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Karlsruhe Fahrgäste mit unbekannter Flüssigkeit verletzt: Opfer sprechen mit ka-news über verhängnisvolle Bahnfahrten

Wer in die Bahn einsteigt, sucht sich meist schnell einen Sitzplatz. Für eine 27-jährige Frau und einen 19 Jahre alten Mann wurde das zum Verhängnis. Sie wurden mit einer bisher unbekannten Flüssigkeit, die auf einem Sitz verteilt war, verletzt. Das hat ka-news durch einen ka-Reporter erfahren und mittlerweile bestätigt das auch die Polizei in einer Meldung an die Presse. ka-news hat mit den Opfern über ihre verhängnisvolle Bahnfahrt gesprochen.

"Mein Sohn hat heute Kopfweh und wir gehen heute Nachmittag auch nochmals zum Hautarzt. Seine Oberschenkel jucken und brennen heute immer noch", sagt die Mutter des 19-jährigen, zweiten Opfers gegenüber ka-news. Doch was war am Mittwochabend in der Bahn der Linie 1 passiert? 

Bahnen in Karlsruhe
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

"Er hat nichts gesehen, nichts gerochen beim Hinsetzen"

Laut Polizeibericht war der junge Mann am gestrigen Mittwoch gegen 20.15 Uhr in die Linie 1 Richtung Oberreut eingestiegen, vom Mühlburger Tor wollte er nach Hause fahren. Er sucht sich einen freien Platz und setzt sich. "Er hat nichts gesehen oder gerochen als er sich hingesetzt hat", erzählt eine Freundin der Mutter im Gespräch mit ka-news.

Die Mutter ist am Tag danach noch sichtlich aufgeregt, die Freundin unterstützt und hilft. "Er hat nur gemerkt, dass die Hose nass wurde und dass es sofort gebrannt hat!" Zuhause habe er eine Rötung am Oberschenkel bemerkt. Die Mutter erstattet noch in der Nacht zum Donnerstag Anzeige.

Polizei
Bild: Thomas Riedel

Der Vorfall beschäftigt Mutter und Freundin: Im sozialen Netzwerk Facebook teilen sie die Erlebnisse und erfahren von einem ähnlichen Ereignis, das sich bereits am Montag ereignet haben soll. Eine 27-Jährige will ebenfalls mit ätzender Flüssigkeit in Berührung gekommen sein. Die beiden sind beunruhigt, wenden sich an ka-news, wollen aber aus persönlichen und beruflichen Gründen anonym bleiben.

"Was ist mit den Spätfolgen? Wir wissen ja gar nichts!"

Zum Vorfall erzählen sie: "Mein Sohn hat sofort die Hose ausgezogen, die hatte schon Löcher!", sagt die Mutter des 19-Jährigen. "Wir haben die Hose in einen Sack gestopft und auf den Balkon gebracht, das hat so gestunken! Wir haben ihn dann ins Krankenhaus gebracht, er hat eine Salbe auf die Haut bekommen und Tabletten - aber wir wissen ja nicht, was für eine Flüssigkeit das war!" Mittlerweile klagt der 19-Jährige zusätzlich über Kopfschmerzen. "Was ist mit den Spätfolgen? Wir wissen ja gar nichts!", sagt die Mutter leise. 

Zentrale Notaufnahme am Klinikum
(Symbolbild) | Bild: rh

Ähnlich Erfahrungen macht das erste Opfer, eine 27-Jährige aus Karlsruhe. Sie nimmt über Facebook Kontakt zur Mutter des 19-Jährigen auf, als sie von einem zweiten Bahn-Vorfall liest. "Ich habe mich ganz normal hingesetzt, es hat zwar etwas komisch gerochen, aber ich habe mir nichts dabei gedacht", sagt sie im Gespräch mit ka-news. Sie war am Montag mit ihrem kleinen Sohn auf dem Nachhausewegin Richtung Innenstadt, am Lameyplatz ist sie in die Linie 5 eingestiegen. "Ich bin nur froh, dass es nicht meinem Kind passiert ist!" 

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Auch drei Tage später hat die junge Mutter noch Schmerzen. "An meiner rechten Pobacke habe ich offene Wunden!", sagt die 27 Jahre alte Frau gegenüber ka-news. "Ich fühle mich wie im schlechten Film. Ich hoffe, dass die Polizei denjenigen findet, der das gemacht hat!" 

"Ich bekomme in der Bahn Schweißausbrüche"

Beide Opfer haben mittlerweile Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Laut Polizeimeldung wird derzeit nicht nur der Sitz, sondern auch die Kleidung der beiden untersucht. Die Polizei hofft zudem auf Zeugenhinweise. Auch sollen die Videoaufnahmen aus der Bahn ausgewertet werden.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Doch das tröstet die 27-Jährige gerade wenig: "Ich muss jeden Tag Bahn fahren, um mein Kind von der Kita abzuholen", sagt sie. "Aber ich bekomme Schweißausbrüche und ich traue mich gar nicht mehr, mich hinzusetzen!" Was, wenn das anderen auch passiert, fragt sie sich. 

