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Karlsruhe Grippewelle in Karlsruhe: Krankenhäuser an Belastungsgrenzen

Karlsruhe hustet, schnäuzt und hat Halskratzen: Die Grippewelle hat im März ihren Höhepunkt erreicht. Das bringt auch die Kliniken in Karlsruhe in Not. Das heißt es aus Kreisen des Rettungsdienstes gegenüber ka-news.

Die Viruserkrankung Influenza macht derzeit in Karlsruhe ihre Runde. Auswirkungen sind in vielen Betrieben zu spüren, am deutlichsten wohl bei den Verkehrsbetrieben: Hier bleiben aufgrund einer erhöhten Zahl an erkrankten Fahrern viele Bahnen im Depot. Probleme haben aber auch die Karlsruher Krankenhäuser: Hier sind die Betten mit Erkrankten stark ausgelastet. Aus Rettungsdienst-Kreisen heißt es gegenüber ka-news, dass alle Kliniken in der Region an ihre Belastungsgrenzen gebracht wurden.

Die für die Krankenhäuser Verantwortlichen in der Landesregierung hätten sich zeitweise sogar zu einer Sondersitzung zusammengefunden, um nach Entlastungs-Möglichkeiten zu suchen. Unter anderem sei zur Debatte gestanden, geplante Regel-Operationen zu stoppen, um so mehr Kapazität auf den Intensiv-Stationen zu schaffen. Dieser Schritt wurde aber nicht vollzogen. Grundsätzlich hätten zudem alle Kliniken das Problem, dass sie zu wenig Personal hätten, sagt der Rettungsdienst-Angehörige. So könnten oft nicht alle zur Verfügung stehenden Betten genutzt werden, weil eine medizinische Betreuung nicht gewährleistet wäre.

Vielerorts zeitweise Abmeldungen der Notaufnahmen

"Wie alle Kliniken in der Region ist das Klinikum Karlsruhe von der aktuellen Grippewelle stark betroffen", so Petra Geiger von der Öffentlichkeitsarbeit des Klinikums in der vergangenen Woche. Die Notaufnahme sei "maximal ausgelastet" - so sehr sogar, dass eine vorübergehende Abmeldung bei der Leitstelle "unumgänglich" war. Um mehr Kapazität zu schaffen, wurden weitere Quarantänestationen eingerichtet, um alle Patienten unterbringen zu können.

Auch bei den Vincentius Kliniken und dem Diakonissenkrankenhaus, welche seit geraumer Zeit unter der gemeinsamen Kennung der ViDia Christlichen Kliniken Karlsruhe firmieren, sieht es nicht besser aus: "Die ViDia Christliche Kliniken verzeichnen in den letztenTagen einen deutlich erhöhten Zulauf. Teilweise kommen doppelt so viele Patienten in die Notaufnahmen wie sonst, darunter merklich mehr Anfragen aus dem Pfinztal", so Melanie Barbei, Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. "Wir mussten uns in den letzten Tagen jedoch nur vereinzelt und stundenweise aus dem Rettungsdienst abmelden", so Barbei weiter.

(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Vor den Toren der Stadt ist die Situation ähnlich

Auch außerhalb der Karlsruher Stadtgrenzen sieht es problematisch aus: In den Kliniken des Landkreises Karlsruhe, also in Bruchsal und Bretten, sind in der vergangenen Woche "erforderliche Maßnahmen" ergriffen worden, um mehr freie Bettenkapazitäten zu schaffen und ausreichend Personal zur Verfügung zu haben. "So werden nach wie vor geplante Operationen und Untersuchungen soweit als möglich verschoben und so viele Patienten wie möglich entlassen", heißt es in einer Pressemeldung.

"Aufgrund der regelmäßig auftretenden Influenzawellen verspüren wir auch aktuell eine deutliche Zunahme an Patienten und Notfällen", erklärt Mischa Lange vom Klinikum Karlsbad-Langensteinbach gegenüber ka-news. Dies habe in der vergangenen Woche zur Folge gehabt, dass die Notaufnahme einmal kurzfristig geschlossen werden musste.

Notärzte immer häufiger mit Hausärzten verwechselt

Neben einer zu dünnen Personaldecke in den Kliniken, gebe es aber noch ein weiteres Problem für den Helfer, so ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes im Gespräch mit ka-news. So gebe es immer weniger hausärztliche Dienste. Gleichzeitig steige der Anspruch der Bevölkerung nach einer schnellen medizinische Versorgung. "Dass viele Menschen ihre Symptome im Netz suchen, verschärft die Verunsicherung noch", so der Rettungsdienstler. Auch die guten alten Hausmittelchen würden mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Die Folge: Die Menschen würden schneller den Rettungsdienst zur Hilfe rufen.

"Und wenn beim Notruf bei einer Grippe dann von einer Atemnot berichtet wird, dann kommt natürlich auch gleich der Notarzt mit", so der Experte weiter. Da dieser keine Rezepte ausstellen kann, wird der Patient in die Notaufnahme gebracht. "Dabei sind Notaufnahmen eigentlich nur für Notfälle gedacht."

Die Karlsruher Kliniken wurden im Zusammenhang der Anfrage auch zur Situation nach der Schließung der Paracelsus-Klinik befragt. Unisono teilen die Verantwortlichen allerdings mit, dass es schwierig sei in der Zeit der Grippewelle direkte Auswirkungen im Klinikalltag auszumachen. So sei die Belastung in den Krankenhäusern zu dieser Jahreszeit ohnehin sehr hoch. Zum Teil haben die Klinik-Betreiber daher auf eine Rückmeldung zu den konkreten Auswirkungen nach der Schließung des Paracelsus-Krankenhauses verzichtet. Diese soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden.

