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Karlsruhe Für Europawahl in der Fächerstadt tritt CDU-Abgeordneter Daniel Caspary erneut an: "Ich hatte zu Beginn meiner Arbeit keine Idee von Europa!"

Alle fünf Jahre wählt ganz Europa ein neue Parlament, über 700 Abgeordnete werden Ende Mai gewählt. Einer von 96 deutschen Politikern, die aktuell im EU-Parlament sitzen, ist Daniel Caspary. Er vertritt den Regierungsbezirk Karlsruhe, hat sein Wahlkreisbüro in Weingarten und ist der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament. Hinter dem Politiker Daniel Caspary steht aber auch ein Mensch. Ein Interview mit ka-news.

Er ist Jahrgang 1976, verheiratet und hat vier Kinder. Gebürtig kommt Daniel Caspary aus Stutensee, lebt mit seiner Familie aber in Weingarten. Der Europaabgeordnete für den Wahlkreis Karlsruhe sitzt seit 2004 für die CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, mal in Straßburg, mal in Brüssel. Im Mai möchte sich der 42-Jährige erneut zur Wahl stellen. 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag oder eine Woche bei Ihnen aus?

Das schöne ist: Fast jede Woche ist bei mir anders. Aber meistens geht es Montagmorgen gegen 5 Uhr los Richtung Berlin zum CDU-Präsidium um sich zum Wochenauftakt abzustimmen. Dann, meistens am Nachmittag, von Berlin nach Brüssel oder Straßburg. Da bin ich in der Regel bis Donnerstag. Am Donnerstagabend oder Freitag nehme ich noch Termine im Wahlkreis wahr. Den Sonntag versuche ich für meine Familie so gut es geht freizuhalten. Das ist so die klassische Woche für mich.

 

 

Einen typischen Arbeitstag im Büro hingegen gibt es nicht. Auf der einen Seite gibt es Sitzungen, die gehen auch mal länger. Wenn wir 34 Abgeordnete von der CDU/CSU zusammensitzen, dann nimmt man sich auch mal eine Stunde Zeit um Themen durchzudiskutieren. Es gehört aber auch dazu, viel mit den Kollegen im Gespräch zu sein - oft auch, indem man einfach über die Flure geht.

Abgeordneter Europäisches Parlament Daniel Caspary
Daniel Caspary, Abgeordneter für die CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament im Gespräch mit ka-news-Redakteurin Anya Barros. | Bild: ka-news

Ich nenne es "Management by Walking", so kann man viel auf dem kleinen Dienstweg klären. Der andere Teil besteht daraus, möglichst viele Sitzungen mitzunehmen und möglichst viele Gespräche zu führen. Gerade bei uns im EU-Parlament, wo es nicht die klassische Opposition gibt, sondern wo man für jedes Dossier eine neue Mehrheit braucht. 

In welchen Ausschüssen im EU-Parlament sind Sie beteiligt? 

Ich mache im Moment nur einen Ausschuss, den für Internationalen Handel. Da geht es um das Thema wie wir Globalisierung gestalten, nach welchen Regeln können unsere Unternehmen ihre Produkte auf der ganzen Welt verkaufen. Nach welchen Regeln können Produkte aus der ganzen Welt zu uns kommen.

Europäisches Parlament Straßburg
Parlamentsgebäude in Straßburg | Bild: Europäisches Parlament

Das ist ein großes Thema wenn man sich anschaut, dass etwa drei Viertel der baden-württembergischen Industrieproduktion nicht in Deutschland verkauft wird sondern im Ausland. Das ist extrem wichtig. Und als Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe muss ich viel koordinieren. Das kostet manchmal Zeit und deswegen sind wir fast die ganze Woche weg sind, immerhin haben wir 43 Sitzungswochen im Jahr.

Was macht am meisten, was am wenigsten Spaß?

Am meisten Freude machen mir gar nicht unbedingt die großen Sachen, sondern wenn die 'normale' Bürgerin in meine Sprechstunde kommt mit einem Problem und ich dann helfen kann, wenn man sich zwei oder drei Wochen dahinterklemmt und versucht Kontakte herzustellen. Da sieht man, das man an einem großen Projekt mitarbeitet aber es auf der anderen Seite gelingt, dem normalen Bürger mit einem ganz alltäglichen Problem weiterzuhelfen.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, für das EU-Parlament zu kandidieren? 

Für mich war das eher überraschend 2004. Ich war ganz normal im Beruf, und für mich war bis dahin Politik ein Hobby, das mich zwar begeistert hat, aber mehr nicht. Zum einen war ich Mitglied im Gemeinderat in Stutensee, zum anderen Bezirksvorsitzender der Jungen Union. Und dann kam 2003 die Frage auf, wer kandidiert für das europäische Parlament, weil die beiden amtierenden Abgeordneten mit 68 und 69 Jahren gesagt haben, dass sie aufhören wollen.

