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Karlsruhe "Fridays For Future": 700 Schüler und auch Eltern zum Klimastreik in Karlsruhe erwartet - Schulen gehen unterschiedlich mit Fehlzeiten um

Schüler verweigern den Schulunterricht und gehen aus Protest gegen die aktuelle Klimapolitik auf die Straße. Am Freitag ist der bislang größte Streik der "Fridays For Future"-Bewegung geplant: In über 100 Städten in Deutschland werden Schüler demonstrieren - auch in Karlsruhe werden 700 Jugendliche erwartet. Unterstützt werden sie von Eltern, die sich unter dem Namen "Parents For Future" für ihre Kinder stark machen. Wie gehen sie und die Schulen mit dem Unterrichtsversäumnis der Schüler um?

Die Klimastreiks der Schüler unter dem Namen "Fridays For Future" sorgen weltweit für Schlagzeilen. Am Freitag steht der erste globale Aktionstag an: In über 90 Ländern der Welt sind Streiks geplant - alleine in Deutschland verweigern in weit mehr als 100 Städten Schüler den Schulunterricht. In Karlsruhe wird am Freitag um 11 Uhr eine Kundgebung der Bewegung auf dem Marktplatz stattfinden - es folgt ein Demonstrationszug quer durch die Innenstadt.

Eigene Kundgebung der Eltern am 16. März

"Ich persönlich rechne mit etwa 700 Teilnehmern", so Johannes Grözinger, Leiter der Schülerbewegung in Karlsruhe. Doch nicht nur Schüler werden erwartet - Auszubildende und Studenten wurden ebenfalls aufgerufen, sich an den Streiks zu beteiligen. Auch Eltern werden an der Demonstration teilnehmen: Unter dem Namen "Parents For Future" machen sie sich für das Engagement der Schüler stark.

Aufruf für die Klimamahnwache am 25.01.2019 in Karlsruhe Marktplatz), Germany,GER, Europe
Schüler versammeln sich zu einer Kundgebung zum Umweltschutz. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Die Karlsruher Gruppe der Protestbewegung der Eltern ruft für den kommenden Samstag, 16. März, zu einer eigenen Kundgebung auf dem Marktplatz auf. "Wir möchten auch Beruftstätigen, die freitags arbeiten müssen, Gelegenheit geben, sich mit uns zu engagieren", sagt Ingo Laubenthal von "Parents For Future" Karlsruhe im Gespräch mit ka-news.

"Wir können Schülern nicht vorschreiben, wie sie sich für den Klimaschutz einsetzen"

Es wird aber auch immer wieder Kritik zu den Veranstaltungen laut - vor allem in Bezug auf das Fernbleiben der Kinder vom Unterricht. Wie sollen Schulen damit umgehen, wenn Schüler schwänzen, um sich für ihre Zukunft einzusetzen? Im Februar empfahl das Kultusministerium Baden-Württemberg in einem Brief an alle Schulleitungen, das Unterrichtsversäumis wie "normales" unentschuldigtes Fehlen zu handhaben.

"Parents for Future" appellierte daraufhin in einem offenen Brief an Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann, die Schüler stärker zu unterstützen - anstatt sie für ihren Einsatz zu sanktionieren.

Fridays For Future Aushang am Kronenplatz
Fridays For Future Flyer an der Haltestelle Kronenplatz. | Bild: Kube

"Allgemein finde ich, dass wir Schülern nicht vorschreiben können, wie sie sich für den Klimaschutz einsetzen. Würden sie samstags demonstrieren, bekämen sie weniger Aufmerksamkeit", sagt Ingo Laubenthal. "Ich habe eine Tochter in der Oberstufe und weiß, dass Schule zu verpassen keinen Spaß macht. Die Schüler müssen ja zusätzlich etwas leisten und den Stoff nacharbeiten," so Laubenthal weiter.

Schulen handhaben Fehlzeiten unterschiedlich

Rüdiger Stein, Leiter des Schulamtes Karlsruhe, ist bei der Frage, wie mit dem Unterrichtsversäumnis der Schüler umgegangen werden soll, auf Seiten der Landesregierung: "Grundsätzlich ist das Interesse und der Einsatz der Schülerinnen und Schüler zum Thema Klimawandel meines Erachtens sehr zu begrüßen," äußert er sich auf Nachfrage von ka-news. Ihm sei jedoch kein Grund bekannt, warum die Demonstrationen unbedingt während der Unterrichtszeit stattfinden müssten. "Eine Befreiung vom Unterricht für die Demonstration ist deshalb aus meiner Sicht nicht möglich", führt er fort.

Fridays For Future
Weltweit demonstrieren Schüler für eine konsequente Klimapolitik. (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/) | Bild: Jörg Farys / Fridays for Future

Dennoch gehen die Schulen unterschiedlich mit dem Fehlen der Schüler um: "Einige Schulen dulden es, wenn wir den Schülern eine Teilnahmebescheinigung geben", so Johannes Grözinger aus dem "Fridays For Future"-Organisationsteam Karlsruhe. Ihm seien auf der anderen Seite auch Fälle bekannt, bei denen Schüler für die versäumte Unterrichtszeit nachsitzen mussten.

