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Karlsruhe Großbaustelle auf A5: Entwickelt sie sich zum Unfall-Schwerpunkt?

Seit Mai wird zwischen Rastatt und Karlsruhe saniert. Am Dienstag kam es an dieser Stelle zu einem folgenschweren Unfall mit einer Toten. Es ist nicht erste Unfall auf der A5, vor allem am Stauende kracht es immer wieder. Polizei und das zuständige Regierungspräsidium beobachten die Situation - können aber wenig tun.

Auf der A5 muss sich derzeit der Verkehr zwischen Karlsruhe-Süd und Rastatt-Nord in beide Richtungen über zwei statt über drei Spuren zwängen. Der Grund ist bekannt: Auf zehn Kilometern wird dort die Fahrbahn saniert. Bei rund 90.000 Fahrzeugen täglich gehört dieser Streckenabschnitt nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe zu den meistbefahrenen im Land.

Die Bauherren vom Regierungspräsidium Karlsruhe hatten bereits im Vorfeld mit den daraus entstehenden Verkehrsbehinderungen gerechnet. Damit die Verkehrsteilnehmer frühzeitig vor Rückstau gewarnt werden, wurden bereits im Vorfeld mobile Stauwarnanlagen auf der Strecke installiert. Doch nicht alle Unfälle konnten so verhindert werden. 

12 Unfälle vor der Großbaustelle 

Sowohl im Baustellenbereich selbst, als auch auf der freien Strecke, wo sich der Stau bildet, haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder Unfälle ereignet. Dabei sorgten unter anderem ein brennender Lastwagen, defekte Fahrzeuge und einige Auffahrunfälle für zusätzliche Behinderungen und Vollsperrungen der Strecke. Seinen traurigen Höhepunkt erreichte die Serie der Unfälle am Dienstagabend, als ein Lastwagenfahrer nach Angaben der Polizei ein Stauende übersah und ein vorausfahrendes Auto unter einen Lastwagen schob. Die 28-jährige Fahrerin verstarb noch an der Unfallstelle.

Insgesamt hat es während der Bauzeit laut Angaben der Polizei bislang 12 schwere Unfälle in den Staus vor der Baustelle gegeben- Bagatellen wie etwa Blechschäden nicht mitgezählt. In den genannten Fällen wurden fünf Personen schwer, vier leicht verletzt. Zudem gibt es seit Dienstagabend eine Tote zu beklagen. Das Auffällige: Mit neun von 12 Unfällen ereigneten sich die meisten Zwischenfälle in Fahrtrichtung Norden.

Die Ursache dafür kennt Joachim Zwirner, Leiter des Sachbereichs Verkehr bei der Karlsruher Polizei. "Von Rastatt her kommend gibt es keine Anschlussstellen, die Fahrer sind auf der langen freien Strecke nicht so aufmerksam." Anders sieht es in Fahrtrichtung Süden aus: Von Karlsruhe-Nord bis zur Baustelle gibt es laut Zwirner immer wieder Auffahrten auf die Autobahn, welche auch bei den Lkw-Fahrern auf der rechten Spur eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern, da hier Fahrzeuge auf die Autobahn auffahren.

Großteil der Unfälle auf der rechten Spur

Ebenfalls auffällig: Acht der neun Unfälle, die aus Richtung Rastatt vor der Baustelle verzeichnet wurden, geschahen auf der rechten der drei Fahrspuren. "Die Geschwindigkeit der Autofahrer wird vor der Baustelle von 120 auf 80 Stundenkilometer herunter reguliert. Die Lkw-Fahrer dürfen regulär nur 80 Stundenkilometer fahren und das nutzen sie hemmungslos aus", schildert Zwirner weiter. So seien sie oft bis kurz vor das Stauende mit dieser Geschwindigkeit unterwegs. Komme dann noch Ablenkung ins Spiel, führe das zu Unfällen. 

In der Baustelle selbst sei es dann genau umgekehrt, so Zwirner: Hier geschehen nach Angaben der Polizei die meisten Unfälle auf der linken Spur. Dies könne nach Ansicht des Verkehrsexperten daran liegen, dass sich dann die Autofahrer auf der vermeintlich eintönigen Strecken anderen Tätigkeiten, wie telefonieren, widmen, während die engen Fahrspuren die Aufmerksamkeit der Schwerfahrzeug-Fahrer fordern.

Mit voller Wucht ist hier bei einem Unfall auf der A5 ein Lastwagen auf einen anderen aufgefahren.
Mit voller Wucht ist hier bei einem Unfall auf der A5 ein Lastwagen auf einen anderen aufgefahren - die Verkehrskameras zeichneten den Unfall zufällig auf. | Bild: Screenshot Straßenverkehrszentrale

Wie aber bereits bei der Großbaustelle zwischen Karlsruhe-Nord un Bruchsal im vergangenen Jahr möchte Zwirner nicht von einem Unfallschwerpunkt sprechen. So würde es vor oder in den Baustellen nicht zu mehr Unfällen kommen - nur die Auswirkungen eines Unfalls seien schwerwiegender.

RP: Situation lässt sich nicht verbessern

Das Regierungspräsidium Karlsruhe wiederum ist auf Anfrage von ka-news von der Zahl der Staus nicht überrascht: "Bei einer Autobahnbaustelle mit einer täglichen Verkehrsbelastung von rund 90.000 Fahrzeugen führt eine Reduktion auf vier Fahrspuren unweigerlich zu Verkehrsbeeinträchtigungen", gibt Uwe Herzel von der Pressestelle des RP an.

"Die Verkehrsbeeinträchtigungen sind aber, wenn keine Unfälle passieren, geringer als in den letzten Jahren bei den Baustellen nördlich von Karlsruhe. Momentan haben wir durchschnittlich Rückstaus von drei bis fünf Kilometern mit zähflüssigem Verkehr, in den letzten Jahren oftmals 10 Kilometer. Somit ist im Hinblick auf die Stausituation die Erwartung eingetreten", erklärt Herzel.

Der RP-Sprecher stimmt zudem der Polizei zu, dass jeder Unfall und jede Panne zu erheblichen Verzögerungen führt, "da auch keine geeigneten Umleitungsstrecken zur Verfügung stehen." Eine Verbesserung der Situation durch mehr Stauwarnanlagen ist nach Auffassung des RP nicht möglich. "Wir werden die Unfallsituation aber mit der Polizei und der Verkehrsbehörde, auch im Hinblick auf die nächstjährige Baustelle diskutieren", so Herzel abschließend.

ka-news-Hintergrund:

Verkehrsexperte Joachim Zwirner gibt Tipps, wie man sich in Baustellen und im Stau als Autofahrer richtig verhält:

  • Achten Sie beim Autofahren auf Baustellenhinweise. Diese werden acht Kilometer vorher angekündigt. Passen Sie Ihre Fahrweise an und nehmen Sie den Baustellenhinweis ernst.
  • Rollen Sie mit mäßiger Geschwindigkeit auf das Stauende zu. Achtung: "Bleiben Sie nicht aus Angst bereits davor auf offener Fläche stehen", rät Zwirner.
  • Schalten Sie den Warnblinker ein, um den Verkehr hinter Ihnen vorzuwarnen.
  • Bilden Sie bereits beim Einordnen eine Rettungsgasse!
  • Wenn Sie merken, dass Sie müde werden, dann steuern Sie den nächsten Parkplatz an und ruhen Sie sich aus.
  • Ordnen Sie sich als Autofahrer besser auf der mittleren oder der linken Spur im Stau ein, um nicht in den toten Winkel der Lkws zu geraten.

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  •   bingobongo
    (336 Beiträge)

    31.08.2017 12:46 Uhr
    Noch besser
    Noch besser. Beim VW-Konzern hat der Abstandsregeltempomat 5 Abstandsstufen. Zwei davon widersprechen der StVO. DAZU fällt einem nichts mehr ein.
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  •   südstadtindianer
    (11 Beiträge)

    31.08.2017 10:15 Uhr
    Was heißt hier entwickelt..
    Zwischen Karlsruhe und Heidelberg ist nur noch ein Stau, genauso in und um Karlsruhe. Was sich die verantwortlichen dabei denken, nichts. Sie sitzen in ihren Büros und werden nicht zur Verantwortung gezogen. Genauso wie die Herren Ingenieuren der DB. Jede Privatfirma würde verklagt werden und die Herren würden zu Rechenschaft gezogen.
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  • unbekannt
    (1273 Beiträge)

    31.08.2017 12:34 Uhr
    Jetzt kommt's noch besser,
    auf den Ausweichstraßen um Rastatt (Umgehung der A5 Baustelle) kommen nach und nach noch Baustellen hinzu. Wer so etwas plant, ist wohl eher für einen solchen Beruf ungeeignet. Da interessiert's wohl den EINEN nicht was der ANDERE macht. Vollpf...en.
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  •   FinnMcCool
    (240 Beiträge)

    31.08.2017 10:49 Uhr
    die Verantwortlichen zu Rechenschaft ziehen
    Ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Aber wenn ein LKW oder ein PKW einen Unfall verursacht sind nicht die Menschen in den Büros verantwortlich, sondern der Mensch, der das Fahrzeug steuert. Wenn man sich mit einem tonnenschweren Fahrzeug bewegt, dann muss man dafür sorgen, dass so etwas nicht geschieht.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    31.08.2017 11:08 Uhr
    Wie sagte
    letztens der peddersenn?

    Make something idiot safe, evolution will develop better idiots.