Abgeordneter Europäisches Parlament Daniel Caspary
Daniel Caspary zu Besuch in der ka-news-Redaktion. | Bild: ka-news

Mir ging es wie glaube ich den allermeisten: Europa war für mich weit weg und was die da im Parlament zu melden oder zu tun haben, davon hatte ich gar keine Ahnung. Ich gebe offen zu: Ich war bis dahin nicht derjenige, der von Europa ein großes Bild hatte. Meine Themen waren eher die kommunalen Themen. Deswegen ist es mir seitdem ein Anliegen, wie wir es schaffen, das Thema Europa bei den Leuten in den Köpfen zu verankern, gerade bei den jungen Menschen.

Wie viel Kontakt haben Sie zu den Bürgern?

Das ist mir wichtig, denn ich habe selber erfahren, bevor ich Abgeordneter wurde, dass Europa für mich sehr weit weg ist. Deswegen sehe ich im Schnitt über das Jahr mindestens eine Schulklasse pro Woche. Der Austausche und das Gespräch liegt mir sehr am Herzen, das ist das, was mir am meisten fehlt. Wenn wir als Gemeinderat etwas entschieden haben, dann hat man gleich die Rückmeldung beim Bäcker bekommen. Das ist im Europäischen Parlament etwas anders. 

Abgeordneter Europäisches Parlament Daniel Caspary
Daniel Caspary zu Besuch in der ka-news-Redaktion. | Bild: ka-news

Welche Entscheidungen, die Sie getroffen haben, betreffen Karlsruhe direkt? 

Ein praktisches Projekt, da habe ich eine Rolle gespielt, war am KIT-Campus Nord. Da sitzt das Europäische Institut für Transurane. Das bekommt einen Neubau für etwa 40 Millionen Euro, das habe ich vor fast zehn Jahren mit aufs Gleis gebracht. Das andere: Wir hatten die Diskussion vor etwa fünf Jahren über den Fortbestand der Europäischen Schule. Da ist es uns gelungen, die Schließung der Schule zu verhindern. Das sind die Sachen, die sichtbar sind.

Abgeordneter Europäisches Parlament Daniel Caspary
Daniel Caspary im Europäischen Parlament. | Bild: European Union 2018-EP/Photographer

Sonst ist es genau das Problem, das wir in Europa haben: Wir geben eher den Rahmen vor. Wenn es dann beispielsweise um europäische Regionalförderung geht. Da bin ich dabei, dass europäische Sozialprojekte eine Chance in Karlsruhe haben.

ka-news Hintergrund: 1979 wurde das Europäische Parlament zum ersten Mal gewählt, die Wahl 2019 ist die neune Europawahl. Vom 23. bis 26. Mai sind rund 400 Millionen EU-Bürger aufgerufen, ihre Stimme für einen Kandidaten abzugeben. Die deutschen Wähler werden am Sonntag, 26. Mai, zur Urne gehen. 

Aktuell sitzen für die Bundesrepublik 96 Abgeordnete in Straßburg, das ist die Höchstzahl für Mandate aus einem Land. Aus Baden-Württemberg kommen zehn Abgeordnete, darunter Bernd Kölmel (EKR) und Daniel Caspary (CDU). Insgesamt gibt es in der aktuellen Legislaturperiode 751 Abgeordnete. Diese verteilen sich auf acht Fraktionen. 25 Parteien standen im Mai 2014 zur Wahl.

Die Wahlbeteiligung lag in Deutschland bei 48,1 Prozent, europaweit bei 42,6 Prozent. Jeder Wähler hat nur eine Stimme, die Kandidaten werden in Direktwahl gewählt. Die EU-Parlament ist das einzige Organ, das direkt von den Wählern gewählt wird. 

Das Europäische Parlament entscheidet zusammen mit dem Europa-Rat über die EU-Gesetze und den Haushalt. Es überwacht die Arbeit der Komission und der anderen EU-Einrichtungen. Es arbeitet eng mit den nationalen Parlamenten der Mitgliedsstaaten zusammen, damit diese sich einbringen können.  
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Kommentare (11)
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  •   malerdoerfler
    (5136 Beiträge)

    25.02.2019 00:03 Uhr
    Nein, bitte nicht!
    Welch ein Outing gleich in der Überschrift!

