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Karlsruhe Gemeinderat unzufrieden: Christkindlesmarkt auf Friedrichsplatz - erstmal

Der Christkindlesmarkt findet in diesem Jahr auf dem Friedrichsplatz statt, die Stadtwerke Eiszeit rund um das Denkmal auf dem Schlossplatz. Diesen Planungsstand hat der Karlsruher Gemeinderat am Dienstagnachmittag nach längerer Diskussion zur Kenntnis nehmen müssen. Ob diese Lösung auch für die folgenden (Baustellen-)Jahre beibehalten wird, ist indes offen - ebenso die Zukunft des Brigandefestes, das in diesem Jahr erstmals auf dem Friedrichsplatz stattgefunden hatte.

Vor diesem Christkindlesmarkt ist auch schon vor dem nächsten Christkindlesmarkt. So lässt sich die Entscheidung des Gemeinderates wohl am ehesten zusammenfassen. Schon in diesem Jahr solle mit der Prüfung von Alternativen für das kommende Jahr begonnen werden. Ob der Christkindlesmarkt 2014 dann tatsächlich woanders stattfindet, darf indes bezweifelt werden. Schon für 2013 soll ein themenbezogenes Konzept für den Christkindlesmarkt auf dem Kirchplatz St. Stephan erarbeitet werden. Die Entscheidung für den Friedrichsplatz wurde vom Gemeinderat dennoch heftig kritisiert.

Grüne bemängeln "fehlende Kompromissbereitschaft"

"Das vorgestellte Vorgehen ist nicht das, was wir wollen", erklärte etwa Ute Leidig von den Grünen. Sie bemängelte vor allem fehlende Kompromissbereitschaft bei den beteiligten Interessengruppen. Nicht berücksichtigt seien etwa die Bedürfnisse derer, die den Friedrichsplatz als Ruhezone in der Stadt bräuchten. Auch auf Fahrradverkehr und Naturschutz sei nicht hinreichend Rücksicht genommen worden. Übel stieß den Grünen vor allem auf, dass mehrere Eibenhecken zeitweise weichen müssen. "Diese Hecken werden 1.000 Jahre alt. Sie später zu ersetzen kostet Jahre", so Leidig.

Kritik vor allem am Zeitplan kam von Eberhard Fischer von der Karlsruher Liste (KAL) und Jürgen Wenzel von den Freien Wählern. Der Gemeinderat habe schon vor dem Beginn der Kombilösungsbauarbeiten darauf hingewiesen, dass dann aber nicht alle Feste auf dem Friedrichsplatz stattfinden dürften. Auch die Bürgerschaft hätte vermutlich auch schon vor fünf Jahren erklärt, dass sie den Schlossplatz vorziehen würde. "Hätte man denen dann nicht schon vor fünf Jahren sagen können, dass es nicht geht, oder eben für die entsprechende Infrastruktur sorgen können?", so Fischer. Heftige Kritik gab es von der KAL auch am Brigandefest, das in diesem Jahr erstmals nicht auf dem Marktplatz, sondern auf dem Friedrichsplatz veranstaltet wurde. "Ein 0-8-15-Fest", so Fischer - den Friedrichsplatz dafür zu sperren zu schade.

Kritik am Brigandefest

Weniger kritisch, allerdings auch nicht restlos zufrieden, äußerte sich Sven Maier von der CDU: Dass der Christkindlesmarkt 2013 auf dem Friedrichsplatz stattfinde, "das ist so, und das ist auch gut so." Gut so sei allerdings auch, dass über die Zeit danach nachgedacht werde. Wünschenswert sei allerdings eine stärker Einbindung der Bürgerschaft bei der Planung.

"Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen", erklärte Ute Müllerschön von der SPD. Es sei unstrittig, dass der Friedrichsplatz unter dem Christkindlesmarkt leide, rein aus zeitlichen Gründen sei eine andere Entscheidung aber eben nicht machbar.

