69  

Karlsruhe Gemeinsam gegen Rassismus: Karlsruhe setzt Zehn-Punkte-Plan um

Seit mittlerweile rund zehn Jahren ist die Stadt Karlsruhe Mitglied der "European Coalition of Cities against Racism" (ECCAR). Gemeinsam mit aktuell 133 weiteren Städten aus 23 europäischen Ländern werden in diesem Netzwerk Möglichkeiten geschaffen, vor allem Rassismus und Diskriminierung auf kommunaler Ebene zu bekämpfen. Nun gibt es einen Bericht zum aktuellen Stand der Dinge.

Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur Unesco gründete im Jahr 2004 die Internationale Städtekoalition gegen Rassismus (ICCAR). Das Ziel: ein weltweites Netzwerk von Städten zu errichten, das sich gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit einsetzt.

Um verschiedenen Prioritäten in unterschiedlichen Regionen der Welt gerecht zu werden, entstand im selben Jahr die ECCAR. Im Zuge ihrer Gründung verabschiedete diese einen Zehn-Punkte-Aktionsplan, der "konkrete Handlungsfelder und Strategien für die jeweiligen Städte oder Kommunen benennt," so die Stadt Karlsruhe. Nahezu alle Arbeitsgebiete einer Stadtverwaltung seien in diesem Plan miteinbezogen.

Fächerstadt wird Teil der ECCAR

Auch die Stadt Karlsruhe - in dieser Sache vor allem durch das Kulturamt vertreten - entschloss sich 2007 Teil dieser Organisation zu werden, den Zehn-Punkte-Aktionsplan umzusetzen und dadurch gegen den Rassismus und die Diskriminierung in der eignen Stadt vorzugehen. Rund zehn Jahre später empfiehlt der Gemeinderat am vergangenen Dienstag in der öffentlichen Sitzung einen Bericht mit den bisherigen Umsetzungen und Maßnahmen der Unesco und der Geschäftsstelle der ECCAR vorzulegen.

Stadträtin Ute Leidig der Grünen weist in dieser Sitzung auf die Bedeutung des Aktionsplans hin: "Ich habe selbst Erfahrungen gemacht, wie leicht man dem Alltagsrassismus verfallen kann." Alltagsrassismus zeige die Notwendigkeit weiterer Bemühungen im Bereich Aufklärung und anti-rassistischer Maßnahmen, unterstützt auch Stadtrat Lüppo Cramer der Kult-Fraktion.

Wichtige Maßnahmen der Stadt Karlsruhe

Das Ergebnis des Berichtes: Die Stadt kann zu jedem der zehn Punkte ein repräsentatives Beispiel - wie verschiedene Institutionen oder auch temporäre Aktionen - nennen. So ist beispielsweise das Gleichstellungsbüro solch eine Institution, die als "Anlaufstelle für Frauen oder Männer mit Anregungen, Fragen und Beschwerden in Sachen Geschlechtergerechtigkeit" dienen soll.

Daran anlehnend ist das Seniorenbüro eine Anlaufstelle für Opfer die aufgrund ihres Alters diskriminiert wurden. Ähnlich: Das Büro für Integration der Stadt Karlsruhe, das "Anlauf-, Beratungs- und Koordinierungsstelle für Anliegen von Zuwanderern" ist. All diese Einrichtungen sollen vor allem betroffene Menschen in Bezug auf Gleichberechtigung unterstützen und der Diskriminierung entgegenwirken.

Öffentliche Mahnmale für Grund- und Menschenrechte

Zudem bietet die Stadt Karlsruhe neben sämtlichen Einrichtungen mit dem "Platz der Menschenrechte" und dem "Platz der Grundrechte" auch öffentliche Mahnmale, die thematisch in den Zehn-Punkte-Plan eingeordnet werden können. Sie sollen nach den Angaben der Stadt für die stetige Bewahrung und Verteidigung der Grund- und Menschenrechte stehen.

Der am 10. Dezember 2015 eingeweihte "Platz der Menschenrechte" - der sich in unmittelbarer Nähe zum Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) und zum Sitz des Generalbundesanwaltes beim Bundesgerichtshof befindet - soll an der "Schnittstelle von Kunst, Kultur und Recht im Stadtbild für Menschenwürde und Menschenrechte in Karlsruhe stehen," so die Stadt.

Platz der Menschenrechte Einweihung
Der Platz der Menschenrechte bei seiner Einweihung am 10. Dezember 2015. | Bild: Vlado Bulic

Kulturamt Karlsruhe setzt sich gegen Rassismus ein

Einen großen Teil der umgesetzten Maßnahmen des Kulturamts der Stadt betrifft die Erinnerungskultur, die im Zehn-Punkte-Plan unter der "Wachsamkeit gegen Rassismus" einzuordnen ist. Hierbei steht in der Bundesrepublik vor allem die Erinnerung an die Opfer und an die Verbrechen des Nationalsozialismus im Vordergrund.

Auch Karlsruhe beteiligt sich seit längerer Zeit mit eigenen Angeboten an diesem Gedenken. So finden beispielsweise zum 9. November - veranstaltet vom "Arbeitskreis 9. November" - und zum 27. Januar - vom Kulturamt/Stadtarchiv ausgerichtet - Gedenkveranstaltungen statt.

Im März 2005 wurden im Zusammenhang mit der Erinnerung an Opfer die ersten "Stolpersteine" als Teil eines bundesweiten Erinnerungsprojekts angebracht. "Vor Häusern, in denen Opfer des Nationalsozialismus wohnten, werden Steine mit Messingplatten eingelassen, auf denen die Namen und biographischen Daten dieser Menschen verzeichnet sind," informiert die Stadt.

