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Karlsruhe Frank Mentrup zur OB-Wahl: "Gegen Wellenreuther wäre es einfacher"

Die Karlsruher SPD kürt am 6. März ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl 2012 in Karlsruhe. Auch der Politische Staatssekretär Frank Mentrup bewirbt sich um das Amt. Im Gespräch mit ka-news-Redakteur Moritz Damm erklärt Mentrup, warum es wieder Zeit für einen SPD-Oberbürgermeister in Karlsruhe ist, der künftige OB nicht hier geboren sein muss und ihm CDU-Politiker Ingo Wellenreuther als Gegner lieber wäre.

Herr Mentrup, warum wollen Sie Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe werden?
Ich wurde und werde von vielen Leuten dazu aufgefordert, zur Wahl anzutreten. Ich habe fast 20 Jahre lang Kommunalpolitik in Mannheim gemacht. Jetzt bin ich Karlsruher, lebe hier mit großer Begeisterung und will an verantwortlicher Position mitwirken, diese schöne Stadt gemeinsam mit vielen Menschen weiterzugestalten.

Warum sollten sich Ihre SPD-Parteifreunde am Dienstag, 6. März, im Tollhaus bei der Nominierungsveranstaltung für Sie entscheiden?
Die Mitglieder der SPD sollen sich für mich entscheiden, weil sie mir zutrauen, für alle Menschen in Karlsruhe der richtige Oberbürgermeister zu sein und deshalb die OB-Wahl zu gewinnen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Martin Lenz, dem anderen SPD-Anwärter?
Bei uns findet kein innerparteilicher Machtkampf statt. Unsere Konkurrenz tut der demokratischen Entscheidungsfindung gut und hilft allen Beteiligten, ihre Entscheidung fundiert zu treffen. Ich schätze Martin Lenz als Sozialdezernenten und als sympathischen Menschen. Wie ich selbst gehört auch er keinem Parteiflügel an, das gibt uns beiden eine gewisse Unabhängigkeit.

Karlsruhe gilt als CDU-Hochburg. Warum ist es nach Günther Klotz (OB von 1952 bis 1970) wieder Zeit für einen SPD-Oberbürgermeister in Karlsruhe?
Kommunalpolitik ist traditionell eine Kernkompetenz der deutschen Sozialdemokratie. Das gilt insbesondere für Großstädte. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten hören den Menschen zu, orientieren sich an Zielen wie gesellschaftlichem Zusammenhalt und sozialer Gerechtigkeit. Das Personalangebot der CDU erfüllt das nicht.

Warum nicht?
Wir haben mit Herrn Wellenreuther jemanden, der sich seit Jahren ein bisschen wie ein ungezogener Sohn von OB Fenrich verhält. Politische Schwerpunkte habe ich in den vielen Jahren seines Wirkens im Karlsruher Gemeinderat nicht erkennen können. Frau Mergen ist sicherlich eine fleißige Finanzbürgermeisterin. Der eine arbeitet seit Jahren an persönlicher Profilierung, die andere in ihrem engeren Themenfeld, gesamtstädtische Vorstellungen oder Ideen sind bei beiden nicht erkennbar. Und beide beweisen zur Zeit, dass sie vor allem gut gegeneinander arbeiten können. Wir Karlsruherinnen und Karlsruher aber brauchen für die gemeinsame Zukunft eine Person, die das Augenmerk auf das Gesamte und auf das Gemeinsame richtet. Das kann nur ein Stadtoberhaupt bieten, das von SPD und Grünen gemeinsam getragen wird.

Werden Sie auf die Grünen zugehen und für sich werben?
Ja, ich war kürzlich bei einer Mitgliederversammlung der Grünen und habe mich auch formal als ihren OB-Kandidaten beworben. Die Grünen möchten abwarten, was die SPD macht, und dann entscheiden, wie sie selbst verfahren. Ich habe allerdings den Eindruck, dass meine Bewerbung und mein Ringen um eine gemeinsamen Kandidatur gut angekommen sind.

Sie kommen aus Mannheim und haben Ihren Wahlkreis in Ettlingen. Sie kommen nicht gebürtig aus Karlsruhe. Inwiefern könnte das ein Hindernis bei der Wahl sein?
Mir geht es damit wie 80 Prozent aller Menschen in unserer Stadt, die auch nicht hier geboren und dennoch mittlerweile überzeugte Karlsruherinnen und Karlsruher sind. Und als gebürtigem Badener fällt mir das umso leichter. Ich wohne seit fast fünf Jahren mit meiner Familie in Karlsruhe und habe vier Jahre lang am Karlsruher Klinikum als Arzt gearbeitet. Unsere drei jüngeren Kinder gingen beziehungsweise gehen hier in die Schule. Karlsruhe ist damit in jeder Hinsicht mein Lebensmittelpunkt.

Kürzlich sagte der Politikprofessor Hans-Georg Wehling im ka-news-Gespräch zur OB-Wahl: "Parlamentarischer Staatssekretär, das sagt den Leuten nicht so viel. Die Inhaber dieses Amtes überschätzen häufig ihren Bekanntheitsgrad und den Eindruck, den sie mit ihrem Amt auf die Leute machen." Was sagen Sie zu einer solchen Aussage?
Ich erlebe, dass man mir als Mitglied der Landesregierung mit einem gewissen Respekt begegnet und mir politisch etwas zutraut. Das gilt allerdings überwiegend für politisch sehr interessierte Menschen, andere können mit der Funktion des Staatssekretärs oftmals wenig anfangen. Daher hilft mir dieses Amt im OB-Wahlkampf nur sehr begrenzt. Letztlich geht es darum, wie glaubwürdig mich die Bürgerinnen und Bürger einschätzen. Bis zum Wahltermin gibt es daher noch viel zu tun, um mich vielen persönlich bekannt zu machen.

