45  

Karlsruhe Gehweg-Parken in Karlsruhe: Streit in der Nordweststadt

Die Parkplatzsuche und das Parken in Karlsruhe können mehr als nur eine Geduldsprobe sein - manchmal bleibt den Pkw-Fahrern wenig übrig, als auf dem Geh- oder Radweg zu parken. Das Karlsruher Ordnungsamt kontrolliert diese Vergehen derzeit schwerpunktmäßig. Anwohner in Teilen der engen Nordweststadt sind verunsichert: Wie dürfen sie parken? Die Bürger sehen die Stadt in der Pflicht. Die wiederum wiegelt ab: vorhandene Parkflächen wie Garagen und Grundstücke sollen einfach besser genutzt werden.

Bonner Straße, Durlacher Weg oder Bingener Straße: Die Nordweststadt zwischen Hertzstraße und B36 hat fast dörflichen Charakter - das wissen die Bewohner, die Polizei und auch das Karlsruher Ordnungsamt (OA). Das OA selbst ist seit Jahren regelmäßig in der Nordweststad unterwegs und weiß um die Schwierigkeiten. Wegen enger Straßen und einer entsprechenden Bebauung, gibt es nach Ansicht einiger Bewohner nicht genügend Parkplätze.

Schwerpunktkontrollen zeigen erste Erfolge

Die mehrwöchigen Schwerpunktkontrollen des OA gegen Gehweg-Parker verunsichern daher einige Autofahrer. "Wie darf ich noch parken? Früher war es kein Problem - aufgrund der engen Straßen - auf dem Gehweg zu parken, damit die erforderlichen drei Meter Straßenbreite gewährleistet werden", so ein Anwohner der Bonner Straße im Gespräch mit ka-news. Er habe das Gefühl, dass die Stadt nun willkürlich reagiere, selbst wenn mehr als 1,20 Meter frei gelassen würden.

 

Die Schwerpunktkontrollen gegen Geh- und Radweg-Parker zeigen indes erste sichtbare Erfolge, erklärte der stellvertretende Leiter des OA Günter Crantz im Gespräch mit ka-news. "In Hagsfeld zum Beispiel hat sich die Parkmoral verbessert, auch auf den Radwegen in der Haid-und-Neustraße wird nicht mehr geparkt", ergänzt er. 407 Fahrzeuge wurden demnach in den ersten Wochen der Schwerpunktkontrollen beanstandet. "Klar, es gab natürlich Beschwerden - aber auch Lob", so Crantz. Er weiß auch von der Verunsicherung der Bürger, die nun nicht mehr wissen, ob sie auf dem Gehweg parken dürfen, selbst wenn sie genug Platz lassen. Aber der stellvertretende OA-Leiter weiß zu beruhigen: "Wie angekündigt werden wir es weiterhin dulden, wenn auf dem Gehweg geparkt wird und mindestens 1,20 Meter Platz für Fußgänger und Kinderwagen bleibt."

OA: Stadt ist nicht für Bereitstellung von Parkplätzen verantwortlich

Den Anwohner der Bonner Straße verärgern diese Kontrollen indes: "Die Stadt braucht Geld. Jetzt macht sie Kontrollen, bietet den Autofahrern aber keine Lösungen", moniert er. Parkplätze würden reduziert, Kontrollen im Gegenzug verstärkt. "Manchmal hat man den Eindruck, dass die Stadt nicht an einer Lösung interessiert ist, sondern einfach nur sagt: 'Runter vom Gehweg!' Die Stadt soll Lösungen bieten, gegebenenfalls dort das Straßennetz ändern, wo es möglich ist, damit Autos nicht mehr auf dem Gehweg parken müssen", so der Anwohner im Gespräch mit ka-news.

Doch so einfach ist das nicht, weiß auch Crantz vom Ordnungsamt: "Die Stadt ist nicht für die Bereitstellung von Parkplätzen in solchen Gebieten verantwortlich. Wird ein Haus gebaut, müssen je nach Größe entsprechende Stellplätze eingeplant werden." Aber durch die Vielzahl von Autos, auch in einzelnen Haushalten, werde der Platz dann eng, weiß er. "Im Bereich der Nordweststadt haben viele Anwohner eine Garage oder eine Hofeinfahrt. Wenn alle diese nutzen, ist dort auch ein vorschriftsmäßiges Parken möglich." Außerdem könne den Betroffenen vom Gesetzgeber aus auch ein Parkplatz in mehreren hundert Metern Entfernung zugemutet werden, sollte es direkt vor der Haustüre keinen geben. 

