69  

Karlsruhe Frank Mentrup: "Ich habe an über 50 Prozent geglaubt"

Mit einem unerwartet deutlichem Ergebnis wurde Frank Mentrup am 2. Dezember zu Karlsruhes neuen Oberbürgermeister gewählt. Im ersten Teil des ka-news-Interviews spricht er darüber, welche Themen er ab dem 1. März 2013 in Karlsruhe als erstes angehen wird und welche Rolle das Wildparkstadion bei seiner Planung spielen wird.

Herr Mentrup, was ist das für ein Gefühl, wenn man weiß: ab 1. März bin ich Oberbürgermeister dieser Stadt?

Es ist ein erwartungsvolles und spannungsgeladenes Gefühl. Doch ist es natürlich jetzt schon eine spannende Übergangszeit. Zum einen möchte ich die Zeit als Staatssekretär zu einem guten Abschluss bringen. Zum anderen fange ich jetzt natürlich auch an, mich auf das Amt des Oberbürgermeisters vorzubereiten. Ich führe viele Gespräche, treffe viele Menschen. Körperlich überwog die ersten Tage noch das Gefühl völliger Zerschlagenheit nach dem intensiven Wahlkampf. Gleichzeitig empfand und empfinde ich eine tiefe Zufriedenheit. Eine tolle Mischung!

Wie überrascht waren Sie denn, direkt bei der ersten Wahl und dann auch noch mit so einem Vorsprung gewählt zu werden?

Mein Bauchgefühl hat mir ja von Anfang an gesagt, dass es schon bei der ersten Wahl jemand mit knapp über 50 Prozent schaffen kann - und zwar der eine oder der andere. Gerade nach der Veröffentlichung der repräsentativen Umfrage hat man gemerkt, wie stark polarisiert die Menschen sind. Am Samstag vor der Wahl war die Stimmung an den Infoständen dann aber dermaßen gut, dass ich gedacht habe, vielleicht kann es für mich ja bei der ersten Wahl schon reichen. Aber das ist natürlich nichts dagegen, wenn es dann wirklich passiert - und dann auch noch mit dieser Deutlichkeit.

In den vergangenen Wochen wurde immer wieder das vermeintliche Großstadtproblem der CDU diskutiert. Was trifft es eher: Haben Sie die Oberbürgermeisterwahl gewonnen - oder hat eher die CDU und der CDU-Kandidat verloren?

Ich würde natürlich sagen, ich habe gewonnen. Selbst bei einer höheren Wahlbeteiligung hätte es für mich gereicht. Außerdem entspricht das Ergebnis auch in etwa dem, was Grün-Rot bei der Landtagswahl 2011 in Karlsruhe mobilisiert hat. Es hat also nicht nur mit der Personenkonstellation zu tun, sondern spiegelt auch eine strukturelle Situation wieder. Es ist uns einfach optimal gelungen, hier diese hohe rot-grüne Affinität auf einen Kandidaten zu vereinen und zu mobilisieren.

Die Wahlbeteiligung war mit 42,23 Prozent deutlich höher als bei der letzten OB-Wahl im Jahr 2006 - wirklich hoch war sie allerdings nicht. Welche Rolle spielt das für Sie?

Die Wahlbeteiligung finde ich nicht befriedigend. Gerade wenn man sieht, was für ein langer Wahlkampf das war und wie viele Gelegenheiten es gab, die Kandidaten persönlich kennenzulernen. Mein Vorsprung hätte allerdings auch bei 52 Prozent Wahlbeteiligung ausgereicht, selbst wenn die zusätzlichen 10 Prozent alle Herrn Wellenreuther gewählt hätten. Trotzdem müssen wir uns Gedanken machen, wie wir Kommunalpolitik näher an die Bevölkerung herankriegen.

Wie geht es für Sie bis zum Amtsantritt am 1. März weiter?

Auf der einen Seite will ich jetzt keinen Schatten-Oberbürgermeister spielen. Insofern werde ich mich bis zum 1. März mit öffentlichen Meinungsäußerungen zurück halten. Bis einschließlich 28. Februar 2013 heißt der Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Auf der anderen Seite werde ich mich natürlich mit den Dezernenten und den Gemeinderatsfraktionen zusammensetzen und die weiteren Haushaltsberatungen begleiten. Der Haushalt wird am 20. Dezember eingebracht, aber erst im März verabschiedet - also bei der ersten Gemeinderatssitzung, die ich dann als Oberbürgermeister leiten werde und bei der ich dann auch schon den einen oder anderen Schwerpunkt einbringen möchte.

Was werden das für Schwerpunkte sein?

Mir wäre es wichtig, dass wir das Thema Umfahrung Hagsfeld angehen. Dann müssen wir schauen, wie wir den Wohnungsbau und die anstehenden Sanierungen etwa des Klinikums schon jetzt stärker im Haushalt verankern können. Und dann ist natürlich die Sauberkeit vorrangig und - ganz wichtig - das Baustellenmanagement. Das sind die beiden konkreten Themen, für die in den ersten Wochen und Monaten schon ein klares Signal kommen muss.

Wie könnte dieses Signal aussehen?

Beim Thema Sauberkeit werde ich mir zum Beispiel mal die Putzintervalle anschauen und prüfen, was ich hier zu Gunsten der zentralen Straßen und Plätze verbessern kann. Bei den Baustellen wäre das eine entsprechende Stelle im Oberbürgermeisterdezernat, die schnell geschaffen werden muss. Damit sich die bessere Koordination der Baustellen und die bessere Information möglichst schnell bemerkbar machen.

