60  

Karlsruhe Franz-Rohde-Haus: "Karlsruher Gemeinderat ist falscher Ansprechpartner!"

Das knapp 80 Jahre alte Franz-Rohde-Haus in der Weststadt erhitzt die Gemüter. Die evangelische Stadtmission als Eigentümerin will es abreißen, viele Bürger es erhalten. Nun landete das Thema auf der Tagesordnung des Karlsruher Gemeinderats - sicher ist die Zukunft des Baudenkmals aber noch immer nicht.

Es war ein Thema, das alle Fraktionen im Gemeinderat beschäftigte: Wie sieht die Zukunft des denkmalgeschützten Franz-Rohde-Hauses aus? Das von einer Parkanlage umrahmte Gebäude im Stil der 30er Jahre hat die beste Zeit hinter sich. Die Genehmigung zum Abriss liegt dem Eigentümer, der evangelischen Stadtmission, bereits vor.

Ein Neubau soll das sanierungsbedürftige Gebäude, in dem ein Pflegeheim untergebracht ist, ersetzen. Bei der Bevölkerung stößt dieses Vorhaben auf wenig Gegenliebe. Mit einem Antrag brachte die Karlsruher KULT-Fraktion das Thema nun in den Gemeinderat. Die Idee der Fraktion: Der Stadtmission ein anderes Gelände zur Verfügung zu stellen und so das Franz-Rohde-Haus erhalten.

Stadträte bedauern Abriss - sind aber nicht zuständig

In der Debatte zum Antrag im Gemeinderat am Dienstagabend stellt Baubürgermeister Michael Obert klar, dass das Franz-Rohde-Haus zwar ein Denkmal ist, aber die Abrissgenehmigung eine behördliche Entscheidung ist. Selbst wenn sie verweigert worden wäre, so Obert, hätte das Verwaltungsgericht die Genehmigung erteilt. Auch Albert Käuflein (CDU) weist drauf hin, dass der Gemeinderat der falsche Ansprechpartner ist. Die Entscheidung müsse letztlich vom Eigentümer getroffen werden, so der CDU-Stadtrat.

Gemischte Worte kommen von den anderen Fraktionen des Karlsruher Gemeinderats. "Wir bedauern die Rechtslage, aber deswegen musste dem Plan der evangelischen Stadtmission zugestimmt werden", fasst Ute Leidig (Grüne) zusammen. Einen Abriss befürwortet die Grünen-Stadträtin aber nicht: Das Gebäude solle dennoch erhalten bleiben und eine andere Benutzung finden, so ihre Forderung.

Auch die SPD-Fraktion würde das Haus als Denkmal gerne erhalten, aber sieht den Eigentümer in der Pflicht, diese Entscheidung zu treffen. Dem stimmt auch Stadtrat Jürgen Wenzel (Freie Wähler) zu: "Die Lösungsvorschläge sind gut, aber der Eigentümer kann nicht zu einer gezwungen werden". Doch stellt er auch klar, dass die Diskussion ein Weg zum Erhalt der Identität der Stadt ist.

Auch ein Umbau würde Denkmaleigenschaft zerstören

"Das Ringen um Lösungen ist spürbar", gibt Friedemann Kalmbach (GfK) an. Er erinnert in der Debatte aber auch daran, dass dringend Pflegeplätze geschaffen werden müssten. Und genau hier sieht auch der Baubürgermeister das große Problem: "Der Gang ist schmal und nicht barrierefrei, die Nasszellen sind zu großen Teilen auf dem Flur", beschreibt Obert die Lage.

Selbst, wenn das Gebäude im Inneren grundlegend saniert werde, wäre das Problem nicht gelöst - und das architektonische Denkmal von Otto Bartning sei dahin. "Und dann kann es gleich abgerissen werden", gibt Obert zu Bedenken.

Eine endgültige Entscheidung, wie es mit dem Haus weitergehen soll, steht damit nach wie vor aus. Die Stadt hat nach eigener Aussage eine private Fläche für einen Gebäudetausch vermittelt - kann aber weiter nicht eingreifen, da sie selbst keine geeigneten Flächen zur Verfügung hat. Ob das Franz-Rohde-Haus abgerissen oder das Pflegeheim an anderer Stelle untergebracht wird, muss nun die evangelische Stadtmission als Eigentümerin entscheiden.

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im aktuellen Gemeinderat:

Fahren Sie mit dem Mauszeiger einfach über die Sitze und erfahren Sie mehr über die einzelne Stadträte!

