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Karlsruhe Gottesdienst für Bello, Fiffi und Hoppel: Warum Dirk Keller und Alexander Ruf Tiere segnen

Wer am Samstag, 21. September, an der Karlsruher Kirche St. Stephan vorbeikommt, wird sich wahrscheinlich die Augen reiben. Denn dort können Haustierbesitzer ab 15.30 Uhr ihre Fellnasen und gefiederten Freunde segnen lassen. Doch wie kommt man auf eine solche Aktion? ka-news.de hat im Gespräch mit den Initiatoren Dirk Keller, Pfarrer der evangelischen Stadtkirche und Alexander Ruf, katholischer Pastoralreferent, einmal nachgehakt.

Wo im gängigen Gottesdienst gesungen und gebetet wird, wird am Samstag auf dem Kirchplatz St. Stephan zusätzlich noch ab und an ein Bellen, Zwitschern oder Miauen herauszuhören sein - und das ist ausdrücklich erlaubt, denn der Ökumenische Segnungsgottesdienst gilt in diesem Fall nicht nur für Zwei-, sondern auch für Vierbeiner! Die Aktion ist ein Projekt der Evangelischen Stadtkirche und der Katholischen Citypastoral. 

Doch warum sollte ich als Besitzer mein Tier segnen lassen? Und was bedeutet Segnen überhaupt? ka-news.de hat Alexander Ruf und Dirk Keller gefragt. 

Die wichtigste Frage zuerst: Wie kommt man denn auf die Idee, Tiere zu segnen?

Dirk Keller: Ein Hundehalter aus unserer evangelischen Gemeinde hat mich darauf angesprochen und aufmerksam gemacht.

Alexander Ruf: Die Idee für einen Tiersegnungs-Gottesdienst mitten in der Stadt fand dann sowohl beim Bürgerverein Stadtmitte als auch bei der Evangelischen Stadtkirche mit großen Anklang. Als man mit mir dann noch die Citypastoral mit ins Boot holte, konnten wir das Projekt von Anfang an als ein ökumenisches anlegen.

Alexander Ruf
Alexander Ruf, katholischer Pastoralreferent. | Bild: Alexander Ruf

Darf man jedes Haustier mitbringen - sprich: Vogelspinnen und Lamas nicht ausgeschlossen?

Ruf: Wir haben zwar keine Vorgaben gemacht, welche Tiere mitgebracht werden können. In erster Linie zielt der Segnungs-Gottesdienst aber auf die gewöhnlichen Haustiere, die in städtischen Wohnungen gehalten werden, wie Hunde, Katzen, Vögel, Hamster oder Hasen. Größere Tiere wie Pferde oder Wildtiere hätten einer besonderen Genehmigung bedurft, die wir für diese Veranstaltung nicht haben.

Was bedeutet Segnen überhaupt?

Ruf: Die hebräische Wortwurzel für Segnen lautet "brk" und bedeutet "ansehen". Segen heißt: Gott schaut den Gesegneten an, er wendet sich ihm zu. Im Lateinischen heißt Segnen "benedicere", was so viel wie "Gutes sagen" bedeutet. Christen vertrauen darauf, dass im Segen Gottes dem Gesegneten Gutes widerfährt und von Gott her zugesagt wird.

Aber warum sollten Leute ihre Haustiere segnen lassen?

Ruf: Sie fühlen sich mit ihren Tieren verbunden und wünschen sich, dass es ihnen gut geht. Außerdem brauchen Tiere ebenso wie Menschen diese Zuwendung. Beim Tiersegnungsgottesdienst segnen wir daher nicht isoliert die Tiere, sondern die Menschen mit ihren Tieren. Im Grunde steht hier die Verbindung von Mensch und Tier im Blickpunkt. Sie sollen sich gegenseitig zum Segen werden. Das Tier gibt dem Menschen Freude und Zuneigung, der Mensch schenkt dem Tier Fürsorge und Zuwendung. 

Neugieriger Hund
Mensch und Tier sollen sich beim Gottesdienst gegenseitig zum Segen werden. (Symbolbild) | Bild: Eric Reiff

Keller: Wir haben selber drei Hunde und erleben so viel Gutes mit ihnen, dass wir Gott dafür dankbar sind, weil er durch sie bei uns wirkt. Deshalb bitten wir um seinen Segen für uns und unsere Tiere.

