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Karlsruhe Fahrverbot in der Fußgängerzone: Warum Karlsruher Taxis die Kaiserstraße meiden

Taxifahrer bringen ihre Fahrgäste von A nach B - vorausgesetzt B liegt nicht genau auf der Fußgängerzone in der Kaiserstraße. Seit einiger Zeit meiden die Chauffeure die Innenstadt nämlich, was an einem härteren Durchgreifen der Stadtverwaltung liegt. Diese straft nun auch Taxifahrer ab, die in die Fußgängerzone einfahren. Ältere und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste müssen also nun gegebenenfalls weitere Wege zur Arztpraxis laufen.

Bis zu 200 Taxis sind in der Fächerstadt unterwegs und bringen Geschäftsleute zu Tagungen, Touristen an Sehenswürdigkeiten, Nachtschwärmer nach der Party nach Hause oder Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, zu Terminen in der Arztpraxis. Doch nun scheint es in Karlsruhe eine Art Sperrzone für Taxifahrer zu geben: Seit einiger Zeiten fahren viele von ihnen Adressen in der Kaiserstraße zwischen Kronenplatz und Karlstraße nicht mehr an, denn zuletzt gab es viele teure Knöllchen für die Taxifahrer.

Generell ist jeglicher Fahrzeugverkehr, abgesehen von Straßenbahnen, in der Fußgängerzone verboten. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. Auch Radfahrern droht beim Befahren der Fußgängerzone eine Geldstrafe von bis zu 30 Euro. Taxis waren bislang im Rahmen der Lieferzeiten von 8 bis 11 Uhr in der Fußgängerzone geduldet. Doch in der jüngsten Vergangenheit gab es bei der Stadt Beschwerden über Taxis, die die Fußgängerzonen befuhren.

Taxi in Karlsruhe
Die Farbe der Taxis muss inzwischen nicht mehr zwangsläufig Hellelfenbein sein. Taxiunternehmen können, u.a. in Baden-Württemberg, die Farbe ihrer Fahrzeuge inzwischen frei wählen. | Bild: Lukas Hiegle

"Viele unserer Fahrer sind verschreckt und meiden seit einiger Zeit den Bereich der Fußgängerzone in der Kaiserstraße", erklärt Uwe Katzlirsch, Vorstand der Taxi-Funk-Zentrale Karlsruhe. Das ist eine von zwei Taxi-Gesellschaften die es in der Fächerstadt gibt. Wenn Fahrer die Fußgängerzone der Kaiserstraße anfuhren, dann nicht nur um jemand zum Friseur oder ins Schuhgeschäft zu bringen, erklärt Katzlirsch. Es handle sich um Menschen, die nicht gut zu Fuß seien und in ihrer Mobilität so eingeschränkt sind, dass sie keine weiteren Strecken zu Fuß gehen könnten, so der Vorstand der Taxi-Funk-Zentrale. 

Zwischen 20 und 75 Euro kann es laut Bußgeldkatalog teuer werden, wenn ein Fahrzeug unerlaubt in die Fußgängerzone einfährt. Dass Taxis seit vielen Jahren im Bereich der Fußgängerzone geduldet wurden, lag laut Ordnungsamt auch daran, dass beispielsweise auch Privatfahrzeuge die Personen mit einer Gehbehinderung transportierten, in der Fußgängerzone toleriert wurden.

Doch während die einen sich durch den Autoverkehr in der Innenstadt gestört fühlen, stoßen die Taxifahrer nun bei ihren Kunden oft auf Unverständnis, wenn Fahrer nicht in die Fußgängerzone eingefahren sind. So wird lediglich die Karlstraße oder andere Nachbarstraßen angefahren. Taxifahrer würden daher teilweise die Innenstadt meiden, so Katzlirsch, auch um dem Ärger mit den Kunden aus dem Weg zu gehen.  Auch weil viele Kunden laut Katzlirsch verständlicherweise verärgert waren, dass sie von den Fahrern nur bis zum Eingang der Fußgängerzone und nicht zur genauen Adresse in der Kaiserstraße gefahren wurden.

Stadt will "angemessene Ausnahmefälle" definieren

Für die verstärkten Kontrollen und das Aufkommen der Debatte waren laut Ordnungsamt immer wieder eingegangene Beschwerden aus der Bevölkerung verantwortlich, wonach immer mehr Taxis missbräuchlich in der gesamten Kaiserstraße unterwegs gewesen wären. Zu Zeiten, in denen auch Radfahrer und Lieferverkehr aufgrund der Straßenbahnen und des hohen Fußgänger-Aufkommens im Bereich der Fußgängerzone verboten sind.

Als Alternative nennt das Ordnungsamt die Möglichkeit, Nebenfußgängerzonen anzufahren, um Patienten zu deren Artzbesuchen zu bringen. Die Ärztehäuser in der Kaiserstraße seien von diesen Straßen oft nur wenige Meter entfernt, führt das Ordnungsamt in seiner Stellungnahme weiter aus. "Diese Entfernung ist weniger, als wenn jemand mit der Straßenbahn die Praxis aufsuchen würde und zumutbar", heißt es in der Stellungnahme. Die Taxi-Gesellschaft sieht das anders und spricht von weiten Wegen in Bezug auf die Taxistände rund um die Kaiserstraße für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Rund 200 Taxis sind in der Fächerstadt täglich unterwegs. | Bild: Lukas Hiegle

Die Karlsruher Taxi-Gesellschaften waren zuletzt in Gesprächen mit der Stadt bei denen auch Bürgermeister Albert Käuflein und Björn Weise, der Leiter des Ordnungsamtes, beteiligt waren. Die Stadt ist dabei, sogenannte "angemessene Ausnahmefälle" auszuarbeiten, damit Taxifahrer etwas in der Hand haben wenn sie Fußgängerzonen befahren.

