55  

Karlsruhe Frustrierter AVG-Fahrer packt aus: Betriebsklima ist vergiftet

Bei der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) hängt wohl der Haussegen schief: S-Bahnfahrer Sebastian Falk, der seinen richtigen Namen lieber nicht veröffentlicht sehen möchte, arbeitet seit kurzer Zeit für die AVG. Doch was er innerhalb dieser "kurzen Kennenlernphase" schon erleben musste, lasse sich fast nicht in Worte fassen, beklagt er gegenüber ka-news. Das Arbeitsklima sei vergiftet, behauptet er. Die AVG widerspricht.

"Die derzeitige Stimmung bei der AVG ist sehr geladen und die Belastbarkeit der meisten Fahrer ist ausgereizt", so S-Bahnfahrer Falk. Viele Fahrer müssten Überstunden schieben, um dem akuten Fahrermangel gerecht werden zu können. Freiwillig würde das aber geradezu niemand mehr machen. "Jeder ist froh um einen Ruhetag, weit weg von der Arbeit und dem zunehmenden Stress."

Fahrer werden zum Frust-Ventil

Der Stress entstehe vor allem dadurch, dass aufgrund der vielen Baustellen in der Region die Fahrer mit vielen Verspätungen zu kämpfen hätten. Die führende Geschäftsebene würde diese Probleme aber nicht gelöst bekommen.

Falk fordert, die Fahrzeiten in der Innenstadt etwas zu entschärfen und die Fahrer früher über Baustellen zu informieren - dies geschehe nach seinen Angaben häufig erst einen Tag vorher. Mit mehr Informationen könnten die Fahrer viel entspannter fahren und der Fahrermangel würde vermutlich auch etwas vermindert werden, so Falk. Die Fahrer könnten wieder mehr Freude am Fahren haben und müssten nicht mehr mit der "Angst fahren, dass man bei zu großer Verspätung gar keine Pause und noch mehr Stress hat."

"Das Schlimme an derartigen Fehlern in der Planung ist für die Fahrer, dass sie vor Ort sind und für den Frust der Fahrgäste als Ventil dienen. Es ist schon sehr unfair, dass die, die nichts dafür können, für die Fehler von anderen gerade stehen sollen", finder der AVG-Fahrer.

Fehlerhafte Planungen und Verspätungen

Als Beispiel nennt Falk eine Situation Anfang Oktober. Am ersten Oktoberwochenende fanden im Bahnhof Rastatt Bauarbeiten an Weichen statt. Daher konnte die Stadtbahn S41 nicht zwischen Rastatt und Kuppenheim verkehren. Als Ersatz fuhren Busse. "Die Fahrgäste haben mir an diesem Wochenende sehr Leid getan", so Falk.

So habe es im Vorfeld gehießen, dass der Übergang von der S-Bahn zu den Bussen gewährleistet sei. In der Realität habe aber weder der Schienenersatzverkehr (SEV) noch die S-Bahn nach Freudenstadt/Karlsruhe gewartet. Der Fehler sei aber nicht bei den Fahrern zu suchen, sondern die Übergangszeiten seien einfach viel zu kurz und undurchdacht gewesen, so die Auffassung Falks. "Man kann doch nicht einen Übergang von nur wenigen Minuten zwischen Bahn und Bus planen, wenn die S-Bahn durch die vielen innerstädtischen Baustellen bedingt fast immer mindestens um fünf Minuten verspätet ist", sagt er.

AVG: Betriebsklima leidet nicht

Auf ka-news Nachfrage erklärt die AVG: "Neu eingerichtete Baustellen in der Karlsruher Innenstadt und in der Region sowie in den vergangenen Monaten ebenfalls aufgrund von Baumaßnahmen häufige Umleitungen bildeten in der Tat für die Fahrer der AVG (aber auch der VBK) eine außergewöhnliche Belastung."

Die Situation habe sich aber stabilisiert, da die Baustellen nun eingerichtet seien und sich der Fahrweg nicht mehr wesentlich ändere. In der Region seien wegen des bevorstehenden Winters nur noch wenige Maßnahmen abzuschließen, so dass auch hier eine Entspannung eintrete. "Dass das gesamte Betriebsklima darunter leidet, ist nicht feststellbar", so die AVG.

Fahrer fürchtet Konsequenzen

Sebastian Falk will nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden, da er Angst hat seinen Job zu verlieren. "Bitte ersetzen Sie meinen richtigen Namen durch einen Fantasienamen, sonst muss ich wohl arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten", befürchtet er.

Erst kürzlich kündigte AVG- und VBK-Geschäftsführer Walter Casazza in einem internen Schreiben an VBK-Mitarbeiter "arbeitsrechtlichen Maßnahmen" an, sollten "innerbetriebliche Probleme und Auffälligkeiten" an die Öffentlichkeit getragen werden. Casazza reagierte damit auf einen Artikel bei ka-news.de, in dem im Rahmen der Streik-Berichterstattung der VBK-Betriebsrat Jean-Claude Durand seinen Unmut über das Unternehmen äußerte und der VBK-Führung mangelndes Fingerspitzengefühl beim Umgang mit Fahrern vorgeworfen hatte.

