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Karlsruhe Gnadenhof für Elefanten: Wird der Karlsruher Zoo den alten Tieren gerecht?

Der angedachte Umzug der beiden Berliner Elefantendamen Louise und Astra in den geplanten Gnadenhof im Karlsruher Zoo stößt auf heftige Kritik. In einer Stellungnahme fordert der Verein "Elefanten-Schutz Europa" den sofortigen Stopp des Transfers. Ein solcher sei "völlig unverantwortlich" - unter anderem aufgrund von Platzmangel. Der zuständige Bürgermeister Michael Obert sieht das anders - auf Nachfrage von ka-news weist er die Vorwürfe zurück.

"Wenn dieser Transfer tatsächlich so stattfindet, würde das für die Elefanten in beiden Zoos eine massive Verschlechterung der Situation darstellen und zudem das Unfallrisiko für die Elefantenpfleger im Zoo Karlsruhe dramatisch steigern", heißt es in einer Stellungnahme des Vereins "Elefanten-Schutz Europa". Vorausgegangen waren Meldungen, wonach der Karlsruher Zoo die Übernahme der Elefantendamen Louise und Astra aus dem Tierpark Berlin zu Beginn des Jahres 2015 plant. So solle ein Gnadenhof für betagte Dickhäuter im Karlsruher Zoo entstehen.

"Dieses Risiko einzugehen, ist völlig unverantwortlich"

Der Verein begründet seine harsche Kritik vor allem mit der sozialen Unverträglichkeit zwischen den Tieren: "Bereits jetzt ist die Situation der in Karlsruhe lebenden Elefanten nicht gut. Da Elefantenkuh Jenny gegenüber den beiden alten Tieren Rani und Shani zu dominant und aggressiv ist, müssen die Tiere immer wieder von einander getrennt werden", kritisiert der Verein den Ist-Zustand.

Der Zugang der beiden Berliner Elefantendamen würde diese Situation nach Ansicht des Vereins massiv verschärfen, weil auch diese sich einander "bestenfalls tolerieren", wie es in der Stellungnahme heißt. Für die beiden betagten Karlsruher Elefantendamen Rani und Shanti würde die Zusammenkunft mit Louisa und Astra aus dem Berliner Tierpark deshalb ein unkalkulierbares Risiko darstellen. Zudem bestehe eine große Gefahr für die Pfleger, da entsprechende Sicherheitsvorkehrungen fehlten, so der Verein.

Die Gefahr sei groß, dass die später fünf Elefanten in getrennten Gruppen gehalten werden müssten. "Angesichts der bereits jetzt beengten Platzverhältnisse ist es völlig unverantwortlich, dieses Risiko einzugehen", heißt es dazu in der Stellungnahme.

Für den zuständigen Bürgermeister, Michael Obert, ist diese Kritik nicht nachvollziehbar. Auf Nachfrage von ka-news sagt er: "Selbstverständlich ist genau geprüft worden, ob die beiden Elefantenkühe zu unseren Tieren passen. Unsere Pfleger haben sich mehrere Tage lang mit den Tieren in Berlin vertraut gemacht und ihren Charakter studiert."

"Die Alternative wäre die Tötung"

Dabei habe sich herausgestellt, dass nur zwei der insgesamt drei Tiere, der der Tierpark Berlin abgeben will, nach Karlsruhe passen. Daraufhin wurde von der Übernahme des dritten Elefanten abgesehen. Obert sagt: "Gerade daran sieht man den verantwortungsvollen Umgang der beiden Institute in Karlsruhe und Berlin." Zwar bestehe immer ein Restrisiko, räumt er ein. Doch der Karlsruher Zoo habe viel Erfahrung mit der Integration neuer Tiere.

