Stuttgart Erste Infektionen: Corona-Virus in Baden-Württemberg bestätigt

In Baden-Württemberg ist erstmals ein Patient nachweislich an dem neuartigen Corona-Virus erkrankt. Es handle sich um einen 25-jährigen Mann aus dem Landkreis Göppingen, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart am Dienstagabend mit. Er habe sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt.

+++Aktualisierung, 17.50 Uhr+++

In Baden-Württemberg haben sich zwei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Nach dem ersten Fall im Kreis Göppingen seien nun zwei Infektionen am Uniklinikum in Tübingen bestätigt worden, teilte das Krankenhaus am Mittwoch mit.

Die beiden neuen Fälle stehen nach dpa-Informationen in direktem Zusammenhang mit dem ersten erkrankten Patienten im Kreis Göppingen. Sowohl die Reisebegleitung des Mannes aus dem Italien-Urlaub sowie deren Vater sind demnach infiziert.

"Wir setzen darauf, dass wir das Virus in den Griff bekommen und eine Weiterverbreitung verhindern können", sagte Göppinger Landrat Edgar Wolff. Es gebe einen Krisenstab, der die Lage stets neu bewerte.

Bislang wurden laut Ministerium 13 Kontakte des erkrankten Göppinger Mannes bekannt und informiert. Problematisch könnte noch ein Kinobesuch des Mannes mit einem Bekannten am Samstagabend im bayerischen Neu-Ulm werden. Laut Landratsamt saßen insgesamt 138 Menschen im Saal.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Stuttgart können alle Krankenhäuser im Land Erkrankte aufnehmen und isolieren. Zur Prophylaxe gehört zum Beispiel, dass bei einem nicht erhärteten Verdacht auf Influenza automatisch auch Laboruntersuchungen auf das Coronavirus vorgenommen werden. Labore beim Landesgesundheitsamt in Stuttgart und in den Unikliniken Heidelberg und Freiburg können die Erkrankung innerhalb von fünf Stunden feststellen.

Allerdings betonte die Infektionsschutz-Expertin Isolde Piechotowski auch, dass sich das aus China stammende Virus im Vergleich zur Influenza weitgehend ungehindert ausbreiten könne. "Bei der Influenza gibt es eine Impfquote, wenngleich sie noch zu gering ist», sagte die Mitarbeiterin des Gesundheitsministeriums. Auch sei ein Teil der Menschen immun. «Aber das Coronavirus trifft auf eine völlig naive Bevölkerung. Es kann wirklich jeden treffen und es gibt keine Abwehrmechanismen."

Der Patient sei nach seiner Rückkehr mit grippeähnlichen Symptomen erkrankt und habe Kontakt mit dem örtlichen Gesundheitsamt aufgenommen. Er solle noch am Dienstagabend in eine Klinik gebracht und dort isoliert untergebracht und behandelt werden.

+++Meldung 25. Februar, 21:17 Uhr+++

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) breche seinen Urlaub ab und werde am Mittwoch gemeinsam mit Experten über den Fall informieren. Er mahnte zur Besonnenheit: "Baden-Württemberg hat sich schon früh auf diesen Fall eingestellt. Alle beteiligten Stellen arbeiten eng und intensiv zusammen", so der Minister. Es werde nun ermittelt, wer mit dem Patienten Kontakt hatte. Enge Kontaktpersonen würden zu Hause isoliert und täglich nach ihrem Gesundheitszustand befragt, teilte das Ministerium weiter mit.

Der Minister appellierte an Reiserückkehrer, den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu folgen: Wer aus Gebieten zurückkehre, in denen Covid-19-Fälle vorkommen und innerhalb von 14 Tagen nach der Rückkehr Fieber, Husten oder Atemnot entwickle, solle unnötige Kontakte vermeiden, nach Möglichkeit zu Hause bleiben, beim Husten und Niesen Abstand zu anderen Menschen halten, regelmäßig und gründlich Hände mit Wasser und Seife waschen und nach telefonischer Anmeldung unter Hinweis auf die Reiseregion einen Arzt aufsuchen.

Hotel in Teneriffa unter Quarantäne gestellt

Nach dem Ausbruch einer Coronavirus-Epidemie in Italien melden immer mehr europäische Staaten Nachweise des Erregers. Österreich, Kroatien, das spanische Festland und die Schweiz berichteten am Dienstag von Covid-19-Fällen.

Auf der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa wurde nach einer bestätigten Erkrankung ein großes Hotel mit rund 1.000 Touristen - darunter auch Deutsche - praktisch unter Quarantäne gestellt. In der Golf-Region droht sich das Virus ebenfalls auszubreiten.

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