46  

Karlsruhe Fahrgäste mit unbekannter Flüssigkeit verletzt: Opfer sprechen mit ka-news über verhängnisvolle Bahnfahrten

Wer in die Bahn einsteigt, sucht sich meist schnell einen Sitzplatz. Für eine 27-jährige Frau und einen 19 Jahre alten Mann wurde das zum Verhängnis. Sie wurden mit einer bisher unbekannten Flüssigkeit, die auf einem Sitz verteilt war, verletzt. Das hat ka-news durch einen ka-Reporter erfahren und mittlerweile bestätigt das auch die Polizei in einer Meldung an die Presse. ka-news hat mit den Opfern über ihre verhängnisvolle Bahnfahrt gesprochen.

"Mein Sohn hat heute Kopfweh und wir gehen heute Nachmittag auch nochmals zum Hautarzt. Seine Oberschenkel jucken und brennen heute immer noch", sagt die Mutter des 19-jährigen, zweiten Opfers gegenüber ka-news. Doch was war am Mittwochabend in der Bahn der Linie 1 passiert? 

Bahnen in Karlsruhe
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

"Er hat nichts gesehen, nichts gerochen beim Hinsetzen"

Laut Polizeibericht war der junge Mann am gestrigen Mittwoch gegen 20.15 Uhr in die Linie 1 Richtung Oberreut eingestiegen, vom Mühlburger Tor wollte er nach Hause fahren. Er sucht sich einen freien Platz und setzt sich. "Er hat nichts gesehen oder gerochen als er sich hingesetzt hat", erzählt eine Freundin der Mutter im Gespräch mit ka-news.

Die Mutter ist am Tag danach noch sichtlich aufgeregt, die Freundin unterstützt und hilft. "Er hat nur gemerkt, dass die Hose nass wurde und dass es sofort gebrannt hat!" Zuhause habe er eine Rötung am Oberschenkel bemerkt. Die Mutter erstattet noch in der Nacht zum Donnerstag Anzeige.

Polizei
Bild: Thomas Riedel

Der Vorfall beschäftigt Mutter und Freundin: Im sozialen Netzwerk Facebook teilen sie die Erlebnisse und erfahren von einem ähnlichen Ereignis, das sich bereits am Montag ereignet haben soll. Eine 27-Jährige will ebenfalls mit ätzender Flüssigkeit in Berührung gekommen sein. Die beiden sind beunruhigt, wenden sich an ka-news, wollen aber aus persönlichen und beruflichen Gründen anonym bleiben.

"Was ist mit den Spätfolgen? Wir wissen ja gar nichts!"

Zum Vorfall erzählen sie: "Mein Sohn hat sofort die Hose ausgezogen, die hatte schon Löcher!", sagt die Mutter des 19-Jährigen. "Wir haben die Hose in einen Sack gestopft und auf den Balkon gebracht, das hat so gestunken! Wir haben ihn dann ins Krankenhaus gebracht, er hat eine Salbe auf die Haut bekommen und Tabletten - aber wir wissen ja nicht, was für eine Flüssigkeit das war!" Mittlerweile klagt der 19-Jährige zusätzlich über Kopfschmerzen. "Was ist mit den Spätfolgen? Wir wissen ja gar nichts!", sagt die Mutter leise. 

Zentrale Notaufnahme am Klinikum
(Symbolbild) | Bild: rh

Ähnlich Erfahrungen macht das erste Opfer, eine 27-Jährige aus Karlsruhe. Sie nimmt über Facebook Kontakt zur Mutter des 19-Jährigen auf, als sie von einem zweiten Bahn-Vorfall liest. "Ich habe mich ganz normal hingesetzt, es hat zwar etwas komisch gerochen, aber ich habe mir nichts dabei gedacht", sagt sie im Gespräch mit ka-news. Sie war am Montag mit ihrem kleinen Sohn auf dem Nachhausewegin Richtung Innenstadt, am Lameyplatz ist sie in die Linie 5 eingestiegen. "Ich bin nur froh, dass es nicht meinem Kind passiert ist!" 

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Auch drei Tage später hat die junge Mutter noch Schmerzen. "An meiner rechten Pobacke habe ich offene Wunden!", sagt die 27 Jahre alte Frau gegenüber ka-news. "Ich fühle mich wie im schlechten Film. Ich hoffe, dass die Polizei denjenigen findet, der das gemacht hat!" 

"Ich bekomme in der Bahn Schweißausbrüche"

Beide Opfer haben mittlerweile Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Laut Polizeimeldung wird derzeit nicht nur der Sitz, sondern auch die Kleidung der beiden untersucht. Die Polizei hofft zudem auf Zeugenhinweise. Auch sollen die Videoaufnahmen aus der Bahn ausgewertet werden.

Symbolbilder Bahn in Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Doch das tröstet die 27-Jährige gerade wenig: "Ich muss jeden Tag Bahn fahren, um mein Kind von der Kita abzuholen", sagt sie. "Aber ich bekomme Schweißausbrüche und ich traue mich gar nicht mehr, mich hinzusetzen!" Was, wenn das anderen auch passiert, fragt sie sich. 

Die Suche nach der unbekannten Flüssigkeit geht weiter

Noch in der Nacht auf Donnerstag wurde der Sitz, von dem der 19-Jährige seine Verletzungen bezogen hat, von Polizei, Feuerwehr in Schutzausrüstung und Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) ausgebaut. Laut Polizeibericht wird der Sitz aktuell untersucht. 

Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die in den betroffenen Bahnen der Linien 1 und 5 Beobachtungen gemacht haben, die in Zusammenhang mit den Vorfällen stehen könnten. Hinweise nimmt die Polizei unter der Nummer 0721/666 3611 entgegen. 

Aktualisierung, Dezember 2018

Die Polizei schloss die Ermittlungen Anfang Dezember ab: "Es konnten keine Stoffe analysiert werden, die auch nur annähernd eine Schädigung der menschlichen Haut zur Folge haben", so die Polizei. Die Ermittlungen wurden an die Staatsanwaltschaft Karlsruhe übergeben.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Links
Rechts
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (46)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   ingrid333
    (163 Beiträge)

    16.11.2018 13:17 Uhr
    Tram
    ich werde in Zukunft provokativ eine alte Leinentasche unter meinen Hintern legen, die habe ich sowieso in meiner Handtasche. Polstersitze sind eklig und ich bin kein krankhafter Saubermann.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   goofy196
    (38 Beiträge)

    16.11.2018 13:08 Uhr
    Regelmäßig "eingenässt"
    Wer Bus und Bahn oft und regelmäßig nutzt kennt das Problem der nassen Sitze bereits zur Genüge. Ob die Holzklasse da wirklich um so vieles hygienischer war...naja, die P....war dann wenigstens trocken, der Mief blieb. Es erscheint allerdings mehr als grenzwertig, vorsätzlich einen Sitz mit einer ätzenden Flüssigkeit zu präparieren. Allerdings wundert mich, dass die Flüssigkeit den Sitzbezug selbst ja offenbar nicht angegriffen hat. Ansonsten wäre der Sitz ja bereits anderen Fahrgästen aufgefallen, die dann wohl hoffentlich den Fahrer verständigt hätten. Also Löcher nur in der Bekleidung, aber nicht im Sitzbezug? Ich war in Chemie ja keine Leuchte, aber ein Stoff der so selektiv reagiert?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2304 Beiträge)

    16.11.2018 16:45 Uhr
    Antwort auf "Regelmäßig eingenässt"
    Die Sitze sind ja aus speziellen Stoffen die auch nur schwer entflammbar sind, kann gut sein dass diese Fasern dann bestimmten Säuren deutlich besser widerstehen als z. B. Baumwoll-Stoff der ja komplett organisch ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   goofy196
    (38 Beiträge)

    16.11.2018 18:58 Uhr
    Umkehrschluß?
    Wäre denn dann auch der Umkehrschluß erlaubt? Wenn die alles so gebaut haben wie die Sitze, dann wäre der sicherste Ort in Karlsruhe die Strassenbahn. Wobei...nee, eigentlich nicht, außer man fährt Strombüchs im Edelstahl-Ganzkörperkondom.
    Ich bin jedenfalls wirklich neugierig, was das war und wie das da hinkam.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Nachteule
    (689 Beiträge)

    16.11.2018 10:08 Uhr
    Da gibts nur eins - umsteigen aufs Auto !
    Wenn man sich anschaut, was da heutzutage alles in der Straba unterwegs ist, wird einem Angst und Bange. Vor allem nach Feierabend und an Freitag und Samstagabenden, muss man schon sehr mutig sein, wenn man da einsteigt. Als Frau kann ich da nur sagen: NEIN DANKE !!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Kapuzinerkresse
    (237 Beiträge)

    17.11.2018 08:47 Uhr
    Parkplätze?
    Schon mal überlegt, wo die vielen Parkplätze herkommen sollen, wenn jeder der bisher Straßenbahn gefahren ist, plötzlich aufs Auto umsteigt?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    17.11.2018 12:53 Uhr
    Natürlich,
    jeder der auch nur halbwegs ernsthaft diskutiert weiss, dass es ohne die Bahn und die Fahrräder nicht ginge. Völlig unabhängig von irgendeiner teilweise vermeintlichen Umweltfreundlichkeit. Wir wissen aber auch, dass der Mensch vom Wunsch und der Attraktion lebt. Es bringt also nichts alles mögliche zu verbieten und die Leute zu etwas zu zwingen, man muss sie dazu bringen etwas selbst zu wollen.
    Es muss nicht so sein dass ich vor lauter freudiger Erregung in Erwartung einer Bahnfahrt drei Nächte nicht schlafen kann, aber ich soll mich auch nicht mit äusserstem Widerwillen reinsetzen müssen solange es noch eine Alternative gibt. Und da hats noch ziemlich Luft nach oben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   NeoTiger
    (697 Beiträge)

    16.11.2018 14:57 Uhr
    Und dann ...
    ... wird man nachts auf der Bundesstraße von einem selbstmörderischen Geisterfahrer ohne Licht mit in den Tod gerissen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   zahlenbeutler
    (1379 Beiträge)

    16.11.2018 14:36 Uhr
    wenn ich sehe
    was für Vögel so auf den Straßen besonders nachts mit dicken Autos rumfahren, da kann man nur sagen, Fahrverbot für alles was Federn hat
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   KFZfreak
    (131 Beiträge)

    16.11.2018 10:36 Uhr
    Dann sind sie
    Ein Nazi, Verschwörungstheoretiker und was es da noch so alles gibt. Alles subjektives empfinden :D
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.