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Karlsruhe Für mehr Selbstliebe: Fotografin zeigt wie wunderschön echte Körper sind

Eine Speckrolle hier, Cellulite da, Pickel dort: Vor dem Spiegel ist jedem von uns schon mit seinen Makeln konfrontiert worden. Doch jeder Körper ist schön - Frauen sollen sich in ihrer Haut wohler fühlen. Das Foto-Projekt "Dein Körper ist genug" soll diesem Thema mehr Aufmerksamkeit widmen und es stärker an die Öffentlichkeit tragen. ka-news.de hat im Interview mit Fotografin Jennifer Siegel über das Projekt, Körperakzeptanz und Selbstliebe gesprochen.

Wie lange arbeiten Sie schon als Fotografin?

Ich fotografiere schon seit meiner Jugend und habe mich 2018 dann dazu entschieden, dieses Hobby zum Beruf zu machen.

Was war Ihre Motivation für dieses Projekt?

Ich habe mich 2019 fotografisch in vielen Richtungen ausprobiert, unter anderem auch in der Boudoirfotografie, einer Richtung der Aktfotografie, wurde jedoch auch nach zahlreichen Kursen nicht so warm damit, da es auch hier oft normal zu sein schien, die "Problemzonen" der Frau zu kaschieren, verdecken oder gar in der Nachbearbeitung am PC zu retuschieren. 

Sich wohl in seiner Haut zu fühlen kann oft schwer sein, doch wenn man diesen Schritt schafft, fühlt man sich glücklich und erfüllt.
Sich wohl in seiner Haut zu fühlen kann oft schwer sein, doch wenn man diesen Schritt schafft, fühlt man sich glücklich und erfüllt. | Bild: jennimachtfotos.de

Deshalb dachte ich schon länger darüber nach, dies zu durchbrechen und eine Fotoreihe mit natürlichen Frauen und natürlichen Fotos zu starten. Als Caroline Hopp mir nach unserem gemeinsamen Shooting im Sommer 2019 dann von ihrer Idee des Fotoprojektes erzählte, ergänzten sich unsere Ideen perfekt und so wurde ich als eine der beiden Fotografinnen Teil dieses wundervollen und wichtigen Projektes.

Dies ist mein erstes Projekt in diese Richtung und ich bin unglaublich glücklich und stolz darüber, dass wir an dieser Idee festgehalten haben und nun auf bald zwei Fotoausstellungen mit überwältigender Resonanz zurückblicken können.

Was möchten Sie mit diesem Projekt erreichen?

Uns ist es wichtig, mit diesem Projekt wieder ein bisschen mehr Realität in die Medien zu bringen und zu zeigen, wie wunderschön echte Körper sind, ganz ohne figurformende Unterwäsche und Photoshop.

Jennifer Siegel und Caroline Hopp möchten mit ihren Bildern Frauen dazu ermutigen, im Einklang mit sich selbst zu sein. | Bild: jennimachtfotos.de

Gleichzeitig wollen wir anderen Frauen damit zeigen, dass ihre Körper völlig normal sind - wie der Titel unseres Projektes schon sagt "Dein Körper ist genug" - es gibt keinen Grund, sich mit anderen zu vergleichen, ein von den Medien suggeriertes, unrealistisches Körperbild anzustreben.

Vielmehr möchte das Projekt jeden Einzelnen dazu motivieren, liebevoller mit sich selbst umzugehen und zu lernen, den eigenen Körper so anzunehmen wie er ist, denn genau so ist er richtig.

Wie engagieren und beschäftigen Sie sich anderweitig mit diesem Thema?

Ich bin eine Frau - also würde ich lügen wenn ich sagen würde, dieses Thema beschäftigt mich nicht. Ich denke hier kann ich sogar für alle Frauen und Männer sprechen, denn ein so allgegenwärtiges Thema wie dieses geht wohl an keinem vorbei, besonders in der heutigen, durch Social Media geprägten Zeit.