Sie werden viel Kraft und Engagement aber auch Geld in einen OB-Wahlkampf investieren müssen. Sie haben als Staatssekretär doch einen gute Job. Gehen Sie mit einer Kandidatur nicht ein hohes Risiko ein und setzen Ihre politische Karriere aufs Spiel?
Nein, das glaube ich nicht. Gerade in Stuttgart können alle gut nachvollziehen, dass das Amt des Karlsruher Oberbürgermeisters eine große und einzigartige Herausforderung für mich ist. Von daher ist es nur konsequent, diese Chance jetzt auch zu ergreifen. Sollte es dann nicht klappen, bin ich weiter Staatssekretär und Landtagsabgeordneter.

Was wäre Ihre erste Amtshandlung als neuer OB von Karlsruhe?
Ich werde eine neue Kultur des Gesprächs mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickeln und sie stärker als bisher an kommunalen Entscheidungen beteiligen. Verkehrsentwicklung, die Entwicklung von Karlsruhe als Wohn- und Lebensort, Wirtschaftentwicklung sowie die Entwicklung von Naturräumen und Freizeitangeboten - sie alle konkurrieren zunehmend um die gleichen knapper werdenden Flächen. Dieser Konflikt muss ausdiskutiert und entschieden werden. Gemeinsam muss die Stadtgesellschaft einen Masterplan entwickeln, welche Form der Nutzung in den nächsten zehn bis 20 Jahren an welchen Stellen Vorrang haben soll.

Ingo Wellenreuther oder Margret Mergen - wer wäre Ihnen als Gegner lieber?
Wie ich Herrn Wellenreuther erlebe, wäre es gegen ihn leichter, einen polarisierenden Wahlkampf zu führen. Insofern wäre er für mich der einfachere Gegner. Mit Frau Mergen wäre es wahrscheinlich im zwischenmenschlichen Umgang netter. Doch abseits aller Vorlieben geht es mir ja schließlich darum, Oberbürgermeister von und für Karlsruhe zu werden.

Die Fragen stellte Moritz Damm

Frank Mentrup wurde 1964 in Mannheim geboren und lebt seit 2007 mit seiner Familie in Karlsruhe. Mentrup ist verheiratet und hat vier Kinder. Seit Mai 2011 sitzt er für den Wahlkreis Ettlingen im Landtag. Momentan ist Mentrup Politischer Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. Der 47-jährige Arzt ist seit 1983 SPD-Mitglied und saß auch für die Mannheimer SPD im Gemeinderat und Landtag.

Mehr zur Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe und den übrigen Kandidaten haben wir für Sie in unserem Dossier zur Wahl zusammengefasst.

Mehr zum Thema
Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe: Ergebnisse und Infos zur OB-Wahl 2020 in Karlsruhe. Außerdem: Umfragen und alles zu den Oberbürgermeisterkandidaten. Im Dossier erklären wir zudem das Wahlverfahren und den Ablauf der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe am 6. Dezember 2020. Am Wahltag werden hier außerdem die Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe veröffentlicht.
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  • unbekannt
    (1203 Beiträge)

    27.02.2012 12:00 Uhr
    Frank wer...???
    Bevor dieser völlig farblose Staatssekretär-Wichtigmacher andere sich in und für Karlsruhe durchaus schon einsetzende/erfolgreiche Politiker diskreditieren möchte, sollte er erst einmal seine eigene -äusserst mäßige- Vita betrachten.
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  •   KSC1894
    (441 Beiträge)

    27.02.2012 10:54 Uhr
    Déjà-vu-Erlebnis?
    Karlsruhe ist nicht Mannheim und selbst in ihrer Heimatstadt konnten sie sich 2006 nicht als OB Kandidat der SPD durchsetzen. So nebenbei waren sie noch Fraktionsvorsitzender der SPD. Da waren wohl einige ihrer Genossen nicht wirklich von ihrer Arbeit überzeugt. Selbst wenn sie den größeren Bagger hätten als die anderen, können sie anscheinend nicht damit umgehen.
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  • unbekannt
    (335 Beiträge)

    27.02.2012 08:56 Uhr
    OB für Karlsruhe
    Na Herr Mentrup da stellt sich doch aber eher die Frage wer weniger Kinderstube genossen hat. OB Fenrich oder Herr Wellenreuther. Scheinbar hat nämlich Herr Fenrich auch nicht das Zeugs dazu seinen Parteigenossen so etwas wie Benehmen mit auf den Weg zu geben. Wie heißt es deshalb "der Apfel fällt nicht weit vom Stamm". Und Ihr Interview zeigt eher, dass Sie vielleicht eine wohlbehütete Kindheit hatten, aber Herr Wellenreuther schon im Sandkasten immer den größeren Bagger hatte und sie sowohl damals auch heute mal wieder die Hosen gestrichen vor ihm voll haben.
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  • unbekannt
    (479 Beiträge)

    27.02.2012 16:33 Uhr
    ..oje oje, dat tut weh
    ...wat für ein Niveau..grösserer Bagger...Hosen gestrichen voll...echte Argumente... ist das Wellenreuther Niveau?
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  • unbekannt
    (8066 Beiträge)

    27.02.2012 18:29 Uhr
    Nein, das ist Kindergarten 2.0, Sonnenkindergruppe zwinkern
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