Nicht zuletzt ist in Bezug auf die Erinnerungskultur der im November 2016 vom Karlsruher Gemeinderat verabschiedete "Leitfaden zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in Karlsruhe" zu erwähnen. In diesem Rahmen sollen Erinnerungszeichen im sichtbar Stadtraum geschaffen werden.

Die Karlsruher Wochen gegen Rassismus

Die Stadt will außerdem seit 2013 mit den "Karlsruher Wochen gegen Rassismus" ein weiteres deutliches Zeichen setzen. In diesem Rahmen sollen Bürger rund um Themen wie Alltagsrassismus, Islamophobie, Antisemitismus, oder auch Diskriminierung informiert werden.Außerdem ist das Ziel dieser Aktion nach den Angaben der Stadt "von (Alltags-)Rassismus und Diskriminierung betroffene Menschen zu unterstützen und zu eigenständigem Tun zu stärken."

Weitere Informationen zu den Karlsruher Wochen gegen Rassismus finden Sie im k a-news-D ossier zum Thema.

Dateiname : Zehn-Punkte-Aktionsplan - Ein Bericht für Karlsruhe
Dateigröße : 448.12 KBytes.
Datum : 24.07.2017 13:59
Download : Download Now!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (69)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Mammut
    (766 Beiträge)

    30.07.2017 23:04 Uhr
    Und am Montag kommt die Zensur und .....
    ....löscht alle Beiträge, in denen nicht begeistert Beifall geklatscht wird und sperrt die Foristen, die beim Zeichensetzen nicht mitjubeln.
    Schließlich ist ausser politisch korrekten Beiträgen nichts erlaubt, was die Illusionen stören könnte.
    Leider nehmen nicht alle Kommentatoren Rauschmittel, die stark genug wären, die Realität auszublenden und die Readaktion möchte sich im Milieu der professionellen Dummschwätzer nicht unbeliebt machen.
    Es ist ja wie im Krieg: Die Wahrheit stirbt zuerst und Journalisten, die ihrem Handwerk nachgehen, leben gefährlich.
    Da ist es bequemer, die verordneten Jubelarien abzudrucken und sich nicht mit der Realität und ihren Problemen zu belasten.
    Man möchte ja auch in Zukunft einen Platz am Trog haben und da ist es nützlicher, wenn man die Augen fest geschlossen hält.
    In diesem Sinne: eine Gute Woche!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Forenphantom
    (30 Beiträge)

    31.07.2017 17:43 Uhr
    Keine Sorge
    Nazis und Wutbürger werden immer in der Unterzahl bleiben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mammut
    (766 Beiträge)

    01.08.2017 15:19 Uhr
    Aber wenigstens gibt es....
    ...Dich. Auch schlechte Beispiele sind nützlich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mammut
    (766 Beiträge)

    30.07.2017 22:50 Uhr
    Zeichensetzen ist ja auch viel bequemer als ....
    ...selber für Veränderung zu sorgen. Es gibt Aufmerksamkeit in der Presse, es gibt Beifall von Linksverwirrten und GrüliDus, aber man braucht sonst nichts zu tun. Frei nach Karl Vlentin: "Es muss etwas geschehen aber es darf nichts passieren!"
    Der Herr Oberbürgermeister von Karlsruhe ist in diesem Sinn ja ein großer Zeichensetzer.
    Sowas nennt sich von der Seite der Politiker betrachtet, "Effizienz".
    Wenn man es von Seiten der Bürger betrachtet, ist es "die Leute für dumm verkauft".
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nachteule
    (650 Beiträge)

    30.07.2017 20:40 Uhr
    Sinnlose Symbolik
    mehr ist dazu nicht zu sagen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   oststaedtler
    (262 Beiträge)

    30.07.2017 12:37 Uhr
    Wenn die Leutchen mal...
    ...so einen Elan an den Tag legen würden, wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen oder die Kriminalität zu bekämpfen, wäre Karlsruhe echt ne tolle Stadt. Aber da müsste man dann eben mehr machen als große Reden schwingen und Ringelpiez mit Anfassen spielen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ka-lex
    (1636 Beiträge)

    29.07.2017 19:06 Uhr
    Der Vorteil solcher Artikel ist,
    dass man das braune Gesindel nicht suchen muss.
    Die melden sich alle ganz freiwillig und dann hat man sie alle auf einem Haufen. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   EmilyHobhouse
    (1431 Beiträge)

    30.07.2017 09:51 Uhr
    Notwendigkeit
    Auf jeden Fall sieht man deutlich, dass engagiertes Eintreten gegen Rassismus, Homophobie, Islamophobie, Antisemitismus und jegliche andere Art von Diskriminierung nach wie vor notwendig ist.
    Wer dies befürwortet soll also ein Fan von Kim Jong-un sein.
    Ich glaube die Frage ist berechtigt, was wohl im Kopf eines Menschen vorgeht der solche Schlüsse zieht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   yokohama
    (3367 Beiträge)

    31.07.2017 23:25 Uhr
    In so einem Kopf
    geht halt vor, dass alles außer Afd linksextrem und Antifa ist: OB, Karlsruhe, CDU, SPD, Kanzlerin, Bundesregierung, Wirtschaft, Medien, Kirche, Uni, 90 % der Bevölkerung. Hinter jeder Ecke steht einer mit der Nazikeule, für rechtes Dummgebabbel bleibt nur der Kommentarbereich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ProKA
    (708 Beiträge)

    30.07.2017 14:21 Uhr
    Der
    Wortlaut ist fast identisch dem von ka-lex. Allerdings mit der gleichen Kernaussage.
    Ich empfehle Ihnen " nicht Wasser predigen und gleichzeitig Wein saufen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 (8 Seiten)

Schreiben Sie Ihre Meinung
Fett Kursiv Link Zitat Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Informiert bleiben: