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Karlsruhe Fahndung via Facebook: So sucht die Polizei dort Verbrecher

"Wer hat diese Person gesehen?" Vermissten-Meldungen oder Phantombilder geistern tagtäglich durch soziale Medien wie Facebook oder Twitter - was dabei auffällt: Auf den Seiten der Karlsruher Polizei findet man zwar die Aufrufe, die dazugehörenden Bilder sucht man allerdings vergebens. Warum ist das so und könnte sich das bald ändern?

Grundsätzlich ist eine Fahndung immer polizeilichen Behörden vorbehalten. Wer Namen oder Bilder als Privatperson veröffentlicht, läuft Gefahr, Persönlichkeitsrechte der Betroffenen wie etwa das Recht am eigenen Bild oder Urheberrechte zu verletzen. Im schlimmsten Fall kann dann sogar strafrechtlich relevant werden.

Polizei erreicht mit sozialen Medien "ganz neue Personenkreise"

Und auch für die Beamten gelten bei der Fahndung Regeln. "Hier müssen wir die Fahndung nach Straftätern und die von Vermissten unterscheiden", erklärt Pressesprecher Sven Brunner auf Anfrage von ka-news. Für die Veröffentlichung von Bildmaterial gesuchter Straftäter bedarf es einer richterlichen oder im Eilfall auch staatsanwaltschaftlichen Anordnung. "Bei der Suche nach vermissten Personen ist das Einverständnis der Angehörigen erforderlich."

Gefahndet wird in Karlsruhe bislang noch ganz klassisch in Form von Pressemeldungen, die von der Polizei an die Medien gegeben werden. Dabei sehen die Beamten durchaus Vorteile in der Nutzung von sozialen Medien. "Wir erreichen damit sehr große Personenkreise, die die herkömmlichen Medien üblicherweise nicht oder nicht mehr nutzen", meint Brunner.

Im Zusammenhang mit Zeugensuchen habe sich dies in der Vergangenheit mehrfach bestätigt, nachdem sich Zeugen aufgrund der Veröffentlichung in sozialen Medien gemeldet hätten. Warum verzichtet die Karlsruher Polizei auf Facebook und Twitter dann auf Phantom- und Vermisstenbilder?

Baden-Württemberg hinkt anderen Bundesländer hinterher

+++ Daxlanden - 76-jährige Frau vermisst +++ +++ BITTE TEILEN +++Seit Samstagabend sucht die Polizei rund um das...

Posted by Polizei Karlsruhe on Montag, 5. Oktober 2015


In Niedersachsen beispielsweise gehört die Fahndung via Facebook bereits zum Polizeialltag. 2011 begann sie, mit der Verbrecherjagd im Internet zu experimentieren- mit positiver Resonanz. In Baden-Württemberg allerdings ist dies nach wie vor Zukunftsmusik.

Bereits 2012 hatte Michael Haug, damals stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Polizei, zusammen mit dem damaligen innenpolitischen Sprecher der CDU im baden-württembergischen Landtag, Thomas Blenke, ein Konzept zur polizeilichen "Facebook-Fahndung" eingebracht. In Baden-Württemberg ist es aus Datenschutzgründen den Polizisten allerdings nach wie vor nicht gestattet, Fahndungen und Vermisstenmeldungen auf Facebook oder Twitter zu teilen.

Fahndet die Karlsruher Polizei bald auch online?

Das Problem bei Facebook-Fahndungen: "Wenn ein Bild erst einmal im Internet ist, besteht auch immer die Gefahr, dass die Bilder von Dritten in einem anderen Kontext veröffentlicht oder gar missbraucht werden", erklärt Brunner. Das sei auch der Grund, warum die Karlsruher Polizei aktuell Fahndungsfotos nicht direkt auf Chroniken beziehungsweise Timelines der sozialen Medien stellt.

"Eine Polizeifahndung über soziale Medien wäre derzeit allenfalls über die Verlinkung eines Fotos auf eine polizeieigene Webseite möglich", so der Experte. Daher tauchen Phantomzeichnungen oder Bilder von Vermissten nicht unmittelbar in den Social-Media-Kanälen der Karlsruher Polizei auf, sondern werden verlinkt.

Künftig ist es allerdings denkbar, dass sich diese Verfahrensweise ändert. Derzeit prüfe eine beim Innenministerium angesiedelte Projektgruppe eine landesweite Regelung, bestätigt der Pressesprecher. "Sobald eine Fahndungsveröffentlichung in sozialen Netzwerken auf rechtlich solide Beine gestellt werden kann, wird auch die Polizei diese Potenziale nutzen." Ob und wie die Karlsruher Polizei dann via Facebook mithilfe von Bildern fahndet, bleibt abzuwarten.

 

Tipps der Polizei - So erkennen Sie Falschmeldungen (Hoax):

"Vermisst, bitte teilen!" - regelmäßig tauchen diese Aufrufe in der Facebook-Timeline auf. Doch wann handelt es sich tatsächlich um eine Vermisstenmeldung und wann ist es falscher Alarm, also eine sogenannte Hoax? Die Karlsruher Polizei verrät, wie Sie solche Falschmeldungen erkennen können:
  • Meist sind Signalwörter enthalten, wie "ganz gefährlich/Warnung" oder "dringend". Sie sollen die Leser zu einem unmittelbaren Handeln anleiten.
  • Oft sind vertrauenswürde Quellen, bekannte Firmen oder Namen angegeben um den "Wahrheitsgehalt" zu untermauen.
  • Die Aufforderung, die Meldung "so schnell wie möglich an alle Bekannten weiterzuleiten" ist ebenfalls ein signifikanter Hinweis darauf, dass es sich hierbei um einen Hoax handelt.
  • Ein Hoax enthält keine konkreten, sondern immer nur relative Zeitangaben. Durch Begriffe wie "letzte Woche", "gestern" oder "kürzlich" wirken die Meldungen deshalb stets aktuell.
  • Die in der Hoax genannten Angaben sind meist unklar und nicht nachvollziehbar. Eine Recherche, z. B. in Polizeimeldungen, wird ins Leere laufen.
  • Auch sind oftmals keine Absender oder Signaturen bei der Mail/dem Post sehen
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Kommentare (3)
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  •   1@1
    (360 Beiträge)

    11.11.2015 15:35 Uhr
    z.b. versuchter Mord
    in der Strassenbahn Karlsruhe Marktplatz , mal nach den beiden suchen !
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  •   alpinium
    (5568 Beiträge)

    11.11.2015 10:02 Uhr
    Ja, aber Bilder...
    Hat die Polizei noch nichts von dem denkwürdigen Urteil des EuGH gehört, wonach auch Verbrecher ein Recht am eigenen Bild haben und der Veröffentlichung zustimmen muss.

    Wenn das nicht mal Ärger gibt und die Bösewichte wieder auf freien Fuss setzt nach erfolgter Verhaftung. zwinkern
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  •   lynx1984
    (3009 Beiträge)

    11.11.2015 09:09 Uhr
    soziale Medien haben Vorteile
    - schneller
    - Bilder
    - Informationen können umgehend aktualisiert werden
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