Die Frage, wie mit dem Bestreiken des Schulunterrichts umgegangen werden soll, ist also noch nicht abschließend geklärt. Wie soll das politische Engagement der Schüler mit der Schulpflicht in Einklang gebracht werden? Die internationalen Streiks der Bewegung am Freitag, 15. März, werden dieses Problem erneut aufwerfen.

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  •   SagMalWas
    (321 Beiträge)

    15.03.2019 13:40 Uhr
    Arbeitsplaetze
    Haette VW mal mehr auf "die Gruenen" gehoert und nicht blind mit "weiter wie bisher" das Unternehmen mit Investitionen in nicht zukunftsfaehige Technologien (und nebenbei mit asozialem und illegalem Handeln) fast an die Wand gefahren, dann koennte es jetzt eventuell anders aussehen.

    Diese 'Krise' ist hausgemacht, einzig und allein in der Verantwortung der Autohersteller/Manager. Wer aufgrund kurzfristiger Ziele die Realitaet (und Gesetze) ignoriert und Innovationen versaeumt, hat eben das Nachsehen.
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  •   Pilsi57
    (296 Beiträge)

    15.03.2019 14:23 Uhr
    Ist ja soweit alles richtig
    nur wer glaubt Peugeot, Renault, Fiat und die Japaner und Koreaner sind Waisenknaben, glaubt an den Weihnachtsmann.
    Es geht nicht alleine um die Autoindustrie. In China ist man z.B mit Elektrobussen um Lichtjahre weiter als in D.
    Noch eines, alles lesen. Das mit VW war nur ein Beispiel.
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  •   Grumberekicker
    (26 Beiträge)

    15.03.2019 11:48 Uhr
    Die Schüler haben Recht!
    Wenn man sieht wie viel Unterricht aufgrund einer supper Bildungspolitik das ganze Jahr über ausfällt so finde ich es nicht weiter schlimm wenn die Jugendlichen für eine lebenswerte Zukunft auf die Strasse gehen. Ich denke die Politiker wissen auch das dies die Wähler von morgen sein werden. Das hier in Kommentaren die Sinhaftigkeit dieser Proteste angezweifelt werden macht einem schon fassungslos.
    Ich werde jedenfalls meine Kunder dazu ermuntern sich an den Demos zu beteiligen, damit endlich ein Umdenken bei unseren Regierenden erfolgt.
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  •   maehdrescher
    (1105 Beiträge)

    15.03.2019 12:05 Uhr
    Bildungspolitik
    Ja. Die Folgen des Unterrichtsausfalls kann man ablesen.
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  •   Grumberekicker
    (26 Beiträge)

    15.03.2019 13:09 Uhr
    Bildungspolitik
    Lieber weniger Bildung, dafür auch weniger Ignoranz!
    Hoffe stimmt so!
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  •   SagMalWas
    (321 Beiträge)

    15.03.2019 10:19 Uhr
    Muendigkeit und Selbstaendigkeit
    Solange die Schueler aus eigener Entscheidung und auch informiert sich dafuer entscheiden, an der Demo teilzunehmen, sehe ich das nur positiv.

    In der Schule habe ich viel gelernt und noch viel mehr auch gleich wieder vergessen. Was die Schule (hoffe es ist heute anders!) vielen jungen Menschen beigebracht hat ist sich an Regeln zu halten, ein angepasstes Leben zu fuehren und Dinge nicht zu hinterfragen.
    Was ich nicht wirklich gelernt habe ist selbstaendiges Denken, eigenverantwortliches Handeln, oder gar kritisches Denken. Und das in einem Land, das einst fuer seine "Dichter und Denker" geruehmt wurde.

    Ich wage jetzt mal zu behaupten, dass die Schueler, die an der Demo teilnehmen, auch die Schueler sind, die sich ein Unternehmen als Arbeitnehmer spaeter wuenscht. Menschen, die selbstaendig handeln koennen, die fuer etwas einstehen wollen und nicht alles nur tun, wie es immer schon gemacht wurde.
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  •   maehdrescher
    (1105 Beiträge)

    15.03.2019 12:10 Uhr
    Die meisten dieser Schüler
    werden das eine Weile mitmachen, weil
    a) man so nicht am Unterricht teilzunehmen braucht und
    b) weil es gerade "in" ist.
    Die sind sofort wieder weg, wenn der Hype sich gelegt hat und werden eine ganz normale berufliche Karriere machen.

    Den anderen - das sind die Haupt-Agitatoren - steht eine prächtige Karriere bei der Linkspartei oder den Grünen bevor. Das Gute daran: da kommt es nicht darauf an, wie viel Unterricht man verpasst hat... ein Poltiker muss nur gut schwätzen können, wissen und fachlich können muss er nichts.
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  •   Joerg_Rupp
    (2681 Beiträge)

    15.03.2019 15:02 Uhr
    es ist erschreckend
    wie wenig Sie über den Beruf oder auch nur das Ehrenamt des Politiker*ins wissen
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  •   Der_dunkle_Turm
    (494 Beiträge)

    15.03.2019 16:37 Uhr
    Es ist erschreckender,
    wie wenig es den meisten Politikern vom linken Rand gelingt, die Sinnhaftigkeit ihres Daseins als Politiker zu vermitteln.
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  •   Ein_Wanderer
    (323 Beiträge)

    15.03.2019 15:21 Uhr
    Sie sind
    ja ein Beispiel dafür.
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