FDP-Stadtrat Thomas Hock verwies auf Umfragen der Karlsruher Medien, laut denen die Karlsruher den Schlossplatz vorziehen würden. Die FDP sehe allerdings durchaus, dass dies derzeit nicht möglich sei und unterstütze daher die Planung der Verwaltung. "Es sollte allerdings nicht der Marktamtsleiter sein, der den fünf Prozent der Beschicker, die deswegen in diesem Jahr nicht dabei sein können, diese Nachricht überbringt. Das sollten die Beschicker unter sich ausmachen." Zu bedenken gab Hock außerdem, dass das Schloss ab September 2013 ohnehin eingerüstet sei - das viel beschworene Ambiente auf dem Schlossplatz sei damit ohnehin relativ.

"Hätte, hätte, hätte - das bringt gar nichts", erklärte Gemeinsam für Karlsruhe (GfK)-Stadtrat Friedemann Kalmbach. Der Friedrichsplatz sei eine gute Lösung, der er gern zustimme. Im Sommer allerdings solle der Friedrichsplatz von Veranstaltungen wie dem Brigandefest verschont werden, das die Pause ja nutzen könne, um über eine Neuausrichtungen nachzudenken.

Mentrup: "Bürgerbeteiligung bringt nur bei Alternativen etwas"

"Ich war auch auf dem Brigandefest, und es hat sich im Vergleich zum Vorjahr einiges getan", hielt Oberbürgermeister Frank Mentrup dagegen. Er nehme die Diskussion allerdings zum Anlass, um mit den Beschickern das Gespräch über den Veranstaltungsort zu suchen und darüber, wie man das Fest attraktiver machen könne.

Was den Hinweis auf mehr Bürgerbeteiligung angehe, sei dieser beim Christkindlesmarkt wenig sinnvoll. "Die Einbindung der Bürger macht bei verschiedenen guten möglichen Alternativen Sinn oder wenn es um die Umsetzung geht", so Mentrup. Beides sei hier allerdings nicht der Fall - die Prüfung der Verwaltung habe ergeben, dass es für 2013 keine Alternative zum Friedrichsplatz gebe. "Ich sehe, Festplatz und Schlossplatz sind derzeit untergenutzt", so Mentrup. Derzeit seien beide Plätze allerdings zu weit ab vom Schuss.

Die Gemeinderatsvorlage in voller Länge inklusive unterschiedlicher Varianten für den Christkindlesmarkt (Link führt zu PDF-Dokument auf www.karlsruhe.de)

Mehr zum Thema Standortsuche für Karlsruher Christkindlesmarkt:

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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (18 Beiträge)

    19.06.2013 14:19 Uhr
    Mir egal
    Ich feier kein Weihnachtenj, daher ist mir auch der Weihnachtsmarkt egal. Soll man ihn doch ganz abschaffen. Wer nicht auf warmen Wein verzichten will, kann ja woanders auf den Weihnachtsmarkt gehen oder nicht?
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  •   bartola
    (531 Beiträge)

    19.06.2013 11:00 Uhr
    Chancen muss man sehen und nutzen können!
    Die Gelegenheit, den absolut unterbenutzten und langweiligen Schlossplatz endlich mal in das aktive Bürgergeschehen mit einbeziehen zu können, sollte sich der Gemeinderat nicht entgehen lassen. Auch ein gewisser Wechsel unter den Beschickern könnte dem Ganzen gut tun, das kommt ja wohl in einigen Kommentaren ganz klar durch. Das Platzangebot, die Anfahr, u. -Parkmöglichkeiten, den eventuellen Einbezug der Arkaden (bei Schlechtwetter!), die Möglichkeit Lizenzen bis 22 Uhr oder sogar noch länger zu vergeben, bieten doch ganz viele neue Möglichkeiten! Mit der Eislaufbahn neben dran, wäre Karlsruhe dann um einen tollen "Winterschauplatz" reicher, und der Friedrichsplatz konnte wirklich zu einer grünen Oase im Herzen der Stadt spezialisiert, anstatt seiner Fauna und Beschaulichkeit nachhaltig beraubt zu werden. Man muss kein Grüner sein, um den Verlust eines gartenähnlichen Platzes mit alten Pflanzen mitten im Zentrum, als solchen zu empfinden! Wenige grosse Städte konservieren so etwas. traurig
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  •   Waterman
    (6502 Beiträge)

    19.06.2013 08:07 Uhr
    Hat man vor die Plätze zu verlegen?
    "Derzeit seien beide Plätze allerdings zu weit ab vom Schuss."