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Kommentare (12)
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  •   melotronix
    (2540 Beiträge)

    12.03.2018 16:02 Uhr
    so Herr Spahn....
    .... sollte die Erkenntnis: Bettenkapazitäten können wegen Personalmanel nicht ausgenutzt werden, bundesweit ihre Richtigkeit haben, dann erwartet man für die Zukunft mind. eine Reaktion von Ihnen.
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  •   Propagandahilfskraft
    (1214 Beiträge)

    14.03.2018 11:49 Uhr
    Die Antwort kennt man doch schon!?
    Da werden die Arien aus der bedrückenden und handgewrungenen Fachkräftemangel geträllert. Dabei wird gehofft, dass der unmündige Medienkonsument darauf rein fällt und nicht bemerkt, dass in Wirklichkeit die Personaldecke, also die Kostenfaktorenbelastung, zur Sicherung von Boni und Renditen nach unten optimiert wird. Tod durch Gier klingt halt irgendwie anders wie Tod durch Fachkräftemangel.

    Das ist doch für die Politik eine optimale Situation? Die sozialverträglich ablebenden Rentner entlasten die Sozialsysteme, auch die prenatal abgetriebenen Kinder werden keine Hartzer von Morgen ... Krankenhausbetreiber machen dabei noch fette Boni und Rendite. Das ist ein Land in dem wir gerne leben ... und sozialverträglich ableben.
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  •   Eckfaehnchen
    (2389 Beiträge)

    12.03.2018 12:46 Uhr
    Die Krankenkassen sind mitschuld
    an dieser Grippewelle. Aus falscher Sparsamkeit wird nur ein Impfstoff bezahlt, der gegen drei Grippeviren
    wirkt und das 4. Grippevirus kann sich so wie es z.Zt.ist, epidemieartig ausbreiten. Noch Fragen ?
    Mir tut das Personal in den Kliniken nur noch Leid. Die dürfen diesen Schwachsinn ausbaden.
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  •   Senfdazu
    (174 Beiträge)

    13.03.2018 06:10 Uhr
    😎
    Quatsch mit Soße...immer auf die Krankenkassen...das Problem ist eher in der Gesundheitspolitik "unserer" Regierung zu suchen.
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  •   andip
    (8983 Beiträge)

    13.03.2018 08:38 Uhr
    Noch mehr Quatsch
    Was hat die Gesundheitspolitik der Regierung mit der Grippewelle zu tun?
    Hat die etwa angeordnet, den falschen Grippeschutz auf den Markt zu bringen oder dafür gesorgt, das sich viele der Erkrankten gar nicht geimpft haben?
    Typisch halt, an allem, was man selber verbockt hat, ist dann die Regierung schuld.
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  •   ramius
    (156 Beiträge)

    12.03.2018 12:18 Uhr
    unverständlich
    Wieso werden die Influenza-Fälle nicht abgewiesen?
    Wieso müssen Klinikbetten mit Grippefällen belegt werden?
    Wer trägt die Kosten dafür? Die Allgemeinheit?
    Die nächste Beitragserhöhung für den Krankenkassenbeitrag wartet also schon ...
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  •   haku
    (3974 Beiträge)

    12.03.2018 12:29 Uhr
    Ist die Frage ernst gemeint?
    Da jede Grippewelle viele Tote fordert ist es schon angesagt, schwere Fälle stationär zur Behandlung aufzunehmen. Insbesondere kleine Kinder und ältere Leute. Eine echte Grippe ist keine schwere Erkältung. Gerne kleben Laien das Etikett "Grippe" auf Krankheiten die Erkältungen oder grippale Infekte sind. Die spielen aber in einer anderen Liga.
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  •   andip
    (8983 Beiträge)

    12.03.2018 11:56 Uhr
    Nun ja
    Muss man mit einer echten Influenza eigentlich ins Krankenhaus?
    Auch wenn der Hausarzt nicht mehr persönlich zu einem kommt, aber kann man nicht zuerst zu dem anstatt gleich in die Notaufnahme?
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  •   Schiller
    (109 Beiträge)

    12.03.2018 13:17 Uhr
    Grundsätzlich: Nein
    Es sei es ist Wochenende oder wir haben es mitten in der Nacht, dann ist die Notaufnahme durchaus ok. Oder die Symptome sind so heftig, dass der Gang zum Hausarzt nicht mehr möglich ist.
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  •   froschi
    (36 Beiträge)

    12.03.2018 19:50 Uhr
    Oder der Hausarzt
    schickt einen in die Klinik weiter, wenn er zur Ansicht kommt, dass es für den Patienten zuhause kritisch werden könnte, wie bei mir vor einigen Jahren: Über 40 Grad Fieber, Kreislauf-Schwäche, keine Nahrungsaufnahme mehr (Durchfall). Die Labor-Diagnose, die der Hausarzt noch in Auftrag gegeben hatte, bestätigte am nächsten Tag "Influenza A H1N1". Die Tätigkeit der Klinik war im wesentlichen die, mich dann per Infusionen stabil zu halten, was zuhause und ambulant eben nicht geht, und die etwas später noch dazukommende Lungenentzündung zu stoppen.
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