OA: Anwohner sollten Garagen und Hofeinfahrten zum Parken nutzen

Erzwingen kann die Stadt die Nutzung der Einfahrten oder Garagen aber nicht. "Wir können da nur appellieren", so Crantz. Die Problematik in seiner Nachbarschaft bestätigt auch der Anwohner der Bonner Straße. Da Garagen anderweitig genutzt würden, käme es häufig zu Engpässen, Schäden an Autos oder Streit unter den Anwohnern und den Autofahrern. "Inzwischen hat sich eine 'Egal-Haltung' in der Nordweststadt entwickelt. Alle Parken wie sie wollen", ergänz er. Deshalb müsse die Stadt reagieren: Die Einrichtung einer Spielstraße sei ein Vorschlag, der die Park- und Verkehrssituation entschärfen könnte - oder auch Rasengittersteine, die direkt vor Grundstücken für Stellplätze sorgen könnte. "Früher liefen die Menschen mit Handwagen durch die Straßen, heute nehmen sie den Hummer. Da muss etwas getan werden."

Doch den Vorschlägen des Anwohners kann Crantz nicht nachkommen: "Eine Spielstraße wäre sicher eine nette Idee, aber ist in diesem Gebiet rechtlich nicht machbar", so der stellvertretende OA-Leiter. "Zudem gibt es in der Nähe der Bonner Straße eine große Grünfläche." Und auch Rasengittersteine wird es keine geben: "Das ist nicht nötig, wenn die Leute ihre Garagen und Hofeinfahrten nutzen." In anderen Stadtteilen wie der Südstadt habe die Stadt Teile des Gehwegs mit Park-Linien markiert. "Allerdings gibt es hier keine klassischen Hofeinfahrten."

Mehr zum Thema Gehweg-Parken:

Kontrollen gegen Gehweg-Parker: Ordnungsamt spricht 407 Verwarnungen aus

Kampf den Gehweg-Parkern: Stadt Karlsruhe kündigt stärkere Kontrollen an

Gehweg-Parker in Karlsruhe: Wird bald stärker kontrolliert?

Umfrageergebnis: Gehweg-Parken ist eine Zumutung!

Parken auf dem Gehweg: Rücksichtslos und ärgerlich

Mehr zum Thema
Parken in Karlsruhe | ka-news.de: Parkstreifen oder Parkhaus? Wo ist Parken noch erlaubt und wo wird es verboten? Ab 2018 ist das Gehwegparken in Karlsruhe Vergangenheit. Alle aktuellen Infos rund um das Thema Parkraum und -regeln in Karlsruhe gibt es hier in unserem Dossier.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (45)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Rundbau-Gespenst
    (11318 Beiträge)

    28.04.2013 08:59 Uhr
    Schwerpunktkontrollen?
    das sollte von den Ordnungskräften flächendeckend in ganz KA gemacht werden und natürlich auch geahndet werden!

    Wenn ich eines meiner 350-PS Fahrzeuge irgendwo so abstellen würde, dann gäbe es sofort ein Volksauflauf.

    Für mich am frühen Morgen auf dem Heimweg immer wieder erschreckend, wie viele ihr Vehikel so hinstellen, dass kein älterer Mensch mit Rollator oder keine Mutti mit Kinderwagen dran "vorbeischrammen" kann. Diese müssen sich dann auf der Straße der Gefahr des Überfahrenwerdens aussetzen. Dabei haben aber viele der "Superparker" einen Garagenplatz, der aus purer Faulheit nicht benutzt wird, oder der an Nachbarn mit 2 Autos (sogenannte "DINK") weitervermietet ist.

    Es sollte daher durchgegriffen werden, auch wenn sich die sogenannte Obrigkeit dann unbeliebt macht. Sonst lernen diese Gehwegparker nix!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (11392 Beiträge)

    21.04.2013 19:43 Uhr
    Drei Autos
    Mich würde mal interessieren wo die ganzen Haushalte angesiedelt sein sollen, die mindestens drei Autos haben. In einem Durchschnittshaushalt leben - bei einer Großstadt wie KA - etwa 1,6 Personen.

    Vieles sind auch Studentenwohnungen - die haben oftmals garkein Auto oder teilen sich eins in der WG. Dann haben wir ein Drittel Rentner und nochmal ein Drittel "Nicht arbeitende" - also Hausfrauen, Frührentner, Arbeitslose und Beamten zwinkern

    Also ich würde davon ausgehen, daß pro Haushalt ungefähr 1-2 Autos vorhanden sind, bei Rentnern reicht ja eines aus und Arbeitslose haben vllt auch noch ein Auto, einen eventuellen Zweitwagen werden die nicht mehr unterhalten.

    Einen Haushalt mit 3-4 Autos halte ich für Ausnahmefälle, wenn vllt noch erwachsene Kinder im Haushalt wohnen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (11318 Beiträge)

    28.04.2013 09:04 Uhr
    manche Leute sammeln PKWs
    wie andere Briefmarken.

    Denen reicht auch eine Doppelgarage nicht aus.

