69  

Karlsruhe Gemeinderat: So will Karlsruhe künftig Migranten integrieren

Über 69.000 der in Karlsruhe lebenden Menschen haben entweder keinen deutschen Pass oder sie sind zwar deutsche Staatsbürger, haben aber einen erkennbaren Migrationshintergrund. Das ist fast ein Viertel (24,6 Prozent) der Karlsruher Bevölkerung. Sie künftig besser zu integrieren ist das Ziel des Karlsruher Integrationsplans, den der Gemeinderat am Dienstagnachmittag verabschiedet hat.

Am Ende gab es (fast) nur Lob: Fast zwei Jahre ist es her, dass der Gemeinderat beschlossen hat, die Karlsruher Leitlinien zur Integration von Zuwanderinnen und Zuwandern in Form eines Integrationsplans fortzuschreiben. Vor einem halben Jahr wurde ein erster Entwurf der Öffentlichkeit präsentiert und anschließend in Arbeitsgruppen weiter konkretisiert. Nun hat der Karlsruher Gemeinderat den fertigen, ersten Karlsruher Integrationsplan einstimmig verabschiedet.

Vier Handlungsfelder für die Integration

Auf 30 Seiten sieht der insgesamt vier Handlungsfelder vor, die der Karlsruher Migrationsbeirat gemeinsam mit Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund erarbeitet hat:

  • Soziale Partizipation: Bildung, Ausbildung und Erwerbsleben
  • Gesellschaftliche Partizipation: Bürgerschaftliches Engagement und interkulturelle Öffnung der Verwaltung
  • Kulturelle Partizipation: interkulturelle und interreligiöse Begegnung
  • Gesundheit und Sport

Zu jedem Handlungsfeld werden sowohl Maßnahmen als auch konkrete Ziele aufgelistet. Zudem wird angegeben, welche Institution und Gremien die Umsetzung der Maßnahmen kontrollieren und diese weiterentwickeln sollen. Alle zwei Jahre soll der Integrationsplan außerdem fortgeschrieben werden. 100.000 Euro seien schon jetzt von der Verwaltung eingeplant, um mit ersten Projekten zu starten, so Sozialbürgermeister Martin Lenz.

"Der Karlsruher Arbeitsmarkt braucht Migranten"

Er sehe der Umsetzung optimisch entgegen, so CDU-Stadtrat Johannes Krug. Der Karlsruher Arbeitsmarkt sei wegen des demografischen Wandels immer mehr auf die Arbeitskraft von Migranten angewiesen, man begrüße daher den Karlsruher Integrationsplan. Lob gab es auch Tanja Kluth (Grüne). Ihre Fraktion würde sich allerdings wünschen, dass Steuerungs- und Kontrollgremien ebenfalls mit sachkundigen Bürgern besetzt würden. Wichtig sei, im nächsten Doppelhaushalt auch die notwendigen Mittel für die Umsetzung der im Integrationsplan vorgesehenen Maßnahmen vorzusehen.

Dies betonte auch SPD-Stadtrat Michael Zeh und erklärte: "Der Integrationsplan ist kein Abschlussbericht." Vielmehr sei es der Beginn eines Zyklusses, der immer weiter fortgeschrieben werden müsse. Dass zu der Präsentation des ersten Entwurfs im Februar über 150 Bürger gekommen waren, sei ein gutes Zeichen für das Engagement der Bürger gewesen. Als eine der wichtigsten Maßnahmen nannte Zeh die im Plan vorgesehene vorschulische Sprachförderung nicht nur für Migranten, sondern für alle, die hier Bedarf hätten.

"Jetzt ist der Plan fertig und die Arbeit fängt erst richtig an"

Er sei "generell ganz zufrieden" mit dem Bericht, erklärte FDP-Stadtrat Thomas Kalesse. In Karlsruhe lebten viele erfolgreiche Migranten, aber eben auch solche, die wegen fehlender Schul- oder Ausbildungsabschlüsse Hilfe benötigen würden. Wichtig sei es, Ausländer nicht als Problem, sondern als Bereicherung zu sehen.  Als das "Gesellenstück des neuen Migrationsbeirats" bezeichnete Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste (KAL) den Integrationsplan. Nun gelte es, an der Umsetzung zu arbeiten und so am Ende "ein Meisterstück" daraus zu machen.

"Jetzt ist der Plan fertig und die Arbeit fängt erst richtig an", sagte Sabine Zürn (Die Linke). Dass der Plan so gut geworden sei liege vor allem auch daran, dass man die Betroffenen bei der Erstellung mit einbezogen habe. So gelte es nun, die betroffenen Gremien und Institutionen fachlich und finanziell entsprechend auszustatten. Generelle Zustimmung, aber auch Kritik gab es von GfK-Stadtrat Friedemann Kalmbach, der zu bedenken gab, die Stadt mische sich im Handlungsfeld "Kulturelle Partizipation: interkulturelle und interreligiöse Begegnung" zu sehr in religiöse Fragen ein.

Der Integrationsplan als PDF (Link führt zu Webseite der Stadt Karlsruhe, Bericht findet sich unter Gemeinderatsvorlage)

Mehr aus dem Karlsruher Gemeinderat

 

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (69)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   yokohama
    (3449 Beiträge)

    27.07.2012 02:54 Uhr
    Teutonia GmbH?
    Zitat von Besserverdiener Das lebe ich schon seit jeher in meiner Firma. Ich habe bisher nur deutsche Mitarbeiter eingestellt. Sofern sich keine deutsche Alternative bieten sollte, kann zur Not auf einen Migranten zurückgegriffen werden. Zum Glück kam es bei mir bisher nicht so weit. Aber das ist natürlich meine Meinung die sich nicht mit der von Anderen decken muss.



