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Karlsruhe/Region Gemeinderat: Kleiner Sturm um Windenergie in Karlsruhe

Karlsruhe ist nicht unbedingt für eine "steife Brise" bekannt. Dennoch führte das Thema Windkraft am Dienstagnachmittag im Gemeinderat zu einem kleinen Sturm. Zwar steht die Fächerstadt bei der Suche nach möglichen Standorten für Windkraftanlagen noch ganz am Anfang, dennoch lieferten sich die CDU auf der einen, KAL und Grüne auf der anderen Seite einen teils sehr polemischen Schlagabtausch.

Vier Windkraftanlagen gibt es derzeit in Karlsruhe: Seit 1997 dreht sich ein Windrad beim Hofgut Maxau, drei weitere Anlagen stehen seit zwölf Jahren auf der ehemaligen Mülldeponie West ("Windmühlenberg"). Ob künftig weitere dazu kommen, ist derzeit noch offen. Mögliche Standorte in und um Karlsruhe sollen allerdings in einem geänderten und zum Teil neu aufgestellten Teil-Flächennutzungsplan festgeschrieben werden. Dies hat der für die Erstellung gemeinsamer Flächennutzungspläne zuständige Nachbarschaftsverband Karlsruhe (ein gemeinsamer Verband von insgesamt elf Gemeinden) im Januar diesen Jahres beschlossen und folgt damit einer Gesetzesänderung der Grün-Roten Landesregierung. Demnach dürfen bei der Regionalplanung künftig keine Ausschluss-, sondern nur noch Vorranggebiete festgelegt werden.

Vier mögliche Standorte für Windenergie in Karlsruhe

In der Gemeinderatssitzung am Dienstagnachmittag ging es nun darum, als Stadt zu den bisherigen Planungen des Nachbarschaftsverbandes Stellung zu beziehen. Mit Hilfe eines Planungsbüros hatte dieser zunächst die Flächen festgeschrieben, in denen grundsätzlich eine wirtschaftliche Nutzung von Windenergie möglich wäre. In einem zweiten Schritt wurden dann die Flächen aussortiert, in denen aus Gründen wie etwa Lärm- oder Naturschutz oder aus sonstigen Gründen keine Windkraftanlagen aufgestellt werden dürfen. Nach dieser ersten Sondierung sollen nun die Gebiete festgelegt werden, die später als "Konzentrationszonen" für die Nutzung von Windenergie festgeschrieben werden sollen.

Für die Gemarkung der Stadt Karlsruhe wurden insgesamt vier Suchräume festgelegt:

Als kritisch stufte die Stadtverwaltung hier die Suchräume in Grötzingen und Wettersbach ein, da es sich hierbei um Hanglagen handele, wo Windkraftanlagen besonders sichtbar seien und, etwa durch Schattenwürfe, eine Belästigung der Bürger darstellen könnten. Ebenfalls kritisch eingestuft wurde das Gebiet in Knielingen. Hier müsste allerdings geprüft werden, ob man das Suchgebiet nicht um das Gebiet der ehemaligen Deponie erweitern könnte, so dass auch eine Erweiterung der bisherigen drei Anlagen denkbar wäre.

Nur ein Gebiet nicht kritisch

Deutlich unkritischer gab sich die Verwaltung dagegen beim vierten vorgeschlagenen Gebiet nördlich der B10. Hier müsse allerdings geprüft werden, inwiefern eine Nutzung von Windkraft mit der vorgesehenen gewerblichen Nutzung der Flächen und mit etwaigen Straßenplanungen des Bundes oder des Landes kollidieren könnten. Grundsätzlich erscheine der Bereich "aufgrund der bereits vorhandenen starken industriellen Vorbelastung hinsichtlich einer möglichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch Windenergienutzung weniger stark betroffen", so die Verwaltungsvorlage. Zugleich bedauere man allerdings, dass eine Bündelung von Windenergieanlagen entlang des Rheins auf Höhe der Raffinerie nicht in die Planung mit einbezogen wurde. Diese Fläche sollte daher nochmals geprüft werden, so die Verwaltungsvorlage weiter.

