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Karlsruhe-Grötzingen Gemeinschaftsschule Grötzingen: Asbest-Haus muss Neubau weichen

Bücher, Füller und Asbest: In der Grötzinger Gemeinschaftsschule wurde Ende Januar im Zuge geplanter Umbaumaßnahmen asbesthaltiger Baustoff festgestellt. Die Schadens-Untersuchungen sind jetzt beendet - am Mittwoch informierte Oberbürgermeister Frank Mentrup gemeinsam mit der Schulleitung und dem Ortsvorstand, wie das giftige Problem angepackt werden soll: Großzügiger Neubau statt Sanierung des Altbaus - etwa 19 Millionen Euro sind für den Schulausbau geplant.

Identifiziert wurde die giftige Substanz in den Zwischendecken des "Glasbaus", der sich neben dem Hauptgebäude der Grötzinger Gesamtschule befindet. Die dort befindlichen Räume - wie jene der Fachschaften Musik, Physik und Bildende Kunst - mussten sofort geräumt und auf das asbestfreie Nachbargebäude ausweichen.

Neubau statt Altbau-Sanierung geplant

Obwohl die restlichen Bereiche der Schule laut Gutachter offenbar nicht vom Schaden betroffen sind, wird es eng in der Gemeinschaftsschule. Dazu tragen auch die steigenden Anmeldezahlen bei: "Es ist ein großer Zuwachs von Schülern zu vermelden, die neue Schulstruktur kommt auch bei den Eltern sehr gut an", so Oberbürgermeister Frank Mentrup im Pressegespräch am Dienstag. Nichtsdestotrotz will die Grötzinger Schule bislang an zwei Zügen fest halten. Mehr Platz für drei Klassen pro Jahrgangsstufe sei allerdings mit einem Neubau und einem zusätzlichen Stock auf einem bereits bestehenden Anbau möglich - denn statt den asbestbetroffenen Glasbau von Grund auf zu sanieren, planen die Verantwortlichen nun den Abriss des Gebäudes. 

"Berechnungen ergeben, dass ein kompletter Neubau grundlegend genauso viel kosten würde, wie die umfangreiche Sanierung", so Mentrup, "nämlich etwa elf Millionen Euro." Allerdings müsse man, um genügend Räumlichkeiten für einen eventuellen Zuwachs an Schülern zu gewährleisten, mit etwas höheren Kosten rechnen: Bis zu 19 Millionen Euro könnte das Vorhaben in Anspruch nehmen. Architektonisch passende Baupläne erhoffe man sich von einer europaweiten Ausschreibung ab Herbst 2013, bei der wettbewerbsmäßig die beste Idee umgesetzt werden solle.

Schüler müssen zwischenzeitlich in Container ziehen

2016 sollen die Bauarbeiter dann zur Tat schreiten - mit der Fertigstellung des Neubaus wird bis 2018 gerechnet. Schon in den kommenden Sommerferien soll zunächst mit den Abrissarbeiten des alten Gebäudes begonnen werden - die Schulzeiten würden also nicht beeinträchtigt. In der Zwischenzeit ist geplant, die Schulklassen auf Container umzusiedeln - 150 solcher "Klötze" sollen auf dem Schulhof übergangsweise ihren Platz finden. Mit ihnen ließen sich etwa acht Klassenräume, Fachzimmer und der komplette Verwaltungstrakt ersetzen. Das angrenzende Hallenbad werde laut Ortschaftsrat während der Bauphase geöffnet bleiben.

"Um die Schüler im Lernprozess nicht unnötig zu beeinträchtigen, werden wir besonders auf die Qualität und den Komfort der Containereinheiten achten", verspricht Mentrup. Nach Verhandlungen stehe nun fest, dass zusätzlich ein Nachbargrundstück genutzt werden dürfe. Wenn es sich zufällig ergebe, würde sich die Schule nach eigenen Angaben außerdem darüber freuen, wenn eine Immobilie in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Verkauf freistünde - als Ausweichmöglichkeit könnte so eine Alternative zu den Containern geschaffen werden.

Keine Gemeinschafts-Oberstufe in Grötzingen: Nach der 10. Klasse aufs Gymnasium?

Dass der Asbestfund akuten Chaos im Schulbetrieb bedeutet, führte am Dienstag Schulleiterin Yvonne Seiler aus: "Auf Seiten der Lehrer ist die Belastung zur Zeit enorm - wenn gerade keine Unterrichtsstunde ansteht, schleppen die Kollegen ununterbrochen Kisten hin und her. Schließlich müsse der asbestbetroffene "Glasbau" komplett geräumt werden. Obwohl ein Attest bestätige, dass die giftige Substanz sich nicht auf die Gesundheit auswirke, seien die letzten acht Wochen seit dem Asbestfund auch körperlich sehr anstrengend gewesen. Bei der vorrübergehenden Neustrukturierung unterstützt der Ortschaftsrat die Gemeinschaftsschule.

