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Karlsruhe Gemeinderat: 15 Millionen Euro für Windkraft im Norden

Karlsruhe ist nicht unbedingt bekannt für seine "steife Brise" - trotzdem wollen die Karlsruher Stadtwerke künftig nicht nur mit Solarstrom, sondern auch mit Windkraft Geld verdienen. 15 Millionen Euro werden dafür unter anderen in Offshore-Windkraftanlagen in der Ostsee investiert. Das hat der Gemeinderat am Dienstagnachmittag beschlossen.

Eigentlich ist es ganz einfach: Die Karlsruher Stadtwerke wollen künftig verstärkt auf Windkraft setzen, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen und der steigenden Nachfrage von Kunden nach regenerativen Energien gerecht zu werden. Und wenn der Wind nicht nach Karlsruhe kommt, muss Karlsruhe eben dahin gehen, wo der Wind bläst - indem man sich an Windkraftanlagen anderswo beteiligt. Bis 2020 soll der Anteil der Windenergie so mindestens 50 Megawatt betragen (zum Vergleich: Block 1 des EnBW-Kernkraftwerks Philippsburg lieferte 926 Megawatt).

14 Millionen für Offshore-Windpark in der Ostsee

Zwei solche Beteiligungsprojekte will das städtische Versorgungsunternehmen nun konkret angehen: 14 Millionen Euro sollen bis 2014 in den Offshore-Windpark EnBW Baltic 2 in der Ostsee investiert werden. Dies schlägt mit 6,5 Megawatt im Energiemix zu Buche. Mit einer weiteren Millionen Euro wollen sich die Stadtwerke außerdem an Windpool beteiligen, einem Unternehmen, das die Investitionen von kommunalen Energieversorgern bündelt und den Ausbau von Onshore-Windparks in ganz Deutschland vorantreibt (onshore bedeutet auf dem Festland, offshore im Meer). Dies soll weitere 2,5 Megawatt beisteuern. Bei beiden Beteiligungen wird von einer Rendite von 10 Prozent ausgegangen.

Vom Gemeinderat wurden die Investitionen einstimmig abgesegnet. "Dass die Energiewende kommen muss, darüber sind wir uns einige", so Grünen Stadtrat Alexander Geiger. Es gelte aber, weiter aktiv nach interessanten Investitionsmöglichkeiten zu suchen und nicht nur auf tolle Angebote zu warten. "Man sollte außerdem prüfen, in wie weit auch eine direkte Beteiligung der Bürger an solchen Investitionen möglich ist."

KAL: "Wir wollen mit dem Engagement auch Geld verdienen."

"Ich halte beide Investitionen für sinnvoll, da sich mit Sicherheit eine Rendite erwarten lässt", so Stadtrat Thomas Hock für die FDP. Bei Onshore-Windanlagen dürfe man allerdings die Bevölkerung nicht vergessen, die von den Windkraftanlagen direkt betroffen seien. Eberhard Fischer von der Karlsruher Liste (KAL) verwies darauf, dass es nicht nur darum gehe, die Energiewende zu schaffen: "Wir wollen mit dem Engagement auch Geld verdienen." Nachdem die Politik dem Ausbau der Solarenergie einen Riegel vorgeschoben habe, gelte es außerdem nicht nur in Windenergie, sondern auch in Wasserkraft zu investieren.

Zustimmung zu den Stadtwerke-Investitionen gab es auch von Jürgen Wenzel von den Freien Wählern, Thomas Müller von der CDU und Jürgen Marin von der SPD. Realisiert wird die Beteiligung über noch zu errichtenden Beteiligungsgesellschaften der Stadtwerke Karlsruhe.

Die Gemeinderatsvorlage im Wortlaut sowie detaillierte Informationen zu den Beteiligungen und den jeweiligen Windkraftanlagen (Link führt zu PDF auf den Seiten der Stadt).

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  •   tomkscole
    (361 Beiträge)

    30.04.2012 17:31 Uhr
    WINDPARK
    KA investiert in die Zukunft anderer und in der eigenen Stadt gehen die Lichter aus. Wie viele Arbeitsplätze wird es im Raum KA wohl geben für diese Summe von 14 Mio. €.
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    30.04.2012 19:34 Uhr
    Stimmt!
    Karlsruhe hat nämlich nichts davon, wenn Windstrom unter ihrem Namen ins Netz eingespeist wird...
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    26.04.2012 04:01 Uhr
    In den grössten
    'Strom' Deutschlands wird man wohl doch ein paar Turbinen reinhängen können...
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  •   mueck
    (11380 Beiträge)

    25.04.2012 23:14 Uhr
    !
    Gute Idee!
    Bissele die Wirtschaft in meiner alten Heimat Bremerhaven ankurbeln!
    Werde die Tage mal wieder hochdüsen, um Muttern kümmern und nebebei zugucken, wie nun auch mit Karlsruher Geld dort Offshore-Windparks gebaut werden! zwinkern
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    27.04.2012 18:53 Uhr
    Naja..
    Unser Geld wird eigentlich in der Ostsee angelegt, warum hier Norden und nicht Osten geschrieben wird oder wenigstens Nordosten ist mir auch nicht ganz klar...