Bild: jennimachtfotos.de

Gerade das Thema Selbstliebe und Körperakzeptanz verfolge ich schon eine Weile und es wird mir auch in meiner fotografischen Arbeit mit meinen Kunden immer wieder gespiegelt, da sich die wenigsten Menschen (inklusive mir) auf Anhieb vor der Kamera wohl fühlen und mit Selbstsicherheit auftreten können.

Da ist es mir immer besonders wichtig, ein gutes Gefühl zu vermitteln und ihnen zu versichern, dass es keinen Grund gibt, sich für etwas zu schämen. "Du bist (gut) genug" - ist auch hier ein sehr kraftvoller Satz, der, wenn man ihn sich erst einmal richtig verinnerlicht, sehr viel bewirken kann.

Warum ist das Thema so wichtig?

Weil die Welt leider immer noch nicht begriffen zu haben scheint, dass ständiges Vergleichen und der Wunsch, anders zu sein uns nicht glücklich macht. Es macht weder glücklich auf andere herabzuschauen und diese für Äußerlichkeiten zu kritisieren oder gar zu mobben. 

Genau so wenig macht es glücklich, Tag für Tag zu Hause vor dem Spiegel zu stehen und die vielen kleinen angeblichen Makel am eigenen Körper zu suchen und sich selbst dafür anzufeinden. Denn wir haben nur diesen einen Körper und dieses eine Leben - und das sollten wir lieben und genießen, glücklich und ohne täglich dagegen anzukämpfen.

Haben sie "Bodyshaming" und andere Auswirkungen des Schönheitsdrucks persönlich mitbekommen - bei sich selbst sowie bei anderen?

Auf jeden Fall. Gerade als Jugendlicher ist der Druck groß, mitzuhalten, man sieht all diese schönen, makellosen Menschen in Magazinen und bei Instagram sehen sowieso alle immer gut aus und leben perfekte Leben - da gibt es dann schon Tage, an denen man sich fragt, warum man selbst nicht so ist und was man tun kann, um auch so auszusehen.

Ich bin froh, dass es mittlerweile mehr Realität auf Instagram und auch bei immer mehr Bekleidungsmagazinen gibt und nicht nur geschönte oder gar retuschierte Bilder gezeigt werden. Je länger ich mich persönlich mit diesem Thema beschäftigt habe, desto mehr konnte ich auch aufhören, mich mit anderen zu vergleichen und mich einfach so akzeptieren, wie ich bin.

Liebst Du deinen Körper, liebst Du Dich selbst - diese Message möchte das Fotoprojekt rüberbringen. | Bild: jennimachtfotos.de

Dazu hat übrigens auch unser Projekt beigetragen - all diese wunderschönen und natürlichen Frauen vor meiner Kamera so frei und locker zu sehen, so viele Frauen, die zusammen, statt gegeneinander arbeiten, das hat unglaublich gut getan.

Wie können wir mehr gegen dieses Problem tun?

Einfach mal ein bisschen netter sein. Gemeinschaft statt Rivalität, nicht immer nur das Schlechte sehen und kritisieren, einfach mal auf die schönen Dinge fokussieren, vielleicht sogar ein paar Komplimente verteilen, egal ob es die beste Freundin oder eine wildfremde Person in der Straßenbahn ist.

Und vor allem: netter zu sich selbst sein. All die oben genannten Dinge lassen sich nämlich auch wunderbar auf sich selbst anwenden.

Was ist Ihr Plan für die Zukunft, auch im Hinblick auf weitere Projekte?

Wir planen das Projekt in Zukunft weiter auszubauen - neben weiteren Ausstellungen, die deutschlandweit reisen werden sind ein Buch über das Projekt, sowie ein Podcast zum Thema "Dein Körper ist genug" geplant.

Außerdem werden wir noch weitere Bilder und Geschichten von noch mehr Frauen und auch erstmals Männern dokumentieren. Wir möchten mit unserem Projekt gerne noch viel mehr Menschen erreichen und bestenfalls zum Umdenken anregen.

Was können Sie den Frauen (und auch den Männern) da draußen zum Schluss mit auf den Weg geben?