    Wie heißt denn "deine Firma"? Wer eine so fortschrittliche Einstellungspolitik betreibt, darf an dieser Stelle gerne kostenlose Werbung machen zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6535 Beiträge)

    25.07.2012 09:19 Uhr
    Wäre gut, wenn man der Sprache mächtig wäre!
    "Dazu gehört erst einmal, dass man der deutschen Sprache auch wirklich mächtig. (Zitat Besserverdiener)"

    Es gibt in der Tat nichts Schlimmeres, als rumzustammeln.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10775 Beiträge)

    25.07.2012 06:31 Uhr
    Upps ,
    wenn ich allein daran denke, wie im OB Wahlkampf thematisiert wurde, wer tatsächlich echter Karlsruher ist.
    Dringend notwendig, dass man auf Ämtern auch einen Rahmenplan hat für den Umgang mit hochdeutsch sprechenden Zugezogenen (egal, ob mit nur einem deutschem Pass oder mit mehreren Staatsangehörigkeiten).

    Ist kein Witz, dass ich mehrfach was von "oinzigscht" und "loid" gehört habe. "tut uns loid" kam aber nicht, bei den vielen Fehlern, die aus reiner Überheblichkeit und Arroganz entstanden sind, weil man "moint, dass merr wois, was ma mache muuuß".

    Ist badisch eigentlich Pflichtsprache beim Bewerbungsgespräch in einer Karlsruher Verwaltung?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   franky4you
    (1330 Beiträge)

    31.07.2012 13:36 Uhr
    Ne schwäbisch
    Wars übrigens schon immer grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   maria
    (797 Beiträge)

    25.07.2012 06:02 Uhr
    @mick
    Das 2. Handlungsfeld des Integrationsplanes soll heissen: Interkulturelle Öffnung der Verwaltung. Dort haben wir z. B. einige Dinge, die bereits in anderen Städten umgesetzt wurden, hinein genommen.
    Ich finde auch, Integration ist keine Einbahnstrasse, sie muss von beiden Seiten kommen. Und damit das besser klappt, gibt es in fast allen größeren Städten mittlerweile ein Konzept. So wie es in fast jedem Stadtteil Bürgervereine gibt, von denen man auch sagen könnte, sie sind nicht notwendig. Aber es geht überall um das Konzept eines besseren Miteinanders.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (5999 Beiträge)

    25.07.2012 07:32 Uhr
    Das gibt es.....
    ...aber schon lange. Wer als Migrant einen Realschulabschluss hat, kann sich jederzeit bei der Zeit z.B. als Azubi zum Verwaltungsfachangestellten bewerben. Und wer danach einige Jahre gut in diesem Beruf bei der Stadt gearbeitet hat, darf - sofern es der Bedarf hergibt - den sog. B 2-Lehrgang machen und ist dann Verwaltungsfachwirt. Ich habe noch nie gehört, dass ein Deutscher mit schlechteren Noten gegenüber einem Migranten mit besseren Noten bevorzugt worden wäre. Und wenn ein Migrant aus einem EU-Land kommt bzw. die deutsche Staatsbürgerschaft hat, kann sogar die Beamtenlaufbahn bei der Stadt einschlagen. Dies ist alles jetzt schon möglich. Aber eine Grundvoraussetzung muss immer vorhanden sein: man muss sich bewerben und seine üblichen Bewerbungsunterlagen abgegeben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   maria
    (797 Beiträge)

    25.07.2012 09:32 Uhr
    @80-er
    Das Handlungsfeld ist nicht nur für Einstellung von Migranten in der Verwaltung gedacht. Siehe Punkt Interkulturelle Öffnung der Verwaltung, Unterpunkt: Mögliche Maßnahmen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10775 Beiträge)

    25.07.2012 09:52 Uhr
    Bei der vielen Arbeit, die man sich machte und die ich anerkenne, lese ich dann z.B.:

    Strukturen und Netzwerke
    Gleichstellungsbeauftragte, Institutionen und Verbände, Personalverwaltungen, Migrantenvertretung und Migrantenvereine , Bürgervereine

    Berichterstattung, Controlling
    Personalausschuss, Migrationsbeirat und Gemeinderat

    Ich bitte darum, mir die weiter unten gestellte Frage zu beantworten. Thema: unabhängige Bürgerbeauftragte für alle sozialen Fragen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (5999 Beiträge)

    25.07.2012 07:42 Uhr
    Und ich weiß.....
    .....ganz genau, dass mich auf dem Bürgerbüro in der Kaiserallee vor einigen Jahren eine städtische Mitarbeiterin mit spanischem Migrationshintergrund bedient hat, als ich meine Adresse habe ändern müssen. Das es eine Spanerin war weiß ich deshalb, weil wir in der gleichen Schule waren. Also ein großes Problem mit Menschen mit Migrationshintergrund sehe ich in Karlsruhe wirklich nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   80er
    (5999 Beiträge)

    25.07.2012 07:43 Uhr
    Und nur aus....
    ..."Gutmenschentum" muss man keine Lösungen für Probleme finden, wo es gar keine Probleme gibt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.