Die Suche nach der unbekannten Flüssigkeit geht weiter

Noch in der Nacht auf Donnerstag wurde der Sitz, von dem der 19-Jährige seine Verletzungen bezogen hat, von Polizei, Feuerwehr in Schutzausrüstung und Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) ausgebaut. Laut Polizeibericht wird der Sitz aktuell untersucht. 

Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die in den betroffenen Bahnen der Linien 1 und 5 Beobachtungen gemacht haben, die in Zusammenhang mit den Vorfällen stehen könnten. Hinweise nimmt die Polizei unter der Nummer 0721/666 3611 entgegen. 

Aktualisierung, Dezember 2018

Die Polizei schloss die Ermittlungen Anfang Dezember ab: "Es konnten keine Stoffe analysiert werden, die auch nur annähernd eine Schädigung der menschlichen Haut zur Folge haben", so die Polizei. Die Ermittlungen wurden an die Staatsanwaltschaft Karlsruhe übergeben.

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Kommentare (46)
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  •   borealis
    (364 Beiträge)

    16.11.2018 22:13 Uhr
    "Schon"
    Das stimmt so ganz nicht, glaube ich. "...Die Mutter erstattet noch in der Nacht zum Donnerstag Anzeige." Erst danach "...Der Vorfall beschäftigt Mutter und Freundin: Im sozialen Netzwerk Facebook teilen sie die Erlebnisse..." Der Sitz wurde ausgebaut und wird untersucht. Da müsste es dann wohl fundierte Erkenntnisse geben. Abwarten.
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  •   petsto69
    (900 Beiträge)

    16.11.2018 08:47 Uhr
    "Und erst alles auf FB erzählen, und danach zur Polizei?
    Kuckst du Pressemitteilung:

    Ein 19-Jähriger gab am Mittwochabend bei der Polizei zu Protokoll, dass er, nachdem er mit der Straßenbahn der Linie 1 gefahren sei, nun eine Rötung bzw. einen Ausschlag am Oberschenkel bemerkt habe. Nach seinen Schilderungen war er gegen 20.15 Uhr an der Haltestelle Mühlburger Tor in den Wagen der Linie 1 eingestiegen und habe sich auf einen freien Platz gesetzt.
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  •   Mondgesicht
    (2090 Beiträge)

    16.11.2018 07:58 Uhr
    Skeptisch
    darf man ja immer sein. Aber da davon die Rede ist, dass die Polizei ermittelt, dürfte es sich nicht um einen Aprilscherz handeln. Falls doch, wäre das nämlich für die Betreffenden ein teurer Spaß. Kaum anzunehmen, dass sich unabhängig voneinander gleich zwei Leute des Vortäuschens einer Straftat schuldig machen wollten.

    Aber natürlich muss man abwarten, was die Ermittlungen ergeben.
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  •   Rabbitor
    (3 Beiträge)

    16.11.2018 07:40 Uhr
    Ja.....
    +++ Das Posting enthält beleidigende Inhalte und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   ingrid333
    (163 Beiträge)

    15.11.2018 19:19 Uhr
    Tram
    da komme ich alte Gurke schon wieder mit "früher" ich liebte die Holzklasse, da hat man gesehen, wo man Platz nahm. Die Stoffsitze sind so unhygienisch. Sitzt man in der Tram nicht hin und stürzt kommt man auf dem Klageweg nicht gegen an, weil man sich ja setzen soll. Bin einmal sehr gespannt ob die Kameras überhaupt aufgenommen haben.
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  •   Tirak
    (564 Beiträge)

    16.11.2018 07:21 Uhr
    Kunststoff -Schalensitze
    Den Betroffenen Gute Besserung und der Polizei gutes Gelingen beim Finden der Täter.

    Ich habe noch nie verstanden, warum man für oft weniger als eine halbstündige Fahrt mit der Bahn Polstersitze braucht. Im Stadion stehen die Leute zwei Stunden oder sitzen auf harten Kunststoffschalen. In den Metros dieser Welt findet man nirgends Polstersitze. Ich war auch ein Fan der alten Holzklasse. Man sah, ob das "was" hinterlassen war. Im übrigen wäre es interessant zu erfahren, um wieviel höher der Reinigungs-und Wartungsaufwand bei Polstersitzen im Vergleich zu Hartschalen ist. Von der Anschaffung gar nicht erst zu reden..
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    16.11.2018 09:36 Uhr
    Ausgerechnet
    in der Pariser Metro, die wohl der Metro ihren Namen gab, hat es Polstersitze. zwinkern
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    15.11.2018 18:58 Uhr
    Und dann bitte zeitnah
    veröffentlichen.

    Zitat von Artikel Auch sollen die Videoaufnahmen aus der Bahn ausgewertet werden.
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  •   lynx1984
    (3146 Beiträge)

    15.11.2018 18:21 Uhr
    Irre Typen!
    Welche irre Typen!

    Aber jetzt kann die vermeintliche Videoüberwachung in den Bahnen mal zeigen was diese kann. Her mit dem Phantomphoto!
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  •   Hagbart
    (68 Beiträge)

    15.11.2018 17:49 Uhr
    Schlosslichtspiele
    Das war bestimmt der selbe Psycho, der schon bei den Schlosslichtspielen Leute mit einer Chemikalie verletzt hat. Hoffentlich ziehen die den bald aus dem Verkehr.
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