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Karlsruhe Engpass im Kreißsaal: Hebammen-Mangel um Karlsruhe entschärft sich

Mindestens einmal im Leben benötigt sie jeder - eine Hebamme. Doch immer mehr Kliniken müssen ihren Kreißsaal wegen Personalmangel schließen. Wie ist die aktuelle Situation in Karlsruhe?

Nicht selten kann es werdenden Müttern in Deutschland passieren, dass sie wegen Überfüllung im Kreißsaal wieder weggeschickt werden und Schwangere immer weitere Wege fahren müssen, um ihr Kind zur Welt bringen zu können. Dieser Missstand wird immer wieder vom Deutschen Hebammenverband angemerkt. Dabei lagen Geburtenzahlen in Baden-Württemberg 2016 so hoch wie seit 1974 nicht mehr. Doch sie sind nur ein Grund dafür, dass es in vielen Kreißsälen vermehrt zu Engpässen kommt.

Hebammenmangel ein großes Problem

Der gravierendere Grund ist der Mangel an qualifizierten Geburtshelferinnen. Der Hebammenmangel entwickelt sich in vielen Teilen Deutschlands mehr und mehr zu einem Problem. Das liegt unter anderem daran, dass die Vergütung nicht befriedigend sei, so die Experten.

Auch in der Region rund um Karlsruhe kämpfte man in den vergangenen Jahren mit personellen Engpässen. Immer wieder mussten Kreißsäle zeitweise geschlossen werden. Das Krankenhaus Mühlacker (Enzkreis) musste seinen Kreißsaal im Herbst 2016 mangels Hebammen für zwei Monate dicht machen. Der Kreißsaal in Bühl (Kreis Rastatt) musste 2015 wegen Personalmangel einen Monat schließen. Auch an der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal konnte der gewohnte 24-Stundenbetrieb wegen zu wenig Personal kurzzeitig nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Lage in Karlsruher Kreißsälen entspannt

Inzwischen haben sich die Probleme, zumindest in Karlsruhe, weitestgehend entspannt. Die Versorgung von Schwangeren in Karlsruhe ist nach Angaben verschiedener Kliniken zumindest im Kreißsaal ausreichend gewährleistet. Im Kreißsaal des Vincentius-Kliniken beispielsweise, arbeiten nach Klinik-Angaben derzeit knapp 20 Hebammen im Schichtbetrieb. Tagsüber kümmern sich drei und nachts zwei Hebammen um die werdenden Mütter und deren Babys. Der Schwund an freiberuflichen Hebammen spüren Mütter und Klinken aber auch rund um Karlsruhe. 

Auch an der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik ist zwei Jahre nach der kurzzeitigen Schließung des Kreißsaals laut Regionaldirektorin Susanne Jansen, nichts mehr von einem personellen Engpass zu spüren. Grund für die Entspannung der Personalsituation war laut Jansen die Anhebung des Stellenschlüssels. "Alle Stellen sind mittlerweile voll besetzt, so dass die Versorgung von Schwangeren und Gebärenden problemlos zu bewältigen ist", so die Regionaldirektion der Kliniken im Landkreis Karlsruhe gegenüber ka-news.     

Den Mangel an freiberuflichen Hebammen spürt man allerdings auch in Bruchsal deutlich. "Immer mehr Frauen melden sich verzweifelt, weil sie keine Hebamme für die Betreuung in der Schwangerschaft und insbesondere im Wochenbett finden", erklärt Jansen.

Schlechte Bezahlung, hohe Verantwortung

Die Bemühungen, das Personal in den Kreißsälen aufzustocken, gestaltet sich oftmals schwierig. Die Bezahlung ist - wie in vielen Pflegeberufen - schlecht, gleichzeitig müssen Hebammen eine immer höhere Verantwortung übernehmen und zudem viele Überstunden aufbauen, weil es an qualifizierten Bewerbern fehlt. In Deutschland kommt hinzu, dass nur ein geringer Anteil der rund 23.000 Hebammen fest angestellt ist. Die meisten Hebammen in Deutschland arbeiten freiberuflich und müssen deshalb eine teure Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Deshalb wechseln viele freiberufliche Hebammen den Beruf.