"Für die Zukunft wünschen wir uns ein in Grötzingen etabliertes, barrierefreies Gemeinschaftsschulzentrum, dass den Anfragen der Eltern und den Bedürfnissen der Schüler gerecht wird", so Seiler. Eine Oberstufe für Schüler, die die Gemeinschaftsschule nach der zehnten Klasse abschließen, sei aber zunächst nicht geplant. Ihnen bliebe offen, auf Karlsruher Gymnasien umzusteigen - man rechne etwa mit 70 Prozent von Schülern, die einen solchen Schritt planen. Die "normalen" Gymnasien hätten bis dahin - die potentiellen Schulwechsler besuchen derzeit noch die fünfte Klasse der Gemeinschaftsschule - die Aufgabe, sich auf die pädagogische Art der neuen Schulform einzustellen, so Mentrup.

Mehr zum Asbestfund in der Gemeinschaftsschule Grötzingen:

Gemeinschaftsschule Grözingen kämpft gegen Asbest

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Kommentare (10)
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.04.2013 01:47 Uhr
    Ähm,
    eine europaweite Ausschreibung für ein Schulgebäude in Grötzingen?
    Vielleicht noch einen Architektenwettbewerb? Hofft man auf Norman Foster?

    Gehts noch bescheuerter?

    Abreissen den alten Scheissdreck, Angebote von Bauunternehmen und Architekten aus der Region einholen, das Beste (nicht das Billigste!) nehmen und anfangen.

    Müssen wir jetzt bald in Moldawien fragen ob wir ein Schulgebäude bauen dürfen?

    Die sind doch net ganz sauber...also manchmal...
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    18.04.2013 01:50 Uhr
    Ok, vergessen,
    wir müssen ja auch in Berlin nach einem 'badenbrechenden' Stadtslogan fragen...

    Haben doch alle den Verstand verloren. Frankie, mach was! Bitte!
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  • unbekannt
    (2 Beiträge)

    18.04.2013 10:43 Uhr
    Wettbewerb
    Die europaweite Ausschreibung ist ab einer gewissen Größenordnung gesetzlich vorgegeben. Wenn die Stadt so ein Verfahren nicht durchführt, kommen Prozesse, Schadensersatzzahlungen und erhebliche Verzögerungen ....
    Diese Vorgaben nicht einzuhalten, ist auf jeden fall noch bescheuerter!
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  • unbekannt
    (1981 Beiträge)

    17.04.2013 20:52 Uhr
    Alarmglocken
    "Eine Oberstufe für Schüler, die die Gemeinschaftsschule nach der zehnten Klasse abschließen, sei aber ZUNÄCHSTt nicht geplant."

    und wenn dann doch, fehlen gleich wieder Räume. Und dann heißt es wieder, es muss leider sehr teuer nachgebaut werden. Und keiner hat es wueder bei der Planung ahnen können. Das Bildungssystem ist ja auch so überausgestattet, dass mans ja hat, gell...

    Warum kalkuliert man nicht von Anfang an realistischer auf die Zukunft?
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  •   andip
    (9693 Beiträge)

    17.04.2013 15:18 Uhr
    ??
    150 Container,um die wegfallenden Räume zu ersetzen,ist das nicht ein bischen viel?
    Und falls ja,finden so viele überhaupt Platz auf dem Schulhof?
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  • unbekannt
    (2 Beiträge)

    18.04.2013 10:09 Uhr
    Anzahl Container
    Ein Klassenzimmer besteht aus mindestens drei Containern. Dazu kommen noch Flure, WCs und Treppen - Siehe Werner-von-Siemens-Schule!
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  •   Bonsai
    (448 Beiträge)

    18.04.2013 07:37 Uhr
    .
    Laut Medienberichten muss noch ein benachbartes Grundstück angemietet werden, da sonst der Platz nicht ausreicht... Steht übrigens aus oben im Bericht...
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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    17.04.2013 15:58 Uhr
    Die bauen halt in dir Höhe.
    3 nebeneinander und 5 Stockwerke hoch z.B. zwinkern
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  • unbekannt
    (8 Beiträge)

    17.04.2013 14:46 Uhr
    Immer...
    ...den beamtischen Rhythmus einhalten, gelle. Von "europaweiter Ausschreibung" (was´n Mist!!) bis Baubeginn 2016 vergehen also knapp 3 Jahre. So ist der deutsche Fortschritt nur am Aktenstapel zu erkennen und von den 19 Millionen bleiben 10 Mio´s sicher im Verwaltungsakt hängen....na Bravo..
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  • unbekannt
    (1170 Beiträge)

    17.04.2013 13:16 Uhr
    Die Schüler
    die dort von der 1-9 Klasse hatten halt Pech ? Werden diese dann nachträglich untersucht ? Oder wird sich das Problem irgendwann Biologisch selbst lösen ?
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