Mehr zum Thema:

Gemeinderat tagt: Städteranking, Franz-Rohde-Haus und veganes Essen

Franz-Rohde-Haus: Karlsruher Abgeordneter setzt sich für Erhalt ein

Abriss des Franz-Rohde-Hauses: Bürgerprotest kommt auf die Kinoleinwand

Abriss des Franz-Rohde-Hauses: So will die Kult-Fraktion das Anwesen retten

 Franz-Rohde-Haus: Karlsruher protestieren gegen Abriss des Kulturdenkmals

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (60)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Insider
    (746 Beiträge)

    02.06.2016 14:18 Uhr
    Leserbrief BNN "Das Maß ist voll!"
    Sehr guter Leserbrief zum Thema heute in der BNN. Wer kann sollte ihn lesen. Kann ich voll unterschreiben!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (427 Beiträge)

    02.06.2016 08:31 Uhr
    Vielleicht macht es der kirchliche Eigentümer …
    auch so und stellt wie der eingetragene Verein Rotes Kreuz ein paar altersgerechte Stadtvillen wie an der Hilda Promenade hin, deren Miete sich manch Arbeitnehmer nicht mehr leisten könnte. Alles natürlich im Zeichen im Dienste am Nächsten – dem eigenen Geldbeutel.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6871 Beiträge)

    01.06.2016 14:37 Uhr
    Ich war vor einiger Zeit
    in diesem Haus, um eine pflegebedürftige Nachbarin zu besuchen. Die Nasszellen sind auf dem Gang, ob dies bei allen Zimmern so ist, weiß ich nicht. Das Treppenhaus ist sehr eng, gehbehinderte Menschen können da kaum die Treppenaufgänge benutzen. Von Pflegebedürftigen mit Rollstühlen gar nicht zu reden. Ob da ein Fahrstuhl eingebaut wurde, konnte ich nicht feststellen.

    Es stimmt schon, das Haus entspricht nicht mehr den Anforderungen für pflegebedürftige Menschen.

    Da müssen sich die "Abrissgegner" schon fragen, für was wollen sie das Haus noch nutzen? Würde man das Haus, bezüglich der Räumlichkeiten umbauen, damit diese unseren heutigen Ansprüchen genügen, wäre der Denkmalschutz nicht zu halten.

    Es wurde mal der Vorschlag gemacht, das Haus für Studenten zur Verfügung zu stellen. Wollen Studenten heute noch Appartements mit Toilette und Dusche auf dem Flur? Auch da müsste man innen vollkommen umbauen, zum Beispiel auch Küchen einrichten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (9900 Beiträge)

    01.06.2016 15:24 Uhr
    Stimmt
    Eine andere Nutzung als was auch immer, würde ebenfalls bedeuten,dass man das Haus innen völlig umbauen muss.
    Der Denkmalschutz wäre dann auch weg.
    Und vor allem,wer soll das bezahlen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Insider
    (746 Beiträge)

    01.06.2016 14:45 Uhr
    Künstlerhaus!
    Die von der Stadtverwaltung vertriebenen Künstler hinterm HBF könnten dort sicher gute Bedingungen finden. Ob sie die Miete zahlen könnten oder wollten, steht auf einem anderen Blatt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Vector
    (808 Beiträge)

    01.06.2016 16:33 Uhr
    Stimmt,
    die könnten es dann abrissbereit machen. grinsen

    Aber ich wüsste da noch eine andere Nutzung die vor allem die Nachbarschaft ihre Meinung blitzschnell ändern liesse. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    02.06.2016 13:25 Uhr
    Meinen Sie
    fromme Tanzlehrer und Straßeneckhändler?

    Ich bin mir sicher, die aufrechten Anwohner würden die Chance erkennen und freudig neue Kontakte knüpfen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ALFPFIN
    (6871 Beiträge)

    01.06.2016 17:31 Uhr
    Aber so was von blitzschnell
    Denkmalschutz, des Haus? des kann doch garnet sei. grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kuba
    (1029 Beiträge)

    02.06.2016 14:59 Uhr
    Sozialer Zweck soll beibehalten werden.
    Man könnte dort Asylbewerber unterbringen oder Obdachlose. Das würde die streitbaren Nachbarn sicher erfreuen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Insider
    (746 Beiträge)

    01.06.2016 14:28 Uhr
    Armutszeugnis für Stadtverwaltung und Gemeinderat!
    Und dann bitte nicht beschweren, wenn die Wahlbeteiligung sinkt oder extremistische Parteien gewählt werden. Das eine ist die Rechtslage, die wohl eingehalten wird. Das Andere ist der politische Wille. Und wo ein Wille ist, ist ein Weg. Es geht auch um mehr als nur um das FRH. Es geht darum wie die Stadt mit ihrem historischen Erbe umgeht. Und das ist in den letzten Jahren miserabel gewesen. Der wahrscheinlich Abriss öffnet Türen und Angeln für weitere Objekte, die abgerissen werden könnten. Und in der Vergangenheit schon geschehen sind. Und wie das Verwaltungsgericht geurteilt hätte, weiß Herr Obert auch nicht. Man hätte es darauf ankommen lassen müssen. Dann wäre eindeutige Klarheit. Und Gerichtsurteile haben eine höhere Glaubwürdigkeit als Verwaltungs-/Behördenentscheidungen oder gar Gemeinderatsentscheidungern. Karlsruhe wird eine x-beliebige Stadt und die Verwaltung/Politik bekommt es nicht mit oder akzeptiert dies einfach. Schreckliche Entwicklung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.