Bei dem Gespräch wurden die Taxi-Unternehmer auch darüber informiert, dass der Taxiverkehr in den Lieferzeiten lediglich geduldet wird, aber nach Sondernutzungssatzung der Stadt eigentlich verboten ist. Sobald diese angemessenen Ausnahmefälle definiert sind und vorliegen, sollen alle Taxifahrer darüber informiert werden. Einen Zeitpunkt dafür gibt es bislang aber noch nicht.

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  •   Woisfaschdalles
    (37 Beiträge)

    25.04.2018 23:07 Uhr
    Durchfahrt FuZo
    Alles Quatsch!

    Kein KOD oder die Polizei hätte danach gekräht, wenn nicht einige Kollegen gemeint hätten, mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit, gerade Freitag und Samstag Abends, die FuZo hoch und runter gefahren zu sein, bis jemand die Hand hob und um dem wartenden Kollegen am Halteplatz den Kunden wegzuschnappen.
    Tagsüber fahren die Taxis in der Regel von der nächsten Seitenstraße z.B. zum Arzt oder Hotel ein und an der nächstmöglichen Straße wieder raus.
    Was sollen denn die auswärtigen Gäste sagen, wenn sie nicht direkt bis vor das Hotel gefahren werden?

    Wenn man eine auswärtige Delegation, die Gäste unseres OBs sind, chauffiert, gelten diese Regeln sowieso nicht! Da bekommt der Fahrer klare Anweisung geradewegs zum Rathaus zu fahren, auf dem kürzesten Weg!

    Und wer bei der Ortskundeprüfung nicht durchfallen möchte, und die kürzeste Strecke vom Amtsgericht zum Hbf aufschreiben muss, muss durch den Zirkel, rechts in die Lammstr und links in die Erbprinzenstr fahren
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    26.04.2018 01:20 Uhr
    Nö,
    der fährt durch den Schlossplatztunnel und dann die Fritz-Erler und die Rüppurer runter. So würds zumindest ich machen. Der Fahrgast will im allgemeinen die schnellere Strecke, nicht die kürzere. Allerdings ist in diesem Fall die gesperrte Ettlinger berücksichtigt.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    25.04.2018 18:56 Uhr
    Komisch,
    als ich vor Jahrzehnten Ortskundeprüfung und PBS gemacht habe, war die klare Ansage, dass Taxen die FuZo befahren dürfen.

    Entweder war es eine Fehlinformation, oder es hat sich inzwischen geändert.
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  •   andip
    (9905 Beiträge)

    25.04.2018 15:27 Uhr
    Was anderes
    Taxen fahren und fuhren auch früher schon sehr selten durch die Fuzo.
    Dagegen fährt die Polizei des Öfteren da rum und das oft nicht gerade langsam.
    M.W. dürfte die das nur, wenn sie dabei mindestens das Blaulicht anmacht.
    Denn ohne Sondersignale müssen die sich wie jeder andere Autofahrer an alle Verkehrsregeln halten und das heisst, das sie nicht in der Fuzo fahren dürfen.
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  •   BMWFahrer
    (231 Beiträge)

    25.04.2018 16:26 Uhr
    Polizei darf das
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    25.04.2018 18:11 Uhr
    Eben,
    warum auch nicht? Sollen sie den Streifenwagen ins Parkhaus stellen und zu Fuß auf Streife gehen?
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  •   mueck
    (11081 Beiträge)

    25.04.2018 20:37 Uhr
    !
    Zum Steife gehen könnten sie in der Tat auch gehen ... zwinkern

    Von der StVO sind sie "befreit", wenn nötig:
    "§ 37 (1) Von den Vorschriften dieser Verordnung sind die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist."

    Davon zu unterscheiden ist das Wegerecht:
    "§ 38 (1) Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.
    Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“."

    Sollen die Fußgänger zur Seite springen müssen, braucht's also Blaulicht und Tatütata, nur durchfahren geht auch ohne ...
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  • unbekannt
    (2 Beiträge)

    25.04.2018 12:52 Uhr
    Dienstfahrten ?
    Betrifft das Fahrverbot auch die zahllosen "Dienstfahrten" der orangen VBK-Fahrzeuge. Bevorzugter Weg durch die Stadt ist durch die Fußgängerzone. Das Ziel ist es nicht. (Und zur Mittgspause wieder zruück).
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  • unbekannt
    (2 Beiträge)

    25.04.2018 12:48 Uhr
    Dienstfahrten ?
    Gilt das Fahrverbot auch für die zahllosen "Durchfahrten" der orangen VBK- Fahrzeuge. Auch die AVG sucht sich gerne den kurzen Weg. Beim Warten an der Herrenstrass auf die Bahn, jann man schon mal 5-6 Autos dieser "Truppe" zählen, und deren Ziel ist meistens nicht die Fußgängerzone.
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  •   nurdiewahrheit
    (243 Beiträge)

    25.04.2018 10:30 Uhr
    FUßgängerzone
    Sagt eigentlich alles, oder??? Da geht man zu Fuß!!! Was ist mit den Leuten, die sich kein Taxi leisten können? Wie kommen die zum Arzt? Für Härtefälle gibt es Krankentransporte. Und alternativ könnte man sich auch Ärzte aussuchen, die nicht mitten in der Innenstadt sind.
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