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Karlsruhe Gar nicht mal so nerdig: "Hacker School" soll Kinder und Jugendliche für Informatik begeistern

Programmieren, Informatik, IT - die Branche muss mit vielen Vorurteilen kämpfen. Das machen doch nur Männer, das ist nerdig und man hockt die ganze Zeit nur im Dunkeln am Computer, da muss man doch bestimmt eine Eins in Mathe sein. "Überhaupt nicht", meinen die Gründer der "Hacker School". Mit dem Projekt möchten sie den Berufsbereich für Kinder und Jugendliche attraktiver machen.

"Informatiker" ist nicht der erste Beruf, den man zu hören bekommt, wenn man ein Kind fragt, was es denn später einmal werden möchte. Und auch später, in der weiterführenden Schule, wird das Fach Informatik in vielen Bundesländern generell nicht als Pflichtfach angeboten.

Daher schrecken viele junge Menschen vor einem Studium oder einer Ausbildung im Bereich Informatik zurück, da sie befürchten, dass man dafür ausgeprägte mathematische Fähigkeiten mitbringen muss.

Informatik? Das mach Spaß!

Der Hamburger Verein "i3" (Initiative Informatik Inspiration) möchte dies ändern und mit dem Projekt "Hacker School" Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland für das Programmieren begeistern. Die Gründer sind Andreas Ollmann,  David Cummins, Timm Peters.

Seit 2014 organisiert der Verein unter der ehrenamtlichen Leitung von professionellen Programmierern und Entwicklern Kurse in verschiedenen Städten. Von Hamburg bis Stuttgart - "Wir wachsen stetig weiter", freut sich Julia Freudenberg, Projektleiterin bei der Hacker School, im Gespräch mit ka-news.

Mit dem Projekt "Hacker School PLUS" hat der Verein außerdem einen Versuch gestartet, Flüchtlinge in den IT-Arbeitsmarkt zu integrieren. 2018 gewann die Organisation die Google Impact Challenge und wurde mit 250.000 Euro finanziert und somit dabei unterstützt, ihre Vorhaben bundesweit auszurollen.

Hacker School
Hacker School Session an der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe. | Bild: Christian Grollmann

Auf die Frage, wie die Idee für die "Hacker School" entstanden ist, führt Julia Freudenberg zwei Gründe an: "Zu wenig Aufmerksamkeit und zu wenig Kompetenz für Informatik. Bei uns im Hamburg gab es zum einen keine Einigung für IT als Pflichtfach in der Schule, es wurde abgeschafft. Dagegen wollten wir protestieren!"

"Zum anderen haben die Gründer für ihre Agentur damals einen Fachinformatiker gesucht und bei den Vorstellungsgesprächen gemerkt: Hier fehlt es definitiv an Fachwissen, die Leute wissen oft überhaupt nicht, was sie da eigentlich tun. Es ist sehr schwer, einen Arbeitnehmer im Bereich Informatik zu finden."

Kompetenz kann und muss genutzt werden

Daher setzt sich Freudenberg stark für diese Initiative ein. "Kompetenzen können und müssen genutzt werden. Deshalb unsere Botschaft an die Kinder und Jugendlichen: Einfach mal ausprobieren! Es tut nicht weh, und wir sehen bei jedem Kurs immer mehr begeisterte Kinder mit leuchtenden Augen."

Bisher hat die Hacker School schon mehrere Tausend Kurse angeboten. "Im Jahr 2017 haben wir etwa 200 Kinder in unseren Kursen betreut, rein ehrenamtlich und auf Spendenbasis. Doch seit wir im vergangenen Jahr mit Geldern von der Stadt Hamburg unterstützt werden, ist die Zahl auf 1.500 im Jahr 2018 geklettert. Das hat sich fast verzehnfacht! Bis in vier bis fünf Jahren wollen wir 100.000 junge Leute erreichen!", so Julia Freudenberg.

Hacker School
Hacker School-Session an der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe. | Bild: Christian Grollmann

Und auch in Karlsruhe hat sich die Hacker School bereits beliebt gemacht. Im Dezember 2018 nahmen über 300 junge Programmiererinnen und Programmierer an einer Session an der Ernst-Reuter-Schule Teil. "Das war neben München unsere größte Veranstaltung aller Zeiten!", erzählt Freudenberg begeistert.

Jetzt soll es weiter gehen: "Am 13. und 14. Juli planen wir mit mehreren Unternehmen zusammen eine zweitägige Session mit verschiedenen Kursen für Kinder im Alter von elf bis 18 Jahren", so Julia Freudenberg. Und was kann man in so einem Kurs machen? "

Hacker School
Hacker School-Session an der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe. | Bild: Christian Grollmann

"Das ist ganz unterschiedlich", meint Julia Freudenberg. "Da wir bei den Sessions mit verschiedenen Firmen zusammenarbeiten, ist das ganz vom Unternehmen selbst abhängig, in welchem Bereich dieses genau tätig ist. Die ITler müssen ja selbst daran Spaß haben, um den Spaß auch den jungen Menschen vermitteln zu können."

Zum Beispiel können die kleinen und großen Informatiker lernen, was hinter dem Spiel "Minecraft" steckt oder eigene Apps oder Websites kreieren.  "Bei einer Session in einem Unternehmen werden mehrere Kurse angeboten und zu Beginn vorgestellt, die Teilnehmer können sich dann entscheiden, bei welchem Angebot sie mitmachen wollen. Am Ende gibt es dann eine gemeinsame Abschlussveranstaltung zur Präsentation", so Freudenberg.

Hacker School
Julia Freudenberg. | Bild: Christian Grollmann

"Für die Kinder ist es ein tolles Gefühl, wenn sie innerhalb weniger Stunden etwas Eigenes geschaffen haben", erzählt Julia Freudenberg. Und eine wohl sehr erleichternde Info zum Schluss: "Ein bestimmtes Vorwissen oder gute Noten in Mathe oder Physik sind nicht notwendig - so wie es auch keine Noten für unsere Kurse gibt!"

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Kommentare (2)
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  •   schoenix
    (123 Beiträge)

    24.06.2019 10:34 Uhr
    Naja
    Also für ein Informatikstudium sollte man schon recht gut in Mathe sein, Lineare Algebra ist glaube ich immer noch eines der Siebfächer.
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  •   AlterMann
    (20 Beiträge)

    24.06.2019 12:46 Uhr
    Mathe
    Mathe war zumindest zu meiner Zeit für die meisten das Hauptproblem. Viele haben deswegen das Vordiplom nicht geschafft.
    Obwohl man das m Beruf in der Form üblicherweise eher nicht braucht.
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