Fischer: "Bei der CDU Karlsruhe ist die Energiewende noch nicht angekommen"

Der Gemeinderat folgte diesem Vorschlag - wenn auch nicht, ohne zuvor das Thema Windkraft insgesamt kontrovers zu diskutieren. Als CDU-Vertreter müsse er eine kritisch-distanzierte Stellungnahme zum Thema Windkraft abgeben, so CDU-Stadtrat Tilman Pfannkuch. Geeignete und deutlich windreichere Standorte als Karlsruhe fänden sich zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb.

"Bei der CDU Karlsruhe ist die Energiewende noch nicht angekommen", hielt Eberhard Fischer von der Karlsruher Liste (KAL) entgegen. Auch Grünen-Stadtrat Alexander Geiger wandte sich energisch und mit einer teils überaus polemischen Rede gegen die kritische Haltung der CDU. Auch in Karlsruhe nach Standorten für Windkraftanlagen zu suchen sei nicht nur ökologisch, sondern in Hinblick auf die Energiewende ökonomisch überaus sinnvoll.

Mehr zum Thema:
Vorlage der Verwaltung inklusive der Karte mit den Suchräumen als PDF-Datei

Archiv:
Es bläst zu wenig in Karlsruhe - Stadtwerke kaufen "Wind" für 3.000 Haushalte
Gemeinderat: 15 Millionen Euro für Windkraft im Norden

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  •   bergdoerfler
    (1655 Beiträge)

    19.09.2012 16:02 Uhr
    Alternative zu den Windrädern gibt es unter dem Link
    MRT Windgenerator das dann in badischen Farben auf jedes Haus!
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  •   badesalz
    (485 Beiträge)

    19.09.2012 15:32 Uhr
    Baut ein
    Windrad vors Rathaus.In diesem Tempel des Unvermögens wird eh nur heisse Luft produziert.Somit kann man auch mit Unvermögen noch nützliches leisten.
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  •   holladiewaldfee
    (76 Beiträge)

    19.09.2012 16:45 Uhr
    und
    ein Solardach übers Wildparkstadion. Dann hat das gleich auch einen Regenschutz grinsen
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    20.09.2012 00:45 Uhr
    Für die Leute
    die nicht subventionierte Plätze bezahlen reicht der Regenschutz. Der Rest kann draussen stehen.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    19.09.2012 15:40 Uhr
    Und ein
    Gezeitenkraftwerk auf den Europaplatz, jawoll! grinsen
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  •   Rahmdieb
    (717 Beiträge)

    19.09.2012 21:00 Uhr
    Nein
    eine Staustufe wie bei Iffezheim und dann ist auch das Problem der zweiten Rheinquerung vom Tisch.
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  •   barlou
    (2555 Beiträge)

    19.09.2012 13:19 Uhr
    Interessant...
    Da wollen die Grünen aus rein ideologischen Gründen Windmühlen in die Landschaft pflanzen, obwohl es kaum Wind gibt. Die Stromproduktion der Anlagen im Rheinhafen ist ja wohl lächerlich. Wie sieht es denn mit dem Rathausdach aus? Gibt es dort schon eine Photovoltaikanlage oder einen Sonnenkollektor, was angesichts der vielen Sonnenstunden in Karlsruhe viel mehr Sinn machen würde. Ich glaube, ich will es gar nicht wissen.
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  • unbekannt
    (16 Beiträge)

    19.09.2012 15:04 Uhr
    Da hast du absolut recht . . .
    Windräder im Schwarzwald (wo ich ursprünglich herkomme) machen deutlich mehr Sinn, schließlich geht dort nicht nur ein bisschen mehr Wind . . . aber Hauptsache man kann sagen: "Wir haben auch Windräder"
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