Sebastian Falk ist nicht der erste Fahrer, der sich in dieser Art gegenüber ka-news.de äußert. Bereitsim April hatte ein AVG-Fahrer in einem Interview  gegenüber ka-news die Arbeitsbedingungen bei der AVG kritisiert.

Siehe auch:

An der GDL-Front: " Wir fahren seit Jahren nur noch auf Überstunden"

VBK-Betriebsrat Durand: Aus Überzeugung für den Streik

Nach ka-news-Bericht: Maulkorb für VBK-Mitarbeiter?

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (55)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  • unbekannt
    (3 Beiträge)

    14.12.2011 13:41 Uhr
    Fahrer werden zum Frustventil
    Ich fahre sehr viel, sowohl mit der AVG, als auch mit den Tram-Linien.
    Man kann sich schon seit längerer Zeit auf keinerlei Fahrpläne mehr verlassen bzw. Anschlüsse aussuchen, die man dann doch nicht erreicht. Dies ist sicherlich durch die vielen Baustellen geschuldet. Die Fahrer, nach dem Motto "die letzten beißen die Hunde" sind hier immer die Dummen, obwohl sie nichts dafür können. Hier müßten die "Großkopferten" endlich reagieren, sei es durch bessere Aufklärung der Reisenden oder aber durch z. B. Herabsetzung des Taktes am Tage von zehn auf fünfzehn Minuten innerhalb des Tram-Verkehrs. Durch die wenigeren Trams (Stadtbahn und Trams behindern sich gegenseitig) würde das alltägliche Durcheinander etwas weniger.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3 Beiträge)

    29.10.2011 15:59 Uhr
    frustierter AVG-Fahrer packt aus
    Macht Euch keine Illusionen: Solange die Stadtväter W.C. die Hand über den Kopf halten, wird er in seinem "Reich" uneingeschränkt schalten und walten können. Sollte es ihm tatsächlich zu heiß werden, geht er nicht ohne fette Abfindung. Die Loser sind
    so oder so letztendlich die Arbeitnehmer und die Bürger von Karlsruhe und Umland.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Freigeist1
    (1412 Beiträge)

    06.11.2011 16:11 Uhr
    KVV/VBK - das wäre sehr schade...
    wenn unser bislang sehr guter Verkehrsverbund durch wen auch immer heruntergewirtschaftet würde. Hier sollten Politiker und Fahrgäste sehr wachsam sein. Das Baustellen-Chaos, unzufriedene Mitarbeiter, etc., das scheinen keine guten Zeichen zu sein.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Crackerjack
    (1418 Beiträge)

    29.10.2011 10:53 Uhr
    Oesterreicher :-)
    Was? Schon wieder einer?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (1673 Beiträge)

    28.10.2011 20:19 Uhr
    das betriebsklima ist nicht nur dort ...
    ... sondern auch bei anderen grossen arbeitgebern des ö.D. in KA vergiftet
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Smallwood
    (1502 Beiträge)

    28.10.2011 19:47 Uhr
    in bester ksc-manier:
    Casazza raus!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   oldschool74
    (310 Beiträge)

    28.10.2011 17:40 Uhr
    Tatsach...
    ...er ist Ösi...Sachen gibts...... zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Petrolhead
    (972 Beiträge)

    28.10.2011 17:53 Uhr
    Dachte
    die Bemerkung Schweizer war ein Scherz.

    Aber das war wohl wirklich ernst gemeint ... ??

    Sachen gibt´s traurig
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Petrolhead
    (972 Beiträge)

    28.10.2011 17:10 Uhr
    Einerseits traurig
    andererseits aber auch gut, dass sich Mitarbeiter der AVG und VBK
    eines stark genutzten Mediums bedienen (können), um Ihren Unmut
    über herrschende Zustände ohne Furcht vor Repressalien zum Ausdruck zu bringen.

    Eigentlich sollten Missstände betriebsintern geklärt werden. Ich befürchte jedoch, dass die Beratungsresistenz des Dr. WC und der ihn umgebenden Personen ein Stadium erreicht haben, dass für viele Mitarbeiter nur noch die Flucht in die Öffentlichkeit über die Medien bleibt.

    Und das sind genau jene, welche Ihren Job gerne machen und sich damit identifizieren

    Doch im Gegensatz zu den Mitarbeitern der VBK/AVG hätte selbst der größte charakterliche Handgranatenwurfstand , im gemeinsamen Wissen über Wahrheiten zur Kombilösung, keinerlei arbeitsrechtliche Konsequenzen seiner disziplinarischen Vorgesetzten zu befürchten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   hambi
    (525 Beiträge)

    28.10.2011 16:34 Uhr
    Betriebsklima
    Ein Freund von mir arbeitet seit 30 Jahren in dem Laden....Casazza hat beim Antritt was von "gutem Betriebsklima - vertrauensvolle/konstruktive Zusammenarbeit" etc. gelabert...seit der das ist wird's lt. meinem Bekannten immer schlimmer....Druck ohne Ende...eine Sintflut an Abmahnungen - auch bei kleinsten Fehlern.....Frust allüberall.....macht den Leuten eigentlich keinen Spass mehr.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.