Auch wenn das einfacher klingt als es ist - mehr Selbstliebe! Wir alle haben nur diesen einen Körper. Und er tut die unglaublichsten Dinge, tagtäglich.

Er ist unser Zuhause, arbeitet in jeder Lebenslage so gut er kann für uns - warum sollten wir also ständig gegen ihn arbeiten und uns Gründe einfallen lassen, warum er, warum wir, nicht gut genug sind? Stattdessen einfach mal sich selbst "Danke" sagen und im Spiegel anlächeln, ein bisschen Selbstverliebtheit ist nämlich sogar gesund.

Seinen eigenen Körper zu akzeptieren macht glücklich, wie in dem Fotoprojekt von Jennifer Siegel und Caroline Hopp zu sehen ist. | Bild: jennimachtfotos.de

Zum Abschluss noch ein Zitat einer unserer Teilnehmerinnen, Caroline Gugu, die uns nun auch im Orga-Team unterstützt: "Jeder Körper - auch deiner - trägt seine persönliche Geschichte mit sich. Die Liebe zu dir und deinem Körper macht dich authentisch, unverwechselbar und wunderschön."

Hintergrund

Jennifer Siegel ist eine von zwei Fotografinnen, welche 20 Frauen im Rahmen des Projekts "Dein Körper ist genug" fotografiert haben. Initiatorin der Fotoreihe ist Caroline Hopp. Alle mitwirkenden Frauen wollen eines: Ein Zeichen gegen den Diät- und Schönheitswahn setzen.

Alle Bilder sind in der gleichnamigen Ausstellung zu sehen: Vom 1. März bis 24. April im Tourismus-, Kultur- und Besucherzentrum Weissenburger Tor in Germersheim.
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Kommentare (14)
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  •   FG1961
    (371 Beiträge)

    10.03.2020 06:09 Uhr
    OhneMich
    #OhneMich
    Solange sich Frauen als das schöne Geschlecht gerieren, bleibt die #MeToo-Debatte oberflächlich. Modedesigner, Politiker, Schulen: Helft mit, Ungleichheit abzuschminken!
    #OhneMich
    Meine Meinung!
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  •   hajmo
    (4225 Beiträge)

    08.03.2020 17:12 Uhr
    Fotografenschwemme
    Jeder der eine Kamera richtig halten kann, nennt sich mittlerweile Fotograf. Hat eigentlich nichts mehr mit dem künstlerischen "Lehr"-Beruf von früher zu tun. Die Kamera macht fast alles alleine und den Rest erledigt Fotoshop. Fehlt nur noch die Motivklingel. Obwohl, da die Filme ja nicht mehr gebraucht werden, macht man 100-te Fotos - eines wird schon was werden.
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  •   Route66
    (2716 Beiträge)

    08.03.2020 13:40 Uhr
    Tolles und wichtiges Projekt
    was aktiv und positiv dem ganzen Schönheitswahn und Influencertum entgegentritt. Bravo!
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  •   peddersenn
    (1029 Beiträge)

    08.03.2020 12:39 Uhr
    Ein Problem von Frauen - unter Frauen
    Man kann doch nicht mehr voneinander verlangen, als daß man anständig durchs Leben geht. Ein paar Falten oder Fältchen da hier und da sind doch da völlig egal.

    Die Summe muß einem selbst einigermaßen gefallen - und andere haben da genau NIX mitzureden - und wenn man sich ne Anforderungsliste bastelt, die die eigenen Möglichkeiten völlig übersteigt, dann ist man eben frustriert - aber warum sollte man sich so ne Liste basteln?

    Es ist zu wünschen, daß der eine Teil der Menschheit, der eher nicht gewillt ist, solchen von außen herangetragenen Vorstellungen zu entsprechen, noch ein Weilchen durchhält.

