die Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen, dass im vergangenen Schuljahr nur 8,3 Prozent aller Karlsruher Grundschulabgänger auf die Hauptschule gegangen sind.  Gleichzeitig steigt die Zahl der Realschüler (13/14: 23 Prozent)  und Gymnasiasten (13/14: 59,6 Prozent) stetig an. 

Christine Sattler, Sprecherin des Kultusministeriums Baden-Württemberg, erklärt auf Nachfrage von ka-news: "Bei den Haupt- und Werkrealschulen gibt es seit über einem Jahrzehnt einen starken Rückgang bei den Übergangszahlen von der Grundschule. Sie haben sich zwischen den Jahren 2001 und 2011 von rund 40.300 auf etwa 23.800 fast halbiert. Die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung hat diesen Trend lediglich verstärkt."

"Wir halten Sitzenbleiben für fragwürdig"

Die Hauptschulen kämpfen vielerorts schlicht um die Schüler, während im vergangen Schuljahr lediglich 57,3 Prozent aller Übergänger auf die Realschulen auch tatsächlich eine entsprechende Empfehlung hatten. Ein Problem sieht auch die GEW. Stoye erklärt: "Allein zwischen 2008 und 2012 wurden über 300 Haupt- und Werkrealschulen in Baden-Württemberg geschlossen, viele sind weiter in ihrem Bestand bedroht."

Dabei haben alle weiterführenden Schularten mehr und mehr mit einem zusätzlichen Problem zu kämpfen: "An den weiterführenden Schulen und insbesondere an den Realschulen ist seit Jahren eine zunehmende Heterogenität -also zum Beispiel zunehmend unterschiedliche Lernleistungen, Begabungen oder soziale Herkunft-  zu verzeichnen", so Sattler weiter. Die Abschaffung der verbindlichen Empfehlung habe diese Entwicklung zwar nicht geschaffen - aber beschleunigt.

Was tun gegen die steigende Zahl der Sitzenbleiber? "Die Lehrer an den Grundschulen schätzen die Leistungsfähigkeit der Kinder in der Regel richtig ein. Ich kann den Eltern deshalb nur raten, die Empfehlungen ernst zu nehmen", wird Kultusminister Alexander Stoch (SPD) zitiert. Geht es nach der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kommt es schon bald nicht mehr zum Sitzenbleiben: "Wir halten Sitzenbleiben für pädagogisch fragwürdig. Stattdessen braucht es bessere Bedingungen an den Schulen - dazu gehört auch mehr Zeit, damit die Lehrer den gestiegenen Herausforderungen gerecht werden können."

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  •   Loewe
    (327 Beiträge)

    03.09.2014 18:27 Uhr
    Direktoren fordern Schritte gegen hohe Sitzerbleiberquote
    Liest mal schnell den Bericht im PZ. Haarströbend was die grün roten mit unseren Kindern machen und wie sie in allen Belangen die Bevölkerung anlügen!
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  • unbekannt
    (511 Beiträge)

    04.09.2014 03:14 Uhr
    Tja,
    diese Scheisse haben uns die Wutrentner eingebrockt.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    03.09.2014 21:01 Uhr
    Da versuchen
    diese Grünen, durch die Hintertür das Gymnasium abzuschaffen. Die Förderung und Forderung von Begabten bleibt auf der Strecke. Dabei ist Bildung und Intelligenz eine der wenigen Ressourcen, die Deutschland hat. Furchtbar für unsere Kinder und unsere Gesellschaft was diese Verbrecher da anrichten.

    Ich frage mich immer wieder was die Hintergründe für so eine schädliche Politik sind.
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  •   Baden01
    (602 Beiträge)

    02.09.2014 20:46 Uhr
    Man wil sich
    von der Spreu unterscheiden, seit soviele Migranten nicht die Leistung bringen, ist dies eben die Hauptschule?!

    Das sind bereits Verteilungskämpfe um die besten Startplätze in die Zukunft. DA hilft das Abschaffen der Versetzung nichts!
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  •   Baden01
    (602 Beiträge)

    02.09.2014 20:48 Uhr
    will :-)
    klar Alder.
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  • unbekannt
    (14337 Beiträge)

    02.09.2014 21:54 Uhr
    Selbst Schüler aus Migrantenfamilien fordern:
    Ohne Härte geht es nicht
    //Schüler aus dem Weddinger Brunnenviertel diskutieren mit Politikern über Integrationspolitik. Geht es nach ihnen, ist die Politik seit Jahren auf dem Holzweg. //
    Das was insbesondere Berliner Politiker fordern ist eine Gleichmachung von Schulen/Schulabschlüssen. Keine Zeugnisse, kein Sitzenbleiben.... alle sind gleich, alle haben infolgedessen gleiche Chancen im Berufsleben. Wollte man früher zum Polizeidienst gab es gewisse Anforderungen. Heute genügt. zumindest in Berlin, allein ein Hauptschulabschluss:
    Von der Hauptschule zur Polizei
    [i]...von jungen Berlinern mit „einwandfreiem Leumund und erweitertem Hauptschul- oder höherwertigem Schulabschluss.“ In Ausnahmefällen auch mit einem einfachen Hauptschulabschluss entgegen.[/i
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  •   Baden01
    (602 Beiträge)

    02.09.2014 21:56 Uhr
    NA dann...
    werden sie sich eines Tages freuen.
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  •   pascal
    (168 Beiträge)

    02.09.2014 15:31 Uhr
    Sitzenbleiben abschaffen?
    Das Sitzenbleiben abzuchaffen macht nur dann Sinn, wenn es im Gegenzug eine deutliche zunahme an Förderprogrammen gibt, die helfen Defizite auszugleichen. Da das aber Geld kostet und das dann lieber in die Rentenreform, eine unsinnige Maut oder unnötigen Prestigeobjekte gesteckt wird, bleibt alles solange beim alten, bis das Deutsche Bildungssystem endgültig ("von oben") zu grunde Reformiert wurde.
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    02.09.2014 15:27 Uhr
    Da hilft nur eins,
    das diskriminierende Gymnasium abschaffen und eine Einheitsschule für alle etablieren.
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  •   Baden01
    (602 Beiträge)

    02.09.2014 20:50 Uhr
    Volksverblödung festigen?
    Grüner Gutmensch....oder?
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