153  

Karlsruhe "Fridays For Future": 700 Schüler und auch Eltern zum Klimastreik in Karlsruhe erwartet - Schulen gehen unterschiedlich mit Fehlzeiten um

Schüler verweigern den Schulunterricht und gehen aus Protest gegen die aktuelle Klimapolitik auf die Straße. Am Freitag ist der bislang größte Streik der "Fridays For Future"-Bewegung geplant: In über 100 Städten in Deutschland werden Schüler demonstrieren - auch in Karlsruhe werden 700 Jugendliche erwartet. Unterstützt werden sie von Eltern, die sich unter dem Namen "Parents For Future" für ihre Kinder stark machen. Wie gehen sie und die Schulen mit dem Unterrichtsversäumnis der Schüler um?

Die Klimastreiks der Schüler unter dem Namen "Fridays For Future" sorgen weltweit für Schlagzeilen. Am Freitag steht der erste globale Aktionstag an: In über 90 Ländern der Welt sind Streiks geplant - alleine in Deutschland verweigern in weit mehr als 100 Städten Schüler den Schulunterricht. In Karlsruhe wird am Freitag um 11 Uhr eine Kundgebung der Bewegung auf dem Marktplatz stattfinden - es folgt ein Demonstrationszug quer durch die Innenstadt.

Eigene Kundgebung der Eltern am 16. März

"Ich persönlich rechne mit etwa 700 Teilnehmern", so Johannes Grözinger, Leiter der Schülerbewegung in Karlsruhe. Doch nicht nur Schüler werden erwartet - Auszubildende und Studenten wurden ebenfalls aufgerufen, sich an den Streiks zu beteiligen. Auch Eltern werden an der Demonstration teilnehmen: Unter dem Namen "Parents For Future" machen sie sich für das Engagement der Schüler stark.

Aufruf für die Klimamahnwache am 25.01.2019 in Karlsruhe Marktplatz), Germany,GER, Europe
Schüler versammeln sich zu einer Kundgebung zum Umweltschutz. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Die Karlsruher Gruppe der Protestbewegung der Eltern ruft für den kommenden Samstag, 16. März, zu einer eigenen Kundgebung auf dem Marktplatz auf. "Wir möchten auch Beruftstätigen, die freitags arbeiten müssen, Gelegenheit geben, sich mit uns zu engagieren", sagt Ingo Laubenthal von "Parents For Future" Karlsruhe im Gespräch mit ka-news.

"Wir können Schülern nicht vorschreiben, wie sie sich für den Klimaschutz einsetzen"

Es wird aber auch immer wieder Kritik zu den Veranstaltungen laut - vor allem in Bezug auf das Fernbleiben der Kinder vom Unterricht. Wie sollen Schulen damit umgehen, wenn Schüler schwänzen, um sich für ihre Zukunft einzusetzen? Im Februar empfahl das Kultusministerium Baden-Württemberg in einem Brief an alle Schulleitungen, das Unterrichtsversäumis wie "normales" unentschuldigtes Fehlen zu handhaben.

"Parents for Future" appellierte daraufhin in einem offenen Brief an Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann, die Schüler stärker zu unterstützen - anstatt sie für ihren Einsatz zu sanktionieren.

Fridays For Future Aushang am Kronenplatz
Fridays For Future Flyer an der Haltestelle Kronenplatz. | Bild: Kube

"Allgemein finde ich, dass wir Schülern nicht vorschreiben können, wie sie sich für den Klimaschutz einsetzen. Würden sie samstags demonstrieren, bekämen sie weniger Aufmerksamkeit", sagt Ingo Laubenthal. "Ich habe eine Tochter in der Oberstufe und weiß, dass Schule zu verpassen keinen Spaß macht. Die Schüler müssen ja zusätzlich etwas leisten und den Stoff nacharbeiten," so Laubenthal weiter.

Schulen handhaben Fehlzeiten unterschiedlich

Rüdiger Stein, Leiter des Schulamtes Karlsruhe, ist bei der Frage, wie mit dem Unterrichtsversäumnis der Schüler umgegangen werden soll, auf Seiten der Landesregierung: "Grundsätzlich ist das Interesse und der Einsatz der Schülerinnen und Schüler zum Thema Klimawandel meines Erachtens sehr zu begrüßen," äußert er sich auf Nachfrage von ka-news. Ihm sei jedoch kein Grund bekannt, warum die Demonstrationen unbedingt während der Unterrichtszeit stattfinden müssten. "Eine Befreiung vom Unterricht für die Demonstration ist deshalb aus meiner Sicht nicht möglich", führt er fort.

Fridays For Future
Weltweit demonstrieren Schüler für eine konsequente Klimapolitik. (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/) | Bild: Jörg Farys / Fridays for Future

Dennoch gehen die Schulen unterschiedlich mit dem Fehlen der Schüler um: "Einige Schulen dulden es, wenn wir den Schülern eine Teilnahmebescheinigung geben", so Johannes Grözinger aus dem "Fridays For Future"-Organisationsteam Karlsruhe. Ihm seien auf der anderen Seite auch Fälle bekannt, bei denen Schüler für die versäumte Unterrichtszeit nachsitzen mussten.