    Und Grundsätzlich gilt : GUT sein ist - in vielerlei Hinsicht - immer besser als SCHÖN sein.
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  •   kunvivanto
    (253 Beiträge)

    08.03.2020 11:25 Uhr
    Die äußeren Attribute sind nicht alles
    Dazu ein Erlebnis vor ein paar Jahren:

    Ich saß in der Bahn einer jungen Frau gegenüber. Auf den ersten Blick "ganz hübsch", aber sie hatte irgendwie eine besondere Ausstrahlung. Auf den zweiten Blick zahlreiche Abweichungen von den gängigen Schönheitsidealen. Aber da sie nicht "zurechtgemacht" war, nicht geschminkt, ja nicht mal Nagellack, fügte sich alles trotz der "Mängel" im Detail zu einem natürlichen, positiven Gesamtbild.
    Was aber das Eigentliche war, das ihr eine besondere Attraktivität verlieh, erkannte ich erst nach einer ganzen Weile:
    Die Mundwinkel gingen selbst im entspannten Zustand leicht nach oben, und ließen so eine positive Lebenseinstellung erkennen. Unbewusst signalisiert, unbewusst wahrgenommen, aber äußerst wirksam.

    Positive Lebenseinstellung – billiger als Makeup, und doch vieeel wirkungsvoller.
    Gilt natürlich ebenso für Männer (statt übertriebenem Muskel­training).
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  •   ALFPFIN
    (7396 Beiträge)

    08.03.2020 09:42 Uhr
    Schon
    Helena ist in der griechischen Mythologie als Frau von außergewöhnlicher Schönheit beschrieben worden,
    durch die sie auf viele Männer hochattraktiv wirkte. Auch Nofretete entsprach dem Schönheitsideal im alten Ägypten. Dieses Schönheitsideal wirkt bis heute nach.
    Wichtig ist, selbstbewusst sein und sich so annehmen wie man ist und aussieht.
    Mal eine Frage als Frau an die Fotografinnen, wie so "mussten" die Frauen ihren Busen mit den Händen bedecken? Hakt es da ein bisschen an der Selbstliebe? 😉

    Übrigens wenn wir jungen Frauen uns kritisch beäugten , dann sagte man, wie siesch'n du heut aus,
    man musste aber nicht in Bodyshaming Depressionen verfallen. 😊
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  •   AlterMann
    (193 Beiträge)

    11.03.2020 12:29 Uhr
    Bei Männer erlaubt
    Sie wissen doch, nur Männer dürfen jederzeit und überall ihre Brüste und Brustwarzen zeigen.
    Frauen müssen sich bedecken. Selbst wenn nur mal was durch die Kleidung durch erkennbar ist dann ist das schon ein Skandal.
    Dabei sind Männer und Frauenbrüste biologisch betrachtet identisch.
    Ich weiß auch nicht warum die Frauen heutzutage sich das gefallen lassen, zumal das ja schon mal anders war. Sendungen wie Tutti-Frutti oder die Fa-Werbung der 70er wäre heute undenkbar.
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  • unbekannt
    (87 Beiträge)

    08.03.2020 08:32 Uhr
    Bahnbrechend....
    Sex sells... *rolleyes
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  •   FG1961
    (371 Beiträge)

    08.03.2020 07:55 Uhr
    Schönheit = "physische Attraktivität"
    Der Satz lautet: "Attraktivität liegt definitiv nicht im Auge des Betrachters."
    Schönheit ist leider nicht subjektiv, sondern hat einen Wert, der in Studien gemessen werden kann,
    auf allen Kontinenten, in allen Gesellschaften kommen in etwa die gleichen Ergebnisse heraus.
    Zumindest, wenn es darum geht, was Menschen an Frauen schön finden.
    Vermutlich liegt ein "genetisches" Muster vor.
    Daraus folgt "Attraktivität" im Sinne, dass die Nachkommen gesund und stark sind.
    Es geht um die Fortpflanzung, um die Erhaltung der Spezies, insbesondere der "starken" Kinder
    Mann -> Frau: Gesund & Fit für die Geburt und Aufzucht der Kinder.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12020 Beiträge)

    08.03.2020 07:31 Uhr
    bin ich ein Sonderling,
    weil ich nicht tätowiert bin?
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