Welche Rolle wird am Anfang das KSC-Stadion spielen?

Beim Stadion ist es mehr eine politische und weniger eine finanzpolitische Entscheidung, die ansteht. Bei den anderen Themen geht es darum, sich schon im Haushalt einen gewissen Spielraum zu schaffen. Beim Thema Stadion möchte ich mich zunächst mit allen Beteiligten zusammensetzen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Ich habe auch schon mit Fans gesprochen und bin für alles offen, auch für ein neues Stadion - wenn es ein entsprechendes Grundstück gäbe. Das sehe ich aber derzeit einfach nicht. Daher ziehe ich eine Modernisierung vor. Da muss man sich anschauen, welche Möglichkeiten es gibt.

Fragen: Felix Neubüser

Teil zwei des Interviews mit Frank Mentrup erscheint am Mittwochvormittag. Thema ist dann unter anderem: Das Verhältnis zu Ingo Wellenreuther und: Wo sieht Frank Mentrup Karlsruhe im Jahr 2020?

Mehr zum Thema
Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe: Ergebnisse und Infos zur OB-Wahl 2020 in Karlsruhe. Außerdem: Umfragen und alles zu den Oberbürgermeisterkandidaten. Im Dossier erklären wir zudem das Wahlverfahren und den Ablauf der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe am 6. Dezember 2020. Am Wahltag werden hier außerdem die Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe veröffentlicht.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (69)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   ramstein
    (49 Beiträge)

    11.12.2012 12:09 Uhr
    Rechnen zählt scheinbar nicht zu Dr. Mentrup´s Stärken
    Wäre die Wahlbeteiligung 10% höher gewesen und alle Stimmen hätte Ingo Wellenreuther erhalten, wäre nicht Dr. Mentrup, wie im Interview behauptet, sondern Ingo Wellenreuther OB geworden. Man sollte seine Behauptungen immer mit den vorliegenden Fakten abgleichen. Alles andere ist unredlich Hoffentlich ist dies nur ein Ausrutscher, sonst habe ich Angst um die Zukunft unsrer schönen Stadt.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (1 Beiträge)

    18.12.2012 14:47 Uhr
    10 % oder %punkte
    Man muss sich nur darauf einigen, wie er's gemeint hat, bevor man jemandem unterstellt, er könne nicht rechnen.
    Legt man 10 % mehr Wahlbeteiligung zugrunde, hat Mentrup Recht, legt man 10 ProzentPUNKTE = 20000 Stimmen mehr zugrunde, gewinnt Wellenreuther knapp...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Herbert-119
    (1164 Beiträge)

    11.12.2012 21:06 Uhr
    Taschenrechner
    Oder einfach mal einen Taschenrechner benutzen.
    Allerdings sind viele des Rechens nicht mehr fähig.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (1401 Beiträge)

    11.12.2012 16:26 Uhr
    Zweiter Wahlgang
    Ich glaube, du irrst genauso. In dem Fall hätte es zunächst mal einen zweiten Wahlgang gegeben, weil keiner der Kandidaten über 50% gekommen wäre.

    Leider finde ich die offizielle Zahl der gültigen Stimmen nicht. Sie muss bei etwa 91600 liegen. 21814 Stimmen dazu macht 113414.
    Mentrup: 50615/113414=44,63%
    Wellenreuther: 54244/113414=47,83%
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   silberahorn
    (10373 Beiträge)

    12.12.2012 07:09 Uhr
    Danke bob andrews
    so ähnlich war mein erster Gedanke auch, als ich watermanns Rechnung gelesen hatte. Der zweite Gedanke war: ich bin aber zu faul jetzt nachzurechnen.
    Der dritte Gedanke war: Ob Mentrup das absichtlich machte?

    Der vierte Gedanke war: Es ist eigentlich nicht wichtig, ob es Absicht war. Selbst wenn dadurch nur zufällig rauskam, dass man Rechnerei genau betrachten muss und es mehrere Meinungen gab, ergibt sich: man muss gründlich nachdenken und nachvollziehen, was eine andere Person sagte. Nur so klappt es mit der Verständigung auf Dauer! grinsen
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andip
    (10484 Beiträge)

    11.12.2012 15:14 Uhr
    Es
    dürfte aber äusserst unwahrscheinlich sein,dass bei einer höheren Wahlbeteiligung alle Stimmen ausschliesslich IW zu gute gekommen wären.
    Es sind nicht nur Wähler von IW zu Hause geblieben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Karlsrator
    (2747 Beiträge)

    11.12.2012 12:19 Uhr
    Ach was, ...
    ... Herr Mentrup hat schon recht: Zählt man die 10% zu den 35% von Wellenreuther dazu, sind's doch immer noch nur 45% (höhöhö).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   manager
    (267 Beiträge)

    11.12.2012 11:57 Uhr
    Zufriedener Politiker
    Das ist doch schön, wenn es noch zufriedene Menschen in diesem Land gibt.

    Bei der Besoldungsgruppe B10 wäre ich auch zufrieden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   holladiewaldfee
    (76 Beiträge)

    11.12.2012 15:36 Uhr
    :-)
    einzig erreichbare B 10 ist die Bundesstraße oder wie zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.