    Aber die Kleinstaaterei "Karlsruhe zahlt jetzt für die Ostsee" ist eh beknackt... Dafür zahlt dann Bremen den Hafen damit wir Sachen exportieren können oder was? Könnte man ja alles aufschlüsseln, unterm Strich wäre es dann ein Nullsummenspiel, wir könnten aber ein paar Beamte mehr beschäftigen... Ich hätte da schon eine Idee, ein "Ministerium zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit innerhalb der BRD". Dort wird dann festgestellt, daß auch die Bremer etwas abgeben müssen wenn sie unsere Windräder mitbenutzen und die Karlsruher drücken was ab weil ein Teil ihrer Exporte über Bremerhaven geht. Noch Transitverkehr etc. reinrechnen daß es ganz spannend wird grinsen
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  •   kamaraba
    (674 Beiträge)

    25.04.2012 20:19 Uhr
    Wäre ja alles so schön
    wenn dem so wäre, aber Karlsruhe setzt auf Kohle zusammen mit der EnBW (siehe neues Kohlekraftwerk im Rheinhafen) und auf Rendite. Das ursprünglich geplante Gaskraftwerk der EnBW wird nicht gebaut.
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    25.04.2012 20:27 Uhr
    Gaskraftwerk
    Vielleicht ist man sich der Lieferungen aus Rußland nicht sicher? Ich weiß es nicht... Das Kohlekraftwerk brauchen wir halt auch als Ersatz für die abgeschalteten AKW, bis das alternative Stromnetz halbwegs ausgebaut ist. Wenn man nach und nach dann die ältesten Kohleschleudern vom Netz nimmt, ist ja ein moderneres mit besserem Wirkungsgrad nicht verkehrt. Es dauert halt noch 30-40 Jahre, um Deutschland regenerativ zu versorgen - außer vorher wandert die Hälfte der Industrie und Einwohner ab, dann geht's schneller... Solange braucht man Kohle als Übergangszeit...

    Erstmal müssen ja alle AKW vom Netz, das entspricht eher dem Volkswillen, also Windenergie ausbauen und moderne Kohlekraftwerke mit höhere Wirkungsgrad bis sie nicht mehr gebraucht werden...
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    25.04.2012 20:33 Uhr
    Ich...
    ...verstehe zwar auch nicht so wirklich, woher diese pathologische Angst vor allem was mit Atomkraftwerken zu tun hat herkommt, aber wenn wohl laut Umfragen die Mehrheit dagegen ist, dann muß sich der Staat danach richten und sie nach und nach abschalten. Gehört auch zur Demokratie sich danach zu richten was die meisten wollen, auch wenn man's selber nicht ganz so sinnvoll findet.
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  • unbekannt
    (505 Beiträge)

    25.04.2012 23:40 Uhr
    Aspekt der Unabhängigkeit
    neben den Sicherheitsproblemen der AKWs (Mag jeder bewerten wie er will grinsen ) gibt es noch den Aspekt der Importabhängigkeit. Deutschland importiert ca. 80% des Energiebedarfs in Form von Kohle, Gas, Öl und Uran.
    Wenn es gelingt unsere Energie weitesgehend aus Wind und Sonne zu erzeugen wäre das doch eine feine Sache.
    Damit gäbe es keine Abhängigkeit in Richtung Russland, Golfregion oder Afrika.
    Wird leider oft vergessen das Deutschland nun mal keine nennenswerten Ressourcen hat.
    Frei nach dem Motto: "Mein Strom kommt aus dem Kraftwerk" grinsen
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  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    27.04.2012 18:49 Uhr
    Richtig!
    Ich habe ja schon mehrmals geschrieben, daß ich durchaus für einen beherzten Ausbau der Windkraft und auch Photovoltaik bin, genau aus diesen Gründen. Windkraft im Meer und Photovoltaik auf den Dächern ist eine feine Sache, man muß aber eben aufpassen, daß der Strompreis nicht so hoch wird bzw. sich die Leute das leisten können (auch die Industrie).

    Deshalb würde ich es sinnvoller finden, die AKW, die ja jede Menge Gewinn abwerfen noch paar Jahre länger laufen zu lassen und von den Einnahmen dann die Sachen zu bauen. Bis man keine Kohlekraftwerke mehr braucht und dann kann man nach und nach die AKW abschalten, da sie dann ihren Zweck, das Geld für den Ausbau bereitzustellen, erfüllt hätten (bis dahin wäre dann Uran eh teurer, da endlich)..

    PS: Das Stromnetz gehört in Staatshand, genauso wie Eisenbahnen und Autobahnen..
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