    So oder so ähnlich.
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  •   stefko
    (2194 Beiträge)

    31.08.2017 11:16 Uhr
    Japp ;-)
    Das gute alte Rick Cook Zitat:
    "Programming today is a race between software engineers striving to build bigger and better idiot-proof programs, and the Universe trying to produce bigger and better idiots. So far, the Universe is winning."
    Gilt nicht nur für die Softwareentwicklung, sondern lässt sich problemlos auf alle Lebensbereiche übertragen ... zwinkern
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  •   sorry55
    (831 Beiträge)

    31.08.2017 09:44 Uhr
    kein Abstand
    Es wäre an der Zeit einmal darüber nachzudenken, diese Art Unfall (tödlicher Unfall am Stauende) nicht mehr als fahrlässige Tötung sondern als Totschlag zu verfolgen. Wer trotz Warntafeln mit gelbem Blinklicht versehen, Geschwindigkeitsreduzierung für Pkw, Baustellenhinweis etc. noch derart in ein Stauende knallt begeht das nicht mehr fahrlässig.
    Zu den Umfahrungsmöglichkeiten ist schlichtweg zu sagen, mangelnde Verkehrsplanung. Wenn eine B 3 und eine B 36 vor Rastatt zusammen treffen wo ist da eine Umfahrung möglich? Wenn bei einem mittelschweren Unfall (wenn Abschleppdienste benötigt werden) auf der A 5, A 8 oder auch der Südtangente quasi der Verkehr in der gesamten Region zusammenbricht, dann fehlt es schlicht an Straßen. Da kann man den Verkehr aus den Städten verdammen wie man will, er wird nicht weniger.
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  •   Rambazamba
    (350 Beiträge)

    31.08.2017 09:41 Uhr
    "Trauriger Höhepunkt"
    Da sich der Unfall mehr oder weniger direkt vor unserer Haustüre ereignete, haben wir - wie fast immer dieser Tage - Sirenen und Hubschrauber gehört/gesehen. Mein Mann kam gerade vom Sport und musste über die Autobahnbrücke, die direkt darüber (über den Unfall) geht. Zitat wörtlich: "Das ist so abartig. Auf der einen Seite der Brücke stehen bestimmt fünfzig Leute und gaffen runter und auf der anderen Seite stehen Roller mitten auf der Straße, die Fahrer sitzen drauf und glotzen runter..."
    Diesen traurigen Höhepunkt darf man ruhig auch erwähnen. Unten ringen die Rettungskräft um das Leben der Verletzten und oben wird dabei zugekuckt - und mit dem Handy gefilmt. Ich finde so ein Verhalten einfach nur pietätlos. Wollten diese Leute, dass sie in den schlimmsten Momenten ihres Lebens begafft und gefilmt werden wie Tiere im Zoo? Wollten sie, dass im Internet ein Video kursiert, welches zeigt, wie ein geliebter Mensch aus einem Wrack geschnitten wird?
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  •   VielVorNixDahinter
    (284 Beiträge)

    31.08.2017 09:57 Uhr
    Dem ist nichts hinzuzufügen
    Man hätte Lust, die Gaffer beim Gaffen zu filmen und sie ins Netz zu stellen. Aber dann macht man sich mit ihrem Niveau gemein (die rechtliche Seite wäre mir egal, zumal sie von den Gaffern auch verletzt wird).

    Und wer ohne zu helfen herum steht, obwohl er da nichts verloren hat (unverletzte Unfallbeteiligte oder herangeeilte Angehörige von Unfallopfern ausgenommen), gehört strafrechtlich verfolgt.

    Schwer umsetzbar? Man müsste die neuen Medien, die uns diese Unkultur möglich gemacht haben (die Veranlagung zum Voyeurismus war auch vorher schon da) nur ebenso konsequent nutzen wie die Gaffer. Dann dürfte einigen der Spaß vergehen.
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  •   LA001
    (79 Beiträge)

    31.08.2017 09:30 Uhr
    Nicht haltbare Zustände
    die vom RP genannten Gründe über die Unfallursachen sind wie die Baustelle selbst nicht haltbar.
    Erst heißt es, die meisten Staus entstehen FR Süden, da 3 Ein- und Ausfahrten sind.
    Dann hieß es die meisten Unfälle passieren am Stauende und jetzt
    in FR Norden, da hier eine freie Strecke ist.
    Meines Erachtens, müsste als Erstes die Auffahrt KA Süd FR Süden gesperrt werden.
    LKW`s ziehen dort in der Baustelle auf die linke Seite und lassen den Einfahrenden Kollegen
    auf die Bahn. Dass es da staut bzw. Unfälle gibt, erklärt sich von selbst.
    Auch wird von den Brummis bis zur und teilweise in die Baustelle hinein, wie heute morgen
    erneut gesehen, auf der linken Seite gefahren.
    Ein weiteres Problem ist, dass in den Ausweichstrecken selbst Baustellen sind, wie derzeit
    die Rastatter Straße in Ettlingen. Hier findet einfach keine Abstimmung zwischen den Behörden statt.
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