Die Frage, wie mit dem Bestreiken des Schulunterrichts umgegangen werden soll, ist also noch nicht abschließend geklärt. Wie soll das politische Engagement der Schüler mit der Schulpflicht in Einklang gebracht werden? Die internationalen Streiks der Bewegung am Freitag, 15. März, werden dieses Problem erneut aufwerfen.

Mehr zum Thema

"Fridays For Future": Globaler Schülerstreik gegen die aktuelle Klimapolitik am 15. März - auch Karlsruhe ist dabei

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (153)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Avatar
    (74 Beiträge)

    15.03.2019 16:17 Uhr
    Wenn Sie das Motto
    nicht nur reden sondern machen ernst nehmen, dann gehen Sie auf die Strasse Einwanderer. Für unsere Umwelt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Der_dunkle_Turm
    (494 Beiträge)

    15.03.2019 16:30 Uhr
    "Auf die Straße gehen" ist ineffizientes Lärm machen Viel Lärm um nichts.
    Suchen Sie sich lieber Betriebe Ihrer Wahl und arbeiten von morgens bis abends gegen den Klimawandel, anstatt sich auf irgend einer Demo ständig selbst auf die Schulter zu klopfen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Avatar
    (74 Beiträge)

    15.03.2019 16:35 Uhr
    Ich glaube
    wir sollten den engagierten Jugendlichen schon selbst überlassen, wie sie ihre Zukunft retten wollen.

    Wenn Sie Ihrem Vorschlag selbst nachgehen wollen, da nur zu. Vielleicht können Sie ja auf der Schiene auch etwas erreichen. Wäre toll.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2681 Beiträge)

    15.03.2019 15:34 Uhr
    mein PC
    läuft mit 100% Ökostrom
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Der_dunkle_Turm
    (494 Beiträge)

    15.03.2019 16:25 Uhr
    Was natürlich ausgemachter Quatsch ist.
    Aus Ihrer Steckdose kommt genauso viel Ökostrom wie bei jedem anderen Abnehmer des Strommixes.

    Fühlt sich für Sie sicher nicht gut an, genauso mit drin zu hängen wie die größten Umweltsünder. Ihr Problem. Hören Sie doch auf, hier Märchen zu erzählen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   richard
    (217 Beiträge)

    15.03.2019 15:15 Uhr
    wir haben es in der Hand
    wenn jetzt gedipfelt wird bringt das niemand etwas.
    Vom Sofa aufstehen und uns bewegen in der Nase bohren und nur am Sofa sitzen bringt wenig.
    Die Jugend bewegt sich und das ist gut so.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Pilsi57
    (296 Beiträge)

    15.03.2019 12:40 Uhr
    Lass sie doch demonstrieren !
    Schaltet die Kohlekraftwerke gleich alle ab, die Gaskraftwerke gliech dazu. Dann versuchen wir mit Wäldern von Windrädern und Feldern von Sonnenkollektoren dies einigermaßen aufzufangen. Der Supergau kommt dann spätestens mit einer 2 wöchigen Inversionswetterlage ohne Wind und Sonne im Winter.
    Schon jetzt bangen Mitarbeiter von Bosch und VW um iher Arbeitsplätze, die 7.000 Stellen, die VW streichen will sind nur ein Muckenschiss was dann kommt. Ergibt explosionsartige Steigerung der Sozialausgaben, usw mit all den negativen Folgen. Wenn man alles zusammenrechnet steht unterm Strich vielleicht 1933.
    Aber die CO2 Ziele hat man erreicht.
    Ist zwar alles überspitzt formuliert, aber D ist schon, was Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung angeht eh schon lange nicht mehr konkurenzfähig, und auf einen absteigenden Ast. Wie stehen schon Konjunkturtechnisch am Rande einer Rezession. Spätestens wenn diese Eintritt ist dieses Thema nebensächlich. Dann geht´s wirklich um die Zukunft.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2681 Beiträge)

    15.03.2019 14:53 Uhr
    es geht
    wie immer um Übergangsfristen, nicht um sofort alles abschalten. Aber wir werden sehr viel weniger Autos brauchen - das wird auch in der Autoindustrie Arbeitsplätze kosten. Aber auch mit Übergangsfristen - sodass man mit Nichtbesetzungen gut rumkommen wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schlaule2
    (30 Beiträge)

    15.03.2019 16:08 Uhr
    die steigenden Zulassungszahlen
    sagen aber eher aus das es in die andere Richtung geht. Singles ziehen in die Städte, Familien zunehmend aufs Land und brauchen dann 2 Autos um in die Stadt zu kommen. Der Verkehr wird in den nächsten Jahren noch extrem zunehmen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Joerg_Rupp
    (2681 Beiträge)

    15.03.2019 16:13 Uhr
    deswegen
    gibt es u. a. die Klimastreiks - damit es anders wird. Und da man bereit war, die ganze Republik wegen 25.000 Dresdnern nach rechts zu verschieben, wird man wohl ohne weiteres wegen 300.000 Schüler*innen endlich anfangen, den Klimawandel zu bekämpfen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 .... 15 16 (16 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.