Was bedeutet das Segnen aus kirchlicher Sicht allgemein?

Ruf: Im Grunde geht es bei allen kirchlichen Segnungen immer darum, das Leben des Menschen - mit dem, was zu diesem Leben gehört - Gott anzuvertrauen und unter seinen Schutz zu stellen. So zielt beispielsweise die Segnung eines Hauses nicht auf die Steine, die dieses Haus bilden, sondern auf das Zuhause, das dem Menschen Unterkunft und Heimat gibt. Die Segnung eines Autos zielt nicht auf das Blech und den Motor, sondern darauf, dass dieses Fahrzeug dem Menschen zum Segen wird, indem er sich damit, hoffentlich unfallfrei, fortbewegen kann.

Alexander Ruf und Dirk Keller
Dirk Keller (l.), Pfarrer der evangelischen Kirche und Alexander Ruf, katholischer Pastoralreferent. | Bild: Alexander Ruf

Was erhoffen Sie sich von dem Haustier-Gottesdienst?

Ruf: Von dem Segnungs-Gottesdienst erhoffe ich mir, dass der Gedanke an die Schöpfung Gottes und deren Erhalt auch mitten in der Stadt präsent wird. Der Gottesdienst will den Blick dafür öffnen, dass unser Leben ohne die Vielfalt der Schöpfung Gottes, mit all den Tieren und Pflanzen, nicht nur trostlos, sondern auch zum Scheitern verurteilt ist. Wir alle tragen Verantwortung für unsere Umwelt, für die Tiere, für die Pflanzen und für uns Menschen.

Keller: Es geht uns auch um gemeinsame Erfahrungen mit Gott in unserem ganz normalen Alltag. Gott wirkt bei uns allen, in und außerhalb der Kirche.

 

 

 

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  •   Maol
    (138 Beiträge)

    21.09.2019 10:16 Uhr
    Hokuspokus
    So ein Quatsch!
    Was bin ich froh, dass ich vor Jahren aus diesem Märchenverein ausgetreten bin.
    Für zusätzliche Einnahmen machen die wirklich alles.
    So kommen wenigstens an diesem Tag mal wieder ein paar Schäfchen in die Kirche und spendet was
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  •   Weichei
    (363 Beiträge)

    21.09.2019 10:14 Uhr
    Hallo Ihr eingebildeten Homo Sapiens
    Auch Tiere haben eine Seele.
    Nein ich bin keine Religionsglaeubiger.
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  •   ALFPFIN
    (6802 Beiträge)

    21.09.2019 07:37 Uhr
    Ah, dass muss ich meinem Nachbern empfehlen,
    seinen Terrier segnen zu lassen, damit er sich noch wohler fühlt. Denn jeder der an ihm vorbeiläuft, wird angeknurrt und angebellt. Und man muss aufpassen, dass sein Herrchen Fiffi an der kurzen Leine hält, denn beißen kann der Fiffi auch. Aber wenn Fiffi einem mit Gottes Segen anknurrt, das hat was, da kann man nix mehr sagen oder? 😉
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  •   Weichei
    (363 Beiträge)

    21.09.2019 10:16 Uhr
    Wenn Fiffi knurt
    Dann hat er wohl einen Grund dafuer. grinsen
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  •   ALFPFIN
    (6802 Beiträge)

    21.09.2019 11:52 Uhr
    @Weichei
    also ich muss schon bitten, ich laufe an Nachbars Fiffi ganz unauffällig vorbei. Gut, wenn ich gerade beim Metzger war und er riecht an der Einkaufstasche und ich rücke kein Wienerle raus, da kann ich ja verstehen, dass er knurrt. Wobei ein Rädle Wurst bekommt er ja meistens, aber Fiffi bruddelt halt gern. grinsen
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  •   Weichei
    (363 Beiträge)

    21.09.2019 17:41 Uhr
    Alpfin
    ich sehe den Tag an dem ihr Freunde werdet. grinsen
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