    Alle Politikervorurteile werden damit nur bestätigt.
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  •   santana
    (1070 Beiträge)

    24.02.2019 18:41 Uhr
    Größenwahn in Deutschland
    700 Abgeordnete werden gewählt für ganz Europa, mit ca. 500 Mio. Einwohnern. Soviele Abgeordnete hat auch Deutschland mit gerademal 80 Mio. EW. Da sieht man mal wieder, wie aufgeblasen unser Parlament ist und was das den Steuerzahler kostet.
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  •   Rino
    (275 Beiträge)

    24.02.2019 17:50 Uhr
    Mitläufer
    Dieser Herr ist für TTIP, Ceta, Jefta und wie diese Ausbeuter-Programme alle heissen.
    Ein Mitläufer ohne eigene Meinung und Charakter, weiss nur wie man sich selbst die Taschen vollmacht.
    Meine Stimme bekommt diese Figur und generell von den Schwarzen garantiert niemand.
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  •   teflon
    (2618 Beiträge)

    24.02.2019 13:18 Uhr
    "Ich hatte zu Beginn meiner Arbeit keine Idee von Europa!" dafür
    aber eine gute Idee, wie ich mit wenig Aufwand viel Geld machen kann.Man muss sich nur seine private Hütte anschauen und dann versteht man, wie auch ein Schulz ohne grossen Aufwand zum Millionär geworden ist (was heisst, das das Parteibuch völlig egal ist). Diese EU ist ein sauteures & krankes Konstrukt, was sich nur ein abgefeimter Berufspolitiker so ausdenken kann. Wir sollten schnellstens wieder zurück zu einer Kern-EWG, die keinen Anspruch auf ein politische Europa erhebt, sondern sich auf die wirtschaftliche Harmonisierung kümmert. Und dafür braucht man keine Caspary´s, die bei Merkelmutti um Erlaubnis fragen müssen, um eine eigene Meinung haben zu dürfen
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  •   Irgendwas_mit_Medien
    (648 Beiträge)

    24.02.2019 13:14 Uhr
    Ist das denn jetzt mittlerweile wenigstens besser geworden?
    Also das mit der Idee von Europa?
    Ich zB. wusste schon in der Grundschule, dass Europa ein Kontinent ist. Ich wusste allerdings nicht, dass es da (hochdotierte) Jobs gibt, über die man "keine Idee" haben muss, wenn man sie beginnt. Und dass man so einen Job überhaupt unter diesen Vorraussetzungen kriegen kann.
    Ich war damals noch der Meinung, dass, wenn man Geld bekommt, man dafür was machen muss, von dem man Ahnung hat. Für mich war allerdings auch Europa niemals "weit weg", wie gesagt, Grundschule, Kontinent, auf dem wir wohnen und so...
    Europa ist für die "meisten" weit weg. Für Nichteuropäer stimmt das wohl. Genau überlegt scheint das wirklich trivial, wenn man bedenkt, das Europa sagen wir rund 500 Mio Einwohner hat, auf der Welt aber rund 7,5 Mrd leben...
    Und jetzt hab ich genug Zeit vergeudet 🤣 . Das passiert, wenn man den Begriff Europa plötzlich umdeutet. Sch...Framing.
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  •   alpinium
    (5589 Beiträge)

    24.02.2019 13:07 Uhr
    Artikel 13 Befürworter
    dürfen nicht mehr ins EU-Parlament gewählt werden! Zensur Partei CDU
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  •   Der_Sprayer
    (281 Beiträge)

    24.02.2019 12:42 Uhr
    Die heutige EU
    ist ein geldvernichtendes Bürokratiemonster, das nur den Konzernen nutzt, aber von den arbeitenden Bürgern bezahlt werden muss. Deshalb zurück zur EWG und nationaler Selbstverwaltung, dann haftet jeder Staat wieder selbst für den wirtschaftlichen Unsinn, den deren Regierung anstellt, siehe Griechenland und andere.
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  •   Der_dunkle_Turm
    (454 Beiträge)

    24.02.2019 11:14 Uhr
    Schleimiger Abkassierer
    mit schlecht sitzende Krawatte. CDU eben.

    Kann der auch mit Händen und Füssen arbeiten?
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  •   Ein_Wanderer
    (314 Beiträge)

    24.02.2019 10:42 Uhr
    Mutti-
    Mitläufer...
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  •   ALFPFIN
    (6512 Beiträge)

    24.02.2019 10:34 Uhr
    Da müssten sie aber
    in der EU ganz oben anfangen, gut der Juncker geht jetzt altershalber, sozusagen zwangsweise. Aber die Nachrücker in den obersten Etagen sind auch immer Altgediente. Allerdings unerfahrene "Jungspunde" wären wohl auch noch an der falschen Stelle.
    Viel gravierender ist es nach meiner Meinung, dass man einige Staaten aufgenommen hat, die nur wegen des Geldsegens zur EU wollten, siehe einige Ostblockstaaten. Ansonsten machen sie so korrupt weiter wie bisher. Griechenland und Italien sind Wackelkandidaten.
    Man hätte die ehemalige Wirtschaftsunion beibehalten sollen, auch die eigenen Währungen. Eine gute wirtschaftliche (gemeinschaftliche) Zusammenarbeit wäre auch in einem erweiterten Staatenbündnis möglich gewesen. Wer aber dann leichtsinnig über seine Verhältnisse gelebt hätte, wäre dafür eigenverantwortlich. Die heutige EU, also alle für einen, einer für alle, ist kopflastig. Die "Einen" kann man maximal an 3 Fingern aufzählen. Das wird auf Dauer nicht zu halten sein.
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