Aus Sicht des Vereins "Elefanten-Schutz Europa" wird neben dem angespannten Verhältnis zwischen den Elefanten ein weiterer Aspekt zum Problem: Der Platzmangel. In der Stellungnahme heißt es: "Die Elefantenanlage im Karlsruher Zoo misst nur rund 1.700 Quadratmeter. Die neuen Haltungsempfehlungen des Säugetiergutachtens fordern Elefantengehege von mindestens 2.000 Quadratmetern und 500 Quadratmetern pro Elefantenkuh." Nach dieser Vorgabe könne Karlsruhe maximal drei Elefanten pflegen - allein deshalb sei die angestrebte Übernahme der Berliner Elefanten unverantwortlich.

Bürgermeister Obert hält dagegen: "Da ältere Tiere nicht mehr den gleichen Bewegungsdrang haben wie junge, gesunde Tiere ist ein kleinerer Außenbereich vertretbar und mit dem Amtsveterinär abgesprochen", erklärt er. Die gesonderte Haltung älterer Elefanten, zum Beispiel durch veränderte Haltungsmethoden in vielen Zoos der Republik, sei erst in den vergangenen Jahren in diesem Ausmaß notwendig geworden: "Die Alternative wäre in letzter Konsequenz, dass Tiere getötet werden müssten, wenn es keine adäquaten Haltemöglichkeiten mehr gibt. Will man das?", so Obert nachdrücklich.

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  •   ROMY
    (168 Beiträge)

    05.01.2015 15:58 Uhr
    Gnadenhof für Elefanten
    Es mag ja nicht die optimalste Lösung sein aber was wäre die Alternative ?! Man sollte diesen alten Tiere ihren "RUHESTAND" gönnen aber sich in Zukunft bei "NEUZUGÄNGEN" mehr Gedanken machen.
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  •   Kroeterich
    (58 Beiträge)

    04.01.2015 10:41 Uhr
    Grundsätzlich
    ... ist es schon die richtige Idee, in Karlsruhe solche Elefanten aufzunehmen, die in anderen Herden aus der Gruppe geflogen sind, oder auch beschlagnahmte Zirkustiere. Der Bedarf ist da. Aber - und hier muss ich der Zookritik ausnahmsweise mal Recht geben: Karlsruhe ist dafür nicht virbereitet. Das Haus muss auf "geschützten Kontakt" ungestellt werden und mehrere telbare Ausengehege erhalten; alles andere wäre gerade bei schwierigen Tieren unverantwortlich. Wir hatten genug tödliche Unfälle mit Elefanten! Außerdem: Schon wieder werden Fakten geschaffen, ohne dass das neue Zookonzept fertig wäre, ohne dass ein neuer Zoodirektor eingesetzt ist. Hier drückt die Politik wieder Eigeninteressen durch, an der (künftigen) Zooleitung vorbei, und wenn dann etwas passiert, ist natürlich der Zoo schuld. Es ist ja schön, wenn ein OB den Zoo zur Chefsache erklärt, aber ohne Sachverstand??
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  •   Ohrtunnel
    (1006 Beiträge)

    04.01.2015 03:52 Uhr
    elefante
    do heb i heit nachd au e paar in de disko gsehe! Alda ware des schabracke!
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  •   karlsruher1955
    (978 Beiträge)

    03.01.2015 13:21 Uhr
    ein kleinerer Außenbereich
    lachhaft, jeder Knast hat einen größeren Aussenbereich, aber Tiere können sich ja nicht wehren und wenn sind sie anschließend tot.
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  •   baeuerchen
    (656 Beiträge)

    02.01.2015 18:31 Uhr
    Es ist mit dem Amtsveterinär abgesprochen?
    Ja genau weil der ja die Ahnung hat und dann auch noch seinem Arbeitgeber widerspricht!

    Da hat man als Tierhalter richtig Spaß, wenn diesen Amtspfeifen dann einfällt, dass ein Pferd unbedingt bei Regen ein Dach über dem Kopf braucht, obwohl es viele Bäume gibt, aber man nicht in der Lage ist ein Esel von einem Pferd zu unterscheiden.