    Es gibt jetzt so lange jedes Jahr ein Ritual von Bedauern, Kritik und Einsicht in irgendwelche Zwänge - und dann wird der Friedrichsplatz als Veranstaltungsort herhalten bis der Marktplatz wieder frei ist.
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  •   ALFPFIN
    (7543 Beiträge)

    19.06.2013 05:43 Uhr
    Weihnachten braucht man auch nicht, schon gar nicht als Markt.
    Wer Weihnachten haben will, soll in die Kirche gehen und gut ist.

    Diese Händler hätte der Herr Jesus damals "aus dem Tempel" gejagt.
    Allerdings soll er ja aus Wasser Wein gemacht haben, da hätte er allerdings für den Glühwein möglicherweise Verständnis gehabt.

    Allen voran der "Pseudo-Tiroler" kann ja seine "Spezialitäten" um die Ecke verkaufen.
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  •   karlsruher1955
    (1295 Beiträge)

    19.06.2013 06:42 Uhr
    Weihnachten
    Dem kann ich nur zustimmen. Dieses verlogene Getue von Friede, Freude etc.
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  •   Rino
    (336 Beiträge)

    19.06.2013 02:38 Uhr
    Alter Platz kann frei gemacht werden.
    Karlsruher Christkindelsmatkt ist mit Abstand der miserabelste in ganz Baden. Und warum: weil überall der gleiche Dreck schon seit Jahren(zehnten) verhökert wird, egal ob Waren oder Speisen. Für den Glühwein wird man andernorts erschossen oder gesteinigt.
    Wie soeben in den Livetickern und der österr. Presse zu lesen ist hat es "ALPINE" voll erwischt. Insolvenz!
    Alle Löcher zuschütten und gut ist. Dann braucht man nicht ausweichen und alle geht weiter wie gehabt. Und die Metropolenträumer können weiterschlafen.
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  •   80er
    (5933 Beiträge)

    19.06.2013 00:12 Uhr
    Vor allem....
    ....was hier noch gar nicht erwähnt wurde: die Beschicker wollen gar nicht auf den Schlossplatz, weil sie glauben, es würden dann weniger Besucher kommen. Ich meine, der Christkindlesmarkt wird ja für die Besucher gemacht und nicht für die Beschicker. Wenn diese meinen, es kommen auf den Schlossplatz keine Besucher, dass sollen halt die Beschicker wegbleiben. Es wird bestimmt noch andere geben. Es würde sowieso mal Zeit, dass alle Beschicker ausgetauscht. Jedes Jahr der gleiche überteuerte Ramsch, der selbe ungenießbare Glühwein und so weiter. Da muss mal was neues her und nicht ständig dieselbe Klientel am Ramschverkäufern bedient werden.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3304 Beiträge)

    21.06.2013 17:40 Uhr
    .
    Nein, die Stadtverwaltung will nur nicht, dass der Markt auf dem Schlossplatz stattfindet, weil sie da keine Standgebühr einziehen kann. Der Schlossplatz "gehört" nämlich dem Land.
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  •   80er
    (5933 Beiträge)

    21.06.2013 17:45 Uhr
    Das der Schlossplatz....
    ....dem Land gehört weiß ja ein jeder. Aber dass die Stadt deswegen dort nicht hin will, weil sie ansonsten keine Gebühren kassieren kann, stimmt so nicht. Mit dem Christkindlesmarkt unter anderem erfüllt die Stadt den § 1 Abs. 2 der Gemeindeordnung für das Land Baden-Württemberg.
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  •   andip
    (10892 Beiträge)

    19.06.2013 15:38 Uhr
    Das
    die Beschicker nicht auf den Schlossplatz wollen liegt laut BNN auch daran,das diverse Budenbesitzer die aus technischen Gründen gar nicht auf dem Schlossplatz aufbauen können.
    Und was für andere Beschicker willst du?
    Auf jeden Weihnachtsmarkt in D wird mehr oder weniger überall das Gleiche angeboten.Ein anderer Beschicker wird daher auch nichts anderes anbieten als das was es jetzt schon gibt.
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