Einzelne Maßnahmen wurden in der Vergangenheit zur Verbesserung der Situation von der Politik bereits umgesetzt: 2014 wurden für Hebammen, die nur wenige Geburten im Jahr betreuen, zusätzliche finanzielle Mittel bereitgestellt. Die Prämiensteigerungen für die Berufshaftpflichtversicherung der Hebammen mit Geburtshilfe wurden mit insgesamt 2,6 Millionen Euro ausgeglichen.

Außerdem erhalten Hebammen, die Leistungen der Geburtshilfe erbringen und die notwendigen Qualitätsanforderungen erfüllen, seit 2015 auf Antrag einen Sicherstellungszuschlag. Mit dem Präventionsgesetz können Familien, die Leistungen der Hebammenhilfe im Rahmen der Wochenbettbetreuung zukünftig zwölf statt wie bisher acht Wochen nach der Geburt in Anspruch nehmen.

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  •   EmilyHobhouse
    (1045 Beiträge)

    14.12.2017 11:17 Uhr
    Priorität
    Es ist verwunderlich, wie sich die Prioritäten verschoben haben, wo gespart und wo geklotzt wird. Wenn ich mir überlege, was so halbgebildete IT-Spezialisten bezahlt bekommen und wie schlecht Menschen bezahlt werden (nicht nur Hebammen), die sich um Menschen kümmern, dann ist das doch beschämend.
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  •   Beiertheimer
    (873 Beiträge)

    14.12.2017 11:40 Uhr
    Nicht alle Menschen die sich um andere kümmern
    sind schlecht bezahlt.
    Der geschäftsführende Bundestag kümmert sich um rund 80 Millionen und hat sich gerade selbst die Diäten erhöht incl. automatischer Dauererhöhung.
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  •   ALFPFIN
    (5813 Beiträge)

    14.12.2017 13:12 Uhr
    Also
    bei unseren Politikern, die sich um 80 Millionen kümmern (sollten), darf man aber schon erwarten, dass die Kümmerer Diäten automatisch erhöht und auch für Büromiete, Einrichtung und Personal noch Zuschüsse bezahlt werden. Und natürlich sind sie auch auf unserer Kosten rund herum versichert, die Kümmerer. Und da rechnen wir noch nicht die Nebeneinkünfte der Abgeordneten ein, die in dieser Legislaturperiode des Bundestages neben ihrem Mandat insgesamt mindestens 18,07 Millionen Euro betragen haben. traurig

    Während die Berufshaftpflichtversicherung für freie Hebammen immer teurer wird, nicht weil das Risiko höher geworden wäre, sondern die Versicherer mehr Geld verdienen wollen und viele freie Hebammen daher aufgeben müssen. Auch die Gebührensätze der Krankenkassen für die Arbeit der Hebammen sind mickrig. Die können aber nicht erhöht werden, womöglich müsste man das Geld aus der Haushaltskasse nehmen, aus der sich auch die Kümmerer bedienen.
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    (1299 Beiträge)

    14.12.2017 10:13 Uhr
    Atomphysikerinnen,
    Ingenieurinnen und Chirurginnen sind für diesen Beruf eben nicht geeignet...
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  •   andip
    (8368 Beiträge)

    14.12.2017 09:00 Uhr
    Ein weiterer Grund dafür
    das es zu wenig Hebammen gibt, ist der, das es viel zu wenig Ausbildungsplätze gibt.
    Eine Verwandte von mir wollte sich trotz aller schlechten Aussichten zu Hebamme ausbilden lassen.
    Aber überall, wo es entsprechende Ausbildungsplätze gibt, gab es auch massenhaft Bewerberinnen dafür.
    Man musste, wenn man kein Glück hatte, entweder lange warten oder sich doch was anderes suchen.
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