    Tierschutz ist hier ein Witz, denn Tierhaltung um Lebensmittel zu erzeugen, ist geschützt und Tierhaltung im Zoo sowieso.
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  • unbekannt
    (2 Beiträge)

    02.01.2015 18:18 Uhr
    Zoo Karlsruhe - Elefantinnen aus Berlin
    Was will man im Zoo mit zwei älteren Elefantinnen aus Berlin?
    Was haben die fürZipperleins, dass man die dort loswerden will?
    Wer kommt für die "Mehrkosten" für die Versorgung und neue
    Elefantenpfleger auf, wenn es dann 5 Gruppen geben sollte, weil
    die Damen sich nicht grün sind?
    Es wären im Zoo so viele Dinge zu reparieren und neu anzulegen,
    wo das Geld besser angelegt wäre.
    Herr Oberbürgermeister übernehmen Sie und misten Sie im Zoo-
    dezernat und in der "Direktion" mal auf.
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  • unbekannt
    (2 Beiträge)

    02.01.2015 18:12 Uhr
    Fünf Elefantinnen sind einfach zu viel
    Was will der Zoo mit den zwei älteren Elefantinnen aus Berlin?
    Was haben die für Zipperleins, dass Berlin die loswerden will?
    Wer kommt für die "Mehrkosten" für die Versorgung der beiden
    hier auf? Es wären hier im Zoo so viele andere Möglichkeiten das
    Geld anzulegen!
    Herr Oberbürgermeister übernehmen Sie und misten Sie mal im
    Zoo richtig aus.
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  •   karlsruher1955
    (978 Beiträge)

    02.01.2015 12:40 Uhr
    Unsere Pfleger haben sich mehrere Tage lang mit den Tieren in Berlin vertraut gemacht und ihren...
    erstens kann man einen Charakter nicht studieren und zweitens innerhalb einiger Tage auch keine Einschätzung machen.
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  •   ALFPFIN
    (6110 Beiträge)

    02.01.2015 10:50 Uhr
    Verein "Elefantenschutz-Schutz Europa"
    Natürlich ist es problematisch, Wildtiere im Zoo zu halten und alte Tiere umzusetzen.

    Aber ich werde den Verdacht nicht los, da ist man jetzt ein bisschen empört, jetzt gründen wir schnell mal einen Verein. Dieser existiert sicher schon etwas länger, manche dienen auch nur zum Selbstzweck. "Da hat man etwas zu tun." grinsen

    Ich frage mich, ob dieser Verein "Europa"! sich auch in Ländern einbringt, in denen es nicht so einfach ist seine Meinung zu äußern.
    Ich denke da an eine Reise nach Moskau, Zoo war im Besichtigungsprogramm mit eingeplant, da bekomme ich heute noch Gänsehaut, was wir da an Tierhaltung gesehen haben. Ganz besonders die Elefanten.

    Nichts gegen Vereine, die sich aktiv in soziale Arbeit einbringen.
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  •   Kroeterich
    (58 Beiträge)

    04.01.2015 11:17 Uhr
    Vielleicht informieren
    statt Mutmaßungen äußern.
    Es gibt etliche Anti-Zoo-Organisationen, die wirklich nur existieren, um von den Spendengeldern zu leben. Endzoo und WDSF fallen mir da ein. Der "Elefantenschutz" ist aber tatsächlich anders. Die haben seit über 20 Jahren konstruktiv für Elefanten in Zoos eingesetzt, eigene Haltungssysteme entwickelt, auf Missstände beim ungeschützen Umgang mit Elefanten aufmerksam gemacht und die Unfälle, teils mit tödlichem Ausgang für Tierpfleger, dokumentiert. Das hat schon Hand und Fuss, auch wenn ich nicht in jedem Punkt einer Meinung bin. Und, ja, europaweit! Wer mehr wissen will, kann deren Website besuchen, dort steht auch die sehr ausführliche Begründung in diesem Fall. Sollte man vielleicht tun, bevor man hier wilde Vermutungen und Unterstellungen äußert!
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