    Erschreckend auch, wie viele Geschäftswagen (hier meine ich die Kleinbusse wie VW-Bulli o.ä. und nicht das statusmäßige Dienstfahrzeug - auch zum persönlichen Gebrauch) nach Feierabend in den Wohngebieten abgestellt werden. An diesen ist sehr schlecht vorbeizukommen, daa sie ohnehin mehr Platz benötigen als z.B. ein VW Golf.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schattegustl
    (136 Beiträge)

    20.04.2013 09:58 Uhr
    Haben wir eine neue Karlsruher Duldungsregelung????
    Interessant, was der stellvertretende Leiter des Ordnungsamts so von sich gibt.
    Zitat von Günter Crantz "Wie angekündigt werden wir es weiterhin dulden, wenn auf dem Gehweg geparkt wird und mindestens 1,20 Meter Platz für Fußgänger und Kinderwagen bleibt."

    Das wäre ja die alte Regelung bevor Jens Müller vor Jahren die erste Beschwerde beim Regierungspräsidium eingereicht hat!
    Und eher nicht ganz rechtskonform. Da fragen wir doch mal ganz offiziell nach: http://geh-weg-vom-gehweg.blogspot.de/2013/04/klarung-der-neuen-karlsruher.html
    Zumal ja nicht einmal gemäß dieser Regelung kontrolliert wird. Kann man in den Bergdörfen sehr gut beobachten!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (6808 Beiträge)

    15.04.2013 21:03 Uhr
    man könnte
    einfach in ausreichendem Umkreis um jede Straße neue Carsharing-Parkplätze einplanen. grinsen Und den Anwohnern der Nordweststadt in den ersten 3 Wochen danach fürs erste Jahr einen attraktiven Bonus gewähren - gg. Vorlage einer KVV-Jahreskarte oder so.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3882 Beiträge)

    16.04.2013 08:19 Uhr
    man lönnte aber auch
    auf dem alten Flughafengelände schicke Parkhäuser bauen. Das ist ja eh komplett ungenutzt. Und dann ein Shuttleservice einrichten..
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    15.04.2013 22:42 Uhr
    Gute Idee
    bis auf die KVV-Jahreskarte zwinkern
    Warum sollten Leute, die kein täglich Auto brauchen und z.B. mit dem Fahrrad zur Arbeit konnen eine teuere KVV-Jahreskarte kaufen um einen Bonnus für Carsharing zu bekommen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    15.04.2013 19:31 Uhr
    Warum
    wird denn nicht einfach gnadenlos abgeschleppt? Spätestens nach dem zweiten mal Auto auslösen beim Böhler überlegt man sich wo und wie man parkt. Kombiniert mit saftigem Bußgeld (müsste noch angepasst werden) rechnet sich die eine Politesse locker.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   DonHasi
    (996 Beiträge)

    15.04.2013 17:49 Uhr
    Teile des Gehweges mit Parklinien markiert
    Aber erst, nach dem ich in diesem Bereich den Nachweis geführt habe, es gab (und das war 1999 damals zwar 33 Fahrzeuge aber nur 17 mögliche Stellplätze). Im übrigen:
    Strichlein auf die Straße malen, wo vorher Halteverbot war, ist ja nun die "faulste Nummer" - löst aber keine Probleme.
    Für die Stadt, sollte es zur Pflicht werden, erst Parkraum zu schaffen, bevor ein Bauvorhaben genehmigt wird.
    Allerdings sollte der Parkraum auch tatsächlich nutzbar sein und nicht nur mittels eines Hubschraubers angeflogen werden können.
    Deshalb:
    Erst Parkraum -dafür ist die Stadt zuständig
    Dann Genehmigung - dem Bauherrn ist ebenfalls die Schaffung einer Parkfläche pro Fahrzeug zuzumuten. Und zwar anhand seiner Steurdaten der letzten 10 Jahre - und wieder ein Problem gelöst
    Bsp:
    2005 : 2 Autos
    2012: 1 Auto
    Baugenehmigung 2013: bedeutet 2 Stellplätze + 2 Stellplätze welche die Stadt zu schaffen hat -> kein Parkplatzmangel
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (278 Beiträge)

    15.04.2013 16:54 Uhr
    Enddlich geht es den Bequemparkern
    an den Kragen in der Nordweststadt. Es ist richtig, dass viele Anwohner einfach zu bequem sind, ein paar Meter zu laufen, wshalb sie ihr Fahrzeug nicht verkehrsgerecht parken. Ich selber wohne in der NW und kann dies beurteilen. Auch viele Anwohner haben drei Fahrzeuge und parken so, dass Rollstuhlfahrer, Kinderwagen u. dergleichen nicht mehr den Gehweg benutzen können. Also, liebes OA, ran an die Verkehrssünder. Auch sollte die mal gefragt werden, ob sie bei der Fahrprüfung auch so geparkt hätten, denn dann hätten sie heute noch keinen FS.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.